Claras Allerleiweltsgedanken

2078 – Silberhochzeit um ein paar Jahre verschoben

8 Kommentare

Als alle zusammen saßen, um temporären Abschied von Cora zu nehmen – es hatte mit einem Gastsemesterplatz in London geklappt und sie bekam sogar ein Stipendium – kamen sie plötzlich auf Felix und Constantin zu sprechen. Plötzlich rief sein Namensvetter Felix the Second  in die Runde: „Sch…., wir haben total die Silberhochzeit von den beiden verpasst!“ In seinem zarten Alter von 10 Jahren liebte er Kraftausdrücke ganz besonders – seine Eltern versuchten mit mäßigem Erfolg, ihn davon wieder wegzubringen. – Na ja, sooooooooooo lange ist die ja auch noch nicht her, gerade mal läppische 17 Jahre. Alle lachten schallend, wussten aber genau, dass diese beiden Herren deswegen nicht sauer sind, dass sie nicht geehrt und beschenkt wurden. Aber jetzt wollten sich alle doch noch etwas einfallen lassen.

Nicht die Patenkinder Felicitas und Benno hatten die zündende Idee, sondern der 15jährige Jannis, der kleine Medienkünstler, unterstützt von Felix II. Beide zogen sich für eine Stunde ins Nachbarzimmer zurück und kamen mit diesem Entwurf in die Runde zurück. Alle johlten vor Vergnügen, da sie sich die beiden gutsituierten Herren, inzwischen Ende 70 oder sogar schon Anfang 80 vorstellten, wie sie mit ihrem schicken Mercedes und diesem Autoaufkleber durch die Gegend fahren. Sie besprachen, dass das Aufbringen auf das Auto fakultativ sein sollte – sie dürften sich das Ding auch auf den Spiegel kleben.

Sofort griff einer zum Telefon, um zu ermitteln, ob die beiden zu Haus sind. Unfairer Weise wurde die Nummer unterdrückt, denn es sollte ja eine Überraschung werden. Alle stiegen ins Auto, besorgten noch einen riesengroßen Blumenstrauß und standen als Großfamilie klingelnd vor der Tür. Sie wussten, dass sie keine Getränke mitbringen mussten, denn die waren immer in bester Qualität vorhanden.

Felix und Constantin schauten ganz irritiert auf den riesigen Blumenstrauß. Als alle im Chor sagten: „Herzlichen Glückwunsch zur Silberhochzeit, schlappe 17 Jahre zu spät!“ erstickten die beiden Senioren bald vor Lachen – aber als ihnen dann Jannis seinen Autoaufkleberentwurf präsentierte, kamen ihnen tatsächlich leichte Augenfeuchte ins Gesicht. Sie erklärten sich spontan damit einverstanden, das auf ihr Autoheck zu kleben und es wurde nur noch über die Größe verhandelt. – Es wurde ein wunder-, wunderschöner Abend – die spontanen Feste sind immer die besten.

Plötzlich fragte Constantin, warum denn Katharina eigentlich nicht dabei sei bei dieser schönen Feier. Da fühlten sich Benno und Jannis endlich bemüßigt, mit der Wahrheit herauszurücken. Alle wussten zwar, dass Katharina seit 2074 an der Kunstakademie in Berlin Dozentin ist, aber kaum einer wusste, dass sie dort einen Kollegen in ihr Herz gelassen hatte. Wahrscheinlich war dieses Herz schon lange Jahre zu einsam gewesen, denn Benno hatte immer nur seine Arbeit und seinen Erfolg im Kopf gehabt, nicht das traute Glück im Heim. Deswegen hatte ihn auch Katharinas Aussage über ihre neue Beziehung gar nicht gewundert. Dennoch wollten sie noch für einige Zeit als befreundetes Paar zusammen bleiben, um den beiden Kindern Eltern zu sein und ihnen ein relativ intaktes Zuhause zu bieten. Vier Jahre später lösten sie dann diese Vereinbarung – aber das ist hier noch nicht bekannt.

 

2080 – Jannis wird berühmt

Ein Siebzehnjähriger hat ja meist etwas anderes im Kopf als Worte. Viele aus Jannis Klasse waren oft schon sturzbetrunken auf der Straße aufgelesen worden. Andere hatten schon mehrere Drogenentzugsprogramme hinter sich. Die Perspektiven für die Jugend waren noch schlechter als für ihre Großelterngeneration, die schon um Ausbildungs- und Arbeitsplätze kämpfen mussten. Zum Glück hatte Jannis Eltern, denen es finanziell sehr gut geht und die ihm sämtliche Bildungsperspektiven eröffneten. Der neue Partner seiner Mutter, ein Dozent für Literatur und Sprachwissenschaften, unterstützte die Schreibversuche von Jannis sehr.

Eines Tages legte Jannis eine Kindergeschichte von einem Katzenfanten vor. Die fanden alle als Zwischending von Science fiction und Realität so urkomisch, dass sie Jannis drängten, sie doch irgendwo einzureichen – aber Jannis war schon durch und durch Künstler, fast schon Schriftsteller könnte man sagen, auf keinen Fall war er Organisator. Er ärgerte sich zwar mächtig über den verpatzten Abgabetermin – aber dann war sein Kopf schon wieder mit einer neuen Geschichte beschäftigt.

Deswegen wunderte er sich sehr, als er einen Brief vom Rundfunk zu Probeaufnahmen bekam. Er sollte einzelne Kapitel aus seiner „ClaCho-Geschichte“ lesen.

