Claras Allerleiweltsgedanken

Retrospektive 1965 – 75 (3)

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Zwischen 20 und 30 wird geheiratet – 1965-1975

und damit der nicht sehr beliebte einsilbige Familienname getauscht – und seitdem gibt es (im übertragenen Sinne) Clara Himmelhoch. Aber in diesen 10 Jahren passiert noch viel, viel mehr. Mehr oder weniger wisst ihr natürlich schon, dass zu einer Ehe meist auch Kinder gehören.

Aber zuvor in chronologischer Folge:
Meine Mutter hätte bestimmt nicht unsere Hochzeitsfeier finanziert mit dem Mann, den ich bei meiner Ausbildung zur Physiotherapeutin in Dresden eben dort kennen gelernt habe, wenn ich nicht vorher eine Berufsausbildung abgeschlossen habe. Dass mit dieser politisch schlechten Beurteilung und KEINER Mitgliedschaft in der FDJ trotz sehr guter Zensuren kein vernünftiger Studienplatz möglich war, begriff sogar ich, wenn auch zähneknirschend. Ich dachte, besonders pfiffig zu sein, und wollte über den Umweg der Physiotherapeutin das Hochschulstudium zur Medizinpädagogin vorbereiten. So naiv ist Clara mit 19 Jahren. – Zum Glück hatte ich auch dort eine supersupergute, ganz junge und ganz hübsche Lehrerin, die meine Gesinnung sehr gut kannte. Sie lud mich nach Hause ein und sagte: „So, du stehst jetzt Ende April vor deiner Studiengruppe und teilst ihnen mit, dass sie sich am 1. Mai um 9.00 Uhr zur Maidemonstration einzufinden haben.“ – Ich fing an zu lachen und meinte: „Ich war so gut wie noch nie zu so einer Veranstaltung, da kann ich doch die Studenten nicht dazu auffordern 🙂 😉 “ – Und daraufhin ihre richtige Schlussfolgerung: „DU kannst in diesem Staat keine Lehrerin sein – die schmeißen dich gleich im ersten Jahr raus, falls du überhaupt durchs Studium kommst!“ – Wo sie recht hat, hat sie recht – und ich habe es gelassen.

Meine Ausbildung war im Februar 1967 beendet und bis zum Schwangerschaftsurlaub im Oktober 1968 arbeitete ich in Dresden.

Hier geht Clara (1966) gut behütet auf die Pirsch, denn der lang betrauerte erste Liebhaber muss ja irgendwie und irgendwann ersetzt werden. Das ist ein Foto mit Raritätswert, denn ganz selten im Leben habe ich ein Kostüm getragen – einen Hut noch viel seltener.

Jetzt vergleiche ich mich mal wieder mit Blumen. Da ich zweimal geheiratet habe, gibt es auch zwei Rosen für mich – eine für das Standesamt im Oktober 1967 und eine für die kirchliche Trauung im April 1968.

Bei dem ersten Rosenfoto in der Galerie soll der kleine weiße Pfeil anzeigen, dass bei der Hochzeit schon ein Miniableger dabei ist. Damals war man wegen des Geschlechts bis zum Zeitpunkt der Entbindung ahnungslos.

Und da wir in der DDR ohne Kinder sehr schlecht zu einer Wohnung kommen konnten, hatten wir sicherheitshalber schon nach der standesamtlichen Trauung den Grundstock für unsere Tochter gelegt. – Als später mal eine erzkatholische Tante, nach der unsere Tochter ihren Zweitnamen bekommen hat, die Vorarbeit für eine große Familienchronik leistete, musste unbedingt das Datum von der standesamtlichen Trauung eingetragen werden, damit es nicht etwa nach einem unehelichen Kind aussähe. – Die Leute haben Probleme – im Osten war man damit weitaus lockerer.

Ist unser Ende 1968 geborener „kleiner Buddha“ nicht köstlich anzusehen – die immensen Begabungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten zeigten sich nicht gleich nach der Geburt, aber unwesentlich später.

