Claras Allerleiweltsgedanken

2071 – Der Haken mit der Beleuchtung

4 Kommentare

Seine Oparechte und –pflichten an Felix nimmt er gern wahr, aber meist ist der Junge ja doch in der KITA. Aber wenn Felix krank ist, kommt er gern zu Opa Anno kuscheln und lässt sich stundenlang von ihm Bücher vorlesen. Die anderen arbeiten wie die Weltmeister und Cora ist in Berlin aufgeblüht wie eine Rose, die vorher geschlummert hat – die hat also erst recht keine Zeit für ihren Opa. Also muss der sich seine Freizeitbeschäftigungen selbst suchen.

Eines Tages ist er in den Abendstunden unterwegs und seine Beleuchtung ist defekt. Na gut, die zwei km fahre ich dann eben auf dem Fußweg. Gedacht – getan – gestrampelt – uuuuuuuuund gebremst. Eine etwas jüngere und sehr attraktive Dame hält ihn an, zeigt ihren Ausweis vom Ordnungsamt und will ihm einen Strafzettel schreiben.

Aber sie hat nicht mit Annos Beredsamkeit, aber auch nicht mit seinem Charme und seinem Humor gerechnet. Er redet, als wenn er seine Seele vor dem Schafott retten müsste – dabei geht es doch nur um einen Strafzettel von 15,00 €. Die Ordnungshüterin muss immer mehr lachen – so einen lustigen Delinquenten hatte sie schon lange nicht mehr gehabt.

Anno merkt, dass er Oberwasser bekommt und meint: „Damit Sie nicht denken, mir ginge es darum, das Geld einzusparen, lade ich Sie an einem Tag Ihrer Wahl in ein Lokal Ihrer Wahl zum Abendbrot Ihrer Wahl ein – nur dem Staat will ich das Geld nicht in den Rachen werfen.“ – Sie wird leicht rot – denn so eine charmante Einladung hat sie schon lange nicht mehr bekommen. Voriges Jahr hat sie ihren 60. gefeiert – danach regnet es keine Essenseinladungen mehr. Ihr Salär beim Ordnungsamt ist auch nicht exzellent zu nennen – also denkt sie, was vergebe ich mir? Sie willigt ein, sie tauschen Telefonnummern aus – und dann besteht sie lediglich darauf, dass er sein Fahrrad nach Haus schiebt. – Wie ihr seht, das Ordnungsamt ist auch bestechlich!

Das hätte Anno sowieso gemacht, denn er muss ja darüber nachdenken, was er gerade „angerichtet“ hat.

Zu Haus gießt er sich ein Bier ein und schmunzelt in sich hinein. Er meint, seine Anna wäre stolz auf ihn gewesen.

Das Abendessen mit der netten Dame vom Ordnungsamt war wunderbar. War es ein wenig der Wein, der beiden zu Kopf stieg, war es die Sehnsucht, weil sie beide schon eine längere Zeit allein waren – wer weiß das schon immer so genau und vor allem, wer hat ein Recht darauf, das genau zu wissen? Irgendwann stießen sie mit ihren Gläsern an und wollten Brüderschaft oder auch Schwesternschaft trinken. Fast gleichzeitig sagte der eine „Anno“ und die andere „Annika“ – und dann prusteten sie beide los vor Lachen.

Natürlich erzählte Anno von seiner Frau Anna, die er schon noch sehr vermisste, aber irgendwie findet er jetzt die Gegenwart auch wieder schön.

 

2073 – Zeit für ein spätes Hobby

Wie das so in positiv verlaufenden Erzählungen ist – zumindest so im Großen und Ganzen positiven – haben die beiden einen Narren aneinander gefressen. Die 10 Jahre jüngere Annika kitzelt aus ihm mancherlei Höchstleistungen heraus, die Anno schon vergessen glaubte – nicht nur beim ??? hmhmhm Fahrradfahren. Anno besinnt sich auf ein früheres Hobby, das er wegen Familienpflichten vor Jahren wieder hatte sausen lassen müssen. Er kauft sich eine komplette Angelausrüstung und fährt an den Vormittagen, an denen Annika ihrem Berufsleben nachgeht, mit dem Fahrrad an einen See in der Nähe.

