Claras Allerleiweltsgedanken

Über den Film „In einem Land …

25 Kommentare

… das es nicht mehr gibt“

Ganz vornweg sage ich zu dem Film:

Er ist wahr, er ist gut, er öffnet manchen DDR-Leuten die Augen über damalige Zeiten,
aber er ist nicht typisch!

Ich behaupte jetzt einfach, dass ich die DDR mit ihren guten und schlechten Seiten besser kenne als jeder westdeutsche Blogger, der den Film gesehen hat und ihn für gut befunden hat.
Zu DDR-Zeiten war ich wohl mit einem Drittel meines Herzens auf westdeutscher Seite, weil mir so manches in meinem Land nicht gefallen hat – doch jetzt bin ich mit dem gleichen Drittel meines Herzens in vergangenen Zeiten, weil mir vieles hier auch nicht gefällt.

Es ist nicht vermessen, wenn ich sage, BEINAHE hätte ich die Hauptperson dieses Films sein oder spielen können – nur ich wäre nicht annähernd so hübsch und attraktiv gewesen, so dass ich nicht in der Modebranche bei der Sibylle gelandet wäre.

Von Kino.de habe ich folgendes abgeschrieben:

Handlung und Hintergrund

Es ist 1989 in Ostberlin: Suzie (Marlene Burow) wird kurz vor dem Abitur aus der Schule geschmissen und muss sich als Arbeiterin im Kabelwerk bewähren. Ein zufällig aufgenommenes Foto führt sie jedoch in die Modewelt der DDR. Die Chefredakteurin Elsa Wilbrodt (Claudia Michelsen) bringt sie auf das Cover der Sibylle, dem Modemagazin der DDR.

In der Berliner Undergroundszene macht sie Bekanntschaft mit dem schwulen Modedesigner Rudi (Sabin Tambrea), der aus allen verfügbaren Stoffen wie Duschvorhängen und Resten seine Kunstwerke zaubert. Suzie verliebt sich bei ihrer Arbeit in den Fotografen Coyote (David Schütter), der ihr bald anbietet, mit ihr ans Meer zu fliegen – heraus aus den sozialistischen Strängen. Doch Suzie muss entscheiden, ob sie mutig genug ist, die alten Stränge für immer hinter sich zu lassen.

Ungefähr zu dieser Zeit spielte sich bei mir der Ärger in der Schule ab:

 

Warum sage ich, dass es in gewisser Weise wie meine Geschichte ist. Mit meiner Abiturbeurteilung und dem ganzen Drum und Dran bin ich ja schon mehrfach „hausieren“ gegangen.- Das ist ein Foto, das während der Filmaufnahme gemacht wurde. Ein Team fuhr mit mir nach Görlitz und dort bekam ich diese unsägliche Beurteilung ausgehändigt. Der Film wurde nach 2000 gedreht, denn ich wohnte schon in Lichterfelde.

Es hat sich ganz langsam hochgeschaukelt. Ich konnte damals noch nicht an meinem Pullover das Zeichen „Schwerter zu Pflugscharen“ wie Suzie anbringen oder meine aufpassenden Klassenkameraden mit Orwells „1984“ reizen, denn das war alles noch nicht da. Bei mir reichte es, dass

  • ich mich nach August 1961 weigerte, den „Antifaschistischen Schutzwall“ zu begrüßen
  • dass ich nicht bereit war, meine aktive Arbeit in der katholischen Jugend einzuschränken
  • dass ich aus Aufmüpfigkeit eine Gedenkmedaille vom katholischen Kirchentag München trug, nachdem einen Tag zuvor mehrere Mädchen zum Direktor mussten, weil sie eine Münze um den Hals getragen haben
  • dass ich beim Gespräch mit der Klassen-FDJ-Leitung nicht zu Kreuze gekrochen bin, zumal meine ehemals beste Freundin Details eingestreut hat, die sie nur aus unserem engen Freundschaftsverhältnis her kannte
  • und last but not least – ich dem jungen Beamten bei der Staatssicherheit, wohin ich wegen der getragenen Münchenmedaille bestellt wurde und er mir mit Ästhetik kam, vorgehalten habe, er solle doch erst mal in den Spiegel gucken, bevor er mit mir über Ästhetik redet.

