Claras Allerleiweltsgedanken


37 Kommentare

ClarAnna im Reiseland I

ES BEGAB SICH ZU EINER ZEIT,  ALS EIN AUFRUF AN ALLE GROSSMÜTTER UND GROSSVÄTER ERGING, IHREN LIEBEN KLEINEN DIE WELT ZU ZEIGEN, DAMIT DIESE GEDEIHEN AN KÖRPER UND GEIST UND ZU KLUGEN MENSCHEN HERANWACHSEN.

19. Juni 2012
Also sattelte Clara ihre Pferde, was ja in den Artikeln vor dem Bernau-Ausflug mehr als ausführlich und unüberlesbar beschrieben wurde. Sie begab sich mit ihrer Schutz- und Anbefohlenen Anna auf „große“ Tour, zumindest in den Augen des Mädchens.

Vor dem Losfahren wurde ein Aufgaben- und Denkzettel erstellt, denn ich fahre schließlich zum allerersten Mal mit einem Enkel-Kind in den Urlaub. Darauf stand:

  1. Kind nicht mit großmütterlicher Strenggüte zu sehr nerven (Plastik steht in Greifswald)
  2. Adressenliste einstecken, falls Zeit für irgendwelche Urlaubskarten bleiben sollte – diese blieb natürlich nicht und deswegen blieb dieser schöne alte, goldene Briefkasten leer – zumindest wurde er nicht mit meinen nichtssagenden Karten gefüllt. (Briefkasten hängt im Hamburger Rathaus)
  3. Nicht so oft meckern – aber mein Gedächtnis ist eben auch nicht mehr das Beste – man kann ja mal was vergessen! 🙂 (Ziege meckert im Gettorfer Tierpark)
  4. Nicht zu viel und zu gut essen, denn nicht überall gibt es so einen schönen „Verschlankungsspiegel“ wie im Verrückten Haus in Gettorf.

Nachdem von dieser Liste schon vieles bis fast alles vergessen wurde, musste wenigstens der nächste Punkt abgearbeitet werden: Zahnarzttermin umbestellen – hat geklappt, ist doch schon mal was!

Was doch Teein und Nikotin für einen Schaden an den Zähnen anrichten können, unglaublich. Dabei genieße ich keines von beiden, aber Zahnstein ist dennoch da, komisch?!

Aber es gab ja noch so etwas ähnliches wie einen „Kultur- und Aufklärungsplan“ – schließlich kann man mit manchen Dingen nicht früh genug anfangen. – Ihr Fotoapparat war mit auf Reisen, also gab es Tipps gratis von mir, nicht nur an der Greifswalder Klappbrücke am Ryck. – Das Glück sollte uns auch mit dreiblättrigen Kleeblättern hold sein. – Die Sticheleien sollten sich allseits in Grenzen halten. – Und jetzt frage ich euch, was hättet ihr auf die Frage geantwortet, was eine Tittentasterstraße ist. – Ich habe mich der Wahrheit genähert. 🙂 (Dieses Schild entdeckten wir in Wismar)

Wismar hat mich noch zu einer weiteren Collage beflügelt.

Münchhausen in Annaform reitet so hoch, dass er fast an den Laternen hängen bleibt.

Die Hinfahrt wurde durch heftige Regengüsse, die für das Auto wie eine Wäsche ohne Schaum wirkten, begleitet. Störend wurde es nur, wenn wir uns gerade picknickend niedergelassen hatten, um dann durch Regen und Kälte aufgescheucht zu werden.

Wenn es Anna schmeckt, dann kann sie schnell, viel und lachend essen. Wenn nicht, dann wachsen die Zähne länger als bei jedem Nagetier!!!

Grüne und blaue Pflaumen und unreife Äpfel gab es auf der Heimfahrt im „Café Perleberg“, doch wir griffen nur auf die Pflaumen zurück. – Auf der Hinfahrt teilten wir uns das Essen: Anna aß die Würstchen und ich den Salat dazu, das fanden beide gerecht, aber nicht wirklich richtig.

Die asymmetrischen Banklehnen in verschiedenster Ausführung hängen an Neubrandenburger Bänken und in Gettorf gibt es ein Café Alexanderplatz, wie nett für alle Berliner.

Im Laufe der Zeit bekam ich immer wieder deutlich vorgeführt, wie sich Stimmungshochs, -tiefs und ausgeglichene Stimmungslagen bei Anna anfühlen. Gegen Abend kam dann regelmäßig der Lachkoller, der oft gar nicht aufhören wollte. Bei den Tiefs war „Unterlippen-drauftret-Gefahr“

Unsere einzige richtige Pause war auf der Hinfahrt in Neubrandenburg – die Stadt der vier Tore.

Da Wolf – der beste unser aller Quartierherren (er war der einzige Mann in dieser Funktion und konnte von daher natürlich nur der beste sein) – aus dieser Stadt stammt, mussten wir uns natürlich umsehen, um „Rede und Antwort“ stehen zu könnten. Ich klärte Anna auf, wie man Pech erhitzt, um damit die Feinde durch die winzigen Luken zu „erschrecken“ oder besser, zu vertreiben.

