Claras Allerleiweltsgedanken


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Claras Mehrgenerationenhaus

Mein Blogartikelschreibahnungsgefühl sagt mir, dass ich mal wieder was Lustiges veröffentlichen muss, um euch zu erheitern. Zu der vor paar Tagen beschriebenen „Alterspräsidentin“ passt doch wunderbar, dass ich festgestellt habe, dass ich einem Mehrgenerationenhaus vorstehe. Dieses Thema hatte Frau „Wildgans“ mal vor einiger Zeit angesprochen, aber da ging es ernsthafter zu als jetzt bei mir. In einigen Kommentaren wurde die Meinung vertreten, dass die Elterngeneration die Großelterngeneration damit ausnutzt, dass sie den Alten die Kindergeneration zum Betreuen „aufhalst“, wenn diese mal nicht in den Kindergarten oder in die Schule gehen können. – Ich hatte zur Kinderbetreuung schon immer eine positive Einstellung und durfte es leider viel zu selten bei den eigenen Enkeln genießen.

Aber jetzt genügend an Theorie – jetzt kommt die Praxis.

Zuerst stelle ich euch jetzt die gesamte Hausgemeinschaft mit allen allein erziehenden Müttern oder Vätern, die ich alle als meine „Kinder“ adoptiert habe, damit ich deren Kinder mit gutem Recht als meine Enkelkinder bezeichnen kann.

Wir sehen hier:

  • Mama Matroschka mit ihrer Tochter (die Namen der Kinder und ihrer Eltern werden aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht 🙂 😉 )
  • Papa Machofrosch, der im höheren Alter noch einmal Vater geworden ist und sich sehr über die intensive Farbe seines Sohnes wundert – er grübelt schon, ob er einen Vaterschaftstest machen lassen soll
  • Die ganz liebe lila Nilpferdmama, die ihren manchmal etwas kratzbürstigen Sohn sehr gut im Griff hat, ihm aber auch genügend Freiheiten für seine Entwicklung lässt
  • Bei Neuaufnahme von Mama Lilarundschwein habe ich im ersten Moment nicht gewusst, ob hier ein Papa oder eine Mama kommt – das weiß man ja heutzutage nicht immer auf Anhieb – aber mir wäre es auch egal gewesen. Als sie hier aufgenommen wurde, war ihr rosa Ferkelchen noch sehr klein und ich sah mal, wie sie es säugte – spätestens da waren alle Unklarheiten beseitigt
  • Den Reigen beschließt natürlich ein Papa, denn Vater Frosch soll sich ja nicht so alleine fühlen unter den ganzen Mamas. Papa Trabantkombi kommt aus der DDR, was ihr euch sicher schon alle gedacht habt. Seine zweite Ehe ist er mit einer Frau aus dem anderen Teil Deutschlands eingegangen – aber das ging nicht richtig gut, denn beide hatten das Gefühl, dass die Vereinigung der beiden Landesteile hätte anders vonstatten gehen sollen. Sie trennten sich ganz friedlich, und Sohn Minifiat ist abwechselnd bei seiner Mutter und abwechselnd beim Papa. Der Kleine fühlt sich sehr wohl hier. Er hat keine Geschwister und kann das hier erleben, wie es wären, wenn … Aber nicht immer findet er es toll.

Ich zeige euch jetzt die Fotos in der Reihenfolge, wie ich sie hier aufgeführt habe. – Als Mama Matroschka hier einzog, war mit ihr und ihrer Tochter alles okay. Die Kleine war sehr liebebedürftig und kuschelte gern – am liebsten wäre sie bei der Mama in den Bauch gekrochen. Doch eines Tages bemerkte sie, dass die Mama rund und runder wurde, der Bauch wurde immer dicker. Da musste die Mama Farbe bekennen und sagen, dass es bald ein kleines Brüderchen geben wird. Darunter konnte sich die Kleine nichts richtig vorstellen – doch als der Lütte dann da war, gab es oft Eifersuchtsszenen. Und das waren dann die Momente für meinen „Einsatz“ – die Mama kümmerte sich um das Baby und ich unternahm was mit der Großen.