Und das alles führte als erste Reaktion dazu, dass ich aus der FDJ ausgeschlossen wurde – ein Todesurteil für JEDEN vernünftigen Studienplatz. Aber es sollte noch einen Zahn schärfer werden, denn das Lehrerkollegium trat zusammen und beriet darüber, ob ich die Schule verlasse muss. Und das war ein Jahr vor dem Abitur, und ich war sehr gut in meinen Leistungen.

Eine mir wohlgesinnte Lehrerin hat mich über das Abstimmungsverhältnis aufgeklärt – 1963 waren die sozialistischen Gedankengänge noch nicht so festgefahren wie später – also haben zwei mehr für mich als gegen mich gestimmt und ich durfte bleiben und 1964 mein Abitur machen.

So unschuldig sah ich aus – dass die nicht bemerkt haben, dass ich kein Wässerchen trüben kann *haha*

Eigentlich habe ich mir nie richtig vorgestellt, was ich gemacht hätte, wenn es mir so wie der Hauptdarstellering in dem Film gegangen wäre. Ich hätte keinen vernünftigen Schulabschluss gehabt, denn wir hatten in der 10. Klasse keine Zwischenprüfung, sondern bei uns galt nur das Abitur als Abschluss.

**********

Und jetzt zu meiner Auffassung, warum ich und alles, was ich hier schildere, nicht typisch war für die DDR, zumindest nicht zu meiner Zeit. Ich war die Ausnahme, nicht nur in der Klasse am Gymnasium, sondern noch weitaus ausgeprägter bei meinem Fachschulstudium von 1979 – 1982. – Vielleicht hat dieser kleine Widerstand im Laufe der Jahre zugenommen, so dass es zu Suzies Zeit weitaus normaler war, gegen die strengen Anordnungen ein wenig aufzumüpfen.

Doch zu meinen Zeiten: Fast alle anderen trotteten mit, müpften nicht auf, wurden mit wunderbaren Studienplätzen belohnt, machten ihre berufliche Ausbildung und traten in gute Arbeitsstellen ein – beim Studium war es ganz besonders ausgeprägt. Ich dachte immer nur, dass es an meinem Halbbruder gelegen hat, der in W. in der Bundesrepublik leitender Polizeibeamter war und ich nicht bereit war, meinen (kaum) vorhandenen Kontakt zu ihm zu unterbrechen. Richtig lukrative Stellen habe ich nicht bekommen, nach dem Studium war es besonders schlimm. Da ich viel älter war als meine Kommilitonen (12 – 14 Jahre mehr als die anderen) und ich auf einen guten Verdienst nach dem Studium wegen Trennung in der Ehe angewiesen war, arbeitete ich besonders intensiv und eifrig und sollte mit Auszeichnung bestehen. – Damals wusste ich ja noch nicht, welche Beurteilungen über mich vorhanden waren, die nur die Kaderleiter und die Parteisekretäre zu Gesicht bekamen.

Als man mitbekam, dass ich bei keiner der lukrativen Stellen genommen wurde, drehte man an meinem Abschluss und prüfte mich die dreifach lange Zeit im Fach Marxismus-Leninismus. Damit konnte man jede und jeden reinreiten – ich machte die Prüfung mit drei. Und da das eines der wichtigsten Hauptfächer war, konnte ich nicht mehr mit Auszeichnung bestehen. – Man musste daran „drehen“, sonst hätte ich einen Arbeitsplatz „einklagen“ können.

Ich bekam zumindest in finanzieller Hinsicht einen der schlechtesten Arbeitsverträge.

