Claras Allerleiweltsgedanken


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Dicht vorbei ist auch daneben

Es ist ja schon gute Tradition bei mir, dass ich jedes Jahr ein Fotobuch erstelle – ich habe ja sonst kaum was Wichtiges zu tun. Wenn ich dann mal im Alter *grins* Zeit und keine Lust mehr zum Bloggen habe, dann setze ich mich in die Nähe meiner großen hellen Fenster, mache die kuschlig warme Heizung an und schaue mir alle meine Fotosammelwerke an.

Und dann kommt mir natürlich auch dieses in die Finger – und ich werde denken:

Clara, selten hast du dich mal so stark bei einem Titel geirrt.

Wer konnte aber ahnen, dass es nicht mit 2020 erledigt ist!
Da konnte ich mir noch so heftig einreden, dass ich mich wacker geschlagen habe – im zweiten Quartal 2021 ist der Optimismus im wesentlichen erschöpft.


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Im Konsum gibts Bananen!!!

… Mir scheint, mit diesem Signalausruf erreiche ich eh nur ehemalige Ost(zonen)kinder, und das sind wir ja alle seit 1989 nicht mehr. Demnach kommt der Ruf über 30 Jahre zu spät. – Aber wie wäre es damit?

Nein, vor dem Brandenburger Tor gibt es Ostereier!

Glaubt ihr nicht? Beweise ich euch!

Mallybeau hatte – künstlerisch leichtsinnig wie sie in ihren jungen Jahren manchmal ist – in einem Kommentar zu diesem Artikel „Was soll ich hier schreiben?“ das Clarandenburger Tor als Bild eingefügt, wie es zu Klein- oder Großclara passen würde.

Und diese Kinder-Clara oder das Clara-Kind ist voll darauf eingestiegen, da das Brandenburger Tor für jede östliche Berlinerin eine besondere Bedeutung hatte: Dahinter begann die andere Welt, die auf dem Atlas vielleicht grau war, aber in Wirklichkeit recht bunt und belebt war, sicher auch aufregend – und wie ich jetzt weiß, sehr oft auch nervig und unprofessionell.

Ich war ja vor 89 mehrere Male bei unterschiedlichsten Personen – ortsmäßig aufgeteilt von Nord nach Süd, von West nach Ost – zu den verschiedensten Anlässen (für die Beantragung brauchte man diese, aber nach der ersten genehmigten Reise wurde das nicht mehr streng kontrolliert – weder der Verwandtschaftsgrad noch die Richtigkeit des Anlasses – ich bin z.B. zu Cousinen gefahren, mit denen ich nicht verwandt war.)

Doch wenn man Besuch aus Westdeutschland hatte und diese wollten unbedingt weiter gehen, als es die Absperrungen erlaubten, dann konnte man sich schon einen Rüffel fangen.

Doch jetzt zu den bildlich dargestellten Brandenburger Toren – ich spreche bewusst im Plural, da ich eines schon in meinem Wohnzimmer aufgebaut habe. Da es mir zu schwer war, im Ganzen hinzustellen, habe ich es auf die schöne Zahl von 7 Ordnerrücken aufgeteilt.

So sieht das Brandenburger Tor fast immer aus – wenn nicht gerade irgendwelche Feiertage bevorstehen oder stattfinden.

So, nun habe ich aber geschrieben, es gibt Eier vor dem Brandenburger Tor!!! Habe ich gelogen – nein!

Na gut, diese Eierfarbpracht ist ja schon nicht ganz schlecht – aus künstlerischer Stroh-Verzier-Kunst gesehen ist sie sogar gut zu nennen, aber sie sind alle hohl. – Nicht, dass mir jetzt einige von euch Vergleiche zu irgendwelchen Politikerköpfen ziehen. Wenn die vielleicht auch hohl sind – einen Sinn zur eigenen Gewinnmaximierung haben sie dennoch meist drin.

Doch jetzt will ich schnell noch einen Blick auf das andere Brandenburger Tor werfen.

Da ist es ja – und ebenfalls eierverziert – und ebenfalls mit ungenießbaren Eiern – viel schlimmer noch als die anderen, denn sie sind hohl und aus Eierschale – diese hier sind voll und aus Holz. Das würden sicher nicht nur meine Zähne nur unter größtem Protest mitmachen.

Und deswegen sind alle Holzeier umgezogen, denn die dahinter liegenden Teile des Brandenburger Tors haben sich beschwert, sie wollen in diesen bewegungsarmen Zeiten bewegt werden.

