Claras Allerleiweltsgedanken


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18 RBB-Projekt U-Bahnhöfe: Märkisches Museum – Platz 6

Allen – auch mir – wünsche ich ein 2023, das wieder etwas Normalität zurück bekommt. Freude, Gesundheit und ein bezahlbares Leben sind in diesem Wunsch eingeschlossen. Aber mehr noch als alles ist der Wunsch nach Frieden – nicht nur in der Ukraine und in Europa, sondern für alle Krisenherde der Welt. Doch leider habe ich das Gefühl, dass die eher mehr als weniger werden, denn immer wieder fängt irgendwo auf der Welt jemand neu zu zündeln, zu stänkern und zu überfallen. – Der Mensch ist des Menschen Feind und er will ihn sich zum Untertan machen.

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Neues Jahr – neues Glück – neuer U-Bahnhof – für mich allerdings ein sehr lange schon gut bekannter Bahnhof und MEINE NUMMER EINS!!!

Wir sind auf der U2 – eine Station im Stadtbezirk Mitte im ehemaligen Ostberlin. Lange Zeit endete oder begann die Linie am Bahnhof Mohrenstraße und fuhr nach Pankow-Vinetastraße.

Dieses schöne Museum hat der Station den Namen gegeben:

Von Wikipedia habe ich das   folgende kopiert, weil es mir neu war, denn zu dieser Zeit wohnte ich ja schon nicht mehr auf der Fischerinsel.

Alle diese Arbeiten änderten nichts an der Notwendigkeit einer Grundsanierung, die auch die Gewölbedecke selbst mit einschloss. Als diese 1998 begannen, wurden ohne Zustimmung der Denkmalschutzbehörde alle Fliesen abgeschlagen.[12] Nachdem sich die Verkehrsbetriebe mit der Senatskulturverwaltung nachträglich auf eine denkmalgerechte Sanierung geeinigt hatten, investierte die BVG gemeinsam mit Land und Bund zwölf Millionen Mark in die Bauarbeiten.[13]

Dabei wurden unter anderem

  • alle Fliesen originalgetreu nachgebrannt,
  • eine neue Beleuchtungsanlage installiert,
  • die Bahnsteigplatte erneuert und
  • die Wandcollagen aufgefrischt.

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Ich bzw. wir als Familie haben von 1970 bis 1985 auf der Fischerinsel gelebt.

Dieses Stationsschild hat eine familiäre Geschichte als Hintergrund.

 

Wir holen ganz lieben Besuch vom Bahnhof ab und es wird geschwatzt und geschwatzt. Die Tochter ist noch keine zwei Jahre jung und sitzt im Kinderwagen. Als wir an diesem charakteristischen Stationsschild bei der Weiterfahrt vorbeikommen, sagt sie: „Hier müssen wir aussteigen!“ – was wir dann eine Station zu spät dann auch gemacht haben.

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Ich mache ungern Werbung …

… aber heute muss es mal sein

Werbung ist das, was ich am wenigsten im Fernsehen leiden kann. Entweder ist ein Produkt gut, dann verkauft es sich (fast) von allein – oder es ist so grottenschlecht, dass ich jeden Tag Werbung im Fernsehen machen muss, doch davon wird das Produkt auch nicht besser.

Es gibt drei Werbeclips, die ich hasse wie die Pest, und diese kommen immer vor der Tagesschau, so dass ich ihnen kaum ausweichen kann – und damit meine ich nicht die 9 Sekunden für das Bauhaus.

Am allerschlimmsten finde ich die Trulla, die ihr Omnibiotic unter die Leute bringen will. Allein ihre Sprache, ihr salbungsvolles Getue und ihr teuer überkrontes Pferdegebiss lassen mich den Spaß an Werbung verlieren

Als nächstes rege ich mich über die täglich wechselnde Besetzung von „Kijimea Reizdarm pro“ auf, die alle genau den gleichen Text sprechen, nur mit unterschiedlichem Gesichtsausdruck. Das Zeug ist echt teuer – und nutzt NICHTS – ich habe es drei Monate eingenommen, bin fast verarmt und geändert hat sich nichts.

