Claras Allerleiweltsgedanken

Wenige Meter schützen vor zeitweiser Evakuierung

33 Kommentare

Als ich das erste Mal in meinem Leben richtig evakuiert wurde, befand ich mich noch im intrauterinen Stadium. Görlitz sollte so mehr oder weniger dem Erdboden gleichgemacht werden. Und damit wenigstens die vorhandene Bevölkerung geschützt werden kann, wurden die Leute in Eisenbahnwagen verfrachtet und weit geschickt. Meine Mutter landete mit dem halbwüchsigen Sohn und ihrem dicken Bauch in Bayern, wo ich dann auch nach einiger Zeit die schöne niederbayrische Luft atmen konnte.

Mit Krieg hat die jetzige Überschrift wieder was zu tun – so unendlich viele Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs.

Ich bekomme einen Anruf von einer Bekannten, die mehr oder weniger hier um die Ecke wohnt. Sie fängt an mit: „Hast du schon gehört, … Es ist eine Bombe entdeckt worden und wir müssen alle aus unseren Wohnungen raus, bis die Bombe entschärft ist. Hat schon jemand bei dir geklingelt?“

Hatte ich natürlich nicht. Beim Bau der neuen Bahnstrecke, der sogenannten Dresdener Bahn, war eine Bombe entdeckt worden. Auf die Straße, an deren Ende die Bombe liegt, kann ich gucken. Wegen des Baus biegen in diese Straße so unendlich viele LKWs mit Baumaterial – manchmal ist der Lärm wirklich nicht mehr zum Aushalten.

Vom Balkon her will ich mir einen Überblick verschaffen und denke zum zweiten Mal nicht daran, dass zwischen mir und dem Balkon drei Glasscheiben sind. Es hat ganz schön gerummst.  Ich sah einen Polizeiwagen stehen, der die Einfahrt sperrt. Eine Frage ergab, dass alle Bewohner jenseits der Hauptstraße in ihren Wohnungen bleiben können, nur alle anderen müssen raus. –

Hat mich gefreut, ich war nicht scharf drauf.

Im Netz wurden wir auch erwähnt. Der S-Bahnhof „Buckower Chaussee“ ist der meinige.

https://www.bz-berlin.de/berlin/tempelhof-schoeneberg/weltkriegsbombe-in-marienfelde-entschaerfung-sperrkreis

 

 

Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

33 Kommentare zu “Wenige Meter schützen vor zeitweiser Evakuierung

  1. Niemand, außer den Werfern, ist scharf auf eine scharfe Bombe. Ob Whisky, Whiskey oder Wodka? Nun, vielleicht auch einfach nur Korn. Denn da gab es doch so ein Land inmitten Europas, das extra viele von den Dingern bauen wollte (und dann ja auch, zumindest von den Torpedos habe ich das gehört, extra viele Blindgänger bekam). Nicht weit von hier, im schönen Allgäu, gab es ein Munitionslager, in dem auch Giftgas gelagert sein sollte, keiner weiß nix Genaues. Auf jeden Fall übernahm dann irgendwann der Erbe, die Bundeswehr, dieses feine Objekt. Und heute ist ein Feriencenter dort entstanden – ob und wie weit sie den verseuchten Boden abgegraben haben, weiß ich nicht. Vielleicht läuft es ja auf Abenteuerurlaub raus. Jedenfalls sagen sie immer, wenn das Ding in der fraglichen Zeit hochgegangen wäre, etwa weil ein paar andere ihrerseits so Zeug reingeschmissen hätten, würde von den kleinen Städtchen dort nicht mehr viel stehen.
    Oder so: meine Tochter fuhr mit dem Zug. Und stieg am Zielbahnhof – ehemalige DDR, durchaus größere Stadt – aus. Menschenleer. Als sie, die als einzige den regulären Zug verließ, den Bahnhofsvorplatz erreichte, war alles abgesperrt. Die bewaffneten (man muß im Zweifel zurückschießen können) Polizisten waren völlig verdutzt: genau, es gab einen Bombenalarm, und jetzt zusätzlich Bombenstimmung über die unerwartete Erscheinung.
    Ich bleib bei meinem Anfangssatz. Niemand braucht die Dinger, kein Syrer, kein Afghane, keiner hier.

