Claras Allerleiweltsgedanken

Retrospektive 1955 – 65 (2)

20 Kommentare

Wichtiges in Claras Leben – von 1955 bis 1965

Im Alter zwischen 10 und 20 passiert ja so einiges im Leben, auch Clara konnte sich diesen Lebensaus- und -einwirkungen nicht entziehen.

Heutzutage ist wohl die Bezeichnung Teenie auch nicht mehr die modernste, aber uns nannte man damals wohl ab 13 noch Backfische, was ich ja noch viel schrecklicher finde. Wikipedia sagt schlicht und ergreifend das dazu: „Backfisch ist eine – heute veraltete – Bezeichnung für heranwachsende Mädchen im Jugendlichenalter.“

1955 ging ich zuerst in die dritte und nach den großen Ferien in die vierte Klasse der Melanchthonschule. Für mich war die Grundschulzeit mehr als entspannt, da gab es noch keine politischen Querelen. Der Klassenlehrer von der zweiten bis zur vierten Klasse hatte ziemlich ausgeprägte pädophile Züge, denn er holte sich kleine Mädchen während des Unterrichts auf seinen Schoß. Leider zählte ich auch zu seinen Auserkorenen. – Ging es mit diesem Knickerbocker tragenden Ekel noch gut, wäre ich um Haaresbreite einem anderen Kinderschänder zum Opfer gefallen. Er kam mit Krücke humpelnd auf mich zu und bat mich, einen Brief bei einer Familie in der vierten Etage in den Briefkasten zu werfen. Hilfsbereit machte ich das – doch als er mir gut laufend hinterher kam und mir durch das Treppengeländer unter den Rock fasste, konnte ich im letzten Augenblick flüchten. – Hättet ihr das als kleines Mädchen euren Müttern erzählt? Ich nicht! –  Auch von dem „Schwänzchenzeiger“, der meiner Freundin und mir immer wieder an der Straßenbahnhaltestelle seine „Pracht“ zeigen wollte, haben wir beide nichts zu Hause erzählt.

Barbara behauptet, dass ich schon in den ersten Klassen so kühn und frech keck gewesen wäre, während des Unterrichts mit dem Popo auf der Bank hinter mir zu sitzen – in der vorletzten Reihe war das machbar, aber nicht vorstellbar. Ich denke, sie irrt 🙂 😉

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Mir ist leider zu spät noch einiges zum ersten Artikel eingefallen, das kommt jetzt. Hatte ich erwähnt, dass ich wegen Kriegsereignissen (Evakuierung Anfang 1945 aller Frauen aus Görlitz nach Bayern, weil die Stadt „platt gemacht“ werden sollte) – so dass ich in Metten Ndb. geboren wurde. Durch den Unfall meines Vaters ging es Hals über Kopf nach Görlitz zurück. – Und ich weiß bis heute nicht, was besser oder schlechter gewesen wäre: in Bayern unter der CSU oder im Osten unter der SED aufzuwachsen 🙂 😉

Drei Fotos reiche ich auch noch nach – dann ist das mit der Schultütenanzahl geklärt. Ihr seht, neue Schuhe konnte sich meine Mutter für mich nicht leisten.

Klein-Katholen-Kinder = KKK gingen ja schon mit 9 Jahren, also 1954,  zur Erstkommunion, damit sie nicht schon vorher auf den Pfaden der Sünde gewandelt sind. – Und meine Zöpfe sind immer noch so dünn, aber beschleift, natürlich in reinem Weiß – wie ich!

Und dann habe ich noch ein Foto von meiner Oma gefunden, die mich immer so verwöhnt hat. – Wer für diese verschwommene Aufnahme die Verantwortung trägt, möge sich bitte melden.

Übrigens – sie ist genau heute vor 44 Jahren gestorben, sie ist 1888 geboren und wurde 90 Jahre alt.
Ob sie auch Schnapszahlen liebte?

Zuerst fand ich weder auf dem Computer noch in der WP-Mediathek Fotos von meiner Schule – deswegen wich ich auf Wikipedia aus. Erst, als ich die externe Festplatte durchschnüffelte, kamen sie gepurzelt, deswegen die Galerie.