Bei den „Kolumnisten“ hat einer über diese Werbung geschrieben:
„Es ist wie mit der Werbung für ein Reizdarm-Heilmittel, die seit gefühlt 10 Jahren gefühlt jeden Abend unmittelbar vor der 20h-Tagesschau über den Bildschirm flimmert: die tägliche Erinnerung an unseren (Reiz-) Darm und das (angeblich) Heilung spendende Mittel nervt gewaltig, die Sache verkehrt sich in ihr Gegenteil. Selbst anfangs gutwillige Betrachter/potenzielle Käufer wenden sich gelangweilt ab oder reagieren aggressiv, wenn sie bloß den Namen „Kijimea“ “ hören.“

Der Sprecher mit seinem Seitenbacher Müsli ist da noch der Harmloseste von allen – aber wie er sein „Seitenbacher“ rausposaunt, bringt mich immer zum grollenden Grinsen. – Gelacht habe ich, als Christian Ehring bei Extra3 genau diese Werbung erwähnt hat mit dem Tenor, dass man sie maximal 3x hören kann, bevor sie einem zu den Ohren rauskommt.

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Es war genau an dem Sonntag, als sich Funkuhren mit langen Zeigern nachts um 3:00 Uhr plötzlich wie von Geisterhand bewegt um 23 Stunden vorwärts bewegten, um auf 2:00 Uhr stehen zu bleiben.

Der Tag war nicht nur in Berlin für einen 30. Oktober viel zu warm, viel zu sonnig, viel zu trocken – und dennoch nutzten Tausende von Berlinern und Touristen das Wetter, um die frische Luft zu genießen und den vielen Restaurants und Cafés mit ihren Außenplätzen die Einnahmen zu erhöhen.

Ich hatte mit einem lieben Familienmitglied um 14:00 Uhr einen Treff am Bahnhof Friedrichstraße ausgemacht. Wir schlenderten ein bisschen durch die Gegend, hatten dann aber bald Lust auf einen Kaffee. Ich wollte gern zum Restaurant „Ständige Vertretung“ am Schiffbauer Damm – aber erstens gefiel es uns nicht und zweitens erinnerte es zu sehr an Politik.

Ein Blick zu Google zeigte vier Hausnummern weiter ein Café mit dem lustigen Namen „Zimt & Zucker“ an. Ich war jetzt einfach mal so kühn und keck, mir dieses Foto aus dem Netz auszuleihen, denn ich will das Café ja empfehlen und Berliner Lesern ans Herz legen.

Zimt & Zucker Berlin - Empfehlung von Vegans And Friends

Als wir kamen, waren die Stühle aber nicht so frei und unbelegt – sondern bei schönstem Sonnenwetter am Zeitumstellungstag war alles belegt – innen und außen, aber wir mussten nicht lange warten.

Unsere Bestellung machte zwei Stück Kuchen, für mich einen Eiscafé und für mein Gegenüber einen Café Latte.

Wer mich persönlich kennt, weiß, dass ich immer mit viel Mimik und Gestik rede – vielleicht will ich einfach verhindern, dass mein Gegenüber so wenig versteht wie ich. – In meinem Eiscaféglas war ganz viel Schlagsahne obenauf und ein wunderschöner Glastrinkhalm, denn die haben ja die Plastikhalme abgelöst. Er war nicht nur schön, sondern vor allem auch lang und überragte das Glas um mindestens 10 cm.

Und das konnte meine gestikulierende rechte Hand nicht ab. Plötzlich waren meine Hose total nass, meine Jacke vorn kaffeedreckig und der Fußboden lud zum Eis-lecken ein. Zum Glück waren Glas und Trinkhalm auf dem Tisch geblieben, so dass es nicht noch Scherben gab.