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  2. Mensch Clara, bei dir geht es ja zu wie auf einem Verladebahnhof. Schön, wenn alles ruhig bleibt. Vor den Bombenentschärfern habe ich höchsten Respekt. Dass du natürlich randalierst, hätte ich nicht gedacht. 😁
    Nachtliche Grüße
    (Bei uns gewittert es gerade heftig. Ich kann nicht schlafen.)

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    • Gudrun, um nichts in der Welt hätte ich einen Ehemann haben wollen, der diesem gefährlichen Gewerbe nachgeht. Ich möchte nicht wissen, wie viele von den Entschärfern es seit 1946 mit dem Leben bezahlt haben. Und diese Sch…dinger sind immer noch nicht alle ausgeräumt.
      Du meinst, ich randaliere, wenn ich (versehentlich) voll gegen die Balkontür rammele? Wenn die Außenscheibe nach und nach eindreckt, werde ich sie besser erkennen.
      Gruß zu dir!

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  3. Die neuen Fenster! Die neuen Fenster! Nicht auszudenken, es hätte BUMS gemacht und…
    Hier, in meiner Gegend, werden von Bauarbeitern mehr Bomben aus dem zweiten Weltkrieg ausgebuddelt, als neue Häuser gebaut.
    Bombenentschärfer ist der Beruf der Zukunft und nix für Home-Office-Fanatiker… 😉

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  4. Haste danach und nach dem Erwachen vom Balkonschläfchen einen scharfen Wodkadrink genossen? Vielleicht auch Whiskey, je nachdem, welches Erbauerland die Bombe hatte…

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    • Alle Berichterstatter erzählen nur von der weltkriegsbombe, keiner hat gesagt, woher die Bombe kam. Und deswegen muss ich weder Whisky noch Wodka trinken. Und so aufregend war es für mich ja doch nicht. Mir tun immer nur die Leute leid, die diese Arbeit machen müssen. Aber ich habe noch nie gehört, dass sowas in Berlin schief gegangen bist. Gott sei Dank nicht.

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  5. Hatten wir 2016 in Prenzlberg. Da hamse den Netto abgerissen und so ein schmuckes 6-stöckiges Luxus-Häuschen hingestellt – dafür musste das Fundament tiefer sein und dabei hamse eine russische Weltkriegsbombe gefunden.
    Musste einen Tag woanders schlafen und ja, die Polizei klingelt einen da aus dem Haus.
    Verrückt fand ich eher, dass ich in eben jenem Netto – wie viele tausende andere Menschen auch – wöchentlich einkaufen war und über die Bombe drüberspaziert bin…

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    • Liebe Roe – das Schicksal hat es eben in den Jahren bis 2016 mit dir gut gemeint – und dich und Tausende andere nicht hochgehen lassen.
      Es ist ja wohl so, wenn man diese Sch….bomben in Ruhe lässt, tun sie nur ganz selten was – aber wehe, man will sie entfernen, weil sie irgendwelchen Luxusbauten im Wege sind – da wehren sie sich manchmal empfindlich.
      Beim Räumen der Häuser gehen sie mit vielen Leuten ganz systematisch vor.
      Ich möchte nicht wissen, wie viele von diesen Blindgängern noch bundesweit irgendwo herumliegen.

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  6. Autsch, das wäre nicht passiert, wenn die Fensterscheiben nicht so sauber gewesen wären 🙂

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    • Wenn ich weiter so dagegen renne und mir immer andere Stellen aussuche, dann werden bald so viele „Abdrücke“ zurück bleiben, dass es nicht mehr passiert. – Mit den Plissees wird es auch nicht mehr passieren, dass ich die Tür übersehe.