Aber eben auch hier – alle aus der Studiengruppe haben gute Jobs bekommen, gut verdient und sich noch besser nach oben gearbeitet – also war ich wieder mal nicht typisch. – Aber ich habe es überlebt, was richtig Schlimmes ist mir nicht passiert und alles ist schon so viele Jahre her, dass Gras darüber gewachsen ist.

Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Hausfrauentipps und -tricks als auch Koch- und Backrezepte müsst ihr wo anders suchen.

25 Kommentare zu “Über den Film „In einem Land …

  1. er solle doch erst mal in den Spiegel gucken, bevor er mit mir über Ästhetik redet.

    das ist schon heftig, haha.

    So hätte meine Mutter mit unserem Pfarrer reden sollen, anstatt auf die Knie zu sinken, um ihn um Verzeigung zu bitten für ihren Brief, in dem sie sich beschwerde, daß Hochwürden ihrem Sohn das Ohr eingerissen hatte.

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    • Ich glaube, als ich jung war, war ich im Reden viel unbedachter als heute – aber diese Bemerkung zu dem Stasi-Jung-Mann bereue ich bis heute nicht.
      Ich finde das schrecklich, dass deine Mutter nicht zu DIR gehalten hat, indem sie sich gegen den Pfarrer gestellt hat. Es ist ja schon eine Unverschämtheit, dass er dich am Ohr gezogen hat – ich hoffe, er wollte nicht „MEHR“ von dir.
      Herzlichen Gruß

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      • Dieser Pfarrer hat auch mind. 2 Jungen missbraucht. Aber das ist seltsamerweise nicht bekannt im Ort.
        Meine Mutter hat sich ja gegen den Pfarrer gewandt, mit einem Brief wegen meinem Ohr.
        Da ist er dann zu ihr gekommen und zwang sei auf die Knie.

        Mein Vater erfuhr das und wollte sich an dem Pfarr rächen.
        Da sagte meine Mutter: Wenn Du zu dem Pfarr gehst, sind wir geschiedene Leut!“.

        So war das damals…

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  2. Guten Morgen Clara,
    vielen Dank für Deinen Bericht, den ich mit grossem Interesse und Staunen gelesen habe.
    Gruss
    Robert

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  3. Meinen aufrichtigen Respekt, liebe Clara!

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  4. Liebe Clara, Mallybeau schrieb im Wesentlichen schon, was ich auch sofort dachte: In Deiner bewegten und bewegenden DDR-Geschichte gäbst Du eine fabelhafte Hauptdarstellerin ab. Mit dem Unterschied, dass Dein abenteuerliches Leben (inkl. Liebesgeschichte) tatsächlich so geschah und kein erfundener Plot ist. Und das erlese ich als viel spannender als so ein Film für wen wie mich -jenseits der sieben oder mehr Teutoberge bei den sieben (oder auch mehr) Zwergen, nahbei der entsprechend benannten Höhle. Die DDR habe ich zu ihren mehr oder weniger glorreichen Zeiten im Rahmen von Schulausflügen nach Ostberlin besucht. Das erste Mal schmuggelte ich Karatplatten raus und das zweite Mal wurde ich meine Ostmark nicht los und besoff mich vor Schreck mit meinem Französischlehrer an Moskauer Nächten im Palast der Republik. Aber das…ist eine andere Geschichte…🙈🥶
    Schlaf schön
    Amélie ✨🍁