Und Werbung für dieses Café mache ich u.a. jetzt auch deswegen, weil ich auf Kosten des Hauses gleich und sofort einen neuen Eiscafé geliefert bekam – dieses Mal aber klugerweise mit einem ganz kurzen Trinkhalm, der gerade mal so über die Sahne hinwegguckte.

Das nenne ich Kundendienst vom guten alten Schlag!

Beim anschließenden Spaziergang durch das Charitégelände musste ich feststellen, dass nicht nur meine Koordinationsfähigkeit zu wünschen lassen, sondern vor allem mein Gedächtnis. Ich wusste partout nicht mehr, dass mein Sohn in der Charité seinen Wurmfortsatz gelassen hat. Allerdings wohnte er zu der Zeit nicht mehr bei mir – und Mobiltelefone gab es Anfang der 90er Jahre noch nicht für Krethi & Plethi, nein für Clara und Clemens.


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Retrospektive 1975 – 85 (4)

Bleibt das jetzt so, dass mir zum Beginn eines neuen Artikels ein Nachsatz zum vorhergehenden einfällt? Es ist der Vergesslichkeit einer „älteren Dame“ geschuldet.

Am 17. lief in 3SAT der Film „Zwei Tage Hoffnung“ – er zeigte die Geschehnisse am 17. Juni in Berlin mit der brutalen Niederschlagung durch russische Soldaten. – Für mich war besonders ergreifend, dass diese Straße, die der Ausgangspunkt des Aufstandes war, genau die ist, in der ich von 1985 bis 2000 gewohnt habe – die ehemalige Stalinallee. – Leider ist der Film nicht in der Mediathek – ich hätte ihn gern noch einmal gesehen.

Das Jahr 1968 war nicht nur das Geburtsjahr unserer Tochter, sondern da bewegte der „Prager Frühling“  viele Gemüter in Ost und West. Der Gatte war gerade Bausoldat – das sind Soldaten, die den aktiven Dienst an der Waffe verweigerten – und überall schlugen die Wellen hoch. In der CSSR wollte die Führung unter Dubcek eine Liberalisierung durchsetzen. – Und auch hier vereitelte das in erster Linie die Sowjetunion, der ich ja im vorigen Artikel die Haupt“schuld“ am Bau der Mauer gebe. – Jetzt zum aktuellen Gechehen.

Es geht um die Zeit zwischen 30 und 40 –

also schon mehr als erwachsen in den Jahren von 1975 bis 1985

Mit diesem Foto will ich den Reigen eröffnen – so sieht sich Clara in dieser Zeit. Und da ihr mich damals alle noch nicht gekannt habt, könnt ihr gar nicht widersprechen.

Wohnungsmäßig spielte sich alles auf der Fischerinsel ab – in der Retrospektive eines der schönsten Wohngebiete, wo ich je meine Zelte aufgeschlagen habe. Das untere Foto hätte eigentlich schon beim letzten Beitrag erscheinen sollen, denn wir haben diese Wohnung in der Fischerinsel 6 in der 6. Etage mit einer Kinderanzahl von zwei und einer Zimmeranzahl von zwei 1970 bekommen. – Natürlich war es überall zu eng und zu wenig Platz – aber es war die erste eigene Wohnung mit allem Komfort, den sich damals ein DDR-Bürger wünschen und vorstellen konnte. Das schönste für mich war der Telefonanschluss, der damals kaum mit Gold aufgewogen werden konnte. – Es war zwar ein sogenannter „Doppelanschluss“, aber ich glaube, mein Telefonpartner musste oft länger als ich auf eine freie Leitung hoffen oder warten, denn ich habe leidenschaftlich gern telefoniert.