Die wichtigsten Ereignisse waren  wohl 1960 der Übergang von der Grundschule in die Erweiterte Oberschule EOS, wie die heute als Gymnasien bezeichneten Schulen in der DDR genannt wurden. Da ich bzw. natürlich mein ElternMutterhaus damals erzkatholisch waren, stimmte das nicht so ganz mit der allgemeinen politischen Staatslinie überein. Aber dank dieser guten Lehrerin, die ich schon für die erste Klasse so lobend erwähnt hatte, klappte das. Ich hatte nämlich Fräulein Grahner ab der 5. bis zu 8. Klasse wieder als Klassenlehrerin – dem Himmel sei noch nachträglich dafür gedankt.

Vor der Mauer 1961 – nur von ganz wenigen tatsächlich als „Antifaschistischer Schutzwall“ bezeichnet – waren die ideologischen Daumenschrauben noch nicht so ausgeprägt, wie sie mir dann später in diesem Schulleben begegnet sind. Ich weiß, dass ich diese Abiturbeurteilung (1964) schon oft erwähnt oder verlinkt habe, aber sie hat mein späteres Berufsleben entscheidend negativ beeinflusst.

Die Grundlage für meinen späteren FDJ-Rausschmiss habe ich bestimmt Anfang der 10. Klasse (1961) gelegt, als ich eine Resolution nicht unterschrieb, dass ich die Mauer begrüße und gut finde. – Offensichtlich hatte ich doch schon damals Charakter.

Ebenfalls in diese Zeit fiel die lebenswichtige Sozialisierung durch den Besuch einer Tanzschule. Ich habe zwar Fotos über Tanzschüler und -schülerinnen in dieser Zeit im Netz gefunden, aber damit will ich euch verschonen, denn genau die Tanzschule, die von der älteren Dame Elli in der Nähe der Landeskrone geführt wurde, ist nicht erwähnt.

Aber weitaus wichtiger für mich war meine erste große Liebe, die das „jung“ aus dem Begriff Jungfrau strich und somit zur Vergangenheit machte. Leider war es auch die erste richtig große Enttäuschung, an der ich sehr lange zu knabbern hatte – denn er fuhr lange Zeit zweigleisig und heiratete dann die andere. Praktischer Weise hatten wir beide den gleichen Vornamen, so dass es nie zu unliebsamen Verwechslungen in Zeiten kommen konnte, wo der (männliche) Verstand etwas getrübt ist. – Mit dem unteren Foto will ich euch sagen, dass ich ab und an mal Blut und Wasser geschwitzt habe, ob ich nicht etwa schwanger bin – denn das wollten wir wirklich nicht. Von meiner Mutter kam lediglich die stereotype Bemerkung: „Aber nicht, dass du schwanger wirst!“ – aber ein Ratschlag, wie ich das verhindern könnte, kam nicht. Ich halte ihr zugute, dass sie es selbst nicht wissen musste, weil es nie mehr einen Mann bei ihr gab.

Begleit-Blumen für diese Zeit habe ich gesucht und gefunden. Ich kann nicht leugnen, dass mir Rosen allgemein recht gut gefallen – und in diesem frühen Zustand ganz besonders.

Aber auch andere Blumen haben Zeiten ihrer frühen Entwicklung. Ob Tulpen oder Seerosen – sie sind meist im Frühling unsere Blumenbegleiter.

So – und jetzt gehe ich wieder zum echten Leben. Ich fange mal 1962 mit der Tanzschule an – in der Mitte der Tanzeleven sitzt die „Dompteuse“, die versucht hat, unseren ungelenken Beinen grazile Tanzbewegungen beizubringen. – Auf dieser Seite aus meinem Fotoordner sieht man mich – nach der Ohren-Anlege-Operation – das erste Mal mit einer Kurzhaarfrisur, die ich in späteren Jahren fast nie mehr abgelegt habe. Mein Tanzstundenherr – natürlich eben so katholisch wie ich und nach meiner Auffassung einer der hübschesten Jungmänner (Herren waren das ja noch nicht) – hat es in sehr viel späteren Jahren zu einer gewissen politischen Funktion in Görlitz gebracht. Wir sind das zweite Paar von rechts in der zweiten Reihe. – Als ich mir das Original stark vergrößert habe, konnte ich sehen, dass so einige von den vielen Teilnehmern nicht mehr am Leben sind – und ich kann mich nur noch an einige erinnern.