Als Frosch Macho oder Macho Frosch bei uns um Aufnahme bat, waren die Mütter alle sehr skeptisch – er trat derartig großkotzig auf, was man ja schon an seinem Äußeren sehen kann. Wer spielt sich heutzutage in Deutschland noch als König auf – es sei denn, er heißt Jens mit dem Vornamen und Spahn mit Familiennamen – nur solche Leute können sich schlossartige Einfamilienhäuser leisten.

Als er wieder mal was von einem Vaterschaftstest faselte, erinnerte ich ihn an seine Ex. Die war ja noch viel „königlicher“ als er, aufgeblasen und arrogant bis in die letzte Kieme. Unter diesem Aspekt betrachtet ist der Sohn ein richtiger Prachtkerl geworden.

Nicht er tat mir leid, sondern mehr sein quicklebendiger Sohn, der immer mal dahin hüpfte, sich nach kurzem unter dem Schrank versteckte und quakte: Such mich, Clara. Also stimmte ich dem Einzug zu. Und ich habe es NIE bereut – der Vater wurde umgänglicher und der Sohn nicht mehr so ADHS-gefährdet. Und wenn ihn sein Papa mal ganz liebevoll in die Arme nahm und ihm was Zärtliches ins Ohr flüsterte, dann wurde der Kleine fast zur Katze, so schnurrte es aus dieser Ecke. – Allerdings kann das auch eine Fehlleistung meiner Hördremmel sein.

Wen haben wir denn jetzt? Ach, da kommt ja unsere Nilpferdkleinfamilie. Der arme Kleine hat leider nur noch seine Mama – keinen getrennt lebenden Papa, der ist an einer blöden Krankheit gestorben – deswegen hat er ein besonders gutes Verhältnis zu seiner Mama, lässt sich gern von ihr die dicke Haut kratzen – aber manchmal kehrt der Kleine auch seine kratzbürstige Seite heraus. Aber wir wissen, das gehört in der Pubertät einfach dazu. – Die beiden fühlen sich im Haus sehr wohl und werden auch von allen anderen gemocht bis geliebt.

Als ich mich mal mit dem Kleinen längere Zeit unterhalten habe, hat er nach seinem Onkel im kleinen B. gefragt. Da er keinen Papa hat, sucht er ganz intensiv nach anderen männlichen Personen, mit denen er eben typisch männliche Sachen machen kann. Vielleicht sehen sich die beiden bald mal wieder. Onkel Frosch scheint ja auch schon ganz heiß auf ein Wiedersehen zu sein.

Wen stelle ich euch jetzt vor? Diese beiden sind schon sehr, sehr lange bei uns, denn ich habe noch erlebt, die das süße Baby von der Mama gesäugt bzw. gestillt wurde. Die Kleine hatte einen satten Zug, den sie wurde zusehends runder und runder und rosiger. Manchmal wusste man bei den beiden nicht, wer hier eigentlich den Ton angibt, wenn sich die Tochter mit ihrer Mutter zoffte, begnügten sich beide nicht mit Quiek- und  Grunzlauten. Wenn dann alles wieder gut war, durfte die Kleine eine Runde reiten.

Tja, da bin ich ja schon bei dem letzten Pärchen angekommen – unser Trabantpapa mit seinem Sohn Minifiat. Fiat hat seinen Papa ganz schön im Griff – wenn er nicht will, dass der am Abend mal ausgeht, um vielleicht eine andere hübsche Autodame kennen zu lernen, steigt er ihm einfach auf die Motorhaube. Natürlich würde der Papa nie das Leben seines einzigen Sohnes gefährden und startet natürlich nicht den Motor. Außerdem ruft ihm der Kleine zu: „Du musst dir erst mal ein anderes Aftershave anschaffen, denn mit diesem ekligen Benzingemisch wirst du keine Frauen finden, die das begeistert. – Dann bleibt der Papa zu hause und sie spielen wilde Sau wilde Autos. Gefährlich wird es dann, wenn der Kleine seinem Papa aufs Dach steigt und dieser dann eine Runde dreht – natürlich langsam. Bis jetzt ist alles gut gegangen.

