Claras Allerleiweltsgedanken


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Wir gingen zusammen in den Kindergarten …

… wir lernten in der gleichen Klasse rechnen und schreiben

… wir lebten im gleichen Land, bis ihr 1956 nach Aachen „gezogen seid“

… und jetzt bist du nicht mehr da!

Dieses „nicht mehr da sein“ empfand ich schon viel früher, denn Alzheimer hatte fast alle deine Erinnerungen gelöscht – aus allen Jahrzehnten. Vor Jahren war ein Besuch bei dir geplant – und nach sehr vielen Erklärungen und Erinnerungen sogar mit dir am Telefon vereinbart. Der Tag war da, ich stand vor deiner Wohnungstür, doch niemand öffnete. Zum Glück hatte ich die Telefonnummern beider Söhne – und der Ältere sagte mir: „Sie freut sich auf dich, sie ist vielleicht kurz in ihr Lieblingseinkaufscenter gegangen!“ – Also ging ich ihr entgegen – und da kam sie auch schon. Wir trafen uns – und 10 Sekunden hielt ich ihre Frage „Verzeihung, wer sind Sie denn, ich kenne Sie nicht“ für einen üblen Scherz, bis ich begriff, dass es bitterster Ernst war.

Ich weiß nicht genau, aus welchem Jahr dieses Foto ist – ist es noch in der DDR fotografiert? Hast du es mir schon aus Aachen geschickt?  Dazu ist das alles zu lange her – ich bin überhaupt erstaunt, dass es in meinem Fotoarchiv zu finden ist.

Die langen Jahre der deutschen Trennung waren auch wir fast getrennt, zumal du lange Jahre in Nigeria wohntest. Deinen Mann hattest du in Hamburg als Medizinstudenten kennen gelernt – aber er war nicht nur ein sehr guter Mediziner, er war noch ein viel besserer Geschäftsmann und wollte in sein Heimatland zurück. Da inzwischen zwei ganz hübsche kleine Jungen eure Familie belebten, hast du kurzerhand deinen Lebensmittelpunkt nach Afrika verlegt.

Irgendwann kam die deutsche Vereinigung, irgendwann kam die Trennung von deinem Mann, denn der hatte vom ehelichen Leben, vor allem von ehelicher Treue weitaus andere Vorstellungen als die deutschen Ehefrauen sie haben. Deine Söhne bekamen einige Halbgeschwister, worauf es dich dann doch wieder nach Deutschland zog. Versüßt wurde diese Trennung durch eine exzellente Eigentumswohnung in einem sehr schönen Hamburger Stadtteil.

Die Söhne leben halb in Deutschland, halb in Afrika, bekamen selbst Kinder und der jüngere betrieb eine lange Zeit mit afrikanischen Geweihen, die kunstvoll verziert waren, ein Geschäft. Ich hatte mal darüber geschrieben.

Durch ein Klassentreffen begegneten wir uns erneut und konnten unsere damals beendete Freundschaft auf Sparflamme weiterführen. Durch deine Vermittlung lernte ich noch eine Freundin aus der Nähe von Kiel kennen – und zu dritt haben wir so einige schöne Sachen erlebt.

Sehr schön fand ich den Besuch der Hamburger Gartenschau, der sich bis Norderstedt ausbreitete. Wir waren echt beschäftigt. Freundlichst wurden wir von den Maskottchen der Gartenschau begrüßt – das nenne ich Gendergerechtigkeit!

 

Wie fast immer bei Gartenschauen beleben Kleinkünstler das Geschäft – aber hier ist der Begriff „klein“ nicht passend, denn es sind eher „Groß“künstler.

So erwachsen wir waren, so „Verrückte Hühner“ konnten wir trotzdem sein. Na gut, manchmal nehme ich es mit dem Federvieh nicht so genau – und wir waren eben dann Watschelenten, je älter wir wurden. Aber „verrückte Hühner“ können auch auf einem Frosch reiten.