Und das war jetzt genug Herumge-Eiere eine Woche vor Ostern. Mit heute passenden Palmkätzchen kann ich nicht dienen.

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Das war mein erster vollständig im neuen Editor geschriebener Artikel. Da WP den Zugang zum alten Editor mit Dornen Steinen gepflastert hat, werde ich jetzt mächtig mit mir ringen müssen, ob ich überhaupt bloggen MUSS. – Schwierig wird es für meine Begriffe nur bei der Einbindung von Fotos. Jedes einzeln einzusetzen, ist machbar, sieht aber im Endergebnis nicht so richtig schön aus, vor allem dann nicht, wenn mehrere untereinander stehen. – Und Galerien liebt WP offensichtlich weniger als ich.

Lasst es euch gut gehen!


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Schön ist anders …

… aber ich will mal nicht zu pessimistisch sein …

und immer nur über das halbleere Glas jammern.

  • Gestern, inzwischen vorgestern, wurde ich geimpft und mein linker Arm schmerzt derartig, dass ich mir für die Nacht einen Trick einfallen lassen musste, um ja nicht etwa nach links in die Embryostellung zu rollen. Er ist dick und äußerst berührungsempfindlich. Zum Glück weiß ich von der ersten Impfung gegen Gürtelrose, dass das nach ein paar Tagen verschwindet und ich dann diese widerwärtige Krankheit nicht bekomme.
  • Morgen will sich mein Herr Urologendoktor aus nachvollziehbaren Gründen meine Blase von innen ansehen – ich kann mir das nicht interessant vorstellen. Aber wieder hat ihm mein Status nicht gefallen, weil er eine leichte Cystitis signalisiert – das hätte ich allein vom Ansehen OHNE Laboruntersuchung bemerkt. – Also muss ich Antibiotika schlucken – offensichtlich ziemliche Hammerdinger, denn sie werden nur 5 Tage eingenommen. Wenn ich mir da auf dem Beipackzettel die häufig und weniger häufig auftretenden Nebenwirkungen durchlese, ist Astra seneca viel, viel sicherer. – Ich kann gut reden, ich bekomme ja ein anderes.
  • Am letzten Tag des Monats erwartet mich ein Termin, dem ich ein wenig skeptisch entgegen sehe. Bei der letzten Cataract-Operation im Jahr 2018 ist ein wenig der alten Linsenkapsel im Auge geblieben – und das will er jetzt mit Laser entfernen. – Wird schon schiefgehen. – Vielleicht laufe ich dann wieder so herum.
  • Was haben wir denn noch so zu klönen. Natürlich über mein wichtigstes Thema: Meine Hörgeräte. Ich hatte sie ja fast als Porsche angekündigt, bestenfalls ein Mercedes – aber im Moment erfüllen sie noch nicht mal die Kriterien eines Golfs. Für die – so wie sie jetzt sind – würde ich noch nicht einmal 1000,00 @ zuzahlen, geschweige denn mehr als die dreifache Summe. Sie wurden mit 1,2 benotet, ich würde ihnen momentan eine 3,5 geben. – Mein Akustiker, mit dem ich in regem Mailkontakt stehe, hat mir einen vorgezogenen Termin gegeben und er meint, dass er viele meiner Kritikpunkt ausräumen kann. Schau’n wir mal. – Aus verschiedenen Gründen werde ich sie wahrscheinlich dennoch nicht nehmen. – Ich sehe doch fast wie das große Sandohr aus.

Damit ich noch einen hellen Ausblick habe, kommt morgen nachmittag der Chef einer Firma, die hier im Haus schon in vielen Wohnungen die Fenster zur vollen Zufriedenheit der Bewohner gewechselt haben.

Alle Wohnungsfenster werde ich nicht tauschen lassen, das wäre mir zu teuer. – Ich habe mich bei den Leuten erkundigt, wann sie die Fenster einbauen ließen – es war 1993, also nicht gerade vorgestern. Auf meine Frage, warum er bei dem großen Balkonfenster die 2-Fenster-Variante gewählt hat, grummelte er nur – in der ganzen Wohnsiedlung haben in etwa 80 % der Wohnungen eine durchgehende Scheibe, die nicht geöffnet werden kann. Aber putzen ist vom Balkon aus möglich, also entscheide ich mich für die durchgehende Version. Dann sind aber alle Hibiskusblüten weg. – Er hatte sich bei der Verwaltung erkundigt, die ihm gesagt haben, eine Veränderung wäre nicht erlaubt. – Alle anderen haben nicht gefragt, sondern einfach tauschen lassen.