Könnt ihr euch vorstellen, dass ich Spaß an meinen Mitbewohnern habe?

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Und wer Lust hat, kann hier den Beginn der Nilpferd-Frosch-Geschichte lesen.


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Hochzeit auf mallybeau-isch …

… am 2.2.221  um 22:22 Uhr…

 

mit einem Schuss Valentin-isch

An meinem „Löwenfimmel“ sind mehr oder weniger meine Eltern schuld – denn sie haben mich so in die Welt gesetzt, dass ich vom Sternzeichen ein astrologischer Löwe bin. – Aber in diesen Zeiten damals waren wohl weniger astrologische Tierkreiszeichen ausschlaggebend, sondern der Fronturlaub der Männer, die Kinder in die Welt setzen konnten, wollten oder auch nicht verhindern konnten. – Mir wurde immer erzählt, ich sei ein Wunschkind gewesen – glaube ich jetzt einfach mal.

Im Laufe der Jahre habe ich mich zu meinem Tierkreiszeichen bekannt und ihn auch mal ab und an herausgekehrt.

Für meinen Schnapszahlenfimmel zeichne ich ganz allein verantwortlich 🙂

Und dann fing die Blogzeit an – und bald darauf fing auch meine „lila Periode“ an – zum Glück war da die rote schon  vergessen.

Und als gar Mallybeau in mein Blogleben trat, gingen die Lilasachen weit über mein Geschenkeregal hinaus – es zog viel virtuelles Lila bei mir ein – an der Wand hängen Collagen und Kalender, auf meinem Computer gibt es jeden Monat einen anderen lila Löwen als Hintergrund, und jetzt habe ich auch noch einen als Dauerpartner gewählt.

Zur Auswahl für ein neues Wandbild standen drei Monatslöwen:

Der Märzlöwe war mir zu dräuend, der Dezemberlöwe zu faul dahingestreckt, also habe ich den Mai-Löwen genommen. Mallybeau hat auf meine Bitte hin den Monatsnamen und den Rahmen entfernt, weil sich das sonst mit der Endfassung nicht vertragen hätte.

Jetzt, nachdem er an einer weißen Wand hängt, stelle ich fest, dass er einen dunkleren Hintergrund gut gebrauchen könnte – hat er aber nun jetzt nicht.

 

Wenn Ulli (von der die ersten beiden Bilder sind), Mallybeau, der Löwe und ich Doppelkopf könnten, hätten wir eine Spielrunde zusammen 🙂 😉

Doch was hat das mit „valentin-isch“ zu tun – nach Datum und Uhrzeit wird doch wohl keiner mehr fragen.

Mein Fotoanbieter machte Werbung, dass er für 10,00 € zum Valentinstag Fotos auf ein Acrylbild im Format von 30 x 40 zieht – da konnte und wollte ich nicht widerstehen. Mallybeau entfernte für mich Rahmen und Schrift und ich gab es in Auftrag.

Es kam zwar nicht pünktlich zum Valentinstag an, aber ich will mal nicht päbstlicher als der Pabst sein – denn ich schenke es ja (nur) mir.

Allerdings kam es ohne gebohrte Löcher wie die anderen beiden Bilder an. Eine passende Aufhängung hatte ich noch auf Lager, also stand die Acrylbild-Lochbohrerei an. G*oogle sei dank gab es viele Informationen, wie man in 3 mm starkesAcryl Löcher bohren kann. Das Geld für einen Kunststoffbohrer musste ich – Lockdown sei Dank – nicht ausgeben. Aber es wurden auch scharfe Holzbohrer empfohlen. Mein lieber Nachbar hatte nagelneue auf Halde liegen, die er mir geliehen hat.