Und als dann der Kronprinz im März 1971 folgte, war endlich der Weg in eine kleine Neubauwohnung mit zwei Zimmern und 47 m² frei – wir bekamen diese Wohnung, weil die ehrenwerten Parteigenossen höherer Dienstgrade so eine kleine Wohnung verschmähten. (Fotos weiter unten!)

Standesgemäß haben beide Kinder die typische „Himmelhoch-Nase“, die wie eine Steckdose aussieht, in die man beide Finger hineinstecken kann. – Sie wuchsen ziemlich problemlos auf, um schulische Dinge musste ich mich so gut wie gar nicht kümmern. Der Sohn hätte eifriger sein können, aber er hat seinen Weg gemacht.

Jetzt noch ein bisschen family auf Fotos. Weihnachten war die Oma der Kinder = meine Mutter abwechselnd bei uns zu Besuch oder wir sind nach Görlitz gefahren. Die große Schwester liebte ihren kleinen Bruder herzinniglich, aber dem war das manchmal zu viel Fürsorge.

Und wie sieht alles in der Blumensprache aus? – Clara mit ihren zwei Kindern – erst mit den kleinen, später mit den schon etwas größeren.

Das letzte Foto habe ich „Kinderfütterung“ genannt.

Gewohnt haben die Himmelhochs auch irgendwo – zuerst nach der Hochzeit getrennt, da der Geldverdiener in Berlin gearbeitet hat und die Mutter mit ihrem Kind noch in Görlitz in der Wohnung der Mutter/Oma Quartier hatte, um nicht unter der Brücke schlafen zu müssen. Die Oma war selig und glücklich, dass sie so einen direkten Zugang und besten Draht zu dem Enkelkind hatte. Dieses Glück hat nicht jede Oma, u.a. ich nicht.

Als dann der Sohn unmittelbar vor dem Schlüpfen war, bekamen wir die schon mehrfach erwähnte Zweizimmerwohnung auf der Fischerinsel 6 – und wir waren selig hoch drei.

Bis bald mal wieder!

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Rein fakultativ: Clara und Politik

Morgen jährt sich der „17. Juni 1953“ zum 69. mal. Es könnte sein, dass Ältere westliche Leser mehr darüber wissen als die aus dem Osten – denn dieses Thema wurde in der DDR nicht behandelt und nicht diskutiert. Internet gab es nicht, westliches Fernsehen war in einem großen Teil des Landes nicht zu empfangen, wenn überhaupt schon jemand Fernsehen hatte.

Ich war acht Jahre alt und habe von den Geschehnissen, die auch in Görlitz zu merken waren, sehr wenig mitbekommen. Nur später kam immer eine ältere Dame zu uns zu Besuch, deren Sohn wegen dieser Ereignisse bzw. seiner aktiven Teilnahme daran im „Gelben Elend in Bautzen“ saß – einem der großen Stasigefängnisse der DDR.

Ob in Görlitz auch russische Panzer auffuhren, weiß ich nicht, aber auf jeden Fall waren sie in Berlin vorhanden. Ich wohnte von 1985 bis 2000 in einer Wohnung auf der früheren Stalinallee – eine Wohnung mit allem, was man sich wünschen konnte.

Erst durch Recherchen habe ich erfahren, dass von diesen Bauarbeitern und ihrer Unzufriedenheit mit den Bedingungen die Unruhen zum 17. Juni ihren Anfang nahmen.

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Diesen jetzt folgenden Text habe ich zum gestrigen Artikel einer Leserin geantwortet, weil ich immer wieder bemerke, dass „der Westen“ einen ganz anderen Blick auf „den Osten“ hat als viele der Leute, die dort gewohnt haben. Also jetzt mein langer, langer Kommentar – so politisch habe ich mich lange nicht geäußert, weil Politik nicht mein Ding ist.