Der Umzug in die richtige und familiengerechte Wohnung erfolgte 1981 – die Querelen dazu will ich hier nur verkürzt ausbreiten. – Die erhoffte Zuweisung einer größeren Wohnung über die Arbeitsstelle meines Mannes klappte nicht – und er wollte weder im Tausch gegen unsere super gefragte Vollkomfortwohnung auf der Fischerinsel in eine Altbauwohnung außerhalb des Zentrums oder gar mit Ofenheizung ziehen. – Also kamen wir, besonders ich, auf eine sehr absurde Idee – aber ich habe in dieser Enge sehr gelitten, denn ich habe nebenbei einige berufliche Weiterbildungen gemacht und hätte oft mehr Ruhe gebraucht. – Über eine „Pro-forma-Scheidung“ 1978 mit der entsprechenden Familienteilung bekamen wir die Zuweisung von seiner Arbeitsstelle für eine neue Zweizimmerwohnung in Marzahn – ganz dicht an dem später sehr bekannten Gelände von „Die Gärten der Welt“.

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Retrospektive 1965 – 75 (3)

Zwischen 20 und 30 wird geheiratet – 1965-1975

und damit der nicht sehr beliebte einsilbige Familienname getauscht – und seitdem gibt es (im übertragenen Sinne) Clara Himmelhoch. Aber in diesen 10 Jahren passiert noch viel, viel mehr. Mehr oder weniger wisst ihr natürlich schon, dass zu einer Ehe meist auch Kinder gehören.

Aber zuvor in chronologischer Folge:
Meine Mutter hätte bestimmt nicht unsere Hochzeitsfeier finanziert mit dem Mann, den ich bei meiner Ausbildung zur Physiotherapeutin in Dresden eben dort kennen gelernt habe, wenn ich nicht vorher eine Berufsausbildung abgeschlossen habe. Dass mit dieser politisch schlechten Beurteilung und KEINER Mitgliedschaft in der FDJ trotz sehr guter Zensuren kein vernünftiger Studienplatz möglich war, begriff sogar ich, wenn auch zähneknirschend. Ich dachte, besonders pfiffig zu sein, und wollte über den Umweg der Physiotherapeutin das Hochschulstudium zur Medizinpädagogin vorbereiten. So naiv ist Clara mit 19 Jahren. – Zum Glück hatte ich auch dort eine supersupergute, ganz junge und ganz hübsche Lehrerin, die meine Gesinnung sehr gut kannte. Sie lud mich nach Hause ein und sagte: „So, du stehst jetzt Ende April vor deiner Studiengruppe und teilst ihnen mit, dass sie sich am 1. Mai um 9.00 Uhr zur Maidemonstration einzufinden haben.“ – Ich fing an zu lachen und meinte: „Ich war so gut wie noch nie zu so einer Veranstaltung, da kann ich doch die Studenten nicht dazu auffordern 🙂 😉 “ – Und daraufhin ihre richtige Schlussfolgerung: „DU kannst in diesem Staat keine Lehrerin sein – die schmeißen dich gleich im ersten Jahr raus, falls du überhaupt durchs Studium kommst!“ – Wo sie recht hat, hat sie recht – und ich habe es gelassen.

Meine Ausbildung war im Februar 1967 beendet und bis zum Schwangerschaftsurlaub im Oktober 1968 arbeitete ich in Dresden.

Hier geht Clara (1966) gut behütet auf die Pirsch, denn der lang betrauerte erste Liebhaber muss ja irgendwie und irgendwann ersetzt werden. Das ist ein Foto mit Raritätswert, denn ganz selten im Leben habe ich ein Kostüm getragen – einen Hut noch viel seltener.

Jetzt vergleiche ich mich mal wieder mit Blumen. Da ich zweimal geheiratet habe, gibt es auch zwei Rosen für mich – eine für das Standesamt im Oktober 1967 und eine für die kirchliche Trauung im April 1968.