Mist war nur, dass sich der Kunststoff nach kürzester Zeit an der Bohrspitze festgefressen hat – aber irgendwann waren die vier 8 mm großen Löcher drin.

Auf meinem Bett knieend kamen auch die beiden Wandlöcher zustande. So ein leichtes Bild mit 4 Dübeln zu befestigen, wäre „Eulen nach Athen“ zu tragen – deswegen sind sie nur Dummis und nur leicht an der Wand befestigt.

Doch dann kam die nächste Schwierigkeit – Länge der Dübel und Länge der Schrauben wollten nicht zueinander passen. Ich bildete mir ein, das Originalset verwendet zu haben – war wohl aber nicht so. Die Schrauben waren ca. 5 mm zu lang, so dass sich nichts befestigen ließ. – Also alles wieder raus geschraubt, zwei passende kürzere Schrauben gesucht – und schon konnte ich mir auf die Schulter klopfen – macht ja sonst keiner.

Und so ist die Gesamtansicht. – Noch einmal herzlichen Dank an die beiden Künstlerinnen Ulli Gau und Mallybeau Mauswohn. Auf diese Weise seid ihr jetzt bei mir gefangen oder besser verewigt *haha*.

Hoffentlich bekomme ich keinen Ärger, weil ich meinen „Gatten“ an die Wand genageltschraubt habe.

Leider nicht ganz 666 Wörter, dafür gibt es noch ein Foto vom „Hochzeitsgeschenk“, das Clara und ihr Löwe bekommen haben. Frage: Wie viele Zweien haben sie geschenkt bekommen?

 


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Wir gingen zusammen in den Kindergarten …

… wir lernten in der gleichen Klasse rechnen und schreiben

… wir lebten im gleichen Land, bis ihr 1956 nach Aachen „gezogen seid“

… und jetzt bist du nicht mehr da!

Dieses „nicht mehr da sein“ empfand ich schon viel früher, denn Alzheimer hatte fast alle deine Erinnerungen gelöscht – aus allen Jahrzehnten. Vor Jahren war ein Besuch bei dir geplant – und nach sehr vielen Erklärungen und Erinnerungen sogar mit dir am Telefon vereinbart. Der Tag war da, ich stand vor deiner Wohnungstür, doch niemand öffnete. Zum Glück hatte ich die Telefonnummern beider Söhne – und der Ältere sagte mir: „Sie freut sich auf dich, sie ist vielleicht kurz in ihr Lieblingseinkaufscenter gegangen!“ – Also ging ich ihr entgegen – und da kam sie auch schon. Wir trafen uns – und 10 Sekunden hielt ich ihre Frage „Verzeihung, wer sind Sie denn, ich kenne Sie nicht“ für einen üblen Scherz, bis ich begriff, dass es bitterster Ernst war.

Ich weiß nicht genau, aus welchem Jahr dieses Foto ist – ist es noch in der DDR fotografiert? Hast du es mir schon aus Aachen geschickt?  Dazu ist das alles zu lange her – ich bin überhaupt erstaunt, dass es in meinem Fotoarchiv zu finden ist.

Die langen Jahre der deutschen Trennung waren auch wir fast getrennt, zumal du lange Jahre in Nigeria wohntest. Deinen Mann hattest du in Hamburg als Medizinstudenten kennen gelernt – aber er war nicht nur ein sehr guter Mediziner, er war noch ein viel besserer Geschäftsmann und wollte in sein Heimatland zurück. Da inzwischen zwei ganz hübsche kleine Jungen eure Familie belebten, hast du kurzerhand deinen Lebensmittelpunkt nach Afrika verlegt.

Irgendwann kam die deutsche Vereinigung, irgendwann kam die Trennung von deinem Mann, denn der hatte vom ehelichen Leben, vor allem von ehelicher Treue weitaus andere Vorstellungen als die deutschen Ehefrauen sie haben. Deine Söhne bekamen einige Halbgeschwister, worauf es dich dann doch wieder nach Deutschland zog. Versüßt wurde diese Trennung durch eine exzellente Eigentumswohnung in einem sehr schönen Hamburger Stadtteil.