Den Mauerbau kann man nur im ganz großen Zusammenhang sehen – durch das Viermächteabkommen war der Teil der späteren DDR an Russland gefallen – an das Land, das im Krieg die größten Verluste erlitten hat durch den Überfall der Deutschen, die ja ohne Wenn und Aber diesen Krieg begonnen hatten.
Die spätere Bundesrepublik mit den Amis, den Franzosen und den Engländern hatten die besser gestellten „Verlierer“ abbekommen, denn u.a. hat sich der Krieg wohl nicht eine Minute auf amerikanischem Territorium abgespielt.
Deswegen hat die Bundesrepublik Aufbauhilfe in verschiedenster Form bekommen – die DDR dagegen musste Reparationskosten an die Sowjetunion zahlen.
Fast alle Länder ostwärts der DDR gehörten zum sozialistischen Lager. Und da wollte die damalige Führung der UdSSR nicht dran rütteln lassen.
Der politische und vor allem wirtschaftliche Unterschied zwischen Bundesrepublik und DDR wurde immer gravierender. Das, was sich Kommunisten oder Sozialisten unter Sozialismus gewünscht oder vorgestellt hatte, klappte nicht, KONNTE mit so einem Nachbarn wie der Bundesrepublik gar nicht klappen, da der Neid oder die Besitzgier ALLER Menschen größer ist als ihr Duldungsvermögen. Deswegen gingen so viele aus der DDR weg, nachdem sie kostenlos bis zum Abitur und wahscheinlich auch noch kostenlos studiert hatten. Es glaubt wohl jeder, dass das ein riesiger wirtschaftlicher Schaden für den Osten war.
Ich bin fast der Meinung, dass der Mauerbau gar nicht vorrangig die Idee der DDR-Politiker war, sondern dass es der Auftrag der Sowjetunion gewesen ist. Sie konnten dieses WICHTIGE Land an der Grenze zum kapitalistischen Wirtschaftssystem nicht aufgeben und wollten es natürlich auch nicht.
Am 13. August waren sehr, sehr viele russische Panzer in Berlin zu sehen – 1953 wahrscheinlich auch schon. Die DDR war für die Sowjets das deutsche sozialistische Flaggschiff, das weder den Kurs noch den Kapitän und die Fahne wechseln DURFTE. Es gab in deren Augen gar keine andere Möglichkeit als eine Mauer. – Was machen denn die reichen Amis mit ihrer Abtrennung zu Mexiko – und da ist es nicht halb so prekär wie damals.
Ware die Mauer nicht gebaut worden, hätte es vielleicht schon 20 Jahre früher eine Einverleibung der DDR gegeben, denn dann wäre das Land so runtergewirtschaft gewesen, dass man kaum noch von einer Einigung hätte sprechen können.
Und es hätte durchaus sein können, dass die DDR die jetzige Ukraine geworden wäre – mit Krieg und allem anderen drumherum. Die russische Führung war wohl nur in der Zeit von Gorbatschow etwas einsichtiger und verhandlungsbereit, alle anderen waren solche Hardliner wie jetzt Putin.
Und ob das die bessere Lösung gewesen wäre, wage ich anzuzweifeln.
In meiner gesamten Familie war nicht ein einziger in irgendeiner DDR-Partei, auch nicht bei den Blockparteien. Und Vorteile hatten wir nicht, weil ich politisch schlecht angesehen war und mein Ex z.B. Wehrdienstverweigerer war.
Aber erst nach 1990, als ich gleich und sofort NUR westliche Arbeitgeber hatte, begriff ich wirklich den Unterschied.
Die Politiker der DDR standen mir nicht so nahe, dass ich täglich drei Schimpfkanonaden auf sie herab prasseln lassen wollte. Die Stasileute in der Umgebung kannte man, so dass ich wusste, wo ich mich ein wenig vorsehen musste.
Aber ich konnte jederzeit gegen einen unfähigen Chef oder Gruppenleiter oder oder oder opponieren. Im äußoersten Bedarfsfall, falls sich gar nichts änderte, konnte ich auch die Arbeitsstelle wechseln, ich habe immer eine neue bekommen, meist eine bessere.
UND ALLES DAS war 1990 anders und hat mich weitaus mehr getroffen und vor allem arbeitslos gemacht.
Der erste Chef, wo ich fast 10 Jahre gearbeitet, habe, schmiss mich mit einer sehr fadenscheinigen Begründung raus, weil er eine vollkommen ungerechtfertigte Abmahnung zurück nehmen musste. Und das passiert doch einem HERRN DR. MARX nicht – im ersten Gespräch hat er mich begrüßt mit: „So unverschämt kann nur eine Frau aus dem Osten sein!!!“ – Und mein ganzes „Vergehen“ bestand darin, dass ich eine Stunde mit einem ehemaligen Computerfreak telefoniert habe, um meinen Computerfehler zu beheben, weil der Betriebstechniker erst in drei Tagen hätte kommen können.
Und da er sich dann auch noch vor dem Arbeitsgericht mit mir um meine Abfindung bis aufs Blut gestritten hat, war der westliche Arbeitsmarkt für mich unten durch.
Danach hatte ich noch drei westliche Arbeitsstellen, die immer nur das Geld vom Arbeitsamt für Langzeitarbeitslose haben wollten. Einer davon war ok, die beiden anderen so grottenschlecht, dass es mir jeden Tag übel war, wenn ich zur Arbeit musste.
Nach wie vor bin ich der Meinung, dass der BND oder ähnliche Einrichtungen auch nicht schlecht im Überwachen von Personen sind, die sie nicht für ganz koscher hielten.
Meine Stasiakte habe ich mir angesehen – ich dachte, sie wäre schlimmer. Vielleicht war der schlimmere Teil in Görlitz oder Dresden gespeichert, aber mir war die Lust vergangen.
Wenn du mich fragst, ich bin besser damit zurecht gekommen, eine Arbeit zu haben und meine Chefs „erziehen“ oder „beschimpfen zu können als mich jetzt hinzustellen und sagen, unsere Politiker sind zum großen Teil Nullen, Nichtsnutze oder Profiteure von der gesamten Lage.
Das War das Wort zum Dienstag – vollkommen unkorrigiert und nicht noch einmal gelesen.

Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Hausfrauentipps und -tricks als auch Koch- und Backrezepte müsst ihr wo anders suchen.

26 Kommentare zu “Retrospektive 1965 – 75 (3)

  1. Ich bin ja gerade mal 3 Jahre älter als Deine Tochter, habe also vieles gar nicht erlebt. Wir hatten auch keine Ostverwandschaft, also wenig Bezug zur DDR. Ich hab allerdings mal in einer Pflegefamilie gelebt. Der Pflegevater hat seine Frau per Tunnel aus dem Osten Berlins geholt, er selbst war wohl Westler und aktiver Fluchthelfer.
    Hier war vieles auch lange ideologisch verbrämt. Wenn ich an Typen wie Strauß denke und all die Altnazis, die die Nachkriegszeit gesellschaftlich geprägt haben. Der Osten war das perfekte Feindbild. Wie oft habe ich auf irgendwelchen Demos zu Zeiten der Friedensbewegung gehört: „Geh doch nach drüben“
    Ich bin als Schülerin mal mit einer Projektreise „rüber“ und als ich meinen Studienplatz in Berlin hatte, bin ich mal einen Tag nach Ostberlin rüber. Nach dem Mauerfall und der sog. Wiedervereinigung habe ich mal kurz in Greifswald gelebt und gearbeitet und später noch mal in Leipzig. Von dort aus war ich auch mal in Görlitz, in Dresden, Erfurt, Jena und und… bisschen umgesehen habe ich mich schon in den „neuen“ Bundesländern.