Als wir uns kurzzeitig mal schlecht benahmen, wurden wir ins Stadtmauergefängnis gesperrt – und besonders ich zeterte ganz laut: „Ich will hier raus!!!“

Als Anna sich befreit hatte, kam sie mir auf gar wundersame Art und Weise zur Hilfe. Sie setzte sich auf eine Stadttor-Ramme und versuchte, durch kräftige Schwünge das Holz des Stadttores zum Splittern zu bringen. – Da ich wieder hier bin, muss es wohl geklappt haben *hihi*

Trojanische Pferde sind ja nicht schlecht – aber besser ist es, die Festung zu sprengen und mit Übermacht einfallen zu können. – Da hält auch das beste Neubrandenburger Stadttor nicht stand.

Das waren die Durchfahrtserlebnisse der Hinfahrt. Auf der Rückfahrt hielten wir kurz in Ludwigslust an machten drei Stunden Pause in Perleberg bei meiner Schwägerin.

Vor dem Schloss ließ es sich gar prächtig fotografieren.

Im Fotoblog könnt ihr auch noch Fotos sehen, aber erst morgen, für heute ist wahrhaftig  genug: ClarAnna auf Tour

Die anderen Berichte werden nicht so lang, versprochen!!! Dennoch hoffentlich kurzweilig!


19 Kommentare

Brandenburg erkunden – Wenn die Clara mit der Reine … I

mal spazieren geht, ins Umland fährt …

(Das kommt jetzt erst einmal als Trost, weil die Urlaubsbilder erst eingelesen und bearbeitet werden müssen ud dann zu Geschichten verarbeitet werden – keine Ungeduld, alles kommt)

Ausgewählt wird Bernau bei Berlin. Das Auto bleibt zu Haus, es werden die S-Bahn und die Regionalbahn als Beförderungsmittel auserkoren.

Treffpunkt alles klar, Reine hat schon brav die Fahrkarte in der Hand – die S-Bahn kommt pünktlich – und die Regionalbahn fährt auch pünktlich, nur ohne uns. Ehe ich mich am Fahrplan für das richtige Gleis entscheiden konnte, können wir gerade noch (vergeblich) auf den Türöffnerknopf drücken – der Zug fährt ohne uns. Doch zum Glück hat die S-Bahn den gleichen Weg und die paar Minuten Verspätung verschmerzen wir spielend.

Angekommen, kommt mir gleich am Bahnhof die Idee, dass wir jetzt gefahren sind wie zu Zeiten der Postkutsche – und prompt kommt uns dieser antike Briefkasten in den Weg. Sieht man nicht mehr alle Tage – heute ist die Post gelb, teilweise sogar schneller als zu blauen Zeiten.

Gleich am Beginn des Stadtmauer-Rundwegs steht eine katholische Kirche im neugotischen Stil. Sie hielt ihre Pforte vor uns verschlossen, nur das Herz Jesu prangte über der Tür im golden leuchtenden Mosaik.

Ich persönlich finde ja solche Darstellungen fürchterlich kitschig – das Drumherum gar nicht mal so sehr, sondern lediglich die Herzdarstellung. Deswegen erscheint es auch am Freitag, damit es keiner für einen „Montagsbeitrag“ hält.

Jetzt wandern wir rund um den Altstadtbereich. Die Stadtmauer aus dem 15. Jahrhundert ist zum großen Teil noch erhalten – nicht mehr in voller Höhe und nicht mehr vollkommen unversehrt. Aber die Stadtrestauratoren haben jedoch ihr Bestes getan, um das mittelalterliche Bild der Stadt zu erhalten und zu pflegen.

Egal, an welcher Stelle der Stadtumrundung man steht – überall bietet sich ein schöner Ausblick nach draußen, die Steine zeigten sich im Wechselspiel von Licht und Schatten in immer neuem Aussehen und die Mauer spendete uns Schatten vor der Hitze.

Sieht denn dieser Baum nicht aus, als wenn er in sich oder mit sich selbst eine Familie gegründet hätte?

Bäume und Pflanzen brauchen Wasser, wenn sie nicht gerade wie dieser Baum an einem Graben stehen.

Und hier versucht jemand, mit schwachen weiblichen Kräften Wasser zu pumpen. Ich konnte es leider nicht vormachen, wie das geht – ich musste ja fotografieren *lach*

Jetzt wird es spannend – wir kommen zum Henkershaus. Na gut, der wohnt dort nicht mehr, hat aber in früheren Jahren mit der Inquisition zusammen bestimmt genügend Unheil angerichtet.

Die junge Frau mit ihrem neuen grünen Rucksack studiert ganz aufmerksam, wer da in mittelalterlichen Zeiten alles als Hexe oder Hexer auf den Scheiterhaufen musste oder vom Henker einen Kopf kürzer gemacht wurde.

Plötzlich stutzt sie und denkt: „Diesen Namen kenne ich doch, habe ich es doch schon immer gewusst, dass sie eine Hexe ist“

Sie entscheidet sich dann doch dafür, dass sie den Namen „Himmelhoch“ von wo anders her kennt.

Zeit  für Erleuchtung – aber die kommt erst übermorgen.