Die Söhne leben halb in Deutschland, halb in Afrika, bekamen selbst Kinder und der jüngere betrieb eine lange Zeit mit afrikanischen Geweihen, die kunstvoll verziert waren, ein Geschäft. Ich hatte mal darüber geschrieben.

Durch ein Klassentreffen begegneten wir uns erneut und konnten unsere damals beendete Freundschaft auf Sparflamme weiterführen. Durch deine Vermittlung lernte ich noch eine Freundin aus der Nähe von Kiel kennen – und zu dritt haben wir so einige schöne Sachen erlebt.

Sehr schön fand ich den Besuch der Hamburger Gartenschau, der sich bis Norderstedt ausbreitete. Wir waren echt beschäftigt. Freundlichst wurden wir von den Maskottchen der Gartenschau begrüßt – das nenne ich Gendergerechtigkeit!

 

Wie fast immer bei Gartenschauen beleben Kleinkünstler das Geschäft – aber hier ist der Begriff „klein“ nicht passend, denn es sind eher „Groß“künstler.

So erwachsen wir waren, so „Verrückte Hühner“ konnten wir trotzdem sein. Na gut, manchmal nehme ich es mit dem Federvieh nicht so genau – und wir waren eben dann Watschelenten, je älter wir wurden. Aber „verrückte Hühner“ können auch auf einem Frosch reiten.

Ist denn das erste Tier nicht ausgesprochen wonnig? Ganz im Gegensatz zum Krokodil, das aber in einer solchen Ausführung auch keine Angst macht.

Die gezeigte Kunst war zum Teil recht eigenwillig.

Und keine Gartenbauausstellung kommt ohne einen Grabteil aus – doch damals dachten wir nicht unbedingt vorrangig an Tod und unsere eigenen Gräber. Das zweite Foto stellt jüdische Gräber dar.

Und ganz zum Schluss bekommst du diesen Blumenstrauß von mir, liebe Freundin.

Außer meinen Verwandten sind bisher hier im Blog nur Leute gestorben, die alle jünger waren als ich. Du kommst zwar  nicht aus der Bloglandschaft – aber du bist die erste, die älter ist oder war als ich – wenn auch nur 2,5 Monate. Der „Blitz“ schlägt immer dichter ein.

 

 

 

 


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Heute wäre eine 77 fällig …

… wenn die Beteiligten noch leben würden

Meine Liebe zu Schnapszahlen hat mich bewogen, den zweitägigen Veröffentlichungsrhythmus zu unterbrechen.

Diese 43 Tage ist keine absolute Zahl, denn mein Vater ist erst am 8. Mai 1946 tödlich verunglückt. – Aber nach seinem sehr gut geführten Tagebuch konnte ich ausrechnen, dass sie sich wegen Krieg, Gefangenschaft und Arbeit in seiner Heimatstadt, während dessen meine Mutter schon evakuiert mit mir im Bauch in Bayern war.

Einen dieser 43 Tage haben sie genutzt, um Ei und Spermium zu vereinigen, so dass KleinClara entstehen konnte.


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Kuriositäten, die mein Leben so schreibt

In den dritten Etagen zweier Häuser wohnen hier offenbar leicht seltsame Leute. – Von einem Balkon stürzt ein schöner Übertopf mit noch schönerem Inhalt ab. Da würde ich doch erwarten, dass die Eigentümer den hinterlassenen Schaden auf der Wiese wegräumen, damit die Hausmeister wieder das Gras kurz schneiden können. Doch darauf wartete ich mehrere Tage vergebens. Zuerst bat ich sie per Briefkasten mit einer höflichen Mitteilung um Schadensbeseitigung – ohne Wirkung. .Erst als ich ihnen eine Scherbe des Übertopfes in den Briefkasten warf, haben sie sich zum Wegräumen bequemt. – Diese Haltung verbreitet sich immer mehr: Irgend jemand wird es schon erledigen.