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    • Liebe Frau Momo, da ich sehr große Probleme mit meinen Augen habe, weil trotz verschiedenster Salben und Tropfen und Gels die trockenen Augen eher schlimmer werden als besser. Ich vermeide weitestgehend den Computer – am wohlsten fühle ich mich mit geschlossenen Augen im Sessel oder im Bett.
      Du wärst wirklich die allerallerletzte, der ich Desinteresse am Osten vorwerfen würde – aber du warst oder bist auch für mich nicht das typische Durchschnittsbild einer Person aus dem anderen Staat, wenn wir von vor 89 ausgehen.
      Es ist wohl tatsächlich so, dass man das, womit man aufwächst, als relativ normal ansieht.
      Vor 1985 durfte ich nicht zu Besuch nach Westdeutschland fahren, weil die Kaderleiterin = Personalchefin meiner Arbeitsstelle eine 1000 Prozentige war und es angezweifelt hat, dass mein Halbbruder wirklich mein Halbbruder ist, obwohl mein seltener Geburtsname das bestätigt hat.
      Egal, ich fuhr 1985 zum ersten Mal – und ich war wirklich von vielen Sachen so etwas von entsetzt, dass ich da nicht hätte leben wollen. Mein Ex wollte es auch nicht, er hätte sich beruflich gegen die harte Konkurrenz nicht durchsetzen können. – Ich fand einfach ALLES zu viel, zu viel Reklame, zu viel Licht, zu viel Lärm, zu viele Autos, zu viel Angebote von ein und der gleichen Sache in den Geschäften usw. usf. Es war mir schlicht und ergreifend zu hektisch. – In die Politik habe ich nicht unbedingt reingeschnuppert, denn die von mir Besuchten waren ja alle jenseits von Gut und Böse, also mindestens 75 und älter und vollkommen desinteressiert an Politik.
      Das mit den tragischen Trennungen von Beziehungen ist mir schon bewusst – und ich fand die Fluchthelfer auch gut. Vielleicht setzt man sein Leben wirklich aufs Spiel, wenn man ohne den anderen im anderen Staat nicht leben kann oder will. – Ich wäre zu feige dafür gewesen, aber es bestand ja auch kein Anlass.
      Ich finde es wunderbar, dass du dich „umgesehen“ hast – aber wie viele Leute mögen wirklich noch nie oder vielleicht einmal in Ostberlin gewesen sein.
      Danke für deinen Kommentar!

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  2. Als die Mauer gebaut wurde, hatten wir gerade Besuch von einer Tante meiner Mutter. Sie lebte damals in Oberhausen und hat ab und zu mal ihre Ostverwandtschaft besucht. Ich erinnere mich noch daran, dass meine Eltern fleißig auf sie einredeten, dass sie doch noch bleiben solle. Aber sie hat befürchtet, dass sie im Osten bleiben müsste. Sie hat ganz schnell ihre Koffer gepackt und ab ging es wieder in Richtung Heimat.
    Wieder einmal interessant Dein Ausflug in unsere Vergangenheit, liebe Clara.
    LG von der Silberdistel

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    • Hallo, Silberdistel, irgendwie kann ich die Tante verstehen – ich glaube, ich hätte den Leuten in der DDR, die die Schotten dicht machen wollten, auch nicht getraut.
      Lieben Gruß von Clara

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      • Sicher, später habe ich das auch verstanden, aber in dem Moment nicht, ich war damals 11 Jahre alt. Ich konnte nicht verstehen, warum sie so hektisch wieder weg wollte.
        LG zurück

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        • Ich habe das Verhalten meiner westlichen Verwandtschaft, die ab und an mal zu Besuch war, nie verstanden. Erstens das, was sie mitgebracht haben Punkt das hatten wir alles Punkt und dann haben sie immer so großzügig getan, und was sie erzählt haben, das waren wie böhmische Berge für mich. Es waren wirklich zwei ganz unterschiedliche Länder. Ich hatte später bei Reisen das Gefühl, dass wir zu den Polen oder den Tschechen ähnlicher waren als zu den westdeutschen