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    • Hallo Amélie, das mit dem Nichtverbrauchen des Mindestumtausches von 25,00 DM habe ich schon oft gehört, Da nutzte es auch nicht, im Restaurant richtig essen zu gehen – die Preise waren auf die DDR-Gehälter abgestimmt. – Und bestimmte Sachen durfte man nicht mitnehmen. Mein Bruder mit Frau – die haben das Geld immer unter die Leute gebracht – zum Teil natürlich schon zum tanken, aber Kleidung, besonders Schuhe, haben sie auch gekauft – hat mich aber nicht sehr interessiert, weil ich das Gejammer über den Zwangsumtausch schon nicht mehr hören konnte. Den ging es so unendlich gut – aber was sie den Kindern mitgebracht hat, war unteres C&A-Niveau oder ALDI.
      Was ich nie hier in einem Blogtext geschrieben habe. Ich erzählte doch, dass ich eine oder zwei Stimmen im Lehrerkollegium mehr hatte, die für meinen Verbleib gestimmt haben. – Einer davon hat mich in einer Ecke der Bibliothek bedrängt und wollte, dass ich zu ihm nach Hause komme, weil seine Frau verreist war und er sturmfreie Bude hatte. – Von so einem „uralten“ (ca. Mitte 40) Knacker lasse ich mir doch nicht meine Jungfernschaft nehmen, neinneinnein und nochmals nein.
      Liebe Grüße, heute spiele ich wieder Doko

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  5. Liebe Clara, schade, ich erwartete ein paar persönliche Eindrücke ‒ gerade von dir als DDR-lerin 😉 ‒ vom Film. Ich wollte ihn mir, als ich vor ein paar Wochen in Deutschland war, anschauen, aber es hat dann doch nichts ins Familienprogramm gepasst. Ich werde es auf alle Fälle online nachholen. Mich reizt er, weil er genau in der Zeit spielt, in der ich jung war und in Berlin angesiedelt ist, wo ich praktisch lebte.
    Deine Geschichte rund um die „Aufmüpfigkeit“ an der Schule kenne ich, mich interessiert das eine Drittel, mit dem du heute in der DDR-Vergangenheit hängst. Was war denn besser? Du schriebst mal, und ich weiß gar nicht mehr, ob mir per E-Mail oder hier auf dem Block, von den unfairen Arbeitsbedingungen und der mangelnden Anerkennung unter den „West-Chefs“. Du hattest doch dann in der DDR ein menschliches und gutes Arbeitsumfeld und Anerkennung gefunden, ist es das, was du dann doch geschätzt hast und in der heutigen BRD-deutschen Wirklichkeit fehlt? LG Anke

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    • Liebe Anke, mit den persönlichen Eindrücken über den Film kann ich deswegen nicht so richtig dienen, weil ich ja von ALLEN Texten, ob Monologe, Dialoge oder filmische Unterhaltungen nur einen Teil verstehe – ich war aus solchen Gründen schon viele Jahre lang nicht mehr ins Kino, weil es im Grunde genommen schade ums Geld ist. – Aber den hier wollte ich sehen und habe mich mehr oder weniger auf die Augen verlassen.
      Und wenn ich sage, der Film ist NICHT TYPISCH, dann finde ich das zu all den bisher gehörten Meinungen schon einen persönlichen Eindruck.
      Ich habe ja dein Buch gelesen und weiß über deine damalige Situation ein wenig Bescheid.
      Ich kann natürlich nur meine Eindrücke wiedergeben, die lange vor deiner Zeit waren. Obwohl, mein Fachschulstudium hat von 1979 bis 82 stattgefunden – und da hatte sich aus meiner Sicht der Dinge nichts wesentliches zu den 60er und 70er Jahren geändert.
      Was mich jetzt hier gestört hat und was ich in der DDR als besser empfand:
      1. Jetzt ist der Chef der Gott und nicht der oberste Politiker. Aber ich hatte in der DDR viel mehr mit Chefs zu tun als mit Politikern.
      2. Trotz guter und bester Zeugnisse und Kenntnisse habe ich nach der Wende mit 55 Jahren keinen guten Job gefunden, nur solche, die vom Arbeitsamt für Langzeitarbeitslos für 6 Monate gesponsert wurden. Und von diesen 3 Chefs waren zwei abgrundtief eklig.
      3. Ich finde dieses Überangebot an Sachen, die kein Mensch braucht und die nur unsere Umwelt durch immer mehr Produktionssteigerung kaputt machen, abartig. Allein was an Papier für so sinnlose Werbung verbraucht wird – kein Wunder, dass wir bald keine Wälder mehr haben. – In der DDR war Umweltschutz sicherlich keine Geisteshaltung, vielleicht durch fehlende Rohstoffe bedingt.
      4. Ich war ja lange Jahre in Kreisen privat bekannt, die ich aus der evangelischen oder katholischen Studentengemeinde kannte. – Aber auch in den Arbeitsstellen war es seeeeeeeeeeeeeeehr viel angenehmer als in den vier Stellen, die ich danach kennen gelernt habe. So viel Konkurrenzdenken, so viele Ellenbogen – einfach nur ätzend.