Ist denn das erste Tier nicht ausgesprochen wonnig? Ganz im Gegensatz zum Krokodil, das aber in einer solchen Ausführung auch keine Angst macht.

Die gezeigte Kunst war zum Teil recht eigenwillig.

Und keine Gartenbauausstellung kommt ohne einen Grabteil aus – doch damals dachten wir nicht unbedingt vorrangig an Tod und unsere eigenen Gräber. Das zweite Foto stellt jüdische Gräber dar.

Und ganz zum Schluss bekommst du diesen Blumenstrauß von mir, liebe Freundin.

Außer meinen Verwandten sind bisher hier im Blog nur Leute gestorben, die alle jünger waren als ich. Du kommst zwar  nicht aus der Bloglandschaft – aber du bist die erste, die älter ist oder war als ich – wenn auch nur 2,5 Monate. Der „Blitz“ schlägt immer dichter ein.

 

 

 

 


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Autoerlebnisse im Winter 1978/79 …

oder: Eine Horrorcrashtour mit einem fast neuen Auto

Ganz, ganz treue Mitlesende mit gutem Gedächtnis können sich vielleicht an Fetzen der Geschichte erinnern, denn ich habe sie bereits 2010 mal veröffentlicht. Was heißt „Geschichte“ – alles wirklich wahr, nichts beschönigt, nichts dazu erfunden – aber alles zum Glück ca. 40 Jahre her – aber durch die jetzigen Winterereignisse wieder ins Langzeitgedächtnis gekommen. – Da es dort nur zwei Kommentare gab, gab es auch nicht so viele Leser

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„So viel Schnee in den Bergen, das ist ja toll“, jubelt Clara innerlich vor sich hin, als sie die Nachrichten im Fernsehen sieht. Sie denkt an ihre Tochter Marie-Theres, die mit Mann und Kindern die Winterferien zum Skifahren in Österreich nutzt. Auch Clemens, der Filius, treibt sich in irgendwelchen Schweizer Bergen zum gleichen Zweck herum. – Sie sitzt gemütlich auf der Couch, eingepackt in ihre rote Kuscheldecke. Bei diesen Außentemperaturen kann Clara eine Zwiebelschale mehr gut vertragen. Auf ihrem Schoß liegt ein spannendes Buch. „Irgendwann muss ja mal Schluss sein mit dem Winter“, denkt sie.  Bei dem vielen Schnee und Eis auf Straßen und Gehwegen ist Clara froh, dass sie nicht mehr täglich von ihrem Chef gerufen wird. So kann sich ihr kleiner „Leon“ in der Garage wärmen und sie kann sich auf der Couch ausruhen – oder auch umgekehrt. (ihr seht, geschrieben, als ich noch meinen Twingo hatte)

In diesem Moment bekommt der Ansagensprecher einen fast sakralen Tonfall. Er kündigte für die nächsten Stunden flächendeckend Blitzeis an und bittet alle, nicht unnötig das Haus zu verlassen. – „Offensichtlich brauchen die Unfallchirurgen jetzt schon ein zweites und drittes Paar Hände zum Operieren“, denkt Clara so halblaut vor sich hin. Manchmal redet sie mit sich, wenn es kein anderer tut – aber in der Öffentlichkeit hat sie es noch gut im Griff.

Das Wort Blitzeis tritt eine Erinnerungslawine los, gegen die alle Frühlingsgedanken einen aussichtslosen Kampf führen. Sie ist sofort bei der Jahreswende 1978/79, in der innerhalb von Stunden das Thermometer um 20° fiel und ganz Deutschland mit Nachbarn im Schnee- und Eischaos versanken.