Ähnlich war es mit diesem kleinen Tier. Auch der lag unbeachtet mehrere Tage lang auf der Wiese – doch nicht .etwa schon seit der Weihnachtszeit, wie seine Verkleidung vermuten ließe.

Mit anständigem Zoom identifizierte ich das Dingens von meinem Balkon aus als Teddybär. Da in meinem Strang nur eine einzige Wohnung ist, in der Kinder leben, erbarmte ich mich. Es sind Migranten, die mit VIER = 4 Kindern in „meiner“ 2,5 Zimmer Wohnung wohnen. Gut, nach dem Krieg haben bei uns auch viele so beengt gewohnt – wir selbst ja auch 10 Jahre zu viert in 49 m². Wahrscheinlich habe ich nach dieser Eigenerfahrung so viel Mitleid mit anderen.

Als ich mit dem Teddy vor der Tür stand, wurde er von den Kindern freudig begrüßt. Die beiden ältesten konnten ein wenig deutsch – für meine Begriffe zu wenig, denn sie wohnen schon längere Zeit hier. Aber wenn auch wegen C-Zeiten wochenlang die Schule ausfällt … und die öffentlichen Einrichtungen so anzusehen sind, wie sollen sie dann ihre Kenntnisse verbessern.

Die armen Leute, die mit dem Gesicht zur Wand sitzen müssen *hahaha*

Das zweite „Funderlebnis“ fand ich etwas seltsam. Ich sah auf dem Überdach der Hauseingangstür von unten aus etwas liegen. Na gut, liegt dort eben was. Am nächsten Tag lag es immer noch – und da schaute ich nach. Es war ein grünes Schlüsselband mit drei Schlüsseln daran. Wenn ICH das versehentlich verloren hätte, wäre es nach einer halben Stunde dort von mir weggeholt worden, denn anhand der auf dem Hausschlüssel eingravierten Wohnungsnummer kann man genau identifizieren, welche Wohnungstür man jetzt problemlos öffnen kann.

Ich nahm einen Besenstiel, hatte gleich das Corpus delicti geangelt, stellte anhand der Wohnungsnummer fest, dass es die „Kinderreich-Wohnung“ ist und klingelte – aber mir wurde nicht aufgemacht.

Als ich nach einiger Zeit den zweiten Versuch machen wollte, kam mir schon der Älteste entgegen, der mich nach dem Schlüssel fragte. Entweder hatte mich jemand beobachtet oder mein erstes Klingeln hatte sie es vermuten lassen.

Meine Kinderliebe lässt vermuten, dass ich mich mit den beiden älteren vielleicht mehr beschäftigen werde, damit sie hier heimischer werden.

Wenn wir zusammen auf meinem Balkon säßen, könnten wir zumindest über Pflanzen, Schmetterlinge, Steine und UHRZEITEN plaudern oder lernen. Denn wer ist schon so verrückt, auf dem feuchten Balkon eine  elektrisch betriebene Uhr hängen zu haben. Jetzt ist endgültig der letzte Raum uhrenbestückt.

Man kennt ja Pharaonengräber – ich zwar nur vom Bild, nicht von eigenen Besuchen her – und die sind kulturgeschichtlich doch etwas sehr Bedeutsames. Doch in welche Kategorie müsste ich meine „Sockengruft“ einordnen? In gar keine, denn der viele Platz für die wenigen Socken war mir zu schade und ich habe umgeräumt. Das Foto fand ich jedoch lustig.

 


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Es gibt Zufälle auf Reisen … Reise 1

… die man kaum im täglichen Leben erlebt,

denn wo kommt man sich so nahe wie auf einer Bank bei täglichen langen Busfahrten?