Bei dem ersten Rosenfoto in der Galerie soll der kleine weiße Pfeil anzeigen, dass bei der Hochzeit schon ein Miniableger dabei ist. Damals war man wegen des Geschlechts bis zum Zeitpunkt der Entbindung ahnungslos.

Und da wir in der DDR ohne Kinder sehr schlecht zu einer Wohnung kommen konnten, hatten wir sicherheitshalber schon nach der standesamtlichen Trauung den Grundstock für unsere Tochter gelegt. – Als später mal eine erzkatholische Tante, nach der unsere Tochter ihren Zweitnamen bekommen hat, die Vorarbeit für eine große Familienchronik leistete, musste unbedingt das Datum von der standesamtlichen Trauung eingetragen werden, damit es nicht etwa nach einem unehelichen Kind aussähe. – Die Leute haben Probleme – im Osten war man damit weitaus lockerer.

Ist unser Ende 1968 geborener „kleiner Buddha“ nicht köstlich anzusehen – die immensen Begabungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten zeigten sich nicht gleich nach der Geburt, aber unwesentlich später.

Und als dann der Kronprinz im März 1971 folgte, war endlich der Weg in eine kleine Neubauwohnung mit zwei Zimmern und 47 m² frei – wir bekamen diese Wohnung, weil die ehrenwerten Parteigenossen höherer Dienstgrade so eine kleine Wohnung verschmähten. (Fotos weiter unten!)

Standesgemäß haben beide Kinder die typische „Himmelhoch-Nase“, die wie eine Steckdose aussieht, in die man beide Finger hineinstecken kann. – Sie wuchsen ziemlich problemlos auf, um schulische Dinge musste ich mich so gut wie gar nicht kümmern. Der Sohn hätte eifriger sein können, aber er hat seinen Weg gemacht.

Jetzt noch ein bisschen family auf Fotos. Weihnachten war die Oma der Kinder = meine Mutter abwechselnd bei uns zu Besuch oder wir sind nach Görlitz gefahren. Die große Schwester liebte ihren kleinen Bruder herzinniglich, aber dem war das manchmal zu viel Fürsorge.

Und wie sieht alles in der Blumensprache aus? – Clara mit ihren zwei Kindern – erst mit den kleinen, später mit den schon etwas größeren.

Das letzte Foto habe ich „Kinderfütterung“ genannt.

Gewohnt haben die Himmelhochs auch irgendwo – zuerst nach der Hochzeit getrennt, da der Geldverdiener in Berlin gearbeitet hat und die Mutter mit ihrem Kind noch in Görlitz in der Wohnung der Mutter/Oma Quartier hatte, um nicht unter der Brücke schlafen zu müssen. Die Oma war selig und glücklich, dass sie so einen direkten Zugang und besten Draht zu dem Enkelkind hatte. Dieses Glück hat nicht jede Oma, u.a. ich nicht.

Als dann der Sohn unmittelbar vor dem Schlüpfen war, bekamen wir die schon mehrfach erwähnte Zweizimmerwohnung auf der Fischerinsel 6 – und wir waren selig hoch drei.

Bis bald mal wieder!

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Rein fakultativ: Clara und Politik

Morgen jährt sich der „17. Juni 1953“ zum 69. mal. Es könnte sein, dass Ältere westliche Leser mehr darüber wissen als die aus dem Osten – denn dieses Thema wurde in der DDR nicht behandelt und nicht diskutiert. Internet gab es nicht, westliches Fernsehen war in einem großen Teil des Landes nicht zu empfangen, wenn überhaupt schon jemand Fernsehen hatte.

Ich war acht Jahre alt und habe von den Geschehnissen, die auch in Görlitz zu merken waren, sehr wenig mitbekommen. Nur später kam immer eine ältere Dame zu uns zu Besuch, deren Sohn wegen dieser Ereignisse bzw. seiner aktiven Teilnahme daran im „Gelben Elend in Bautzen“ saß – einem der großen Stasigefängnisse der DDR.