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  3. liebe clara, sehr spannend zu lesen, wie du dein leben in berlin und görlitz beschreibst. und den 17.06. habe ich ganz fest in erinnerung durch meine frühere schwiegermutter(geb. 1920). sie beteiligte sich auf der werft in rostock am aufstand und erzählte viel darüber, sie floh mit meinem ex-mann(geb. 1943) per s- bahn nach westberlin, später wurden sie ausgeflogen. die zustände im flüchtlingslager waren damals sehr beengt und sie hatte durch diese flucht ihre schwester verloren, aber zuviel angst um zu bleiben. wir sind seit 1978 fast jährlich in berlin gewesen, ich habe 1990 mit der s- bahn den ganzen berliner osten bereist. 1991 sind wir in görlitz gewesen und von dort über landstraßen nach berlin, wir waren auch in stralsund und rheinsberg. wir waren neugierig auf diesen teil deutschlands, zu dem wir sonst keine beziehung hatten. vor dem okt. 1989 hatten wir unberechtigt einige unangenehme begegnungen an der grenze. ich auch im buchladen in berlin, da ich mich verrchnet hatte und mir 1,10 dm ost fehlten zum zahlen der bücher(zwangsumtausch). hinter mir ca. 20 menschen, westgeld wurde zurückgewiesen, ein buch zurückgeben ging nicht, weil schon eingegeben. zum glück schenkte mir ein mensch das geld! unsere berliner freunde haben uns immer mit wunderbaren geschichten versorgt, sie wohnten in tiergarten und er war musiker im friedrichstadtpalast. ich werde über deinen bericht nachdenken und sehe ihn als wichtiges zeitzeugnis. drucke es aus für kinder und enkel. herzliche grüsse, roswitha

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    • Liebe Roswitha, als Kind haben wir immer gesagt: „Was, da staunste Bauklötzer?“ – Genau so ging es mir beim Lesen deines Kommentars, für den ich dir wirklich herzlich danke.
      Längst nicht alle Westdeutschen sind FREIWILLIG in das neue Gebiet gefahren, was jetzt plötzlich zu einem gemeinsamen Land geworden ist. Ich möchte behaupten, dass ein größerer Prozentsatz noch NIE in ostdeutschen Städten gewesen sind, von denen es einige sehr schöne gibt.
      Was du von deinen S-Bahnfahrten 1990 schreibst, habe ich bei meinen Besuchen ab 1985 (wenn man einmal die Genehmigung hatte und zurück gekommen ist, durfte man immer fahren – ich jedenfalls. Im Laufe der Zeit habe ich sogar Verwandtschaft „erfunden“, um zu runden Geburtstagen fahren zu dürfen. Ich war ab 85 jedes Jahr einmal 14 Tage in verschiedensten Gegenden und Städten. Auf dem Rückweg habe ich dann (unerlaubte) Pause in Westberlin gemacht – etwas frech war ich ja schon immer, und ich habe die Zeit jedes Jahr verlängert, weil ich eine gute Schulfreundin hatte, die dorthin geheiratet hat.
      Und als ich ca. 1 km von meiner geliebten Fischerinsel auf Westseite war und auf diesen erhöhten Aussichtspunkten stand, habe ich das erste Mal geheult, weil ich die Trennung so blöd fand.
      Die Fluchten vor dem Mauerbau über die S-Bahn in Berlin können ja viele beschreiben – nach der Mauer war es durch Fluchttunnel oder ähnliches viel gefährlicher.
      Das Flüchtlingslager hier in Berlin ist ja ganz bei mir in der Nähe – ich weiß nicht, ob ich dort hätte längere Zeit bleiben wollen, bis ich „vermittelt“ worden wäre.
      Und du warst sogar in Görlitz, da staune ich wirklich. Ich habe an der Straßenbahnstrecke zur Landeskrone gewohnt, in der sogenannten Südstadt.
      Stralsund mochte ich sehr, früher war ich ab und an dort, das Meereskundemuseum fanden meine Kinder immer eine Wucht.
      Da bin ich aber froh, dass dir jemand von meinen ehemaligen Landsleuten die popligen 1,10 Mark der deutschen Notenbank = offizielle Bezeichnung geschenkt hat, damit du deine Bücher bezahlen konntest.
      Wir waren immer glücklich, wenn wir von irgendwelchen Besuch ein wenig Westgeld bekamen für den Intershop. Aber Bücher waren besser. Mein einer Cousin war mutig und hat einiges „geschmuggelt“ – u.a. „1984“ von Orwell und das Soldatenfluchtdrama „So weit die Füße tragen“. Hätten sie das erwischt, wäre es nicht zu mir gekommen.
      Gute Nacht – das hat mir jetzt richtig, richtig gut gefallen.
      Liebe Berlingrüße von Clara

