Claras Allerleiweltsgedanken


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Kuriositäten, die mein Leben so schreibt

In den dritten Etagen zweier Häuser wohnen hier offenbar leicht seltsame Leute. – Von einem Balkon stürzt ein schöner Übertopf mit noch schönerem Inhalt ab. Da würde ich doch erwarten, dass die Eigentümer den hinterlassenen Schaden auf der Wiese wegräumen, damit die Hausmeister wieder das Gras kurz schneiden können. Doch darauf wartete ich mehrere Tage vergebens. Zuerst bat ich sie per Briefkasten mit einer höflichen Mitteilung um Schadensbeseitigung – ohne Wirkung. .Erst als ich ihnen eine Scherbe des Übertopfes in den Briefkasten warf, haben sie sich zum Wegräumen bequemt. – Diese Haltung verbreitet sich immer mehr: Irgend jemand wird es schon erledigen.

Ähnlich war es mit diesem kleinen Tier. Auch der lag unbeachtet mehrere Tage lang auf der Wiese – doch nicht .etwa schon seit der Weihnachtszeit, wie seine Verkleidung vermuten ließe.

Mit anständigem Zoom identifizierte ich das Dingens von meinem Balkon aus als Teddybär. Da in meinem Strang nur eine einzige Wohnung ist, in der Kinder leben, erbarmte ich mich. Es sind Migranten, die mit VIER = 4 Kindern in „meiner“ 2,5 Zimmer Wohnung wohnen. Gut, nach dem Krieg haben bei uns auch viele so beengt gewohnt – wir selbst ja auch 10 Jahre zu viert in 49 m². Wahrscheinlich habe ich nach dieser Eigenerfahrung so viel Mitleid mit anderen.

Als ich mit dem Teddy vor der Tür stand, wurde er von den Kindern freudig begrüßt. Die beiden ältesten konnten ein wenig deutsch – für meine Begriffe zu wenig, denn sie wohnen schon längere Zeit hier. Aber wenn auch wegen C-Zeiten wochenlang die Schule ausfällt … und die öffentlichen Einrichtungen so anzusehen sind, wie sollen sie dann ihre Kenntnisse verbessern.

Die armen Leute, die mit dem Gesicht zur Wand sitzen müssen *hahaha*

Das zweite „Funderlebnis“ fand ich etwas seltsam. Ich sah auf dem Überdach der Hauseingangstür von unten aus etwas liegen. Na gut, liegt dort eben was. Am nächsten Tag lag es immer noch – und da schaute ich nach. Es war ein grünes Schlüsselband mit drei Schlüsseln daran. Wenn ICH das versehentlich verloren hätte, wäre es nach einer halben Stunde dort von mir weggeholt worden, denn anhand der auf dem Hausschlüssel eingravierten Wohnungsnummer kann man genau identifizieren, welche Wohnungstür man jetzt problemlos öffnen kann.

Ich nahm einen Besenstiel, hatte gleich das Corpus delicti geangelt, stellte anhand der Wohnungsnummer fest, dass es die „Kinderreich-Wohnung“ ist und klingelte – aber mir wurde nicht aufgemacht.

Als ich nach einiger Zeit den zweiten Versuch machen wollte, kam mir schon der Älteste entgegen, der mich nach dem Schlüssel fragte. Entweder hatte mich jemand beobachtet oder mein erstes Klingeln hatte sie es vermuten lassen.

Meine Kinderliebe lässt vermuten, dass ich mich mit den beiden älteren vielleicht mehr beschäftigen werde, damit sie hier heimischer werden.

Wenn wir zusammen auf meinem Balkon säßen, könnten wir zumindest über Pflanzen, Schmetterlinge, Steine und UHRZEITEN plaudern oder lernen. Denn wer ist schon so verrückt, auf dem feuchten Balkon eine  elektrisch betriebene Uhr hängen zu haben. Jetzt ist endgültig der letzte Raum uhrenbestückt.

Man kennt ja Pharaonengräber – ich zwar nur vom Bild, nicht von eigenen Besuchen her – und die sind kulturgeschichtlich doch etwas sehr Bedeutsames. Doch in welche Kategorie müsste ich meine „Sockengruft“ einordnen? In gar keine, denn der viele Platz für die wenigen Socken war mir zu schade und ich habe umgeräumt. Das Foto fand ich jedoch lustig.