Das Abitur an der EOS „Frederic-Joliot-Curie“ am Karl-Marx-Platz in Görlitz will ich mit diesem Uraltfoto in Erinnerung bringen. In der Mitte mein meistgehasster Klassenlehrer, der so ein Schleimer und Arschkriecher (Verzeihung, eine bessere Bezeichnung kann ich für ihn nicht finden) war. Er hatte wirklich Glück, dass er nicht mehr lebte, als ich durch die Teilnahme an einem „DDR-Aufarbeitungs-Film“ an meine alten Beurteilungen aus der Schule gekommen bin. Wie ich mich in meiner impulsiven Art kenne, wäre ich zu ihm gefahren und hätte ihn beschimpft und gebackpfeift.

Und hier ein Foto von der Seite „Görlitz Insider“

Wie sah die „Jungfrau“ oder junge Frau aus, die sich nach der 11. Klasse 1963 unsterblich verliebte? Später sogar verlobte und folgerichtig auch auf eine Verheiratung hingearbeitetwünscht hatte. Wer weiß, wofür es gut war, dass das letzte Ereignis nicht stattgefunden hat.

Und ER war klug, schön, witzig und als katholischer Theologiestudent in Liebesdingen eben so unerfahren wie ich, deswegen auch die nicht ganz unbegründete Angst vor zappelnden Folgen. Über alles andere schweigt jetzt des Sängers Chronisten Höflichkeit. – Sicherheitshalber habe ich sein Gesicht und das meiner Cousine doch verpixelt, damit ich keinen Ärger bekomme, obwohl seit 1964 alle Bildrechte überholt sein müssten.

Pardon – es sind 1279 Worte geworden.

Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Hausfrauentipps und -tricks als auch Koch- und Backrezepte müsst ihr wo anders suchen.

20 Kommentare zu “Retrospektive 1955 – 65 (2)

  1. Tja, der antifaschistische Schutzwall … Es gab schon seltsame Bezeichnungen damals. Und aufmüpfig durfte man nicht sein. Einer meiner ehemaligen Klassenkameraden ist in der 12. Klasse noch in die FDJ eingetreten, weil er sonst keinen Studienplatz bekommen hätte.
    LG von der Silberdistel

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    • Hallo Silberdistel, im Laufe der Zeit verändern sich ja manche Blickwinkel – ich für mich muss sagen, dass ich JETZT den Bau der Mauer besser verstehe als damals. Wenn die DDR nicht dafür gesorgt hätte, dass ihr die besten Leute nicht abhauen können, dann wäre sie noch viel viel schneller ausgeblutet und pleite gegangen, weil der Mensch nun mal nach dem Mammon und dem guten Leben strebt – und das war ja wohl eindeutig in Westdeutschland besser gegeben, Und dann die immer wieder hervorgehobene Reisefreiheit, zu der ich aber seit meiner schnellen Arbeitslosigkeit nach 2000 und dem wenigen Geld mit ALG 2 und Hartz IV auch eine andere Meinung bekommen habe. Wenn ich kein Geld habe oder zu wenig, dann nutzt mir auch die beste Reisefreiheit nichts.
      Schwieriges Thema.
      Lieben Gruß

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      • Ich muss gestehen, dass ich den Mauerbau nie verstehen werde. Und ging es wirklich nur um Reisefreiheit oder auch um Meinungs-und Pressefreiheit und um eine Ende der ewigen Bespitzelung und Bevormundung durch den Staat?