Ob in Görlitz auch russische Panzer auffuhren, weiß ich nicht, aber auf jeden Fall waren sie in Berlin vorhanden. Ich wohnte von 1985 bis 2000 in einer Wohnung auf der früheren Stalinallee – eine Wohnung mit allem, was man sich wünschen konnte.

Erst durch Recherchen habe ich erfahren, dass von diesen Bauarbeitern und ihrer Unzufriedenheit mit den Bedingungen die Unruhen zum 17. Juni ihren Anfang nahmen.

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Diesen jetzt folgenden Text habe ich zum gestrigen Artikel einer Leserin geantwortet, weil ich immer wieder bemerke, dass „der Westen“ einen ganz anderen Blick auf „den Osten“ hat als viele der Leute, die dort gewohnt haben. Also jetzt mein langer, langer Kommentar – so politisch habe ich mich lange nicht geäußert, weil Politik nicht mein Ding ist.

Den Mauerbau kann man nur im ganz großen Zusammenhang sehen – durch das Viermächteabkommen war der Teil der späteren DDR an Russland gefallen – an das Land, das im Krieg die größten Verluste erlitten hat durch den Überfall der Deutschen, die ja ohne Wenn und Aber diesen Krieg begonnen hatten.
Die spätere Bundesrepublik mit den Amis, den Franzosen und den Engländern hatten die besser gestellten „Verlierer“ abbekommen, denn u.a. hat sich der Krieg wohl nicht eine Minute auf amerikanischem Territorium abgespielt.
Deswegen hat die Bundesrepublik Aufbauhilfe in verschiedenster Form bekommen – die DDR dagegen musste Reparationskosten an die Sowjetunion zahlen.
Fast alle Länder ostwärts der DDR gehörten zum sozialistischen Lager. Und da wollte die damalige Führung der UdSSR nicht dran rütteln lassen.
Der politische und vor allem wirtschaftliche Unterschied zwischen Bundesrepublik und DDR wurde immer gravierender. Das, was sich Kommunisten oder Sozialisten unter Sozialismus gewünscht oder vorgestellt hatte, klappte nicht, KONNTE mit so einem Nachbarn wie der Bundesrepublik gar nicht klappen, da der Neid oder die Besitzgier ALLER Menschen größer ist als ihr Duldungsvermögen. Deswegen gingen so viele aus der DDR weg, nachdem sie kostenlos bis zum Abitur und wahscheinlich auch noch kostenlos studiert hatten. Es glaubt wohl jeder, dass das ein riesiger wirtschaftlicher Schaden für den Osten war.
Ich bin fast der Meinung, dass der Mauerbau gar nicht vorrangig die Idee der DDR-Politiker war, sondern dass es der Auftrag der Sowjetunion gewesen ist. Sie konnten dieses WICHTIGE Land an der Grenze zum kapitalistischen Wirtschaftssystem nicht aufgeben und wollten es natürlich auch nicht.
Am 13. August waren sehr, sehr viele russische Panzer in Berlin zu sehen – 1953 wahrscheinlich auch schon. Die DDR war für die Sowjets das deutsche sozialistische Flaggschiff, das weder den Kurs noch den Kapitän und die Fahne wechseln DURFTE. Es gab in deren Augen gar keine andere Möglichkeit als eine Mauer. – Was machen denn die reichen Amis mit ihrer Abtrennung zu Mexiko – und da ist es nicht halb so prekär wie damals.
Ware die Mauer nicht gebaut worden, hätte es vielleicht schon 20 Jahre früher eine Einverleibung der DDR gegeben, denn dann wäre das Land so runtergewirtschaft gewesen, dass man kaum noch von einer Einigung hätte sprechen können.
Und es hätte durchaus sein können, dass die DDR die jetzige Ukraine geworden wäre – mit Krieg und allem anderen drumherum. Die russische Führung war wohl nur in der Zeit von Gorbatschow etwas einsichtiger und verhandlungsbereit, alle anderen waren solche Hardliner wie jetzt Putin.