 


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Es gibt Zufälle auf Reisen … Reise 1

… die man kaum im täglichen Leben erlebt,

denn wo kommt man sich so nahe wie auf einer Bank bei täglichen langen Busfahrten?

Auf der Reise in Armenien gab es drei Alleinreisende, alle von weiblichem Geschlecht. Als ich mir einen Platz im Bus suchte, fand ich meinen Platz neben einer dieser beiden Frauen, die ich schon vom verpassten Flug aus Berlin her kannte. Ich hatte in Tegel festgestellt, dass ich sie von der Sprache und vom Dialekt her gut verstehen konnte, also setzte ich mich neben sie.

Die Kommunikation war erschwert, da sie in der rechten Busplatzreihe am Fenster saß und ich ihr somit mein rechtes Nicht-Hör-Ohr zuwendete. Ich musste mich bei jedem Kommunikationsversuch so drehen, dass ich ihre Worte mit dem linken Ohr erfassen konnte. Das brachte mir bald einen gewaltigen Halsmuskelkater ein. – Als ich am fünften Reisetag auch mal die Plätze tauschen wollte, verschwand sie sofort auf die letzte Sitzreihe, die noch frei war. Das ununterbrochene Fotografieren aus dem Fenster war dort noch ungestörter möglich, da sie – je nach Außenereignis – sofort zwischen linkem und rechtem Fenster wechseln konnte.

Doch jetzt zu den Zufällen.

  1. Wir erkannten uns nicht gegenseitig am inzwischen ziemlich abgelegten Görlitzer Dialekt – weil wir beide das sogenannte „Berliner Hochdeutsch“ sprechen, denn wir waren beide in etwa gleich lange in Berlin. Da Görlitz damals nur ca. 80 000 Einwohner hatte, ist es jetzt bei mehr als 80 Millionen schon ein Zufall, dass zwei Frauen aus Görlitz auf einer Busbank in Armenien sitzen.
  2. Natürlich fragt man sich da sofort nach der Wohnanschrift, wo man das Görlitzer Kinder- und Jugendleben mit anderen geteilt hat. Ihre Eltern hatten genau in der Straße ihre Wohnung und ihren kleinen Kolonialwarenladen, in der meine Mutter in ihrer Berufsschule ihrem Lehrerinnenberuf nachging. Da ich sie oft abholte, kam mir die Gegend sehr bekannt vor.
  3. Der Bildungsweg aufstrebender junger Damen ging nicht am einzigen Görlitzer Gymnasium vorbei, in diesem Fall die EOS (Erweiterte Oberschule) „Frédéric Joliot Curie“ Da waren gemeinsam erlebte Lehrkräfte nur eine zwangsläufige Zufallssache. Und dass wir bei der allseits beliebten Musiklehrerin im gleichen Schulchor sangen und beide tiefer als die Altstimme hätten singen wollen, war zum Schmunzeln.
  4. Offensichtlich war ihr Bildungsweg nicht mit ähnlichen politischen Schwierigkeiten verbunden wie der meinige, denn sie ging sofort nach dem Abitur 1971  zum Studium nach Berlin. Im gleichen Jahr bezogen wir unsere erste Berliner Wohnung auf der Fischerinsel.
  5. Im Laufe der Jahre bekam sie einen Sohn, ich eine Tochter und einen Sohn. Diese beiden Erstgeborenen besuchten die einzige naturwissenschaftlich-mathematische Oberschule in Ostberlin – die „Heinrich-Hertz-Oberschule“. Vielleicht hat dort ihr inzwischen an einer englischen Universität arbeitende Sohn von den Erfolgen eines Mädchens Mitte der 80er Jahre gelesen oder gehört.
    „Viele Schüler der Schule erreichten vorderste Plätze in den nationalen Runden verschiedener Wettbewerbe, und es gelang, mehrere Medaillen bei der Internationale Mathematik-Olympiade und anderen internationalen Wettbewerben zu erreichen.“ (kopiert aus dem Link von Wiki) – Im Juli 1987 fand die IMO in Havanna statt – von 237 Teilnehmern waren insgesamt 7 Mädchen dabei, und eines davon aus der „Heinrich-Hertz-Oberschule“ in Berlin.
  6. Wie das bei älteren „Damen“ so ist, werden sie manchmal Oma – wir beide zwei Mal – jeweils mit einem Enkelsohn und mit einer Enkeltochter.  Das ist vielleicht noch nicht ganz so erstaunlich – weil es diese Konstellation zu Hunderttausenden geben wird.
  7. Doch dass ihr Enkel so wie mein Sohn heißt, nämlich Sebastian, fand ich schon sehr, sehr lustig. Doch ich juchzte förmlich auf, als ich hörte, dass ihre Enkelin Clara heißt.

