Claras Allerleiweltsgedanken


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Retrospektive 1945 – 55 (1)

Clara und Blumen in den ersten 10 Lebensjahren

Wenn ich also auf die 77 zugehe, kann sich jeder ausrechnen, dass ich kurz nach der Beendigung des zweiten Weltkriegs geboren wurde. Ich bin heilfroh, dass man sich an die ersten drei bis vier Jahre nicht gut oder gar nicht erinnern kann, denn die waren bestimmt nicht ganz lustig.

Mein Vater ist im Mai 1946 mit seinem Fahrrad (leider aus eigener Schuld) unter einen LKW gekommen und hat das nicht überlebt. Entsprechend traurig und angespannt wird wohl meine Mutter gewesen sein, denn sie musste nicht nur für das hungrige, schreiende Baby sorgen, sondern noch für den aus der ersten Ehe meines Vaters übernommenen 13jährigen Sohn, der sicher noch sehr viel mehr Hunger hatte als ich.

Die beiden, die jetzt schon längere Zeit nicht mehr am Leben sind, haben sich wohl gar nicht gut verstanden, was ich später sogar sehr gut nachvollziehen konnte, denn auch ich war selten mit meiner Mutter auf einer Linie. Deswegen ist der „Knabe“ mit 17 Jahren abgehauen und hat sich dort im Laufe der Jahre auf einen sehr guten Posten bei der Polizei in Nordrheinwestfalen hochgearbeitet. Das war dann später bei all meinen Arbeitssuchen an interessanten Stellen ein großer oder sogar der größte Hemmschuh, da ich den Kontakt zu ihm nicht abbrechen wollte.

Aber jetzt sind schon wieder die Pferde mit mir durchgegangen – ich will doch in der Zeit bis 1954 bleiben.

So wie bei dieser Rosenknospe und den anderen Knospen ist der weitere Lebensweg von KleinClara noch etwas ominös und verschwommen.

Bei diesem Foto sage ich einfach mal, die nächsten Knospen hätten ein Bruder oder eine Schwester oder beides werden können, wenn mein Vater sich nicht so „plötzlich und unerwartet“ vom Leben verabschiedet hätte. Ich hätte gern Geschwister gehabt, zumal ich ja die Älteste gewesen wäre.

Auf jeden Fall hatte sie aus ihrem ersten Wagen = Cabrio einen guten Überblick. Das schien ihr zu gefallen, denn sie quittiert das mit einem freundlichen Lachen, leicht sonnengeblendet. – Offensichtlich kann das Nahrungsangebot nicht soooooooooo schlecht gewesen sein, denn unterernährt sieht dieses Kind keineswegs aus. – Im Hintergrund ist die Görlitzer Straßenbahn – für Insider an der Haltestelle Büchtemannstraße – zu erkennen, in der man für einen Preis von 0,20 M mitfahren durfte.

Entweder hat die fotografierende Person immer meine freundlichen Momente abgepasst oder ich war wirklich ein freundliches Kind – ICH kann das nicht beurteilen und ich kenne auch niemand mehr, der darüber Auskunft geben könnte. – Wenig oder keine Zähne (und dieses Foto beschreibt nicht den Jetztzustand!!!), dünne kurze Haare und lustig in die Welt wackelnde Ohren – das bin ich in meinen frühesten Lebensmonaten. Nur die Sache mit den Ohren ist jetzt anders, da ich sie mir 19?? habe anlegen lassen. Hätte ich das mal lieber bleiben lassen, da hätten jetzt die Hörgeräte besser dahinter Platz gefunden oder die Ohren hätten die Schallwellen besser auffangen können 🙂

Und das Leben schreitet voran – das Kind bekommt trotz der schwierigen Verhältnisse auch ein wenig Spielzeug geschenkt. Und da dieser Teddy nur so klein und mickrig war, hat sie das dann im späteren Erwachsenenalter alles versucht, wieder aufzuholen und die ganze Wohnung mit Plüschtieren voll gestellt. – Das ist übrigens offenbar die Lieblingsfrisur meiner Mutter für mich gewesen – oben eine Rolle, die sich nach fachkundiger Bestätigung „Hahnenkamm“ nennt. Sollte ich durch dieses maskuline Beiwerk stärker werden als ein Mädchen, sollte ich männliche Züge bekommen? Vielleicht wollte ich deswegen in meiner Jugend lieber ein Junge sein. – Warum diese Haare nicht in die Zöpfe eingeflochten wurden, die meine abstehenden Ohren etwas verdecken sollten, weiß ich nicht. Vielleicht wurde ich auch einfach nur nach der neuesten Mode von Paris frisiert 🙂 😉 (und wieder lacht und strahlt das Kind)