      Ich glaube, wenn ich andere Lehrer an der EOS als Klassenlehrer gehabt hätte und nicht meine ehemalige engste Freundin die roteste Socke im „Gruppenrat“ gewesen wäre, hätte vieles ganz anders kommen können, denn so ganz richtig GEGEN die DDR war ich gar nicht – aber ich wollte mich eben nicht vom Direktor oder von dem Menschen in der Stasizentrale gängeln lassen. – Hätten die mir mehr Freiheit gelassen, hätte ich die DDR nicht gestürzt. – Ich hatte in keiner Zeit meines DDR-Lebens das Bedürfnis, in die BRD zu gehen.
      LG Clara

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      • liebe clara, ich kann dich gut verstehen. aber glaube mir, als katholisches mädchen aus einem arbeiterhaushalt ist es auf dem gymnasium der 60-er jahre auch nicht schön gewesen. ich war aufmüpfig gegen alles. nachtrag zu meine letzten eintrag: wir wohnten im urlaub in stahnsdorf, schulzendorf, köpenick, karow und spandau, und in vielen anderen berliner stadtteilen(seit 78, bis 2019). ich will dich gerne treffen, wenn ich nochmal nach berlin komme, weiß aber nicht, ob es geht(rollator).

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        • Ich wusste doch, dass wir uns mit der „Aufmüpfigkeit“ die Hand reichen konnten – nur hatten wir nicht so lange Arme von Ost nach West.
          Außer Schulzendorf kenne ich deine Berliner Urlaubsquartiere oberflächlich. Ich muss erst mal nachsehen, wo Schulzendorf ist. – Wenn du so oft in Berlin warst, wirst du sicher Freude haben an meinem nächsten ‚“Projekt“. – Mit Rollator gehen zu müssen ist immer noch eine Stufe besser als mit Rollstuhl – mit dem Laufen habe ich so gut wie keine Probleme, meine Sachen sind ALLE am Kopf.
          Ganz lieben Gruß

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      • Danke, liebe Clara für diese ausführliche Antwort, die sicher alle Leser hier interessiert. Die Idee des Sozialismus, aber mit persönlicher Meinungsfreiheit und wirklicher Mitgestaltung. Das wäre es gewesen!
        Deine Punkte 1 bis 4 kann ich nur abnicken. Gerade Punkt 3, der Überfluss, macht mir auch sehr zu schaffen. Wir bekamen gleich nach der Einführung der DM bei uns im Osten den Unterschied knallhart zu sehen: Als die Müllabfuhr eine Woche später nicht mehr hinterherkam. Viel Konsum, viel Verpackung, viel Müll. Aber das System ist dieses: Immer mehr! Da hilft auch die Idee der sozialen Marktwirtschaft nicht, von wegen, wer all den Müll produziert dem geht es als Lohnempfänger ja auch gut, und der kann die Nachfrage wieder ankurbeln. Ob die Menschheit noch die Kurve kriegt? Irgendwer muss immer dran verdienen, jetzt also an der Rettung der Welt. Mal sehen …
        Punkt 1 ist sehr treffend formuliert: Die persönliche Zufriedenheit basiert maßgeblich mit darauf, ob man sich tagein, tagaus im Arbeitsumfeld wohlfühlt. Und das war im Schnitt in der DDR entspannter und gesünder. Jetzt gibt’s mehr Geld (wenn man Glück hat) und es gibt mehr zu kaufen, aber glücklich sind die Leute deshalb auch nicht, vielleicht im Gegenteil. Und seine wahre Meinung darf man dem Chef (in der Regel) auch nicht sagen.😉
        Herzliche Grüße aus Italien zu dir nach Berlin, in meine alte Heimat.🙋‍♀️