Noch Fragen nach diesen sieben Zufällen. Für die gemeinsame Reise blieben allerdings kaum Gemeinsamkeiten übrig, denn mir hat es das Leben inzwischen abgewöhnt, immer und überall an vorderster Front sein zu wollen.

Und dass sie den gleichen Vornamen hat wie die ca. 30 Jahre später geborene Freundin meines Sohnes und bei ihm förmlich um die Ecke wohnt, hielt ich nur noch für sekundäre Zufälle.

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Falls Mitreisende dem aufgestickten „Clara Himmelhoch“ auf dem lila Rucksack nachgegangen sind, habe ich vielleicht bisher unbekannte Mitleser – aber ich glaube das kaum.

 

 


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Aufklärungs“unterricht“

Farbe pur …. oder auch:

Wann MUSS Clara vor die Tür?

Keine Angst, es wird hier keinen Biologieunterricht geben, auch keine Sexualaufklärung. Aber im letzten Beitrag wurde mir immer wieder ans Herz gelegt, doch öfter mal vor die Tür zu gehen.

Ich bin erst einmal IN MICH GEGANGEN und habe erkannt, dass es ganz WICHTIGE Dinge gibt, bei denen ich mein Haus verlassen will und muss.

Da kam mir der Kalenderspruch

Wer über jeden Schritt lange nachdenkt, der steht sein Leben lang auf einem Bein“

zur Hilfe und da bin ich einfach losgelaufen. Die Situationen waren folgende:

Es wird irgendwo Doppelkopf gespielt (na Ulli, habe ich mit der Farbe übertrieben?)

Dem Kühlschrank fehlen lebenswichtige Inhalte

Ich werde irgendwo zum Essen mit ganz besonderem Nachtisch eingeladen. (Hier habe ich ein wenig geschummelt, denn das fand bei mir zu Haus statt – aber es hat Ola zubereitet, meine damalige Mitbewohnerin)

Ein Geschäft in meiner Nähe oder auch nicht in der Nähe bemüht sich, meinem Farbknall entgegen zu kommen, was da ist:

Grüne Filzplatzdeckchen für das Wohnzimmer

Rote Kisten für die Küche, die dann nach HERZENslust von mir verunziert werden (aber da ist der Bedarf gedeckt, die locken mich also nicht mehr vor die Tür)

Nicht ungeduldig werden – ihr bekommt schon noch euer lila!

Weiße oder beigefarbene Badgarnituren

Und jetzt ruft mich das große „A“ in meiner Nähe auf, meine Lilabestände aufzufrischen

Lila Kissenbezüge (ganz neu)

Lila Tagescreme für die reife und ganz reife Haut (hier denke ich besonders an Mallybeau und Anke – ich habe zwar was von plastikfrei gefaselt, und sehe doch, dass die Behältnisse eben doch aus Plastik sind – ich hoffe, dass wenigstens nichts davon im Inhalt ist, den ich mir ins Gesicht schmiere)

Also, wenn ihr mich bald auf Fotos nicht mehr erkennt, dann habe ich diese faltenreduzierende Tages- und Nachtcreme zu großzügig verwendet. Spätestens, wenn ich aussehe wie die Schwester meiner Tochter höre ich auf, mir weiter weiße Creme ins Gesicht zu schmieren. 🙂

Dass ich natürlich auch aus dem Haus gehe, wenn jemand Hilfe braucht, ist eine Selbstverständlichkeit – und über Selbstverständlichkeiten spricht oder schreibt man nicht.

Aber sonst ist mir kein wichtiger Grund mehr eingefallen – ich bin für Vorschläge offen.

 

 


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Chemie auf der Straße

Und was soll das schon wieder für ein Schwachsinn werden??? Ich dachte mir so, wenn ich gerade bei Schuldingen bin, kann ich das ja gleich mit anhängen.

Ich hatte von der 9. bis zur 12. Klasse, einen Chemielehrer, für den wirklich ALLE Mädchen meiner Klasse schwärmten – er war gutaussehend, witzig, klug, nur sehr eingeschränkt „bösartig“ und wirklich ein guter Lehrer – das sagt man ja über diese Berufsgruppe leider viel zu selten.