Das kleine Fenster ist ja das, was mir beim davor-sitzen einen kalten oder steifen Nacken beschert. Im Winter steht das Wasser mehrere Zentimeter hoch auf dem unteren Schenkel. – Aber auch hier werden die Schmetterlinge ins Nirwana flattern, denn ich kann sie nicht umsetzen.

Die Balkontür ist vom Prinzip her noch in Ordnung. Mal sehen, welches Argument er anführen wird, ums die auch zu tauschen. – Und wieder kann ich nur bedingt meine Fensterbilder retten.

Der Chef hat mir versprochen, dass die beiden Rollos für Tür und kleines Fenster wieder angebracht werden.


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Was soll ich hier schreiben …

… wenn es eigentlich nichts zu schreiben gibt.

Das Wetter ist eben so trist wie die allgemeine Stimmung, die durch Meldungen aus dem RKI, dem Gesundheitsministerium, der WHO und aus ähnlichen politisch gefärbten Institutionen  nicht unbedingt besser werden.

Ich habe gestern eine therapeutisch wirkende Person kennen gelernt, die mich aller Wahrscheinlichkeit nach motivieren wird, ihre angespannte finanzielle Lage ein wenig durch mein Geld aufzubessern. Sie scheint dafür auch in der Lage zu sein, mich zu einer gewissen Aufarbeitung zu motivieren, die schon sehr, sehr lange nötig ist. Ich komme mir ja schon vor wie die katholische Kirche, die mit unschönen Dingen so umgeht, dass sie diese einfach unter den Teppich, nein, unter den gesegneten Talar der Priester und Kardinäle schiebt. Und der Papst ist auch nicht so erpicht darauf, Klarheit in die Sache zu bringen.

Als ich so durch die regenfeuchten Straßen ging, begegnete mir dieses Straßenschild:

Und sofort dachte ich: Fehlt da nicht was, zumindest ein simples „tal“, wenn nicht sogar ein üppigeres „taler“? Ist es wie bei mir, die ich auch das Gefühl habe, mir fehlt was?

Wofür gibt es Suchmaschinen im Netz? Und prompt habe ich auch den Namen serviert bekommen, die der Straße den Namen verliehen haben.

Die Seite „Berliner Stadtplan.com“ schreibt:

Die Straße wurde nach dem Theologen und Kirchenliederdichter Joachim August Wilhelm Neander benannt. Neander wurde 1650 in Bremen geboren und ist dort am 31. Mai 1680 gestorben. Sein bekanntestes Werk ist das Kirchenlied „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“.

Es ist schon erstaunlich, wer sich mehr als 300 Jahre später auf einem Straßenschild wiederfinden kann.

Als ich noch im Berliner Osten auf der Fischerinsel wohnte, war ganz in der Nähe eine große Straße mit einem Grenzübrgang nach Westberlin, die Heinrich-Heine-Straße. Nach der Maueröffnung trug auch eine U-Bahn-Station diesen Namen, weil dann die die langjährige „Geister-U-Bahn“ durch den Osten wieder benutzt werden konnte und die U-Bahnhöfe wieder freigebuddelt wurden.

Und diese Heinrich-Heine-Straße hieß lange, lange Zeit ebenfalls Neanderstraße, hatte aber einen anderen Namenspatron.

Die Seite „Berlingeschichte“ vrerät mir:

Neander, Johann Georg Christoph, * 13.6.1784, † 19.8.1854 Berlin, Unternehmer.
Neander war Lackierfabrikant. Durch sein Grundstück wurde 1843 die Straße angelegt. Einige Monate nannte man die Straße Neanderhof, bis sie durch Bekanntmachung des Polizeipräsidiums vom 7.6.1843 den Namen Neanderstraße erhielt. Sein Unternehmen befand sich auf dem Grundstück Neanderstraße 10.

Da finde ich aber einen Kirchenlied-dichtenden Theologen noch interessanter als einen Lackierfabrikanten.

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An einem Vorfrühlingssonntag, als mindestens 80 % der Berliner an die berühmte Berliner Luft gingen, fotografierte ich im Tiergarten diese demolierte Lampe:

Sie kam mir so typisch vor für unsere angeschlagene Zeit, deswegen zeige ich sie euch.

 


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Geburtstagsnachklänge zum 50.