Und ob das die bessere Lösung gewesen wäre, wage ich anzuzweifeln.
In meiner gesamten Familie war nicht ein einziger in irgendeiner DDR-Partei, auch nicht bei den Blockparteien. Und Vorteile hatten wir nicht, weil ich politisch schlecht angesehen war und mein Ex z.B. Wehrdienstverweigerer war.
Aber erst nach 1990, als ich gleich und sofort NUR westliche Arbeitgeber hatte, begriff ich wirklich den Unterschied.
Die Politiker der DDR standen mir nicht so nahe, dass ich täglich drei Schimpfkanonaden auf sie herab prasseln lassen wollte. Die Stasileute in der Umgebung kannte man, so dass ich wusste, wo ich mich ein wenig vorsehen musste.
Aber ich konnte jederzeit gegen einen unfähigen Chef oder Gruppenleiter oder oder oder opponieren. Im äußoersten Bedarfsfall, falls sich gar nichts änderte, konnte ich auch die Arbeitsstelle wechseln, ich habe immer eine neue bekommen, meist eine bessere.
UND ALLES DAS war 1990 anders und hat mich weitaus mehr getroffen und vor allem arbeitslos gemacht.
Der erste Chef, wo ich fast 10 Jahre gearbeitet, habe, schmiss mich mit einer sehr fadenscheinigen Begründung raus, weil er eine vollkommen ungerechtfertigte Abmahnung zurück nehmen musste. Und das passiert doch einem HERRN DR. MARX nicht – im ersten Gespräch hat er mich begrüßt mit: „So unverschämt kann nur eine Frau aus dem Osten sein!!!“ – Und mein ganzes „Vergehen“ bestand darin, dass ich eine Stunde mit einem ehemaligen Computerfreak telefoniert habe, um meinen Computerfehler zu beheben, weil der Betriebstechniker erst in drei Tagen hätte kommen können.
Und da er sich dann auch noch vor dem Arbeitsgericht mit mir um meine Abfindung bis aufs Blut gestritten hat, war der westliche Arbeitsmarkt für mich unten durch.
Danach hatte ich noch drei westliche Arbeitsstellen, die immer nur das Geld vom Arbeitsamt für Langzeitarbeitslose haben wollten. Einer davon war ok, die beiden anderen so grottenschlecht, dass es mir jeden Tag übel war, wenn ich zur Arbeit musste.
Nach wie vor bin ich der Meinung, dass der BND oder ähnliche Einrichtungen auch nicht schlecht im Überwachen von Personen sind, die sie nicht für ganz koscher hielten.
Meine Stasiakte habe ich mir angesehen – ich dachte, sie wäre schlimmer. Vielleicht war der schlimmere Teil in Görlitz oder Dresden gespeichert, aber mir war die Lust vergangen.
Wenn du mich fragst, ich bin besser damit zurecht gekommen, eine Arbeit zu haben und meine Chefs „erziehen“ oder „beschimpfen zu können als mich jetzt hinzustellen und sagen, unsere Politiker sind zum großen Teil Nullen, Nichtsnutze oder Profiteure von der gesamten Lage.
Das War das Wort zum Dienstag – vollkommen unkorrigiert und nicht noch einmal gelesen.


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Lila war ihr Paletot …

… laut Duden ein dreiviertellanger Damen- oder Herrenmantel …

… der mir plötzlich und unerwartet als Geschenk ins Haus gekommen ist.

Ein Blogfreund, der zu seinen Arbeitszeiten viel reger im Netz unterwegs war als jetzt, wo er die Früchte seiner Arbeit als Rentner oder Pensionär genießen kann, war längere Zeit abgetaucht. Weder bei WhatsApp noch irgendwo anders konnte ich seine bayrischen bzw. fränkischen Weißwurst- oder Bierfotos finden. Einige Zeit fiel es mir gar nicht auf, doch dann plötzlich machte ich mir Sorgen, anfangs kleine, später größere.