In unseren Breiten besteht ja Schulpflicht und Schulrecht – und die Einschulung passiert in den ersten 10 Lebensjahren. 1952 – also schon 7 Jahre jung – schleppte ich meine zwei Schultüten am Einschulungstag zum Ort des Geschehens. Von unserer Wohnung aus waren es keine 10 Minuten bis zur Melanchthonschule. Da ich hier eine Görlitzer Mitschülerin als Mitleserin habe, muss ich genau aufpassen, dass ich auch alles richtig berichte. – Auch hier habe ich diese Tolle auf dem Kopf. – Warum dieses Mal die Zöpfe die Ohren frei lassen, weiß ich nicht. Vielleicht hatte meine Mutter Angst, ich könnte sonst etwas von den Worten unserer Lehrerin überhören. – Hier noch ein ganz lobendes Wort für „Fräulein Grahner“, die eine exzellente Lehrkraft war. Warum es damals üblich war, nicht mehr junge Frauen mit Fräulein anzusprechen, könnt ihr selber googeln.

Und jetzt habe wir es auch schon geschafft. Hier habe ich mich schon in den Lernprozess integriert. Mir ist das nie nicht niemals schwer gefallen, deswegen habe ich wohl immer so viel Blödsinn im Unterricht gemacht und gequatscht, weil es mir so oft langweilig war, wenn etwas zum zweiten oder dritten Mal wiederholt wurde, damit es auch die ?????? mitbekommen.

Die beiden Schneidezähne sind komplett, dafür wachsen die beiden Nachbarn – und …. und …. und ??? Ohren frei und KEINE Tolle mehr auf dem Kopf – wie ich mich aufmüpfiges Kind kenne, habe ich dagegen protestiert. Aber IMMER Schleifen im Haar – entbehrlich!

Apropos Zähne – einer kleinen Löwin wachsen natürlich Löwenzähne.

1954 siedelte meine Oma und meine Tante (Mutter und Schwester meiner Mutter) aus Oberschlesien zu uns und wohnten auch in unserer Wohnung. Da wurde es auf der einen Seite gut für mich, da meine Oma mich liebevoll bekochte, aber auch sehr hart, da meine Tante versuchte, alle Erziehungsfehler meiner Mutter auszugleichen. Da ist mir mehr als einmal das Lachen vergangen.

Hier das aufstrebende ClaraRöschen – Mutter und Tante in Erziehungskonkurrenz – in der untersten Etage die Großmutter.

Wir sehen uns bald wieder in dieser „Lebensaufführung“ – aller drei Tage kommt ein neuer Beitrag.


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Wohnungsreparaturen sind so wunderschön …

… weil ich dann Sohn und Hund zu sehen bekomme

Irgendwann vor einiger Zeit „erlauschten“ meine Ohren, dass mit dem Spülerkasten im Bad was nicht in Ordnung ist. Die Nachbefüllung nach Benutzung tröpfelte mehr oder weniger in den Kasten – frau musste schon Angst haben, dass bis zur nächsten Begehung der Sanitärkeramik nicht ausreichend Wasser nachgelaufen ist.

Als der Sohn einen Blick in das Innenleben riskierte, staunten wir beide, dass dieses WRACK überhaupt noch funktionierte, denn ein wichtiges Teil war gebrochen – das muss noch echte „Vorkriegsware“ sein, denn der Kasten hat gut und gern ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel. – Das Foto könnte ich jetzt nennen: „Eine, die auszog, das Gruseln zu lernen!“ – Dieser Kasten kommt ja nur mit Frischwasser in Berührung – wovon der dann dennoch so verrottet und versottet, weiß ich nicht.

Und ich stellte wieder mal fest, dass DIESER SOHN für Reparaturen JEGLICHER Art geeignet ist. War nicht mal die Rede, dass erstgeborene Töchter nach dem Vater und die nachgeborenen Söhne nach der Mutter gehen???

Mit genauen Maßen des alten Kastens fuhren wir in den Baumarkt und waren von der Fülle des Angebots fast erschlagen. Wir suchten einen passenden aus und achteten auf den Wasserverbrauch. Er ist einstellbar auf 6 bzw. 7,5 l für einen Spülgang und hat die übliche STOP-Version, keine Extrataste.

Ich hatte vom Blick in das Regal einen Preis von ca. 47,00 € in Erinnerung und war dann ganz erstaunt, dass 55,00 € verlangt wurden. Und tatsächlich: Will man dieses hässliche Beige erwerben, muss man offenbar „Hässlichkeitssteuer“ zahlen. Aber da das gesamte Bad in beige gefliest ist und auch alle Sanitärkeramik diese Lieblingsfarbe des Vorbesitzers trägt, habe ich mich angepasst.

