Claras Allerleiweltsgedanken

2084 – Es ist geschafft

11 Kommentare

Die Tage zwischen den Jahren vergehen in großer Sorge. Die Familie wechselt sich an Annos Krankenlager ab. Die Ärzte hatten ihn aus dem künstlichen Koma aufwecken wollen, aber er war dennoch nicht erwacht. Im sogenannten Wachkoma wirkte er zwar so, als wäre er „anwesend“, aber das täuschte, sein Gehirn war tot, er musste mit allen wichtigen Lebensfunktionen über Apparate am Leben erhalten werden.

Annika rief am 31. Dezember die Familie zu sich – es wurde der ruhigste, besinnlichste und traurigste Jahreswechsel, den es in der Familie Domini je gegeben hat. Nicht nur Annos beide Kinder wurden eingeladen, um über das weitere Schicksal ihres Vaters zu entscheiden, sondern auch die Schwiegerkinder und Felix. Es zeigte sich, dass die Frauen Annika, Felicitas, Katharina und Cora die entscheidungsfreudigeren waren gegenüber den Männern Benno, Felix und Jannis. Die beiden alten Herren Felix und Constantin waren auch dabei, aber sie enthielten sich erst einmal vollkommen der Stimme, da sie eben doch nicht richtig zur Familie gehörten. Nur – als Cora manches nicht richtig erklären konnte, wie so ein Leben im Wachkoma verlaufen würde und welche Belastung es im Endeffekt auch für die inzwischen 74jähige Annika bedeuten würde, klinkte sich Constantin mit seiner fachlichen Meinung ein. Er und Anno waren wirklich beste Freunde geworden im Laufe der Zeit, seit er mit Felix zusammen war. Er sprach nur einen einzigen Satz, und mit diesem wendete er sich an Felix: „Bitte lasse mich nicht so leben, falls mir so etwas mal passieren sollte.“

Und damit war die Entscheidung gefallen.

Nach heftigen Diskussionen waren sich alle einig: Soooooooooo hätte Anno nie und nimmer leben wollen, das hat er immer und immer wieder betont. Es war geschafft. Die kleine – inzwischen doch schon 14jährige Anna – war besonders traurig, denn jetzt hatte sie keinen Opa mehr – die Oma hatte sie nie richtig kennen gelernt – und jetzt sollte auch der Opa aus ihrem Leben verschwinden, das fand sie grausam.

Fazit:

Seine Frau und die Familie schenken ihm zu seinem Geburtstag das ewige Leben, indem die Maschinen am 2. Januar 2084 abgeschaltet wurden. Am Vortag, also an seinem 84. Geburtstag, waren alle nacheinander einzeln an seinem Krankenbett, um sich von ihm zu verabschieden. Es gab nicht eine oder einen unter ihnen, die oder der nicht mit verweinten Augen aus dem Zimmer kam.

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Personen der Geschichte

Johannis Domini, Vater von Anno

1970 geboren
1999 Hochzeit mit Claudia
2000 Vater von Anno
2015 Pflegevater von Felix
2018 hat mit 48 Jahren einen Schlaganfall,
2022 Schwiegervater von Anna
2024 Silberhochzeit
2025 Opa von Felicitas
2029 Opa von Benno
2048 stirbt er mit 78 Jahren an Hirntumor

Claudia Domini, Mutter von Anno

1978 geboren,
1999 Hochzeit mit Johannis
2000 Mutter von Anno,
2015 Pflegemutter von Felix,
2022 Schwiegermutter von Anna
2024 Silberhochzeit
2025 Oma von Felicitas
2029 Oma von Benno,
2048 sie wird Witwe, ihr Mann Johannis stirbt
2050 sie hat einen Freund, mit dem sie viele Reisen macht:
2058 Uroma von Cora mit 80 Jahren,
2060 Tod mit 82 Jahren an Darmtumor