Ich habe ja leider genügend Erfahrungen gemacht, wie Leute aus Bloggersdorf wegen ihres Todes nicht mehr hier vertreten sind. Noch größer wurden die Befürchtungen, als mein Handyanruf auch nicht funktionierte, weil es die Nummer nicht mehr gab. Dabei hätte es doch genügt, immer nur zu murmeln: „Unkraut vergeht nicht!“

Also suchte ich die Festnetznummer im Telefonbuch — und — hatte die etwas erstaunte Gattin am Ohr. Ich wurde (fast) auf Herz und Nieren geprüft, ob ich vertrauenswürdig genug sei, um als Anruferin an den gerade nicht anwesenden Gatten gemeldet zu werden.

Mir fielen wirklich drei Steine vom Herzen, als ich ihn kurze Zeit später am Ohr hatte. Durch die stark fränkisch gefärbte Aussprache verstehe ich zwar nicht alles, aber das war in diesem Moment nicht ausschlaggebend.

Kurze Zeit später bekam ich die Nachricht, dass ein Päckchen an mich unterwegs sei – keinerlei Andeutungen über den Inhalt.

Diese Sendung hatte es sehr, sehr schwer, in meine Hände zu gelangen. Es kam mit der Briefpost, passte aber nicht in den Briefkasten. Ich fand die Nachricht vor, dass ich es im weit entfernten Postamt ab 13:00 Uhr am nächsten Tag abholen kann.

Doch da traf ich mich mit meiner Tochter in Kladow, die auf dem Fahrrad Berlin umrundet und in keinem Verwandtenbett schlafen wollte, sondern lieber auf Zeltplätzen. Es waren sehr schöne und auch sehr lustige Stunden, die wir miteinander verbrachten, zum großen Teil im Biergarten oder beim Chinesen, da sie das sehr wertvolle Fahrrad mit allem Gepäck nicht längere Zeit ohne Aufsicht lassen wollte. – Für mich gab es eine ganz leckere Überraschung – nämlich kalten Hund.

Da die Post mit ihren kundenunfreundlichen Öffnungszeiten nur bis 18:00 Uhr sendungsausgabewillig ist, verstrich wieder ein Tag ergebnislos. Damit der absendende Blogfreund nicht denkt, ich will das Päckchen nicht abholen, erklärte ich die Situation.

Was lange währt, wird auch mal gut. Am nächsten Tag halte ich einen dicken, weichen, großen Umschlag in der Hand. Im Nebenraum des Postschalterbereichs reiße ich den Umschlag auf – und musste mich beherrschen, nicht laut zu juchzen – zumindest habe ich meine Freude über das Geschenk sofort telefonisch weitergereicht.

Als ich diese Fotos an den „Spender“ schickte, verlangte er nach einem lila Hut als damenhafte Ergänzung. Ihr kennt mich – damenhaft ist nicht bei mir. Ich schlug ihm diesen Hut vor, doch der wird auf meinem Kopf nicht das Straßenpflaster zu sehen bekommen.

Dieser Hut hat schon hexige Faschingszeiten mit mir gefeiert – da war er aber noch nicht so verblichen. – Einen anderen kann ich auch noch bieten

Doch am allerschönsten ist der letzte, denn er ist eine Erinnerung an meine Blogfreundin Lucie.

 

 

 

Aber jetzt ist Schluss mit der „Hüterei“ – der Mantel fiel dem Blogfreund in die Hände, als er die Wohnung seiner Schwiegermutter (90 Jahre) nach deren Tod ausräumen und in Ordnung bringen musste. – Mich hat es gefreut, dass auch andere betagte Damen lila mögen.