Da er nach seiner Scheidung ohne Frau durchs Leben ging, haben sich bestimmt schon einige gute Chancen ausgerechnet. Und was soll ich euch sagen – er hat tatsächlich eine Schülerin geheiratet, aber sie war mehrere Klasse höher als ich und ich kannte sie auch nicht persönlich. Ob der Altersunterschied plusminus 25 Jahre und mehr betrug oder sich so um die 10 Jahre hielt – noch nicht einmal das weiß ich, aber ist auch nicht wichtig.

Mir geht es um einen Spruch von ihm – derer hatte er viele und zu fast jeder Gelegenheit einen parat.

Feldspat, Quarz und Glimmer, die drei vergess‘ ich nimmer!

Hättet ihr mich VOR meiner Fahrradstrecke (auf der Suche nach meinem Fahrradschloss) gefragt, hätte ich ziemlich dumm aus der Wäsche geguckt. Doch dann sah ich:

Also mich schnell ein wenig schlau gemacht. Alles, was ich bei Wiki über Feldspat las, war ein Buch mit sieben Siegeln. Einzig hängen geblieben ist, dass es für die Porzellanherstellung notwenig ist. Das blende ich jetzt aus.

Mit Quarz verhält es sich ähnlich – auch dieser Rohstoff wird bei der Porzellanherstellung gebraucht. – Aber wir und ich, wir schätzen sicherlich mehr die Quarzkristalle, die in der Elektronik Verwendung finden. – Was habe ich bedauert, als meine Quarz-Armbanduhr den Geist aufgegeben hat. Wer auf Abahrtszeiten angewiesen ist, schätzt eine genaue Uhrzeit.

Über das umgangssprachliche „quarzen“ = stark rauchen will ich jetzt meine Raucher-Antipathie nicht weiter auslassen.

Und Glimmer könnte mich jetzt in die vollkommen falsche Richtung lenken. Es hat nichts mit Glanz, Glorie und Glimmer zu tun – obwohl, mit dem glitzern irgendwie schon. Die Kristallhaufenschichten haben einen schlechten Zusammenhalt untereinander – aber das ist alles nur Halbwissen.

Diese kleine Grafik von Wikipedia glitzert zwar nicht sehr, aber dennoch wirkt sie auf mich „edel“  – von Edelstein.

Bildergebnis für Glimmer

Mehr Chemieunterricht gibt es jetzt auch schon nicht mehr.

Doch warum man diesem schädlichen Baustoff auch einen Weg gewidmet hat, verstehe ich nun nicht – aber ich muss dort nicht wohnen. Ich habe das Foto so unbearbeitet und das Straßenschild so dreckig gelassen – alles andere wäre Schönfärberei.

Die edleren Werkstoffe in Gottes Chemiebaukasten sind dann keine Wege mehr, sondern steigen auf zu -ringen. Und gleich leuchten Schild und Natur wieder.


Nie! Mehr! Wieder!

„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“

Bertolt Brecht in „Arturo Ui“

Stärker denn je, schlimmer denn je – wehret den Anfängen ist schon zu spät –
doch geben wir Hetze gegen Menschen – gleich welcher Art – keinen Raum!


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Nostalgie pur: Die Fischerinsel

Heute ist genau der richtige Tag, um diesen Artikel zu veröffentlichen. Ich weiß das und einige andere wissen es vielleicht auch.

Heute ist aber auch ein Tag, wo KEINER mit dem Namen „Himmelhoch“ am angestammten Platz ist. Die einen treiben sich in südlichen Gefilden im Ausland herum. Der andere ist ganz weit weg in Hongkong. Die nächsten treiben sich irgendwo im westlichen Ausland herum – nur ich bin in meiner Heimatstadt Görlitz und damit genau am richtigen Fleck zum heutigen Tag. Mit anderen Worten, ich bin ins SEMMELLAND gereist.

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Fünfzehn Jahre meines Berliner Mietlebens wohnte/n ich/wir auf der Fischerinsel – zuerst in der 6. Etage des Hauses  Nr. 6, vier Personen in 49 m² war nicht gerade üppig – ein Zimmer für die Kinder und Omabesuch, ein Zimmer für die, die die Kinder produziert hatten, sie liebten und von ihnen geliebt wurden.

