Claras Allerleiweltsgedanken


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Das ist mir die letzten 77 Jahre nicht passiert …

… und ich habe keinerlei Lust auf Wiederholung

Es war mal ein Feiertag der ganz besonderen Art, den ich wohl so schnell nicht vergessen werde.

Nachdem ich den Vormittag des „Tag der Einheit“ mit saugen, wischen, putzen und aufräumen zugebracht habe, wollte ich mir am Nachmittag in einer großen Doppelkopfrunde Entspannung und Erholung gönnen.

Der Bus kommt pünktlich und ich sitze in der U-Bahn und warte auf die Abfahrt. Da kommen zwei Jugendliche – ich würde sie auf 15 – 17 Jahre schätzen, sie können aber auch jünger sein. Ein „Wiedererkennungsmerkmal“ für mich waren ihre Milchtüten, an denen sie mit einem Plastikhalm nuckelten.

Plötzlich geht der dicke von den beiden zur Tür, drückt den Schließknopf und verhindert mit brachialer Gewalt das Schließen der Tür. Ich war kurz davor, etwas zu sagen, habe mich aber zurückgehalten.

Wir wollen abfahren und es geht nicht. Der Zugführer kommt gezielt zu dieser Tür und repariert sie. Und in dem Moment sind mir offensichtlich die Sicherungen durchgeknallt.

Die beiden Milchtütenjünglinge sind ein wenig weiter in einen anderen Wagen gegangen, aber ich fand sie natürlich. In relativ ruhigem Ton sprach ich den jungen Mann an und „bedankte“ mich für die verzögerte Abfahrt. Er wurde sofort laut und aggressiv und schrie: „Das war ich nicht“ und machte eine sehr bedrohliche Geste zu mir.

Und da habe ich ganz ernsthaft geglaubt, dass sich ein 17jähriger nicht an einer 77jährigen Frau vergreifen wird.

Einen winzigen Augenblick später musste ich meine gute Meinung über unsere Jugend – es waren wirklich zwei deutsche Jungen – revidieren. Als ich ihm sagte: „Lass deine Finger von mir!!!“ weil er leicht ausgeholt hat, gab er mir kurz danach einen so gewaltigen Stoß – ich weiß noch nicht mal genau, wohin – dass ich von der einen Tür zur gegenüberliegenden Tür flog, mit dem Kopf gegen die Scheibe donnerte und offensichtlich auch mit dem linken Unterarm den Sturz abgefangen habe.

Natürlich halfen mir sofort Leute wieder auf die Beine, andere sprachen vor der Tür mit dem Grobian. Als der Zugführer dazu kam, um ihn zur Rechenschaft zu ziehen, waren er und sein Freund so schnell die Treppe hoch, dass jegliche Hoffnung enteilte.

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Ich meldete mich beim Doppelkopf ab, da die Beule am Kopf schnell an Volumen zunahm. Ich bekam viel Zuspruch und den Link von der Berliner online-Polizei, wo man eine Anzeige aufgeben kann.

Unsere Bahnhöfe sollen ja videogesichert sein – meiner Meinung nach kann der Bengel ruhig ein paar hinter die Ohren bekommen – SO ETWAS MACHT MAN NICHT, ZUMINDEST NICHT MIT CLARA.

Es hätte aber wirklich schlimmer kommen können, so wie es geknallt hat. Und zum Glück ist meine neue Brille heil geblieben. Meine Nachbarin hat mich mit Birnen aus ihrem Garten getröstet.