Auf der Reise in Armenien gab es drei Alleinreisende, alle von weiblichem Geschlecht. Als ich mir einen Platz im Bus suchte, fand ich meinen Platz neben einer dieser beiden Frauen, die ich schon vom verpassten Flug aus Berlin her kannte. Ich hatte in Tegel festgestellt, dass ich sie von der Sprache und vom Dialekt her gut verstehen konnte, also setzte ich mich neben sie.

Die Kommunikation war erschwert, da sie in der rechten Busplatzreihe am Fenster saß und ich ihr somit mein rechtes Nicht-Hör-Ohr zuwendete. Ich musste mich bei jedem Kommunikationsversuch so drehen, dass ich ihre Worte mit dem linken Ohr erfassen konnte. Das brachte mir bald einen gewaltigen Halsmuskelkater ein. – Als ich am fünften Reisetag auch mal die Plätze tauschen wollte, verschwand sie sofort auf die letzte Sitzreihe, die noch frei war. Das ununterbrochene Fotografieren aus dem Fenster war dort noch ungestörter möglich, da sie – je nach Außenereignis – sofort zwischen linkem und rechtem Fenster wechseln konnte.

Doch jetzt zu den Zufällen.

  1. Wir erkannten uns nicht gegenseitig am inzwischen ziemlich abgelegten Görlitzer Dialekt – weil wir beide das sogenannte „Berliner Hochdeutsch“ sprechen, denn wir waren beide in etwa gleich lange in Berlin. Da Görlitz damals nur ca. 80 000 Einwohner hatte, ist es jetzt bei mehr als 80 Millionen schon ein Zufall, dass zwei Frauen aus Görlitz auf einer Busbank in Armenien sitzen.
  2. Natürlich fragt man sich da sofort nach der Wohnanschrift, wo man das Görlitzer Kinder- und Jugendleben mit anderen geteilt hat. Ihre Eltern hatten genau in der Straße ihre Wohnung und ihren kleinen Kolonialwarenladen, in der meine Mutter in ihrer Berufsschule ihrem Lehrerinnenberuf nachging. Da ich sie oft abholte, kam mir die Gegend sehr bekannt vor.
  3. Der Bildungsweg aufstrebender junger Damen ging nicht am einzigen Görlitzer Gymnasium vorbei, in diesem Fall die EOS (Erweiterte Oberschule) „Frédéric Joliot Curie“ Da waren gemeinsam erlebte Lehrkräfte nur eine zwangsläufige Zufallssache. Und dass wir bei der allseits beliebten Musiklehrerin im gleichen Schulchor sangen und beide tiefer als die Altstimme hätten singen wollen, war zum Schmunzeln.
  4. Offensichtlich war ihr Bildungsweg nicht mit ähnlichen politischen Schwierigkeiten verbunden wie der meinige, denn sie ging sofort nach dem Abitur 1971  zum Studium nach Berlin. Im gleichen Jahr bezogen wir unsere erste Berliner Wohnung auf der Fischerinsel.
  5. Im Laufe der Jahre bekam sie einen Sohn, ich eine Tochter und einen Sohn. Diese beiden Erstgeborenen besuchten die einzige naturwissenschaftlich-mathematische Oberschule in Ostberlin – die „Heinrich-Hertz-Oberschule“. Vielleicht hat dort ihr inzwischen an einer englischen Universität arbeitende Sohn von den Erfolgen eines Mädchens Mitte der 80er Jahre gelesen oder gehört.
    „Viele Schüler der Schule erreichten vorderste Plätze in den nationalen Runden verschiedener Wettbewerbe, und es gelang, mehrere Medaillen bei der Internationale Mathematik-Olympiade und anderen internationalen Wettbewerben zu erreichen.“ (kopiert aus dem Link von Wiki) – Im Juli 1987 fand die IMO in Havanna statt – von 237 Teilnehmern waren insgesamt 7 Mädchen dabei, und eines davon aus der „Heinrich-Hertz-Oberschule“ in Berlin.
  6. Wie das bei älteren „Damen“ so ist, werden sie manchmal Oma – wir beide zwei Mal – jeweils mit einem Enkelsohn und mit einer Enkeltochter.  Das ist vielleicht noch nicht ganz so erstaunlich – weil es diese Konstellation zu Hunderttausenden geben wird.
  7. Doch dass ihr Enkel so wie mein Sohn heißt, nämlich Sebastian, fand ich schon sehr, sehr lustig. Doch ich juchzte förmlich auf, als ich hörte, dass ihre Enkelin Clara heißt.