Elf Jahre später, nämlich 1981, „erschlichen“ wir uns mit unüblichen Tricks eine Vierzimmerwohnung – genau gegenüber auf der anderen Straßenseite. Der Ausblick aus der 17. Etage war phänomenal. Wir konnten dem „bösen Onkel Springer“ fast in seine BILD-Zeitung spucken gucken.

In den schönsten Oktobersonnentagen hat es mich mal wieder dorthin getrieben. Ich finde die Wohnlage am Wasser wunderschön. Doch als ich hörte, dass seit 2014 die Mieten um 25 % gestiegen sind, war ich doch froh, dort nicht mehr zu wohnen. Vor allem gab es viel zu wenig Balkons – vielleicht hätte es uns aus der 17. Etage auch weggepustet. Der kleine Küchenbalkon war so schmal, dass er nur zur Vorratshaltung geeignet war.

Eine Politstory erinnere ich – alle Balkone sollten zu jedem 1. Mai mit einer vom Haus gestellten Fahne ge“schmückt“ werden, was mir aber nicht gefiel. Ich befestigte die Fahne an der oberen Balkonstange, ließ sie dann aber innen hängen. Es dauerte nicht lange, klingelte der Hausmeister. Auftragsgemäß sollte er das mit der Beflaggung regeln. Ich erklärte ihm, dass ich extrem höhenkrank bin und mein Mann deswegen jeden Spalt mit Holz abgedeckt hat. Deswegen kann ich die Fahne unten nicht befestigen. – So wichtig war es ihm offenbar auch nicht und wir lebten 4 Jahre ohne Balkonfahne.

In dem verlinkten Artikel steht folgendes:

Die Wohnungen waren beliebt, wer in den 1970er- und 1980er-Jahren dort einziehen durfte, galt als privilegiert. Kein Wunder, dass die Einwohner zum 1. Mai ordentlich flaggten, wie das Foto oben zeigt.

(Wer aber mit zwei Kindern nur eine Zweizimmerwohnung bekam, war nicht privilegiert, sondern musste den Rest nehmen, den die guten Genossen nicht wollten)

So näherte ich mich von der U-Bahnstation Spittelmarkt aus:

Insgesamt gesehen hat sich in den Jahren seit 1985 unheimlich viel dort verändert – nicht unbedingt alles zum positiven. Der Kindergarten, jetzt unter dem Namen Fröbel, ist noch da. Wie oft musste da die große Schwester den kleinen Bruder hinbringen, weil es die Mutter früh mal wieder nicht geschafft hatte und der Chef kein Pardon kannte. – Auf dem Spielplatz haben die Kinder allein gespielt, ohne dass einer von uns beiden um sie Angst gehabt hätte. – Und das ist die Schwimmhalle, an deren Existenz ich mich partout nicht erinnern konnte.

Als ich mir die Frontseite von der 6 anschaute, konnte ich unsere Fenster (rote Kreuze) kaum sehen – die Bäume waren inzwischen so hoch geworden, dass sie uns sicherlich schon Schatten gespendet oder Licht weggenommen hätten. Im Erdgeschoss waren ein Kiosk und ein „Späti“ eingezogen, so dass man jederzeit Bier ordern kann, so man noch Geld dafür übrig hat. – An was ich mich aber gut erinnern konnte, war das „Ahornblatt“ – eine Mehrzweckgaststätte. Die Kinder bekamen dort ihr Schulessen und im großen Saal fanden viele, viele Veranstaltungen statt. Leider hat man dieses ungewöhnliche Bauwerk abgerissen und durch diesen nichtssagenden Bau (letztes Foto) ersetzt. Der Link zum Ahornblatt ist ein sehr guter Artikel.

Ja, dann gucken wir doch mal zu dem Haus, in dem wir ab 1981 wohnten – leider nur 4 Jahre, denn dann gingen die Eltern getrennte Wege und die Kinder auch. – Ihr seht, ich beherrsche die Naturgesetze und mache mir meine Bäume, wie ich sie will. – Den Wohnungsgrundriss hat mein Sohn auf meine Bitte hin gezeichnet – ich habe ihn dann nur vergrößert. Nicht für euch habe ich ihn so schön beschriftet, sondern für mein Gedächtnis 🙂

Als ich das letzte Foto aufnahm, hörte ich hinter mir empörtes Gemurmel. Was ich denn hier mache und warum ich fotografierte. Ich erklärte, dass ich hier mal gewohnt habe und nostalgische Anfälle bekommen hätte. Daraufhin erklärte die eine Mieterin, dass sie in dem Haus seit Anfang an wohnt und sie mich nicht kennt. Ein wenig ließ sie sich beruhigen, als ich bekannte, schon 1985 aus diesem schönen Haus wieder ausgezogen zu sein und mich seit dieser Zeit geringfügig verändert hätte. Doch erst, als ich mich an den Namen der Tauschpartner erinnerte, war ich wohl rehabilitiert. – Wie war das doch, treue Genossen und viele bei der Staasi, da die Wohnungen ja so privilegiert waren.