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        • Liebe Frau Momo, ich bin jetzt wohl im Begriff, meinen politischsten Kommentar meiner gesamten Blogzeit zu schreiben.
          Den Mauerbau kann man nur im ganz großen Zusammenhang sehen – durch das Viermächteabkommen war der Teil der späteren DDR an Russland gefallen – an das Land, das im Krieg die größten Verluste erlitten hat durch den Überfall der Deutschen, die ja ohne Wenn und Aber diesen Krieg begonnen hatten.
          Die spätere Bundesrepublik mit den Amis, den Franzosen und den Engländern hatten die besser gestellten „Verlierer“ abbekommen, denn u.a. hat sich der Krieg wohl nicht eine Minute auf amerikanischem Territorium abgespielt.
          Deswegen hat die Bundesrepublik Aufbauhilfe in verschiedenster Form bekommen – die DDR dagegen musste Reparationskosten an die Sowjetunion zahlen.
          Fast alle Länder ostwärts der DDR gehörten zum sozialistischen Lager. Und da wollte die damalige Führung der UdSSR nicht dran rütteln lassen.
          Der politische und vor allem wirtschaftliche Unterschied zwischen Bundesrepublik und DDR wurde immer gravierender. Das, was sich Kommunisten oder Sozialisten unter Sozialismus gewünscht oder vorgestellt hatte, klappte nicht, KONNTE mit so einem Nachbarn wie der Bundesrepublik gar nicht klappen, da der Neid oder die Besitzgier ALLER Menschen größer ist als ihr Duldungsvermögen. Deswegen gingen so viele aus der DDR weg, nachdem sie kostenlos bis zum Abitur und wahscheinlich auch noch kostenlos studiert hatten. Es glaubt wohl jeder, dass das ein riesiger wirtschaftlicher Schaden für den Osten war.
          Ich bin fast der Meinung, dass der Mauerbau gar nicht vorrangig die Idee der DDR-Politiker war, sondern dass es der Auftrag der Sowjetunion gewesen ist. Sie konnten dieses WICHTIGE Land an der Grenze zum kapitalistischen Wirtschaftssystem nicht aufgeben und wollten es natürlich auch nicht.
          Am 13. August waren sehr, sehr viele russische Panzer in Berlin zu sehen – 1953 wahrscheinlich auch schon. Die DDR war für die Sowjets das deutsche sozialistische Flaggschiff, das weder den Kurs noch den Kapitän und die Fahne wechseln DURFTE. Es gab in deren Augen gar keine andere Möglichkeit als eine Mauer. – Was machen denn die reichen Amis mit ihrer Abtrennung zu Mexiko – und da ist es nicht halb so prekär wie damals.
          Ware die Mauer nicht gebaut worden, hätte es vielleicht schon 20 Jahre früher eine Einverleibung der DDR gegeben, denn dann wäre das Land so runtergewirtschaft gewesen, dass man kaum noch von einer Einigung hätte sprechen können.
          Und es hätte durchaus sein können, dass die DDR die jetzige Ukraine geworden wäre – mit Krieg und allem anderen drumherum. Die russische Führung war wohl nur in der Zeit von Gorbatschow etwas einsichtiger und verhandlungsbereit, alle anderen waren solche Hardliner wie jetzt Putin.
          Und ob das die bessere Lösung gewesen wäre, wage ich anzuzweifeln.
          In meiner gesamten Familie war nicht nicht ein einziger in irgendeiner DDR-Partei, auch nicht bei den Blockparteien. Und Vorteile hatten wir nicht, weil ich politisch schlecht angesehen war und mein Ex z.B. Wehrdienstverweigerer war.
          Aber erst nach 1990, als ich gleich und sofort NUR westliche Arbeitgeber hatte, begriff ich wirklich den Unterschied.
          Die Politiker der DDR standen mir nicht so nahe, dass ich täglich drei Schimpfkanonaden auf sie herab prasseln lassen wollte. Die Stasileute in der Umgebung kannte man, so dass ich wusste, wo ich mich ein wenig vorsehen musste.
          Aber ich konnte jederzeit gegen einen unfähigen Chef oder Gruppenleiter oder oder oder opponieren. Im äußoersten Bedarfsfall, falls sich gar nichts änderte, konnte ich auch die Arbeitsstelle wechseln, ich habe immer eine neue bekommen, meist eine bessere.
          UND ALLES DAS war 1990 anders und hat mich weitaus mehr getroffen und vor allem arbeitslos gemacht.
          Der erste Chef, wo ich fast 10 Jahre gearbeitet, habe, schmiss mich mit einer sehr fadenscheinigen Begründung raus, weil er eine vollkommen ungerechtfertigte Abmahnung zurück nehmen musste. Und das passiert doch einem HERRN DR. MARX nicht – im ersten Gespräch hat er mich begrüßt mit: „So unverschämt kann nur eine Frau aus dem Osten sein!!!“ – Und mein ganzes „Vergehen“ bestand darin, dass ich eine Stunde mit einem ehemaligen Computerfreak telefoniert habe, um meinen Computerfehler zu beheben, weil der Betriebstechniker erst in drei Tagen hätte kommen können.
          Und da er sich dann auch noch vor dem Arbeitsgericht mit mir um meine Abfindung bis aufs Blut gestritten hat, war der westliche Arbeitsmarkt für mich unten durch.
          Danach hatte ich noch drei westliche Arbeitsstellen, die immer nur das Geld vom Arbeitsamt für Langzeitarbeitslose haben wollten. Einer davon war ok, die beiden anderen so grottenschlecht, dass es mir jeden Tag übel war, wenn ich zur Arbeit musste.
          Nach wie vor bin ich der Meinung, dass der BND oder ähnliche Einrichtungen auch nicht schlecht im Überwachen von Personen sind, die sie nicht für ganz koscher hielten.
          Meine Stasiakte habe ich mir angesehen – ich dachte, sie wäre schlimmer. Vielleicht war der schlimmere Teil in Görlitz oder Dresden gespeichert, aber mir war die Lust vergangen.
          Wenn du mich fragst, ich bin besser damit zurecht gekommen, eine Arbeit zu haben und meine Chefs „erziehen“ oder „beschimpfen zu können als mich jetzt hinzustellen und sagen, unsere Politiker sind zum großen Teil Nullen, Nichtsnutze oder Profiteure von der gesamten Lage.
          Das War das Wort zum Dienstag – vollkommen unkorrigiert und nicht noch einmal gelesen.