Jetzt hat der Geburtstags(jung)mann 363 Tage Zeit, sich an die 5 in seinem Alter zu gewöhnen

Gern möchte ich mal im Lenny-Zuhause Mäuschen spielen. Was macht der große Vierbeiner, wenn er auf dem Kissen den kleinen Vierbeiner sieht? Erkennt er sich? Freut er sich über sein Jugendbild, denn auf dem Foto ist er ganz neu beim Sohn und so ca. 2 Jahre alt. Mit diesem Geschirr ist er aus deme Tierheim gekommen. Aber bald hat ihm der „Papa“ natürlich ganz viele neue und schönere in seiner Manufaktur hergestellt oder von seinen Angestellten machen lassen, und so tolle Halsbänder – ich kam schon in Vrsuchung, Hund sein zu wollen 🙂

Kissen sind ja ganz gut zum Schlafen – aber was macht man, wenn man wieder wach werden will? In dieser Familie wird wohl überwiegend Kaffee getrunken. Deswegen habe ich beim Fotoanbieter 4 Tassen bestellt. Ich war ja sehr versucht, das Standardmodell zu wählen, weil mir der Preis ausgereicht hätte – aber da ich bei meinen Nachbarn die Tassen heben und betrachten konnte, wählte ich dann doch das „Exquisitmodell“ – und jetzt, wo ich aus meiner Tasse trinke – eine von den vieren hatte ich extra für mich bestellt, nämlich die, auf der der Sohn ein rotes T-Shirt für meine rote Küche trägt – lege ich diese Entscheidung für richtig fest. Neckisch ist, dass ich Sohn und Hund beim Trinken mit der Unterlippe am Oberkopf kraule – und nur einmal habe ich Haare im Mund 🙂 😉

Die anderen Tassen will ich euch auch noch zeigen. Eine Tasse ist im Panoramadruck gefertigt – und da steht dicht am Henkel in Gelb auf grünem Untergrund: „Nur für die zwei Chefs“ – ich weiß gar nicht, ob Lenny lesen kann und ob er Kaffee trinkt.

Aber das Leben geht weiter und besteht nicht nur aus Geburtstagen. Ich habe mich erst einmal zum „Frühling im Bett“ durchgerungen und die warme Winterbettwäsche nach ganz hinten in den Schrank geräumt.

Und dann veranstalte ich ein Mädelstreff – Entkommen ist nicht möglich, alles an die Wand oder an die Lampe getackert 🙂


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Geburtstagshochstimmung zum 50.

Das war doch nur der Arbeitstitel

Und es begab sich im Jahr 1970, dass Clara mit ihrem zweiten Kind schwanger ging. Was die beiden Großen (Eltern des Embryos) der Familie dazu bewog, von vornherein und ohne jegliche Sicherheit und ohne Ultraschallaufnahme zur Geschlechterbestimmung (die es damals noch nicht gab) dem kleinen Mitglied der Familie (Theres) weiszumachen, dass ein kleiner Tobias* (Name von der Redaktion geändert) unterwegs ist, weiß bis heute niemand.  Zum Glück ging die Geschichte  gut aus, und Mutter Clara brachte keine „Tobine“, sondern wirklich einen Tobias  aus dem Krankenhaus nach Haus.

Großmutter und Enkel haben also an einem Tag Geburtstag – im Jahr 1971 das beste Geburtstagsgeschenk, was meine Mutter je bekam.

Nachdem ihr die Hebamme herzlichst gratuliert hatte und ihr ausnahmsweise das Geschlecht verriet, hatte ich sie wenig später an der Strippe.

Der Dialog verlief in etwa so:

Danke für deine guten Wünsche und ebenfalls herzlichen Glückwunsch zum Stammhalter. Wie heißt er denn?

Ich:

Na, das weißt du doch: Tobias!* (von der Redaktion geändert)

Meine Mutter:

Nein, das kann doch nicht sein, das ist doch kein Name für ein Kind! Das war doch nur der Arbeitstitel. Wie heißt er denn wirklich?

So, und dieser Arbeitstitel wird also heute 50 Jahre jung und hat sich nie ernsthaft über seinen Namen beschwert – höchstens über die Länge. Seine Schwester hat im echten Leben einen Namen mit 3 Buchstaben, von denen man nicht einen einzigen in Spiegelschrift schreiben kann. Er dagegen hat einen Namen mit 9 Buchstaben, von denen er grundsätzlich vor dem Schuleintritt 4 in Spiegelschrift schrieb.

Hier noch eine Galerie aus seiner frühesten Sturm- und Drangzeit. Der Sturm und der Drang enden hier mit seiner körpererhöhenden Frisur im 15. Lebensjahr, in dem er zur Konfirmation ging. Da er der Kleinste seines Jahrgangs war, musste schon mal zu solchen Tricks gegriffen werden. – Was er an Größe vermissen ließ, brachte er an Geschicklichkeit mit, denn den dreifarbig-grauen Konfirmationsanzug nähte er sich vollkommen allein.Darüber berichtete ich ja im ersten Teil der Geburtstagsstory.


