Claras Allerleiweltsgedanken


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2064 – Feste in der Bierakademie

Da ich die einzelnen Beiträge nach Möglichkeit nicht über 1000 Wörter lang werden lassen wollte, habe ich jetzt doch den Juni erreicht. – Aber wie gesagt, Lesen ist keine Pflicht – aber wem es Spaß macht, der kann jetzt auch das baldige Ende der Geschichte lesen. (Heute sind es über 1100 Wörter)

Der Plural von „Fest“ wird euch schon ahnen lassen, dass es auf dem brandenburgischen Bildhauergehöft bald Anlass zum Feiern geben wird.

Benno und Katharina, jetzt seit 10 Jahren in „wilder Ehe“ auf dem Hof lebend und immer noch so verliebt wie im ersten Jahr, aber auch immer noch so streitlustig wie anfangs – sie beschließen zu heiraten und haben gleich wieder einen Grund gefunden, sich zu streiten, nämlich um den Familiennamen.

Es ist klar wie das Amen in der Kirche, dass Benno seinen Namen favorisiert, denn es heißen immerhin schon zwei in der Familie Domini. Katharina war so fair und hatte dem zugestimmt, dass Jannis bei der Geburt den Familiennamen des Vaters bekommt. – Da sie sich in der Welt der Bildhauerkunst schon einen guten Namen er-hämmert hat, einigen sie sich so, dass Katharina ihren Namen behält. Zu diesen blödsinnigen Doppelnamen wie Hammerschwingerin-Domini (sie heißt natürlich nicht Hammerschwinger, wäre doch aber ein schöner Gag) wollen sie nicht greifen – also heißt jeder weiter so wie früher, nur zwei Ringe und eine Urkunde bezeugen, dass sie jetzt ein verheiratetes Elternpaar sind.

Taufe von Jannis und Trauung der beiden Großen werden mit großem Spaß in der Bierakademie gefeiert.

Durch das Foto habt ihr jetzt auch mitbekommen, wo die beiden in etwa leben – ihr könnt ja mal im Jahr 2064 nach dem berühmten Bildhauerehepaar fragen!

2066 – Tröstender Besuch

Das Leben ist nicht immer gerecht und es erfüllt nicht immer alle Wünsche. Anna und Anno hatten ja mit ihren beiden Kindern großes Glück gehabt – sie gerieten mehr oder weniger wie Pracht-Wunsch-Kinder, wenn man mal von der „Anfangspanne“, der „schlechten Laune der Natur“ bei Benno absah. Jetzt wollten sie das gleiche mit ihren beiden Enkelkindern Cora und Jannis genießen. Halt – es sollte noch ein drittes dazu kommen.

Felicitas und Maximilian wollten EIGENTLICH bei ihrer einen Tochter Cora bleiben. Die Zeiten waren so hart geworden, dass viele zwei oder sogar drei Jobs brauchten, um eine Familie zu ernähren. Obwohl Felicitas weiter arbeitete, war das Familienbudget nicht üppig bestückt. – Als sie eines Tages so darüber sinnierte, dass ihre red-days schon einige Zeit überfällig sind, kommt sie ins grübeln, ob das schon die Wechseljahre sein können.

Und wie das so ist, es kommt zeitlich immer was dazwischen, so dass der Besuch bei der Gynäkologin erst viel später stattfindet. – Die Ärztin untersucht, braucht dafür aber nicht lange. Felicitas erfährt, dass sie in ihrem „gesegneten“ Alter von 40 – bei der Geburt wäre sie dann schon 41 – erneut schwanger ist. Cora geht schon einige Zeit ins Gymnasium  und sie weiß nicht, wie Mann und Tochter  diese Nachricht aufnehmen werden. – Die Ärztin rät ihr zur Beeilung, denn wenn sie sich zu einer Unterbrechung entschließen sollte, sieht  der Gesetzgeber nur noch wenig Zeit zur Entscheidung vor.

Betreten schleicht sie zur Arbeit, noch bedröppelter kommt sie nach Haus.