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      • schön, liebe clara, dass ich dich zum erstaunen bringe. ich hatte sogar die woche urlaub in chemnitz(2006) vergessen, in erinnerung an eine dort geborene freundin, und an einen freund, der dort fast zwei jahre auf dem karsberg saß, politischer häftling, wurde freigekauft. mein mann und ich wollten immer unbekanntes nah und fern kennenlernen. da wir nie geflogen sind hatten wir zeit uns nah umzusehen. es war spannend, ich war sogar einmal im hallenbad auf der fischerinsel, erinnere mich, dass es schön war. hab es gut, gruß roswitha

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  4. Liebe Clara, dein Zusatz-Beitrag zum 17. Juni erinnert mich an meinen, den ich letztes Jahr zum 40. Jahrestag des Mauerbaus am 13. August schrieb. Obwohl ich jünger war als du, finde ich wichtig, diesen differenzierten Blick zu behalten, und nicht zu leugnen, dass es damals, sowohl aus Sicht vieler Ostdeutscher, aber eben auch der Weltpolitik allgemein, ein Warum und wenn nicht gute, aber doch nachvollziehbare Gründe gab für die Mauer. Man konnte damit leben. Wie es mit einem Krieg ausgesehen hätte, schreibst auch du, sehen wir heute, nach Öffnung des Ostens, leider immer wieder. Erst auf dem Balkan, jetzt in der Ukraine.
    Und zu deinen Erfahrungen auf dem freien Arbeitsmarkt: Jedes Ding und jedes System hat zwei Seiten, damals wurdest du nach dem Studium oder nach der Ausbildung an deinen vorgeschriebenen Platz abkommandiert, jetzt hast du alle Freiheit, deinen Traumjob zu finden oder auch nicht.
    Du machst es richtig, immer das Beste aus jeder Situation. Ohne das Gesicht zu verlieren. Was bleibt einem auch anderes übrig. Danke, dass du deine Erinnerungen hier teilst! LG Anke

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    • Liebe Anke, du glaubst gar nicht, wie sehr ich mich über deinen Kommentar freue. Wenn du auch so einiges jünger bist als ich und vor allem in einem ganz anderen Elternhaus aufgewachsen bist – aber letztendlich kommen wir eben doch aus dem gleichen „Stall“
      Ich werde mich nach dem Beantworten der Kommentare auf deine Seite begeben und deinen Beitrag vom Mauerbau lesen. Mich irritiert nur, dass du was vom 40. Jahrestag schreibst – 2021 war doch schon der 60. Jahrestag des Mauerbaus.
      Ich finde es unglaublich gut, dass einige meine Texte wirklich mit Interesse gelesen haben – sehr viele aus der DDR gibt es ja in Bloggershausen nicht.
      Hauptsächlich habe ich es für mich geschrieben und werde es dann auch ausdrucken – um so größer die Freude, wenn auch andere Spaß daran haben und vielleicht mal einen anderen Blickwinkel sehen.
      Gute Nacht zu dir