Anno Domini

2000 geboren, klug, hat in der Schule Felix und Kay zum Freund,
2003 Anna kennengelernt –
2015 zieht sein Freund Felix zu ihm, weil dessen Eltern verurteilt werden.
2019 Beginn des Physikstudiums
2022 Er bemerkte vor langer Zeit, dass sein Gefühl für Anna Liebe heißt und zieht mit ihr zusammen.
2025 Geburt von Tochter Felicitas.
2026 Hochzeit mit Anna
2029 Geburt von Sohn Benno.
2048 wird er Halbwaise, sein Vater stirbt
2058 Schwiegervater von Max (Standesamtliche Hochzeit)
2058 Opa – Enkeltochter Cora kommt zur Welt, Tochter von Felicitas
2060 wird er Vollwaise, seine Mutter stirbt
2062 Kirchliche Trauung von Feli und Max
2063 Opa – Enkelsohn Jannis kommt zur Welt – Sohn von Benno und Katharina
2064 Schwiegervater von Katharina; Hochzeit von Sohn Benno mit Katharina
2066 Opa – Geburt des dritten Enkelkindes Felix II Sohn von Feli und Max
2068 Anno wird Witwer, seine Frau Anna stirbt mit 69 Jahren an Brustkrebs
2070 kommt sein 4. Enkelkind zur Welt, Anna II die Tochter von Benno und Katharina
2071 lernt er die 10 Jahre jüngere Annika kennen – die Frau vom Ordnungsamt
2075 Hochzeit von den beiden
2084 Tod – Unfall mit dem Fahrrad, vorher lag er im Wachkoma

Anna

1999 geboren als Anna Ludewig, die Tochter eines Autowerkstattbesitzers,
Anno und sie sind von Kindesbeinen an unzertrennliche Freunde
– Sie arbeitet als Ausstellungsmanagerin in einem Kunstmuseum. Später ziehen sie in ein eigenes Haus.
2025 Tochter Felicitas wird geboren
2026 Hochzeit mit Anno
2029 Sohn Benno kommt zur Welt
2058 Oma von Cora
2058 Hochzeit von Felicitas, Schwiegermutter von Maximilian
2062 Kirchliche Trauung von Feli mit Max
2063 Oma von Jannis.
2064 Schwiegermutter von Katharina
2067 Oma von Felix II
2068 Tod mit 69 Jahren (Brustkrebs)

Felicitas

2025 Geburt – sie ist die Tochter von Anno und Anna
– sie ist das Patenkind von Felix.
– Sie studiert Mathematik in Dresden.
– Später promoviert sie auch in Dresden.
– ihr Freund und späterer Mann und Vater ihrer Kinder heißt Max = Maximilian. –
2058 – standesamtliche Trauung
2058 wird ihre Tochter Cora geboren und
2062 – kirchliche Trauung
2063 – sie wird Tante von Jannis, Bennos Sohn
2067 kommt Sohn Felix II zur Welt.
2068 stirbt ihre Mutter Anna
2070 wird sie Tante von Klein-Anna, der Tochter von Benno
2070 Umzug von Dresden nach Berlin, sie ziehen in das Haus ihrer Eltern, sie arbeitet als Lehrerin für Mathe und Physik
2075 wird sie zuerst stellvertretende Direktorin des bekanntesten naturwissenschaftlichen Gymnasiums von Berlin, kurze Zeit später richtige

Maximilian

= Max – Freund und Partner von Felicitas, promovierter Chemiker, sie leben in Dresden –
2058 wird er Vater von Cora und
2067 Vater von Felix II

Alle Daten stehen bei Felicitas

Cora

die Tochter von Felicitas und Maximilian, sie ist ein „Geschenk“ für die Uroma Claudia zu ihrem 80. Geburtstag,
2058 Geburt
2070 Umzug nach Berlin
2076 glänzendes Abitur nach 12 Jahren Schule
2076 2. Preis bei einem Innovationswettbewerb
2076 Studienbeginn Medizin an der Humboldt-Uni
2078 Auslandssemester in London – Medizinstudium
2084 erzählt sie ihrem Opa auf dem Sterbebett, dass sie nach dem Studium nach Afrika gehen wird – ob er das allerdings gehört hat in seinem Wachkoma, das weiß sie nicht
2086 Gleich nach dem Studium Ärztin in Afrika für 3 Jahre