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          • Erst mal danke für Deine ausführliche Antwort. Miir ist schon klar, warum die Mauer gebaut worden ist. Ich kann natürlich überhaupt nicht nachempfinden, wie das Leben in der DDR war, weil ich halt Wessi bin und mein Wissen meist aus Büchern habe, bis auf wenige, überwachte, Begegnungen bei einer Projektreise in die DDR (Weimar, Dresden und Königstein, aber immer begleitet von Stasi-Leuten)
            Ich will das westliche System auch nicht schön reden. Ich habe mit dem Turbo-Kapitalismus hier nix am Hut, weshalb ich ja auch seit Jahren im sog. Non-Profit Bereich arbeite. Das mit dem Überstülpen eines neuen Systems vielen Menschen viel genommen wurde, denke ich schon lange. Ich rede ja auch ungerne von Wiedervereinigung. Denn das hätte bedeutet, dass man nicht ein System über das andere stülpt, sondern bei beiden guckt, was war gut, was nicht. Aber Bautzen und Hohenschönhausen hat es eben auch gegeben.

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            • Danke, danke, danke. Natürlich weiß ich von Bautzen und den vielen vielen anderen Stasi- Gefängnissen. Das in Berlin habe ich mir natürlich angesehen. Ich hätte wahrscheinlich eine andere Meinung, wenn ich tatsächlich dort in so einem Gefängnis gesessen hätte, nicht nur paar Wochen oder paar Monate, sondern ein Jahr oder länger.
              Aber das habe ich nicht, auch wenn meine nicht so positive Meinung über den Staat von mir nie hinter dem Berg gehalten wurde. Vielleicht habe ich gerade noch mal Glück gehabt.
              Aber hier mit 55 Jahren nicht mehr richtig arbeiten zu dürfen und dadurch so eine wahnsinnig niedrige schlechte Rente zu haben, das hat meine Begeisterung für diesen Staat hier keineswegs größer gemacht. Aber zum Auswandern bin ich zu alt Punkt liebe Grüße zu dir

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            • Für eine mickrige Rente muss man nicht mal länger nicht gearbeitet haben… der Gatte hat 40 Jahre in der Pflege gearbeitet und sein Rentenbescheid macht mich nur noch wütend.