Der wunderschöne hellgrüne Wartburg Tourist mit dem liebevoll ausgesuchten Namen ‚Hannibal‘ hatte seinen Kilometerzähler noch nicht einmal fünfstellig gefahren. Er war also noch ein absolutes Greenhorn in seiner Gilde. An der Suche nach seinem Namen war die ganze Familie mehr oder minder engagiert beteiligt gewesen. Clemens’ Vorschläge bewegten sich in der Welt eines Achtjährigen und fanden bei den Großen kein Gehör. Theres zeigte sich an der Namensgebung nur geringfügig interessiert, überhaupt war ihr das neue Auto nur mittelmäßig wichtig. Mathematik war viel spannender als Mechanik. – Da er immer vor der Tür stehen musste, hatte die Redewendung „Hannibal ante portas“ den Ausschlag für die Namenswahl gegeben.
Wie es bei der langen Wartezeit auf seine „Ankunft“ nicht anders zu erwarten war, liebten ihn drei aus der Familie abgöttisch und eine registrierte ihn als Neuankömmling. Im Gegensatz zu seinem gebrauchten Vorgänger war er nagelneu und absolut jungfräulich. Clara konnte sich noch sehr gut an ihre Angst erinnern, als sie ihn – lediglich mit Trabanterfahrung ausgestattet – im zentralen Auslieferungslager Rummelsburg holen durfte.
Der Junior war stinksauer, dass er noch nicht im Fahrschulalter war. Wäre es nach ihm gegangen, hätte er ‚Hannibal‘ mit unserer Hilfe gern schon mal heimlich gefahren, um damit dann entsprechend in seiner Clique zu prahlen. Aber Clara legte heftigsten Protest ein. Schließlich war es ihre Aufgabe, mit den Automechanikern zu flirten, wenn es bei einer Reparatur mal zu lange dauern sollte oder, wie so oft, ein Ersatzteil nur schwer aufzutreiben war. Hannes hielt sich da mannhaft zurück.
Und dieses Auto sollte über Silvester polnische Luft schnuppern. Claras Cousine hatte zu einer zünftigen Party eingeladen. Clemens wollte sofort mitfahren, Theres jedoch blieb Silvester lieber bei der Oma. So konnte der freie Platz im Auto von Claras Tante eingenommen werden, die vom Gewicht her fast die drei anderen aufwog. Zum Glück war der Wartburg für 5 Personen zugelassen. Im Trabant hätten sich Hannes oder Clara durch den engen Einstieg auf den Hintersitz zwängen müssen, für „Tantchen“ wäre das nicht zumutbar gewesen.

Die Feier war okay, das Wiedersehen auch. Nach drei Tagen hieß es, wieder nach Hause zu fahren. Die Temperaturen waren schlagartig gefallen. Die dicke Eisschicht von der Windschutzscheibe konnte nur mit heißen Lappen aufgetaut werden, kratzen half da nichts mehr. Ein letztes Winken – und auf ging es Richtung Berlin.
Die vergeblichen Rufe der Cousine, die Fahrt zu verhindern, wurden nicht mehr gehört. Sie hatte die Warnung im Radio gehört, dass die wichtigsten Autobahnen dicht sind, weil Autos im Schnee stecken geblieben waren. Natürlich war auch die Ost-West-Achse lahmgelegt. Hannibal kam noch auf die Autobahn, musste dann aber kilometerweit rückwärts fahren, denn wenden war unmöglich.
Handy? Navigationsgerät? Winterreifen? Davon träumte der wilde Osten zu dieser Zeit noch nicht einmal.
Ein Stück lief auf der Landstraße alles völlig normal – bis zum ersten Knall. Rote Ampel, Glatteis, Auto in Warteposition – physikalisches Gesetz von dem einen und dem anderen Körper! Wir hatten sicherlich das größere Gewicht und somit war Hannibal stärker, nur büßte er dabei seine „Stoßzähne“ in Form der Scheinwerfer ein.
Kleines Malheur, bei diesem Wetter ohne Licht. Große Katastrophe, bei diesem Wetter ohne Heizung. Ständig musste einer von innen die Windschutzscheibe vom Eis frei kratzen. – Der zweite Knall ließ nicht sehr lange auf sich warten, nur stand Hannibal diesmal unglücklich als Hindernis im Weg. Somit hatten sich die Rücklichter auch noch verabschiedet.
Und dann war sie plötzlich dicht, die Straße. Ratlos diskutierten alle, nur Claras Sprachkenntnisse reichten unter diesen Umständen nicht aus.
Plötzlich tauchte ein rettender Engel in der Person eines Bauern auf. Er lud alle zu sich auf seinen Hof ein und gewährte Kost und Logis. Nun bewährte sich Tantchen sehr, denn sie konnte polnisch parlieren.