Kommt er mit einem besonders kapitalen Fang nach Hause, dann sind Annikas Kochkünste gefragt. Die beiden haben ihre Wohnungen behalten, aber ziehen schon mal wochenweise mit Sack und Pack zu dem anderen und spielen dann „Probeehepaar“

Ich gebe ja zu, dass dieses Foto nicht die heimische TropenFischwelt zeigt, aber ich hatte kein passenderes Foto in der zutreffenden Kalenderwoche parat.

 

 

 

 

Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

4 Kommentare zu “2071 – Der Haken mit der Beleuchtung

  1. Dideldum. Du schreibst lustig. Am besten gefällt mir die Stelle mit dem Probeehepaar!
    Was ich noch fragen wollte: Kennst du liebevoll miteinander umgehende Ehepaare? (Nur so)

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    • Danke – ich habe ja die Geschichte zwar geschrieben, aber ca. 6 Jahre nicht mehr gelesen – und manchmal verwirren mich die Namen und Zusammenhänge selbst – wie in echten Büchern auch immer. Aber ich fand jetzt beim Wiederaufbereiten auch einige Sachen sehr lustig.
      Kenne ich solche Ehepaare??? Ja und nein, denn wenn ich sie zu den „Guten“ rechne, erlebe ich sie viel zu selten, um den richtigen Alltag zu erleben, da alle nicht in Berlin wohnen. Meine jüngere Cousine zähle ich dazu, die sind seit fast 60 Jahren verheiratet und ein tolles Paar. Ihre ältere Schwester und mein älterer Bruder sind oder waren (beide nicht mehr da) haben das Gegenteil davon in ihrer Ehe gelebt – da waren schon Stunden bei einem Besuch für mich zu viel Streit. – Ansonsten kenne ich mehr allein durchs Leben gehende Personen als Ehepaare.

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  2. Liebe CC,
    Das hier ist aber mein Lieblingskapitel! Freue mich so für Anno!
    Es ist eine Krux mit der Verlieberei der Ältergewordenen. Sie sind ja wie Zwiebeln. Eine Haut nach der anderen legen sie um ihre weichen Kerne. Und immer komplizierter und eigenartiger werden sie. Und dann lese ich Sprüche wie: Es ist Glück, wenn dein verrücktes Leben zu meinem verrückten Leben passt. Und wenn Ältere sich nochmal finden und sie kennen sich und sie wissen wie sie sind oder sein können und haben diesen Megamassel, dass jemand anderes sie genau so gut findet, dann leuchten solche Menschen aber! Ich kenne zum Glück mehr als zwei Ältere, die so ein Glück zusammen tatsächlich fanden.
    Ein superschönes Stück aus dieser Generationengeschichte: Anno und Annika
    Liebe Grüße
    Amélie
    (zerzaust wie ein Zeterspatz)

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    • Falls du immer noch zerzaust bist, sage ich jetzt: Lieber Zeterspatz, wenn nicht, dann: Liebe Amélie,
      da bin ich aber zufrieden, dass du Anno sein neues Glück nicht nur gönnst, sondern dich sogar noch darüber freust. Die Familie – wie sich demnächst rausstellen wird – hat dafür etwas länger gebraucht, um sich zu freuen aber das konnte CC natürlich nicht lange so stehen lassen.
      Ich glaube, ich wäre für so einen späten Anlauf zu eigenwillig.
      Und jetzt ist mein Magen eigenwillig, der im Normalfall gegen 13 Uhr erstmalig am Tag ruhig gestellt werden möchte.
      Liebe Grüße

      Gefällt 1 Person

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