Noch Fragen nach diesen sieben Zufällen. Für die gemeinsame Reise blieben allerdings kaum Gemeinsamkeiten übrig, denn mir hat es das Leben inzwischen abgewöhnt, immer und überall an vorderster Front sein zu wollen.

Und dass sie den gleichen Vornamen hat wie die ca. 30 Jahre später geborene Freundin meines Sohnes und bei ihm förmlich um die Ecke wohnt, hielt ich nur noch für sekundäre Zufälle.

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Falls Mitreisende dem aufgestickten „Clara Himmelhoch“ auf dem lila Rucksack nachgegangen sind, habe ich vielleicht bisher unbekannte Mitleser – aber ich glaube das kaum.

 

 


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Aufklärungs“unterricht“

Farbe pur …. oder auch:

Wann MUSS Clara vor die Tür?

Keine Angst, es wird hier keinen Biologieunterricht geben, auch keine Sexualaufklärung. Aber im letzten Beitrag wurde mir immer wieder ans Herz gelegt, doch öfter mal vor die Tür zu gehen.

Ich bin erst einmal IN MICH GEGANGEN und habe erkannt, dass es ganz WICHTIGE Dinge gibt, bei denen ich mein Haus verlassen will und muss.

Da kam mir der Kalenderspruch

Wer über jeden Schritt lange nachdenkt, der steht sein Leben lang auf einem Bein“

zur Hilfe und da bin ich einfach losgelaufen. Die Situationen waren folgende:

Es wird irgendwo Doppelkopf gespielt (na Ulli, habe ich mit der Farbe übertrieben?)

Dem Kühlschrank fehlen lebenswichtige Inhalte

Ich werde irgendwo zum Essen mit ganz besonderem Nachtisch eingeladen. (Hier habe ich ein wenig geschummelt, denn das fand bei mir zu Haus statt – aber es hat Ola zubereitet, meine damalige Mitbewohnerin)

Ein Geschäft in meiner Nähe oder auch nicht in der Nähe bemüht sich, meinem Farbknall entgegen zu kommen, was da ist:

Grüne Filzplatzdeckchen für das Wohnzimmer

Rote Kisten für die Küche, die dann nach HERZENslust von mir verunziert werden (aber da ist der Bedarf gedeckt, die locken mich also nicht mehr vor die Tür)

Nicht ungeduldig werden – ihr bekommt schon noch euer lila!

Weiße oder beigefarbene Badgarnituren

Und jetzt ruft mich das große „A“ in meiner Nähe auf, meine Lilabestände aufzufrischen

Lila Kissenbezüge (ganz neu)

Lila Tagescreme für die reife und ganz reife Haut (hier denke ich besonders an Mallybeau und Anke – ich habe zwar was von plastikfrei gefaselt, und sehe doch, dass die Behältnisse eben doch aus Plastik sind – ich hoffe, dass wenigstens nichts davon im Inhalt ist, den ich mir ins Gesicht schmiere)

Also, wenn ihr mich bald auf Fotos nicht mehr erkennt, dann habe ich diese faltenreduzierende Tages- und Nachtcreme zu großzügig verwendet. Spätestens, wenn ich aussehe wie die Schwester meiner Tochter höre ich auf, mir weiter weiße Creme ins Gesicht zu schmieren. 🙂

Dass ich natürlich auch aus dem Haus gehe, wenn jemand Hilfe braucht, ist eine Selbstverständlichkeit – und über Selbstverständlichkeiten spricht oder schreibt man nicht.

Aber sonst ist mir kein wichtiger Grund mehr eingefallen – ich bin für Vorschläge offen.