Nach einer Übernachtung wurde Hannibal wieder in den Kampf geschickt. Die Schneepflüge hatten die Hauptstraßen geräumt, aber dadurch die Zufahrmöglichkeiten zu den Nebenstraßen total blockiert. Der hilfsbereite Bauer benachrichtigte einen Freund, der das Auto samt Insassen auf einem Schleichweg mit dem Traktor zur Straße ziehen sollte.
Die Furchen der Lastwagenräder waren so tief, dass Hannibal nicht mit den „Füßen“ auf den Boden kam. Das bedeutete – das Seil zog ihn auf dem Unterboden rutschend über den Schnee. Clara war einem Heulkrampf nahe, Hannes bekam fast einen Herzinfarkt, die Tante zeterte und wollte ständig aussteigen und Clemens fand es spannend, spannend, spannend.
Zum Glück war auch irgendwann dieser Streckenabschnitt bewältigt. Die Besetzer der hinteren Reihe wurden in den Zug gesetzt, der Rest versuchte, das stark ramponierte Auto auf deutschen Boden zur Reparatur zu bringen. Im 30er Tempo war das ein etwas länger dauerndes Unterfangen, deswegen musste noch eine Hotelübernachtung eingeschoben werden. Nicht das Glatteis war jetzt der Hinderungsgrund, sondern die eingefrorene Knüppelschaltung. Üblicherweise hatten ja alle DDR-Autos Lenkradschaltung – aber hier bei dieser Version wollten die Konstrukteure mal was besonderes leisten. Warum sie den Kardantunnel nach unten offen ließen, blieb für immer ein ungeklärtes Geheimnis. Waren es Materialeinsparungsgründe? Durfte die DDR keine geschlossenen Tunnelsysteme in Autos einbauen?
Als Theres freudig Mutti und Vati begrüßte, beglückwünschten sie alle zu ihrer weisen Entscheidung, diese Fahrt nicht mitmachen zu wollen.“Hatte das Kind etwa den Seherblick?“, überlegt Clara ca. 30 Jahre später.

Clara musste später in Berlin in ihrer Autowerkstatt den „Charmingblick“ einsetzen, damit für Hannibal alle Ersatzteile beschafft und eingebaut wurden.

Bei den letzten Gedanken an diesen Horrortrip rutscht Clara auf dem Sofa immer tiefer, macht es sich bequem und denkt: „Heute verpasse ich garantiert nichts da draußen. Meinem „Leon“ will ich ähnliche Erfahrungen ersparen.“ Das Telefonklingeln hört sie schon nicht mehr – sie schlummert ihre Mittagsruhe.

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Update der Luxusschwimmerei

Kunststück

Journalismus ist, einen Aphorismus auf Artikellänge zu bringen.

Erhard Blanck (*1942), Heilpraktiker, Schriftsteller, Maler

Und jetzt Claras Variante:

Raffinesse ist, den Kauf einer Uhr auf zwei Blogartikel zu verteilen 🙂 😉

Was ihr so zu den Uhren geäußert habt, hat mich bewogen, meinen Uhrenbilderrahmen ein wenig genauer zu betrachten, um an die Vergangenheit zu denken.

Keinen Schreck bekommen: Nicht alle diese Uhren habe ich selbst getragen, besessen oder kaputt gespielt – mir wurden auch kaputte Uhren geschenkt.

Ich kann feststellen, dass ich überwiegend den Trend zu Metalluhren hatte, die groß bis ziemlich groß sein durften. Es gab drei schöne Ausnahmen, die waren aus Kunststoff.