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Geburtstagszwischenstimmung zum 50.

Drei Sekunden nicht aufgepasst …

… können ein neues Leben hervorrufen, unter Umständen aber auch eines beenden.

Die Geschichte spielte sich im Sommer 1984 ab. Der Haupt“held“, um den es damals und heute geht, war noch nicht 14 Jahre alt – ein Lebensalter, in dem man schon gewisse Verstandesleistungen erwarten könnte.

 

Die Sonne schickt sich allmählich an, in den Scharmützelsee zu tauchen. Eine leichte Brise schaukelt das Segelboot im Hafen und lässt den Tee in den Tassen und das Bier in den Gläsern schaukeln.  Die Patchworkfamilie – bestehend aus dem „Kapitän“ der „Cetus“, den beiden „Hilfsmatrosen“ Theres und Clemens und dem Ersten Offizier in Form meiner Person – saßen beim Abendbrot an Deck. Die Stimmung, die sich über den See breitete, war beschaulich und schön.

Das Essen war beendet – Clemens, der kleine Segeleleve, hibbelt herum und weiß kaum wohin mit seiner überschüssigen Energie. Für einen 13jährigen bietet so ein Boot zu wenig Auslauf, vielleicht täte es ein alter Dreimaster. Theres sitzt gemütlich auf der Bank in der Plicht, die Beine hoch,  und steckt die Nase in ein Buch mit mathematischen Rätselaufgaben.

Die Großen sitzen gemütlich am Tisch und wollen den Tag ausklingen lassen. Clemens spielt mit den vom Großbaum hängenden Schlaufen der Bändsel, die zum Reffen oder Zusammenbinden des Großsegels gebraucht werden. Aus Jux und Dollerei und kindlicher Blödheit steckt er seinen Kopf hinein. Ich quittiere das mit einer unwilligen Bemerkung  „lass diesen Blödsinn“ und das Gespräch plätschert wieder leise vor sich hin.

Plötzlich stößt der baumlange Kapitän den zum Glück schon abgeräumten Tisch  um, weil er blitzschnell aufsteht. In diesem Moment fällt mein  Blick auf meinen Sohn und ein angstvolles „Clemens“ kommt aus meinem Mund. Peter schnappt den kleinen Kerl, der bewusstlos in der Schlinge hängt, die Schwester fängt zu weinen an – und ich staune nur über Peters Reaktionsgeschwindigkeit. Ich glaube nicht, dass diese Situation zu seinen täglichen Übungen gehört. Er setzt Clemens in der Kajüte auf die Bank  und verpasst ihm leichte Backpfeifen, bis er ihn ins Bewusstsein zurückgerufen hat. Clemens erstaunter Blick und die nasse Hose zeigen uns, dass er ziemlich tief bewusstlos gewesen sein muss.

Schwesterchen hat noch den ganzen Abend geweint, auch wenn der kleine (freche) Bruder schon wieder seine Witze machte. Sie war so aufgeregt, dass sie von uns ihren ersten Schnaps im Leben zur Beruhigung spendiert bekam.

Clemens lebt offensichtlich gefährlich, aber immer wieder bewahrt ihn ein Schutzengel davor, dass ihm was Schlimmes und uns großer Kummer widerfährt. Die „Geschichte von den Füßen aus dem Fenster“ handelt von einem Zweijährigen und seiner Schwester, der einen Großeinsatz der Feuerwehr verursacht.  In „Schrecksekunde“ erzähle ich, wie er es mit 7 Jahren noch einmal schafft, nicht aus dem 6. Stock zu fallen.

Im Laufe seines Lebens bis zu seinem vor der Tür stehenden 50. Geburtstag hatte er noch einige Situationen, wo er gerade noch so von der Schippe gesprungen ist – und alle waren selbst verursacht, keines war eine „Krankheits-Schippe“, sondern fast alle hatten mit Sport oder Fahrzeugen zu tun.

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Lieber Sohn, ich wünsche dir, dass du die Leben von zwei Katzen für dich verbrauchen kannst, denn die von einer hast du wohl schon ver(sch)wendet.

Und weiterhin wünsche ich dir,  dass du noch lange, noch oft und noch immer so geschmeidig „von Bord“ gehen kannst wie hier von der „Cetus“, als du noch sehr klein und sehr jung warst.