Felix the Second

2067 geboren, Sohn von Felicitas und Maximilian
2070 er zieht mit 3 Jahren mit seinen Eltern nach Berlin
künstlerisch begabt und unauffällig

Benno

2029 geboren, am gleichen Tag wie seine Mutter, das zweite Kind von Anno und Anna; Bruder von Felicitas, wurde wegen einer Darmanomalie später eingeschult, holte das aber bald auf.
2046 Berufsausbildung zum Steinmetz, er erbt vom Opa einiges an Geld, kauft sich dafür Bildhauerwerkzeug
2052 kauft ein Grundstück in Brandenburg. Zur Bewachung des Grundstücks wird Schäferhund Bonnox angeschafft.
2054 bekommt großen Auftrag am Amtsgericht Berlin;
seine Freundin ist Katharina,
2057 kaufen sich die beiden ein Pferd, Stute Ada, um einen Ausgleich für ihren schweren Beruf zu haben.
2063 (mit 34 Jahren) wird Benno Vater von dem kleinen Jannis.
2064 gibt es ein großes Fest in der Bierakademie – die Hochzeit und gleichzeitig Taufe von Jannis
2070 (mit 41 Jahren) wird er zum zweiten Mal Vater – eine Tochter und es kommt gar kein anderer Name als Anna infrage – in memoriam für seine Mutter
2074 (mit 45 Jahren) körperlich durch den schweren Beruf ziemlich fertig, wird er zum Professor ehrenhalber an die Kunstakademie Potsdam berufen und hält Vorlesungen über Bildhauerkunst
2080 hat er aus all seinen Studenten die fähigsten herausgesucht und gründet seine eigene Bildhauerakademie. Obwohl er selbst nicht mehr handwerklich tätig ist, übernimmt er die Leitung bedeutender Restaurierungsprojekte und sein Name ist in der Fachwelt auf dem ganzen Kontinent bekannt – nur sein Herz ist einsam, denn Katharina ist innerlich ausgewandert

Katharina

2032 geboren
die Freundin von Benno, auch Bildhauerin, sie ist kräftig tätowiert und gepierct, was zuerst in dieser leicht konservativ angehauchten Familie ein Problem war
sie ist auch Bildhauerin
2063 Sohn Jannis wird geboren (sie ist 31)
2064 Hochzeit mit Benno
2070 Tochter Anna wird geboren (sie ist 38)
2074 auch Katharina wird Dozentin, aber in Berlin; dort lernt sie
2078 einen Kollegen so gut kennen, dass sie sich nach einiger Zeit innerlich von Benno trennt, der immer nur seine Kunst und seinen Beruf gesehen hat, viel zu wenig die Familie
2082 Katharina (sie ist 50 Jahre) trennt sich endgültig von Benno und nimmt nur die Tochter Anna mit – Jannis bleibt beim Vater

Jannis

2063, geboren als Sohn von Benno und Katharina

2070 wird er der Bruder von Anna
2080 wird er berühmt mit seiner Kinderbuchgeschichte ClaCho; das Schreiben war seine Reaktion auf den Streit seiner Eltern und den drohenden Auszug seiner Mutter

Annika

die zweite Frau von Anno; sie arbeitet beim Ordnungsamt und ist 10 Jahre jünger als Anno,
2071 lernen sie sich kennen, 2075 heiraten sie

Felix

2000 am 10. Januar geboren
ist ein Klassenkamerad von Anno und Kay. Er wird schwer von seinen Eltern misshandelt. Diese werden später deswegen verurteilt und er wird im Hause Domini aufgenommen. Er studiert Psychologie und wird ein sehr bekannter Psychiater. – Mit 21 zieht er in eine WG, in der er sich sehr wohlfühlt. Später übernimmt er Annas und Annos Wohnung.
2025 er wird der Patenonkel von Felicitas
2029 lernt er seinen Lebenspartner Constantin kennen, der ist Chirurg
2036 heiraten Felix und Constantin
2061 Silberhochzeit, aber die wird von allen vergessen