Die eine hatte ein Zifferblatt mit einem Bild von Dali. – Die zweite habe ich im Berliner Bröhanmuseum gekauft, weiß aber nicht mehr genau, was das Muster mit dem Museum zu tun hatte. – Und die dritte war mein einziger Ausflug in die Swatchwelt. – Diese Uhren wurden ausgemustert, weil das farblich genau dazu passende Armband defekt war und es mir mit einem Behelfsarmband nicht gefallen hat. – Man kann wunderbar sehen, dass (zum Teil) weder Zahlen noch Striche auf den Zifferblättern sind – um punktgenau eine S-Bahn zu erreichen, waren diese Uhren nicht geeignet.

Hier in dieser Dreierkombination ist die mittlere Uhr die, die jahrelang meine Lieblingsuhr war, obwohl es schwierig war, die genaue Zeit zu erkennen. Sie wurde in Dresden als „Spendenuhr“ verkauft, als die Frauenkirche wieder aufgebaut werden sollte. Bauzeit 1994 bis 2005. Der kleine Krümel ist ein Teilchen Schutt. – Links außen ist wohl die einzige Uhr, die mal Zahlen hatte. Die rechts außen haben mal alle Mitarbeiter zu einem Firmenjubiläum bekommen – das in der Mitte war unser Logo.

Es gibt eine Uhr in dem Rahmen, die ich nie ums Handgelenk getragen habe 😉 🙂 – Es ist eine Erinnerung an meine Mutter, die diese Uhr für ihren Unterricht brauchte, denn sie hat an der Handelsschule künftige Sekretärinnen in den Fächern Stenografie und Maschinenschreiben unterrichtet.

Was ich irgendwie immer blöd fand, waren viereckige Uhren – und nicht, dass mich jetzt einer fragt, warum ich sie mir dann überhaupt gekauft habe. Da war ja die Uhrzeiterkennung reine Glückssache. Mit guten Augen in mitteljungen Zeiten ging das noch gerade so. Die lila Uhren bekommen natürlich Absolution. Die letzte, das Fitnessarmband macht bei der Erkennung eine lobenswerte Ausnahme. Zu nächtlichen Zeiten im Bett leuchteten mir bei Bedarf gut erkennbare 4 Ziffern entgegen.

Was habe ich denn noch so für euch? Die erste erfüllt bis auf die Metallfarbe fast alle Wünsche, nur nicht Funk. Die zweite müsste mit neuer Batterie sogar noch funktionieren – für den Sommer gut. – Die letzte war eine sehr hochwertige Glashütte mit Automatikuhrwerk. Meine Mutter trug sie über 20 Jahre. Als sie dann alt und unbeweglicher wurde, war das mit dem automatischen Aufziehen durch Bewegung nicht mehr ganz so ideal – da haben wir getauscht – aber mir gefielen eben keine goldfarbigen Uhren.

Bevor ich euch nun endlich verrate, welche Uhr ich mir gekauft habe, zeige ich euch noch ein Foto von 2007. Die Wohnung war gerade frisch mit farbigen Wänden renoviert worden. – Unterhalb des Setzkastens war eine Leiste mit Haken angebracht, an der ich meine ganzen Uhren aufgehängt hatte.

Herr Heinrich und all die anderen, die falsch vermutet haben, hier ist sie:

Es ist bestimmt genau die, auf der man die Uhrzeit am schlechtesten erkennen kann, vor allem dann, wenn sich die Sonne im Glas spiegelt. Aber mir gefiel das dunkle Zifferblatt mit Strichen am besten und auch diese Art von Metallarmband fand ich besser als die anderen beiden. Leder wollte ich nicht – zumal nicht zu einer hellen Uhr ein schwarzes Armband. – Die anderen Armbänder hätte ich alle von jemand kürzen lassen müssen, der das kann – hier konnte ich die Länge (oder Kürze) selbst einstellen. An vorherigen Uhren haben mich oft die vorstehenden Knöpfe gestört, ich blieb mit dem Pullover hängen, der Knopf wurde raus gezogen und die Uhr blieb stehen. – Und das letzte Kriterium war: sie sollte nicht über 100 Euro kosten, was viele andere taten, die mir auch gefielen.

