Claras Allerleiweltsgedanken


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Alterspräsidentin und Chemiekönigin

Eigentlich sind beides keine erstrebenswerten Titel oder gar Auszeichnungen.

Die Alterspräsidentin hat aber den Vorteil, dass ich (bis auf eine Bloggerin) alle die, die mir hier so treu folgen, mit „junge Frau“ oder „na, mein Junge“ anreden kann. Da muss ich doch immer wieder an meine erste Wohnung ohne Ehemann denken – es war so Mitte der 80er Jahre. Auf der Etage wohnte ein alter Herr, der nach meinem Gefühl die 100 schon lange überschritten hatte – aber er war gerade 90. Und der sprach mich grundsätzlich mit meinen schlappen 40 Jahren mit „na, junge Frau“ an. Wahrscheinlich konnte er sich meinen Namen nicht merken.

Wenn ich das heute so betrachte, hatte er natürlich vollkommen Recht – oder seid ihr „jungsches Gemüse“ etwa anderer Auffassung 😉 🙂

Doch wie komme ich zu dem fragwürdigen Titel Chemiekönigin? Zwei von den drei Abflüssen in der Wohnung können mein Essen nicht leiden, nämlich der in der Spüle und der im Waschbecken.

Da meine Ernährung zu 75 % aus Salaten oder Müsli besteht, in denen ganz viel kleines, mittleres und größeres Körnerzeug wie Leinsamen, Chiasamen oder Sonnenblumenkerne enthalten ist, kommen Reste davon beim Spülen der Gefäße doch in den Abfluss, entweder über die Spülmaschine oder direkt. Offensichtlich reicht das im Loch enthaltene Sieb nicht aus, um meine mehr als empfindlichen Abflüsse vor Körnerangriffen zu schützen.

Und vorgestern war es wieder mal so weit. Das Wasser blieb einfach stehen und wollte und wollte nicht abfließen. Ich hatte mir ja vor einiger Zeit so einen Saugglockenpömpel gekauft – aber der Bearbeitung des Abflusses, der schon einer Herzmassage glich, taten mir eher die Arme weh als dass sich ein vernünftiges Ergebnis zeigte.

Gegen alle Vernunft schmiss ich doch den Geschirrspüler an. Das Abpumpwasser füllte das halbe Spülbecken. – Und das war der Moment, wo die Chemie eingreifen MUSSTE.

Zuerst versuchte ich es zweimal mit einem Esslöffel Pulver. Ergebnis: Besser, aber lange noch nicht gut.

Dann wollte ich die flüssige Chemiekeule in den Abfluss gießen. Glaubt mir, es war Notwehr – ich mache das nur im äußersten Fall, bisher hat es meist schon durch das Abpumpen genügend Bewegung in dem Abflussrohr gegeben, das über zu wenig Gefälle verfügt.

Und da bekam ich ein Zeichen – vielleicht von Greenpeace? Hier flog zwar kein Gleitschirmflieger ein, aber ich bekam die Flasche nicht auf. Dreist, wie ich bin, klingelte ich bei einem Nachbarn mit starkem Mann – und der schaffte es.

Der erste Schuss, den ich nach einer Stunde heiß nachgespült habe, brachte immer noch nicht die Erlösung durch schmatzendes und gurgelndes Abfließen.

Also musste nachgegossen werden, über Nacht wirken gelassen und dann konnte ich wieder von einem „Abfluss“ im wahrsten Sinne des Wortes sprechen.