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        • Für diese deine Antwort MUSST du dir, liebe Anke, jetzt eine (virtuelle) Umarmung gefallen lassen – es war wirklich der schönste Kommentar, den ich je von dir bekommen habe.
          Du sagst es – ich war dem dem sozialen Gedanken des Sozialismus absolut nicht abgeneigt, denn der Kapitalismus hat mir – nachdem ich ihn seit 1986 mehrmals besuchsweise kennenlernen durfte – mehr Angst gemacht als durch die DDR-Anti-Propaganda, da habe ich vieles davon eben als „Schlechtmachen des Gegners“ angesehen.
          Materieller Wohlstand war noch nie mein oberstes Prinzip, deswegen haben mich weder ein tolles Eigenheim noch ein Mercedes gereizt.
          Es gibt ja im Fernsehen eine Reklame über den Fonds „ÖkoWorld“ oder so ähnlich, der reizt mich auch fast zum Erbrechen. Wie du sagst – irgendeiner muss immer dran verdienen.
          Vielleicht war es eine supergute Lösung, nicht in Deutschland die ganzen Änderungen nach der Wende mitzuerleben, sondern wie du in einem anderen Land.
          Mein erster Westchef hat gemeint, Frauen aus der DDR sind in „Not“situationen erfinderischer, weil sie das Improvisieren besser gewohnt sind. Ganz unrecht hatte er sicher nicht.
          Die wahre Meinung darf man dem Chef in der Regel nur dann sagen, wenn sie positiv ausfällt – sonst könnte es brenzlig werden, wenn der Chef nicht auf gute Angestellte angewiesen ist.
          So, jetzt muss ich mich aber meinem neuen Projekt widmen.
          Grüße über Landesgrenzen von Clara

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  6. liebe clara, ich fühle mich von dir und den anderen menschen, die ehemals im osten wohnten, gut informiert. wobei ein spannendes detail ist, dass unser freund, jahrgang 1907, immer im osten als musiker arbeitete. unvorstellbar, über wie viele krisen hinweg er immer nach ostberlin fuhr(und zurück). die ganze verwandtschaft war in der gegend um berlin, von karow bis lichtenberg. seit 1990 fuhren und fahren wir da herum im urlaub, und trafen viele menschen mit ganz unterschiedlichem hintergrund. bücher und filme helfen auch, es gibt viele gute defa- filme. zuletzt kaufte ich „die Architekten“, genau während der „wende“ gedreht. das dir widerfahrene unrecht finde ich schlimm, zum glück hast du diese zeit abgehakt. trotzdem solltest du ein buch daraus gestalten, auch für die nachfahren. den film sahen wir nicht, ich finde den modebereich immer privilegiert und habe keinen bezug dazu. herzlichen gruß, roswitha