Das Foto ist VOR dem Austausch: Ihr seht, alles Ton in Ton – nur von meinen Fischen, Muscheln und der WC-Brille ein wenig aufgeheitert.

Den Sohn-Handwerker überraschten wieder einmal die Imponderabilien des Lebens – das dazu gehörende Wasserrohr konnte aus irgendeinem Grund nicht verwendet werden und das alte war 2 cm ZU KURZ. Zu lang wäre in diesem Falle besser, denn absägen geht schneller als „Ansägen“ oder besser anstückeln.

Gelobt habe ich ihn ja oben schon ausführlich – ich will mich nicht wiederholen – höchstens, dass er das wohl von der Mama geerbt hat 🙂 😉

An dem Verbindungsstück war noch Platz zum Verlängern – und mit einem sehr guten Textilklebeband wurde die Stelle sogar wasserdicht. – Auch wenn das Klebeband schwarz ist, werde ich deswegen keine Trauer tragen.

Und so sieht die „Pracht“ jetzt aus – alles ist viel leiser geworden und die Wassermenge scheint auch reduziert zu sein.

Also kann ich mich jetzt wieder den ernsteren Fragen des Lebens widmen!!! Doch was ist ernsthafter als ein gut funktionierender Stoffwechsel. Denn sonst gäbe es nicht täglich vor der Tagesschau mit wechselnder Besetzung die Reklame für „Kijimea pro“ – ein ziemliches teures und vollkommen unwirksames Präparat, denn ich habe es ausprobiert.

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Kleiner Nachtrag zum Muttertag – trifft leider für mich nicht zu, da die Entfernungen zwischen der oberen und der unteren Generation zu groß sind.

 

 

 


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An den selten bis nie begangenen Muttertag …

… soll jetzt mehr als 8 Jahre nach dem Tod meiner Mutter gedacht werden

Es ist sicher etwas anderes, wenn man mit dieser Tradition von Kindesbeinen an aufwächst. Aber bis 1989 spielte er bei uns GAR keine Rolle – und nach 89 so gut wie keine. Aber zumindest habe ich in den letzten Jahren bis 2007, da meine Mutter noch nicht im Heim war und zu Haus lebte, mit ihr an diesem Tag immer ein ganz fürstliches Spargelessen genossen. Darüber hat sie sich sehr gefreut.  Hier die Vorbereitungen dafür.

Und jetzt habe ich die „Mutterecke“ neu dekoriert. Sie war ja in unserer Familie die einzige, die der katholischen Kirche bis zum Ende ihrer Tage treu geblieben ist – anders als ihre Kinder, Kindeskinder und die Generation noch weiter. Ihre Nichten aus der Familie ihres Bruders sind auch noch katholisch – trotz aller negativen Vorkommnisse in der Kirche.

Zum Andenken an sie habe ich jetzt die kleine und die große Marienfigur, Dürers betende Hände und die passende Kerzenillumination neben ihre Collage gestellt, die sie im Altenheim mit Unterstützung der Ergotherapeutin angefertigt hat. – Sie hat mich immer finanziell unterstützt, da es ihr zumindest auf diesem Gebiet sehr viel besser ging als mir. – Ohne sie hätte ich die lange Zeit der Arbeitslosigkeit und mit Hartz IV nicht so gut überstanden.

D A N K E !

Gut, dass mein Vater auch auf der Collage mit drauf ist, denn in gewisser Weise ist heute auch VATERTAG! … aber eher in der traurigen Fassung. Schon mehrmals hatte ich ja geschrieben, dass er (aus eigener Schuld) am 8. Mai 1946 tödlich auf seinem Fahrrad verunglückt ist.

Obwohl ich damals erst 8 Monate jung war und mit meiner evakuierten Mutter in Bayern lebte, hat er mich mindestens einmal gesehen – wenn nicht sogar öfter. Er soll sich wohl sehr über mich gefreut haben, denn in seiner ersten Ehe gab es nur zwei Knaben, wovon einer ganz jung gestorben ist.

Vor paar Tagen schrieb ich ja, dass das erstgeborene Mädchen in einer Beziehung immer das Abbild ihres Vaters sein soll – und ganz genau so muss es bei uns sein, auch wenn ich das nie in der Praxis überprüfen konnte. Aber weniger Ähnlichkeit mit meiner Mutter konnte es kaum geben. Und ich habe mich Zeit meines Lebens – zumindest aber in meinen Kinder- und Jugendjahren – IMMER nach einem bzw. natürlich MEINEM Vater gesehnt. – Hat nicht sollen sein.

 

Die letzte Collage ist auch nicht mehr die jüngste – und da habe ich ja tatsächlich noch ziemlich stark geraucht, bis ich es mir 2004 von einem Tag zum anderen abgewöhnt habe und nie nicht einmal mit einem Zug rückfällig geworden bin.