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  7. Na Hauptsache Deine neuen Scheiben sind heil geblieben … und Du natürlich auch 🙂 Das wäre ja was gewesen, wenn die Bombe hochgegangen wäre und die Glaser wieder hätten anrücken müssen. Oder würde dann das Viertel gar nicht mehr stehen?
    Liebe Grüße aus der Hitze 🙂

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    • Scheiben ohne Glas – bei diesen Temperaturen – wo wäre ich da nur hingezogen? In die Parterrewohnung meiner Nachbarn, die wohnen jetzt im Garten.
      Zum Glück waren wir so weit weg, dass uns nichts passiert wäre, auch wenn sie das Ding gezündet hätten.
      Liebe Grüße aus der Hitze in die Hitze

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  8. Clara, sei froh, dass du nicht in Köln wohnst. Dort finden und entschärfen sie ständig Bomben und evakuieren tausende Menschen. Meine Tochter kann ein Lied davon singen

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    • Liebe sk, es ist ja nicht so, dass Berlin und seine Bombenentschärfer nichts oder wenig zu tun hätten – nur ich habe offenbar bisher immer Glück gehabt, es war nie in meiner unmittelbaren Umgebung und ich musste deshalb noch nie meine Wohnung verlassen. Als wir noch auf der Fischerinsel wohnten, wurden dort alte Häuser gesprengt, um den Neubauten Platz zu machen. Da durfte man bei geschlossenen Fenstern zusehen. Mein Mann hat eifrig fotografiert und die Tochter hat darüber einen bebilderten Aufsatz geschrieben. Da konnte ich mir ein wenig vorstellen, wie schrecklich Krieg sein muss.

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  9. Moin, liebe Clara,

    ähnliches habe ich Ende Januar dieses Jahres mitgemacht (https://maksimal.de/2021/01/31/moin-zusammen/). 4 Blindgänger mussten gesprengt werden, da sie nicht zu entschärfen waren. Ich befand mich am äußersten Rand der Evakuierungszone und habe mich einfach tot gestellt. In Zeiten von Corona, was da noch ziemlich heftig war, hatte ich keine Lust, meine Wohnung zu verlassen und mich auch noch dieser Gefahr auszusetzen. Zum Glück ist alles gut gegangen. Kannst ja mal nachlesen, falls du magst.

    Liebe Grüße, fröhliches Schwitzen und trink bloß genug …
    Maksi

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    • Hallo Maksi, natürlich habe ich gleich und sofort deinen Artikel und darin enthaltenen Link gelesen – noch im Nachtzeug auf dem Balkon und auf dem Handy. Bei vieren kann einem ja wirklich ganz schön der Frack sausen. – Ich glaube, ich hätte es wie du gemacht, wenn ich am äußersten Rand der Gefahrenzone wohnen würde. – Die unmittelbaren Nachbarn gehen wohl schon aus Eigeninteresse in die Notquartiere. Sonst hätte es geheißen: „Unsere liebe Maksi – die Sprengung hat sie überlebt, aber Corona hat ihr ein Bein gestellt, über das sie zu heftig gestolpert ist.“
      Ich verbringe einen guten Teil der Zeit mit Schlafen – gestern bin ich gegen 21.30 Uhr auf dem Balkon eingeschlafen und erst nach Mitternacht aufgewacht. Entsprechend früh war ich dann natürlich heute wach und bin auch gleich – mit FFP2-Maske – einkaufen gegangen, damit ich in der Hitze nicht ersticke.
      Apropos trinken – ich bin ja das ganze Jahr über der absolute Kühlschranktemperaturtrinker. Aber ich weiß, dass man bei solcher Hitze eiskalte Getränke vermeiden soll – und da halte ich mich ausnahmsweise dran. Hagebuttentee steht draußen in der Küche – und der wird minimal mit Apfelsaft aufgepeppt. Ich finde, ich trinke genug.
      Gutes Hitze-Überstehen und ertrinke nicht in deinen vielen Getränken – das wünscht dir
      Clara

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