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  2. Klar muss ich mich melden, unverpixelt im Internet! -grins. Sie war auch zu schön die Zeit bei Elli, so schön, dass ich den nächsten Kurs wegen Mädchenmangel (!) gleich noch einmal mit machte. Zu diesem Tanzstundenherrn habe ich seit wenigen Jahren wieder Kontakt, dank Internet. Die jeweiligen Ehepartner sind einbezogen.
    Beim Klassenfoto stimmt mich traurig, dass mir die Gesichter zwar bekannt sind, ich dazu aber kaum noch einen Namen finde. Liegt vielleicht auch daran, dass bei euch so wenige Jungen waren. Da war die andere Parallelklasse viel interessanter .
    Das Gebäude unserer gemeinsamen Grundschule gehört für mich zu den schönsten Schulgebäuden. Hatte ich ja schließlich täglich direkt vor der Nase. Das Schlagen der Schuluhr alle Viertelstunden habe ich noch heute im Ohr. Ach ja, gemeinsame Grundschule stimmt nur gebäudemässig, ich ging ja in die Mädchenschule, deine Schule war die Jungenschule und wir waren meines Wissens nach der erste Jahrgang, wo diese Trennung aufgehoben wurde. Es blieben aber zwei Schulen in einem Gebäude. 10 Minuten Schulweg hatte ich nicht, schon garnicht, wenn ich von hinten über den Zaun stieg. Nur unserem Hausmeister dürfte man dabei nicht begegnen… Dein Beitrag weckte bei mir gerade sehr viele Erinnerungen ferner Vergangenheit!!!

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    • Hallo – was hätte ich denn bei diesem kleinen Kopf verpixeln sollen? – Als ich den Bildschirm auf 150 % vergrößert habe, meine ich, dich eventuell erkannt zu haben. Stehst du in der letzten Reihe genau in der Mitte – vierte von links und vierte von rechts.
      Wenn ja, war dein Tanzpartner einer aus deiner Klasse? Den konnte ich nicht erkennen.
      Meinst du das Abiturfoto – da weiß ich ja schon längst nicht mehr alle Namen – aber mindestens 4 Frauen sind schon tot – die Männer leben wohl noch alle. Zu Stasi-Ernst hat wohl kaum noch jemand Kontakt – er ist zu keinem Klassentreffen gekommen, soweit ich das weiß´.
      Du warst B1? Wir waren ja der A-Zug. Gab es dann noch eine B2 und B3? Ich glaube mich zu erinnern, dass es eine B3 gab.
      Ich finde die Melanchthonschule auch sehr schön – aber wohl eher von außen als von innen. Das mit der Trennung für Mädchen und Jungen hatte ich auch gelesen, weiß aber nicht mehr, wann das aufgehoben wurde.
      Wenn die Erinnerungen nicht zu schlimm waren, dann ist doch alles gut.
      Und tschüss sagt Clara

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  3. Klasse! Gut bebildert und recherchiert und dann noch die kleinen „Episoden“ dazwischen…Das mit dem Grundschullehrer und Kinder-auf-den-Schoß-ziehen habe ich später noch bei einem Kollegen erlebt, keiner hat was zu ihm gesagt, es sah doch nett und harmlos aus…wie gut, dass du später die geliebte Lehrerin hattest!
    Echt bewegend alles!