Vollkommen irritiert zeigte er diesen Brief am Abend seiner Mutter und als er Christoph grinsen sah, fiel es ihm plötzlich wie Schuppen aus den Haaren. Christoph hatte die Geschichte mit zur Arbeit genommen und an die entsprechenden Stellen zur Wettbewerbsauswertung eingereicht. Da er selbst in der Jury war, hatte er tunlichst vermieden zu erwähnen, dass Jannis der Sohn seiner Lebensgefährtin ist, mit der er immer noch nicht zusammen wohnt. Deswegen hatte Jannis auch eine andere Adresse – also fiel es nicht auf. Und Christoph war so fair, dass er sich bei der Beurteilung der Story raushielt. Als sich aber endgültig herauskristallisierte, dass Jannis den ersten Preis bekommt – da platzte er voller Freude raus: „Jannis ist der Sohn von Katharina. Und hätte ich nicht im allerletzten Moment die Geschichte von seiner Festplatte gezogen und ausgedruckt hier eingeflogen, dann könnten wir alle jetzt nicht auf diese Geschichte anstoßen.“ Er ließ schnell 3 Flaschen Sekt aus der Kantine holen – aber die Glückwünsche zu Jannis Erfolg wies er dann doch zurück, denn er hatte keinerlei Anteil an Jannis Talent.

Katharina nahm ihren Großen ganz stolz in die Arme und meinte nur: „Deine Großmutter hätte sich ganz sehr mit dir gefreut. Du weißt ja, wie gern sie immer gelesen hat!“ Worauf die 10jährige Anna – etwas die Tatsachen verdrehend – bemerkte: „Das hat die Oma von mir geerbt.“

Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

8 Kommentare zu “2078 – Silberhochzeit um ein paar Jahre verschoben

  1. Bisschen unheimlich ist sie schon, die Eletatze… 😉

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  2. Liebe Clara!

    Zur Abwechslung schreibe ich heute mal wieder hier 🙂
    Gut, dass die Jubilare an ihrer Überraschung nicht wirklich erstickt sind. Sonst wäre aus Deiner Geschichte noch ein Kriminalfall geworden. Wobei, möglicherweise hättest Du damit dann auch einen Schreib-Wettbewerb gewonnen und würdest mit Sekt überschüttet 🙂
    Hoffentlich hat Jannis nichts davon getrunken und ist zum Alkoholiker mutiert. Wobei Du dann eine Erzählung beisammen hättest, die einer wahren Vorabend- Soap-Opera in nichts nachsteht 🙂

    Liebe Grüße
    Mallybeau

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    • Hallo, liebe Mallybeau – du hier und nicht in Hollywood? Oder wie heißt das Mekka der Schriftsteller und -innen? Vielleicht die Buchmesse in Leipzig oder irgendwo in Frankfurt a.M.? Oder du hast das Mekka auf deiner Alb eingerichtet, da hättest du es nicht so weit, wenn du deinen Gästen Tee servieren lässt, während du ihnen aus deinem neuen Buch vorliest. – Ich war ja gestern schon auf der A-Seite gucken und habe mich über „Fantoxx“ informiert. Ich bilde mir ein, gestern war mehr zu lesen, nämlich ein Inhaltsverzeichnis mit lauter Bratwürsten garniert und auch der Text eines Kapitels. Dabei handelt es sich eventuell um eine Originalseite. Ist das Buch wirklich in Times new Roman geschrieben? Ich weiß nicht, woran es liegt, aber ich habe überall bei mir Schriften ohne Serifen gewählt – die irritieren mich beim Lesen und erschweren den Leseprozess.
      Nun hatte ich den Kommentar hier extra so lange unbeantwortet stehen gelassen, weil ich dachte, vielleicht wirkt er wie der „Rattenfänger von Hameln“. Er sollte natürlich weder Ratten noch Kinder fangen, sondern andere animieren, hier wieder mal was zu schreiben.
      Deine beiden „Bumsköpfe“ sind prächtig – ich könnte echt Lust bekommen, einen kühlen Sekt zu trinken – aber den habe ich zum Glück nicht, nur warmen – und der bleibt ganz brav im Schrank.
      Lasse es dir gut gehen. Ich grüße dich!

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      • Habe gerade nochmal kontrolliert. Das Inhaltsverzeichnis und die anderen Seiten müssten gleich angezeigt werden, wie bisher. Darauf habe ich allerdings keinen Einfluss.
        Times New Roman heißt die Schrift nicht, aber natürlich ist es eine andere mit Serifen. Die habe ich diesmal ganz bewusst gewählt, weil sie einen klassischen Eindruck vermittelt. Dein Argument mit der Lesbarkeit verstehe ich gut. Meist wähle ich auch serifenlosen Schriften.
        Ich bin mir sicher, dass bei Dir noch zahlreiche Ratten auftauchen werden und Du einen vergnügten Kommentierspaß haben wirst 🙂

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        • Das ist ja wieder ein Spitzen-Rattenfänger, ich höre ihn fast dudeln.
          Ich gehe nochmal auf die Seite, um mehr zu sehen.
          Das mit den (Ratten) Kommentaren hält sich seit der Veröffentlichung der Geschichte sehr in Grenzen, aber das ist dann eben so.
          Mit dudelnden Grüßen

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          • Ich glaube, dass es auch daran liegt, dass man manchmal vielleicht nicht ganz so gut mitkommentieren kann, wenn man einmal einen Beitrag verpasst hat. Und viele schaffen es eben nicht, regelmäßig zu lesen und haben dann den Faden verloren. Das erging mir bei einer Fortsetzungsgeschichte auf der Alm auch mal so. 🙂

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          • Teils teils, aber viele Kapitel könnten ja fast schon einzeln da stehen.
            Ich habe es jetzt bei Amazon bei der Buchbeschreibung gefunden.

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