Und da war sie wieder, diese Vielfalt, die ich nicht bräuchte. Hätte ich 10 oder maximal 20 zur Auswahl gehabt, wäre das für meinen Geschmack ausreichend.


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Clara, du bist eine Streberin!!!

Nicht nur hier, sondern an so vielen Stellen hast du immer wieder getönt, dass dich Politik nicht interessiert, dass du also auf keinen Fall in die Politik gehst.

Und was machst du jetzt??? Du gründest deine eigene Europäische Union = EU und wirst natürlich auch gleich EU-Kommissionspräsidentin!!! Meinst du, du kannst es besser als die ehemalige „Flinten“Uschi??? Ich glaube das vielleicht doch nicht, denn sie hat erstens mehr Erfahrungen – vielleicht sogar mit Kindern – auf jeden Fall aber mit Politik.

Zeige mal deine neue EU-Fahne!

Das sieht aber schon ganz schön adventlich – wenn nicht sogar (vor)weihnachtlich aus. Damit hast du streberhaft gleich noch gegen einen zweiten Grundsatz verstoßen: Vor dem ersten Advent wird keine Weihnachtsdeko in den Wohnungen und Stuben angebracht!!! Aber eines hast du ja wenigstens respektiert: Du hast nicht vor Totensonntag geschmückt die Fotos wenigstens nicht vor Totensonntag veröffentlicht.

Dann kannst du jetzt auch zeigen, wie du dieses Jahr dein Amtszimmer verkleidet hast:

Du bist und bleibst also eine lila EU-Kommissionspräsidentin.- Bedeutet die Matroschka, dass du Russland besonders liebevoll unter deine Fittiche nehmen willst? – Übernimm dich nicht an dem „smarten“ Wladimir! – Und sind an dem Kranz und in dem Goldfischglas so viele Kugeln, wie du und deine Kommission an klugen Ideen produzieren wollt? – Dann wird es ja vielleicht doch eine gute Zeit mit dir!

Eine ständig überarbeitete EU-Kommissionspräsidentin braucht zur Auffrischung ihrer Kräfte Essen und Trinken, denn das hält Leib und Seele zusammen. Also gibt es im Amtssitz auch eine Küche. Und da du ja wie die Oberchefin Angela aus dem Osten kommst, ist die Küche natürlich rot – wie der Staat, aus dem du kommst. Bei dir hat die Einfärbung nicht bis zum Rot gereicht, du bist nur lila geworden.

Und wie hat die rote Zora die grüne oder doch lila Clara die Küche geschmückt?

In der nachfolgenden  Collage ist der kleine Küchenengel versteckt, der sich immer um die Kaffeemaschine kümmert. – Im Amtssitz sind natürlich nicht nur kluge Frauen, sondern auch solche männlichen Politiker ähnlich dem Innenminister oder Verkehrsminister oder unzähligen anderen Ministern, denen die Politik den Verstand aus dem Hirn geblasen hat. Hier ist es der braune Hirsch, der immer nur Kaffee säuft, aber nie Bescheid gibt, wann die Maschine leer ist. Ob dem je im Leben mal ein leuchtender Stern aufgeht?

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Die anderen Amts- oder Privaträume zeige ich euch beim nächsten Mal – die EU-Kommissarin verschießt ihr Pulver langsam und sorgfältig!


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Claras himmel…tiefes Gruselkabinett

Jetzt habe ich doch tatsächlich 10 Tage lang die Klappe gehalten – aus gutem Grund. Auch jetzt bestehen die Tagesstunden noch zu einem großen Teil aus Flachliegen und an der Matratze horchen. Das muss offenbar an meinem Immunsystem liegen, das ein wenig die Hufe gestreckt hat. Bloß gut, dass ich vor 52 Jahren nicht so schlimm aussah, sonst wäre die Trauung ausgefallen.