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    • Hallo Roswitha, du bist ja offensichtlich wirklich eine Berlinkennerin, sogar eine Ostberlinkennerin. Als ich im Klinikum(?) Buch gearbeitet habe, musste ich entweder mit der S-Bahn oder mit dem Bus über Karow fahren – da gab es schicke EInfamilienhäuser. Lichtenberg ist ja ein wenig verrufen wegen deutlicher rechter Tendenzen – aber mein Sohn wohnte auch dort, und der hatte eher linke Tendenzen.
      Wenn du wieder mal hier in meiner Gegen „aufschlägst“ oder besser urlaubst und rumfährst, würde ich dich gern einmal treffen.
      Hätte ich meine Mutter nicht gehabt, die mich während der Hartz IV-Zeit und auch danach finanziell stark unterstützt hat, wäre ich auf meine schlecht bezahlten Stellen sicher noch wütender gewesen. Leistungsmäßig war ich immer gut bis sehr gut, nur mit der nicht ganz richtigen Einstellung. Wäre ich, wie gewollt, Journalistin geworden, wäre mein Gehalt sicher viel höher und damit auch meine Rente – aber das ist alles schon ganz ganz lange her und vorbei.
      Ich empfand den Modebereich in der DDR auch schon etwas abgehoben und auch jetzt finde ich NICHTS daran.
      Lieben Gruß

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  7. Du schreibst wahre Worte und ich fühle mich sehr gut informiert über all das, was dir geschah! Du gehst gut damit um, finde ich!

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    • Da mich im Moment vollkommen andere Sachen als meine politische DDR-Vergangenheit beschäftigen, habe ich das schon lange hinter mir gelassen, denn alles ist ja mindestens schon 32 Jahre Vergangenheit.
      Dank meiner Mutter mit drei schönen Renten habe ich nach der Wende all die Widrigkeiten überstehen können, die mich ohne sie fürchterlich hart getroffen hätten. Das war das einzige, was mich an meiner DDR-Berufstätigkeit geärgert hat. Mit einer besseren Einstellung zu dem Staat hätte ich sicher einen sehr gut bezahlten Job und damit auch eine viel bessere Rente bekommen.
      Ist aber nicht und ich werde die restlichen Jahre meines Lebens auch mein Auskommen haben.

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  8. Du siehst doch hervorragend aus und hättest bestimmt eine tolle Hauptperson in dem Film abgegeben, den ich nicht gesehen habe. Wenn Du mitspielen würdest, hätte ich ihn mir sicher angesehen. So belasse ich es bei Deiner Beschreibung, wo Du natürlich mehr sagen kannst als eine Kuh von der Westalm 🙂
    Liebe Grüße … hier noch immer kein Schnee

    Gefällt 2 Personen

    • Danke für das Kompliment – aber in dem Film hätte ich nicht eine über 55 Jahre alte Frau, sondern eine Schülerin von ca. 17 Jahren sein müssen – und da war nichts mit „hervorragend aussehen“ – fand ich aber noch nie als Wichtigkeit mit oberster Priorität. Sehr boshaft habe ich mal zu einer sehr systemrelevanten Mitschülerin gesagt: „Du hast es auf dem Kopf, ich mehr im Kopf“ – es bezog sich auf unsere Haare, denn meine waren schon immer dünn und spärlich.
      Der Schnee hier ist geblieben und sogar ein wenig mehr geworden. Wie gut, dass ich den Ärger mit Winterreifen nicht mehr habe.
      Liebe Grüße an die Kuh von der Westalm

      Gefällt 1 Person

      • Hihi, ich finde es auch wesentlich besser, mehr im als auf dem Kopf zu haben.
        Hier kommt gerade die Sonne raus und Schnee will partout nicht erscheinen. Aber ich bin ganz froh drum, bleibt mir so das Schneeschippen erspart. 🙂
        Wiederkäuende Grüße

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  9. Ich habe den Film nicht gesehen, aber das Du die DDR besser kennst, als jeder Westdeutsche, der ihn gesehen hat, ist klar. Keiner von uns hat ja dort gelebt. Ein Film kann vielleicht ein bisschen was vermitteln, aber sicherlich nicht selber erlebtes ersetzen.

    Gefällt 3 Personen

    • Wie ich schon in dem Beitrag schrieb, denke ich nach wie vor, dass sowohl das Schicksal der Hauptperson und in gewisser Weise auch meins eben nicht zur normalen Tagesordnung gehörten – es waren leider Ausnahmen, die Masse ist brav mitgeschwommen oder war sogar begeistert.

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