Am Abendbrottisch lüftet sie ihr Geheimnis – und??? Frenetischer Jubel auf den billigen anderen Plätzen. Besonders bei Cora war sie sehr erstaunt, denn sie dachte, dass ihre Tochter mit ihren 12 Jahren was anderes im Kopf hat als Schwester zu werden. Aber ganz besonders freut sich Maximilian, denn er hat die ganzen Jahre still und heimlich auf einen Sohn gehofft, mit dem er seine Freizeit beim Modellbau oder anderen Überflüssigkeiten verbringen kann. Beide sagen freudig „JAAAAAAAAAAA“, obwohl Felicitas noch kein Ergebnis liefern kann, ob es ein Sohn oder eine Tochter werden wird.

In diese freudig erregte Stimmung hinein klingelt das Telefon – das Display zeigt die Nummer von Anna und Anno. Felicitas möchte am liebsten gleich ihre Mutter, die am Apparat ist, mit dieser neuen Nachricht überfallen – doch irgendetwas im Tonfall hält sie davon ab. Besorgt fragt sie, was denn los sei, und sie erfährt von ihrer Mutter nur, dass sie doch alle bitte am nächsten Wochenende nach Berlin kommen sollen, Benno und Familie werden auch da sein. – Also behält Felicitas ihre Neuigkeit erst mal für sich.

In dieser Situation so etwas wie einen sechsten Sinn zu haben, dazu gehört ja nicht all zu viel. Mit deutlichem Magengrummeln setzen sich alle am Wochenende ins Auto. Benno mit Katharina und Jannis geht es nicht anders. Die beiden Geschwister haben natürlich miteinander telefoniert, aber keiner von beiden wusste mehr, keiner konnte den anderen richtig beruhigen.

Bei den Eltern resp. Schwiegereltern wurden sie wie immer herzlich und liebevoll begrüßt – ein schöner Kaffeetisch wartete auf alle. Der dreijährige Jannis war der geborene Faxenclown, der von seiner zwölfjährigen Cousine Cora immer wieder mit neuen Tipps und Hüten versorgt und zu Höchstleistungen hoch-applaudiert wird. Er konnte Grimassen schneiden, dass sich keiner das Lachen verkneifen konnte.

Natürlich warten alle darauf, dass nun endlich die Katze aus dem Sack gelassen oder das Kaninchen aus dem Hut gezaubert wird. Als beide draußen sind, wünschen sich alle, sie wären doch lieber in Sack und Hut geblieben.

Anna machte es sehr unsentimental und meinte nur: „Ich habe wohl die Disposition für eine Krebserkrankung von meinen SCHWIEGEReltern geerbt. Untypisch für mein Alter ist Brustkrebs diagnostiziert  worden. Ich habe mit Anno hin und her diskutiert, mich mit Constantin beraten und meinen Bauch befragt. Constantin als Chirurg mit Leib und Seele – wenn auch schon mit berenteter Seele – rät natürlich zu einer Amputation – er würde sich sogar eine OP-Genehmigung im Krankenhaus holen, um die Operation selbst durchzuführen. – Doch ich will nicht – ich will nicht leben um jeden Preis. …„

Und genau in diesem Augenblick platzt Felicitas dazwischen und sagt: „Mama, vielleicht habe ich was, damit du es dir eventuell doch anders überlegst. Ich bin noch einmal schwanger und in 5 Monaten kommt dein neues Enkelkind zur Welt. Wir vermuten ganz, ganz stark, dass es ein Junge werden wird.“

Anna schluckt, Anna freut sich und Anna sagt, sie braucht einige Zeit der Überlegung. Sie schickt das „Jungvolk“ zu einem Spaziergang und bleibt mit Anno in der Wohnung.

Natürlich bettelt auch Anno nach Verlängerung durch eine Operation, aber er drängt und bedrängt Anna nicht, da er genau weiß, dass nur sie die ganzen Strapazen aushalten müsste. – In der Beratungssprechstunde waren ihr ca. 1,5 bis 2 Jahre gegeben bzw. vorhergesagt worden. Diese Zeit würde ausreichen, um das neue unter den dann zu dritt zählenden Enkeln zu begrüßen. Aufwachsen würde sie es so oder so nicht sehen – also, was soll‘s.

Als alle wieder eintrafen, verkündete sie ihren Entschluss, sich trotzdem nicht operieren zu lassen. Sie bittet im gleichen Atemzug darum, dass dieser Weg von allen ohne Diskussion akzeptiert werden möge und oh Wunder – die Familie hielt sich auch an dieses Diskussionsverbot, weil sie alle spürten, dass das einzig und allein Annas Entscheidung bleiben soll.