Um mich in einiger Zeit noch an so einiges erinnern zu können, gebe ich hier tagebuchähnliche Aufzeichnungen von mir. Nur die Zeit im Op muss ich aussparen, da durfte ich weder fotografieren noch filmen 🙂 😉

Am 16. Oktober gegen 9.00 Uhr zog ich also auf der Station 2b in der Parkklinik Weißensee ein. Als ich die lila Blüten auf dem Stationsschild sah, freudig erregt die Lieblingszahl 13 auf dem Zimmerschild erkannte und bemerkte, dass ich ein Einzelzimmer hatte, wusste ich, dass (vom Prinzip her) alles gut wird.

Die Schwester meinte jedoch gleich, dass ich das Einzelzimmer bestimmt nicht bis zum Ende behalten darf, da ein „Mensch“ mit Anspruch darauf kommen wird. Neben Einzelzimmern gibt es einige Doppelzimmer und mindestens so viele Vierbettzimmer. – Zu dem Einlieferungszeitpunkt war es mir egal, wie ich weiter liegen werde.

OA Birke operierte mich ziemlich lange – denn 11.30 Uhr sagte die Anästhesistin: „Ich beginne jetzt mit der Narkose“ und gegen 17.00 Uhr stand der Operateur neben meinem Bett und ich sah ihn als ersten wieder zurück vom Narkoseschlaf. Rein äußerlich sah nicht ein einziger auf der Station auch nur annähernd so schlimm aus wie mein Foto von 2007.

Die ersten Fotos vom Nachoperationstag sehen natürlich noch etwas dicknasig aus. Manche auf der Station trugen diese „Rotzbremse“ fast bis zur Entlassung – ich nur wenige Stunden, denn sie verhinderte, dass ich das wenige Quäntchen Luft einziehen konnte, was die Tamponade und die Plastikröhrchen überhaupt zuließen. An den nach oben geklebten Fäden hängen die Tampons. – Alle klagten, dass das Entfernen sehr schmerzhaft sei. – Ich hatte dabei mehr Glück als Verstand und keine Schmerzen, denn ich war unmittelbar davor zum Inhalieren. Da waren sie so durchgefeuchtet, dass sie sich wunderbar entfernen ließen.

Die Firma meines Sohnes ist 3 Autominuten entfernt. Also konnte ich bequem eine Getränkebestellung bei ihm aufgeben, denn ich bin doch nicht so ein Wassertrinktier – ein Schuss Saft darf schon dabei sein.

Inzwischen war ich also tatsächlich umquartiert worden nach dem Motto: „Steh auf, nimm dein Bett und geh!“ – Na gut, ich hatte Glück, mein Bett mit Koffer und Sachen schob eine Schwester ins gegenüberliegende Zimmer 14. Mich begrüßte eine Frau in der Generation meiner Kinder bzw. minimal jünger. Wir verstanden uns sehr gut.Ich bewunderte ihre riesigen Tattoos, die bis auf den rechten Arm fast den ganzen Körper bedeckten. Über die Schmerzen beim Stechen und das bezahlte Geld durfte ich nicht näher nachdenken – musste ich ja auch nicht.

Hier geht es mir am 19. Oktober offenbar schon wieder so gut, dass ich Faxen mache: Die Tamponade ist raus, der Herpes noch nicht da, die gute Bettnachbarin zwar schon weg, aber die blöde noch nicht da.

Als die Tamponade draußen war, ging es einen mächtigen Schritt auf „selbständiges Atmen“ zu. – Hier mache ich den drei bekannten Affen Konkurrenz und spiele: „Nichts sehen, nichts hören, nichts riechen“. Die Augen waren die ganze Zeit etwas angegriffen – wahrscheinlich zog das Pflaster an den Augenwinkeln. Die Brille saß durch den Verband auch nicht richtig – aber das war alles noch pillepalle.