Constantin *

1995 – Freund, später Lebenspartner von Felix, er ist Mediziner = Chirurg, er ist der Patenonkel von Benno

Kay

ist anfangs der größte Raufbold in der Klasse. Er ist von Annos Verhalten und Schweigen tief beeindruckt und die beiden werden Freunde, zu dieser Freundschaft kommt dann noch Felix dazu, später auch Anna. – Er wird nach der Schule Landschaftsgärtner und gründet zeitig eine Familie. Seine Frau heißt Sandra.

Sandra

ist die Frau von Kay und arbeitet in einer Reiseagentur; sie haben zwei Kinder, den älteren Bob und die kleinere Louise.

Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

11 Kommentare zu “2084 – Es ist geschafft

  1. Liebe CC,
    Ja, nun hast Du es geschafft und die Generationen-Geschichte findet ihr erzählerisches Ende.
    Mehr Worte finde ich jetzt einfach gerade nicht.
    Herzliche Grüße zu Dir
    Amélie

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  2. Er hatte sich vier Personen aus seiner Familie gewünscht, die bei ihm sein sollten. Ich habe alle gegen Mittag am Todestag telefonisch benachrichtigt und ihnen gesagt, dass er jetzt dort und dort im Krankenhaus sein wird. Und niemand war da. Obwohl der Tod noch sechs Stunden auf sich warten ließ. Sie hätten zu Fuß gehen können, um bei ihm zu sein, aber niemand hielt es für nötig.
    Niemand von ihnen wird das hier lesen und damit ist eine Schuldzuweisung auch nur indirekt. Nur er tat mir so leid, weil er immer wieder nach diesen besagten Personen gefragt hat.
    Da hat sich also keiner von ihm endgültig verabschiedet.

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    • Das ist sehr, sehr unmenschlich von diesen Menschen! Da wünsche ich denen beinahe…na, du kannst es dir denken!

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      • Und anschließend haben sie mich durch das Auswechseln des Schlosses aus seiner Wohnung ausgeschlossen und mir heftige Vorwürfe gemacht, dass ich ihn bis zu seinem Todestag auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin zu Hause gelassen und hausärztlich betreuen ließ. Ich habe alle Register gezogen, um so lange arbeitsfrei zu bekommen – Jahresurlaub genommen, Krankschreibung erhalten und unbezahlten Urlaub genommen. – Im Krankenhaus hätte man NICHTS weiter für ihn tun können.
        Manchmal wäre ich wirklich besser dran, ein Vollwert-Misanthrop zu sein.

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  3. Um einen geliebten Menschen gehen zu lassen, muss eine Entscheidung gefällt werden (Maschinen abschalten oder noch warten). Eigentlich abstrus. Im Patientendings habe ich geschrieben, nach 2 Wochen. Der Mann: nach drei Monaten. Tja. Bei dir?

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    • Momentan würde ich sagen, so schnell wie möglich. Das Leben im Alter ist ja so schon beschwerlich, aber dann noch mit richtigen echten Behinderungen wie z.b. nicht laufen können nicht sprechen können nicht denken können. Alles unvorstellbar, das will ich alles nicht. Die Perspektive wäre doch, in einem Pflegeheim dahin zu dämmern. Noch mal, das will ich nicht und das brauche ich auch nicht.
      Anders sähe es für mich bei einem sehr jungen Menschen aus, da kann sie tatsächlich vieles noch regenerieren.

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    • Ich hatte ja bei dieser Geschichte den Tod von Heiko vor Augen, der allerdings voll bei Bewusstsein war. Und der ist so viel anders verlaufen, als er es sich gewünscht hatte. Und daran war seine Familie schuld.

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