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  5. Liebe Clara, eigentlich sollte ich mich um meinen Wäscheberg kümmern. Viel schöner und interessanter war es aber in “Claras Welt” abzutauchen. Toll geschrieben und super so viele Fotos zu sehen. Ich glaub ich hab jetzt noch weniger Lust auf Wäsche 😂

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  6. Guten morgen, eine interessante Lektüre am morgigen ich hab gestern Abend schon damit angefangen. Du schreibst dermaßen interessant über die DDR und BRD, Mauerfall und überhaupt alles, wie es damals war, das kann ich nur bewundern. Auch deshalb interessant weil es bei mir Erinnerungen weckt an meine Tante, die von hier BRD evakuiert würde während des Krieges und in Thüringen landete, dort einen Mann kennenlernte, sich verliebte und dortgeblieben ist. nach 1961 nicht mehr nach Hause könnte bis zur Rente. Unfassbar alles

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    • Hallo Maja, schön, dass du es interessant findest – das freut doch die Tastendrückerin. 🙂
      Ich habe in Mauerzeiten schon oft darüber nachgedacht, warum ich nicht ganz so sauer darüber war wie andere. Das lag garantiert daran, dass ich nicht durch den Mauerbau von wirklich ganz lieben Menschen getrennt wurde – ich war ja erst knappe 16 Jahre jung. Meinen Halbbruder, der 1949 „abgehauen“ ist, kannte ich kaum, so dass ich ihn auch nicht vermisst habe. – Die Verwandtschaft meines Vaters kannte ich überhaupt nicht – und zu meiner Mutter haben sie wohl auch wenig Kontakt gesucht.
      Also war das für mich mehr oder weniger ein anderes Land, zu dem ich keine Beziehungen hatte.
      Wie gesagt, wäre mein Vater nicht im Mai 46 tödlich verunglückt und meine Mutter Hals über Kopf mit den beiden Kindern wieder zurück nach Görlitz zu fahren, um ihn zu beerdigen, wäre ich eventuell im anderen Teil Deutschlands aufgewachsen.
      Das sind jetzt alles „Wenn’s“ und „Aber’s“, die ich nicht mehr beeinflussen kann. Ich bin ziemlich realistisch und mache schon seit Jahren das Beste aus der Situation.

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  7. Na Du schreitest ja elegant wie eine Rose daher. Kein Wunder, dass Du schnell unter der Haube warst. Deinen Sohn habe ich gleich wieder erkannt, nachdem ich bisher überwiegend aktuelle Aufnahmen von ihm gesehen habe. Hat sich ja nur unwesentlich verändert 🙂
    So ein tolles Schaukelpferd hatte ich auch mal. Sah fast gleich aus. Glücklicherweise bin ich nicht in solch einem Wolkenkratzer aufgewachsen. Aber Du hast dem Namen Himmelhoch immerhin alle Ehre gemacht und ein hohes Haus gewählt 🙂
    Liebe Grüße

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    • Hallihallo, das ist nicht dein Ernst, dass mein Sohn sich in der Fassung von 1972 und jetzt ähnelt? Hat er tatsächlich wiederzuerkennende Gesichtszüge bei seiner Schaukelei mit dem geliebten Schaukelpferd?
      Damals, als wir zuerst in die 6. und später in die 16. Etage gezogen sind, war ja die Bloggerei und mein Wahlname „Himmelhoch“ noch in weiter Ferne – aber so im nachhinein betrachtet, war die Wahl des Namens gar nicht so schlecht, denn auch jetzt wohne ich ja wieder ganz oben, wenn das auch nur die 7. oder 8. Etage ist – je nachdem, ob man das EG als Extraetage wertet.
      Jetzt muss ich langsam ans Kochen denken, ich habe Hunger.
      Liebe Grüße zu dir

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