Dann durfte ich auf den Treppenhausbalkon (Sicherheitstreppenhäuser für Brandfälle) gehen, um zu fotografieren. Das erste Foto zeigt die Fischerinsel 6, das zweite ein Panorama mit den Domen am Gendarmenmarkt.

In der frühen Abenddämmerung musste ich schnell ein Foto von der Leipziger Straße machen, die sich auch so unendlich verändert hat.

 

 


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Wie würdet ihr reagieren …

… wenn euch plötzlich mitgeteilt wird, dass ihr „Abfalleimer“ seid?

Im echten Leben sind all diese Leute, die von heute auf morgen (oder auch lange darauf „vorbereitet“) ihre Arbeit verlieren und plötzlich von Hartz IV leben müssen, im Grunde genommen nichts anderes. Sie müssen ihr Leben gravierend umstellen. Für viele ist Arbeit nicht nur Gelderwerb, sondern auch Kontakt zu anderen Menschen, Bestätigung ihres Egos und Möglichkeit, ihre Fähigkeiten zu leben. Wenn ich das alles nicht im Jahre 2004 selbst erlebt hätte, könnte ich es nicht so nachempfinden.

Ich will dieses Szenario nicht mit Menschen, sondern mit Gesichtern durchexerzieren. Hier kommt sie, unser Kaffeepad-Abfall“eimer“. Ihr Gesicht spricht Bände.

Jetzt ist interessant, wie die Mitmenschen, die Freunde, die Umwelt darauf reagieren. Da gibt es die unterschiedlichsten Typen und Reaktionen.

Die Mitfühlende – ununterbrochen will sie die Freundin in den Arm nehmen, sie drücken und küssen und murmelt immer wieder so einen unverständlichen Satz: „Schabb’dsch lieb!
Das ist natürlich ganz angenehm, aber auf die Dauer auch nicht hilfreich, wenn nicht sogar nervend.

 

Die Schadenfreudige – eine Kollegin aus der ehemaligen Firma, die immer so auf betont kollegial und freundlich gemacht hat. Jetzt denkt sie sicher, dass sie die besseren Chancen beim Chef hat. Sie kann es kaum verbergen, wie sie sich aus Vorfreude das Maul leckt.

 

Die Grinsende – sie lässt sich so schlecht in die Karten gucken. Sehr oft macht sie einen Witz, um die Angeschlagene aufzuheitern. Doch dann kommen wieder unmögliche Äußerungen über diese Leute, die nicht mehr mitten in der Gesellschaft stehen. Unser „Abfalleimerchen“ weiß gar nicht, wie sie darauf reagieren soll.

 

Die Gleichgültige – sie tut, als wenn sie die angeschlagene Freundin kosen oder küssen will, dabei pfeift sie nur auf deren Kummer. In gewisser Weise ist diese hier noch viel schlimmer als die oben erwähnte, obwohl sie nicht ständig auf Hochdeutsch faselt: „Ich habe dich lieb!“

 

Die Sportliche – diese Freundin ist ihr da schon lieber. Sie meint, Bewegung vertreibt Kummer und Sorgen und schlechte Gedanken. Wöchentlich einmal lädt sie „Abfalleimerchen“ zum Sport ein und übernimmt auch die gesamte Finanzierung, da sie einen gut dotierten Job bei einem äußerst erfolgreichen Fußballverein hat. Man muss eben auch Kompromisse machen können.

Der Fiesling – und das ist jetzt der einzige männliche Freund, nur der ist nicht ganz ehrenwert. Er freut sich besonders darüber, dass „Abfalleimerchen“ jetzt viel Tagesfreizeit hat und er (vielleicht) mal so kurze Ab“stecher“ in der Mittagspause machen kann.

Jetzt könnt ihr euch selbst ein Bild machen, welche dieser Freundinnen und Freunden ihr in solch einer Situation haben möchtet. Aber meine Schüsseln bekommt ihr trotzdem nicht *grins*

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