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    • Gegen alle Gepflogenheiten habe ich deinen Kommentar mit einem Like versehen – ich bin ja nicht so die Likerin – ich schreibe ja lieber. – Aber hier sind mir deine Worte fast ungefiltert ins Herz hinein geflossen.
      Mir hat meine Mitschülerin aus den ersten 8 Jahren bei Fb geantwortet. Ich konnte mich an den von ihr erwähnten Lehrer nicht erinnern. Er war Witwer, nicht mehr ganz jung und bewohnte ein schönes Haus zusammen mit seiner Tochter. Und weil er diese als „Ehefrau“ missbraucht hat, ging er mehrere Jahre ins Gefängnis. Und der war (auch) streng katholisch.
      In der Physiotherapeutenausbildung kommt dann nochmal eine Lehrerinnenepisode – und die war ganz jung, nur wenig älter als wir, uns so schnuckelig, aber ihr Arztmann auch, genau so schnuckelig.

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  4. Du warst ein sehr hübsches Mädchen

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    • Liebe Maja, danke für das Kompliment, aber meine männlichen Altersgenossen müssen das offenbar anders gesehen haben. – Bis zum Ohrenanlegen fand ich mich selbst wirklich hässlich – aber irgendwie konnte ich damit umgehen.
      Aber danach habe ich mich oft gefragt, warum ich beim Tanzen gar nicht oder immer fast zuletzt geholt wurde. Die jungen Männer haben die langhaarigen, vollbusigen Mädchen bevorzugt. – Und wie ich auf dem Abifoto sehen kann, haben viele von uns lange Haare.

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  5. Das ist sehr spannend!

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  6. Liebe Clara,
    Was für ein bewegtes Leben. Ich mag gar nicht viel sagen, lese und schaue lieber.
    Herzliche Grüße
    Amélie 🍃

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    • Liebe Amélie, das ist schon so in Ordnung. – Bei dieser Serie geht es wohl doch hauptsächlich um mich und meine Erinnerung – diese Seiten werde ich mir nach Fertigstellung dann tatsächlich mal ausdrucken – ist ja dann so etwas Ähnliches wie eine Biografie – schreiben doch alle berühmten Leute – warum auch nicht mal die unberühmten?
      Gruß in das sicher ruhigere kleine B und an dich!

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  7. Eine höchst abwechslungsreiche Lebensgeschichte. Schön, wenn Freundin Barbara auch noch das ein oder andere Detail beizusteuern weiß. So ergibt sich ein vielseitiges Bild. Die Oma hat ja verschmitzt liebenswerte Züge an sich. Ebenso wie das frech dreinblickende, langzöpfige Mädchen 🙂
    Sitzt Du heute auch noch kippelnd am Computer? Gut, dass das niemand überprüfen kann und Noten im Betragen verleiht 🙂
    Liebe Grüße und einen guten Wochenstart

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    • Barbara hat es wahrscheinlich die Sprache verschlagen, weil ich ihr nicht bedingungslos glauben will, dass ich statt auf der Schulbank auf der hinter mir stehenden Bank gesessen habe. Kippeln konnte ich nicht mit den Dingern – eventuell waren die sogar am Boden verschraubt. – Und jetzt kann man mit diesen 5beinigen Roll-Bürostühlen auch nicht kippeln, nur hin- und herrollen.
      Welches „frech dreinblickende langzöpfige Madchen“ magst du nur gemeint haben. Ich kann doch auf einem Estkommunionfoto nicht frech dreinblicken.
      Bei uns damals gab es drei Abstufungen in der Bestrafung von Fehlverhalten. Die erste war ganz harmlos und bestand in einer oder mehreren schärferen Bitte, damit aufzuhören. – Das zweite war eine „Verwarnung“, die ins Hausaufgabenheft eingetragen wurde und zu Haus unterschrieben werden musste. Davon habe ich im Schulleben so einige „gefangen“ – Die dritte war ein „Tadel“, der war schon sehr hart , aber ganz ohne konnte ich leider auch nicht durch die Schulzeit kommen. – Ob es damals schon einen „Verweis“ gab, nach dem man von der Schule geschickt wurde, weiß ich nicht.
      Ich habe heute noch lieben Besuch aus Bayern, die hier zu einer Weiterbildung ist.
      Ich kann immer nicht so genau erkennen, ob du im Messenger eine Nachricht gelesen oder gehört hast. Ich habe dir was geschickt.
      Auch dir einen frohen Montag

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