 

Wenn ich jetzt hier mit kundigem bzw. wissendem Blick auf das Foto schaue, kündigt sich das schon an, was mich am nächsten Abend heimsuchen und mich über eine Woche begleiten sollte: Der Herpes auf der Oberlippe. Ich dachte, die Spannung käme noch von der Op her – nein – es war ein beginnender Herpes auf der GESAMTEN Oberlippe – von Mundwinkel zu Mundwinkel – schmerzhaft, eklig, unangenehm. Ich habe das Foto extra stark verkleinert, das muss man nicht in groß sehen.

Tubenweise habe ich Aciclovir verschmiert – mit mittelprächtigem Erfolg.

Natürlich habe ich mich auch ein wenig in der Umgebung umgesehen, das Wetter war ja prächtig genug. Dieses Pferd hatte mein aufrichtiges Mitgefühl: Es muss mit einem Ohr leben.

An dieser Rose probierte ich aus, ob es mit dem Riechen schon wieder klappt. Ob das schlechte Ergebnis an der Rose oder an der Nase lag, kann ich nicht sagen.

Dann sah ich auf dem Plan die Bezeichnung „Dinosaurierspielplatz“ und lenkte meine Schritte dahin. Na gut, einer war ja wirklich da.

Dann kam der Samstag Abend und eine neue Zimmermitbewohnerin zog ein. Die Folge war, dass sie mir spätestens nach 10 Minuten so grundunsympathisch war, so dass ich die erste Nacht bis 1.30 Uhr im Aufenthaltsraum zubrachte. Die Schwester hat mir schon ein leeres Bett im Nachbarzimmer angeboten, weil sie mich verstehen konnte. – Ich will die Gründe für die Antipathie hier nicht aufführen, aber auch ihr lila Schlafanzug konnte daran nichts ändern.

Es kam der Entlassungstag und die immer noch in der Nase befindlichen Plastikröhrchen gingen mit mir nach Hause – sie sollten erst zwei Tage später (23.10) raus. Das ging einigermaßen glimpflich und es war ein ungeheuer befreiendes Gefühl, als diese beiden in der Abfallschale landeten.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, was in die Nase alles so hineinpasst. – Dass der OA dann allerdings kurz vor dem Siebbein – das muss kurz vor dem Gehirn sein – zwei Verklebungen entdeckte, die er dann trennen musste, traf nicht auf mein Wohlwollen, denn es tat weh. – Aber gut, ging auch vorüber.

Der Sohn kam mich abholen, weil er gleich die Sache mit dem Schlosszylinderaustausch machen wollte und den Schalter auf dem Balkon tauschen – das stand auch noch an. Gut, dass ich beides ihm überlassen habe.

Das neue Schloss wollte sich nicht richtig drehen. – Er fuhr mit allen Teilen zum Schlüsseldienst und es wurde festgestellt, dass an der „Drehnase“ einiges abgefeilt werden musste, weil mein Vorbewohner ein italienisches Schloss drin hatte und kein genormtes deutsches.

Der Sohn baute ein, nahm danach den Hund und fuhr wieder zur Arbeit. Ich ging in den Keller – ohne Handy, ohne Geld, ohne Jacke, ohne feste Schuhe – wie man eben so in den Keller geht – und stand vor der Wohnungstür und kam nicht hinein. Der Schlüssel drehte sich nicht einen mm – nicht nach links, nicht nach rechts.

Zum Glück war es ein warmer Oktobertag. Ich fuhr schwarz mit dem Bus zum Schlüsseldienst. Der Chef hatte mich mittags ja schon mit meiner Nase gesehen und hatte Mitleid mit mir. Sein Außendienstmonteur holte mich ab und brachte die Sache mit sehr viel Kulanz in Ordnung.

Und seitdem versuche ich, wieder in den normalen Trott hinein zu kommen. Wenn ich schon nicht bloggen will, dann bin ich nicht ganz in Ordnung – jetzt sehen wir mal, wie es weiter geht.

Ich wünsche euch allen eine gute Zeit.