Claras Allerleiweltsgedanken


Es ist vorbei …

… denn zu sagen „Es ist vollbracht!“ wäre vermessen und außerdem für den falschen Feiertag gewählt, denn dieser Ausspruch gehört zum Karfreitag.

Wenn es nach mir ginge, könnte der Kalender jeweils vom 23. Dezember auf den 27. springen – ich hätte nichts dagegen und würde nichts vermissen. Aber wie „fröhlich“ soll Weihnachten aber auch sein, wenn 158 Jahre versammelt sind – verteilt auf nur 2 Personen. Mir ist bei Weihnachten offensichtlich der Anlass zum Feiern verloren gegangen, seitdem ich nicht mehr kirchlich orientiert bin und mein – noch nie sehr tief verwurzelter – Glaube abhanden gekommen ist. Bei den meisten wird ja Weihnachten als „das Fest der Familie“ mit viel gutem Essen, Trinken und vor allem Geschenken gefeiert – diese Auslegungsweise war besonders in der DDR verbreitet. Bei mir ist diese Interpretation mit dem Niedergang der DDR auch den Bach hinunter gegangen. – Als dritte Auslegungsvariante bleibt „Weihnachten – das Fest der Liebe!“. Vor der Definition dieses Wortes habe ich ein wenig Angst – überfrachtet man damit Weihnachten nicht?

Wenn es nach den Geschenken geht, bin ich dieses Jahr mehr als reichlich beschenkt worden. Kurz vor Weihnachten läutete der Paketbote. Da ich nichts im Versandhaus bestellt hatte, erwartete ich eine Sendung für meine Nachbarn. Aber nein, es war ein richtiges, ein richtig schönes Paket für mich, mit Enkelkinderzeichnungen, Enkelkinderkalender, Tochtergeschenk und vor allem Tochterkarte mit einer Fotomontage der Kinder.
Meine Freude war sehr, sehr groß. Voller Enthusiasmus fing ich an, in das in der Kiste enthaltene Glückstagebuch meine ersten Eintragungen zu machen. Doch gestern und heute fand ich nichts, was ich hätte aufschreiben können. Ob ich meine Augen oder meine Sinne nicht richtig geöffnet habe? – Als ich jedoch die CD gehört habe, jauchzten meine Ohren und ich habe sie vor lauter Begeisterung gleich 3x hintereinander gehört. An Spiegel, Kühlschrank und Geschirrspüler kleben jetzt überall „E.-v.-Hirschhausen-Sprüche“ wie

„Liebe dich selbst, dann können die anderen dich gern haben“ oder

„Lache,  und die Welt lacht mit Dir – schnarche, und du schläfst allein!“

Einer Freundin, die ungemein Pinguine liebt, habe ich noch am Heiligabend eine der XXL-Postkarten in den Briefkasten gesteckt. Darauf war die Vorlage für einen Pinguin-Hampelmann gezeichnet – alle notwendigen Zutaten lieferte ich ihr gleich mit.
Der Geschenkefluss ging am zweiten Feiertag weiter. Ich war bei einer Freundin eingeladen. Dort kamen wir auf lumpige 133 Jahre, verteilt auf 4 Personen. Neben Dingen für die Schönheit (Badesalz), den Geist  (Buch) und die Hüften (Superkonfekt) bekam ich wieder etwas für die Lachfalten, nämlich 210 Minuten Hape Kerkeling. Wenn er nicht gerade als Horst Schlämmer mit seinem Gerülpse und seinem „Schätzelein“ nervt, ist er ja ein toller, intelligenter und vor allem supersprachbegabter Komiker, den ich sehr mag.

Jetzt ist nur noch Silvester und Neujahr zu überstehen, dann habe ich erst mal wieder ein Jahr Ruhe. Für Silvester muss ich mir noch was ausdenken, wie ich dem Höllenlärm entgehen kann, denn ein Knalltrauma wäre das letzte, was ich für meine Ohren noch brauchen könnte. Ein Böller in unserem Hausflur entspricht einer Detonation von (gefühlt) einer halben Tonne TNT.


Geschützt: Oh du fröhliche …

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Mein (Tele-)Kommunikations-Tick

Wenn eine einzelne Person allein drei Festnetztelefone und zwei Handys hat, ist das doch schon ein wenig verrückt. Bis vor kurzem hatten die verschiedenen Festnetzapparate wenigstens noch einen Sinn: sie verteilten sich nämlich durch ISDN auf zwei verschiedene Nummern. Dadurch konnte ich unbesorgt stundenlang mit der unbekannten Nummer anrufen und die andere war immer frei, falls mich jemand erreichen wollte. Das wichtigste Wort im letzten Satz ist „falls“. Jetzt habe ich ISDN aus Kostengründen abgegeben. Ein Anklopfsignal gibt es auch nicht – also weiß ich nicht, wer mich vielleicht anrufen möchte und nicht kann, da ich das Telefon blockiere.
Ich wünsche mir so oft, dass ein Anruf blinken würde, wenn ich nach Hause komme – aber meist sind es nur Gewinnspielanrufe, Versicherungsvertreter oder sonstwie verkappte Dienstanrufe. Ein wirklich privater Anruf ist so selten – will denn wirklich kaum noch jemand was von mir wissen? Oder denken alle Leute, dass ich mich schon melden werde, wenn ich was will. Ich habe nämlich tatsächlich immer die schwächeren Nerven und rufe dann von mir aus an.
Die beiden Handys erkläre ich mit technischen Finessen – das eine dient nur als Organizer und ist praktisch mein klingelnder Kalender. Doch ich würde es schon ab und an mal gern zum Angerufen-Werden benutzen.

Manchmal denke ich, dass ich die Leute (Bekannte, Freunde …) mit meinen Problemen überfordere, zu viel von ihnen erwarte. Dennoch begreife ich es nicht, dass ich noch gerade mit jemandem telefoniert habe, dann eine Mail mit wichtigen Dingen hinschicke und darauf mehr als drei Wochen nichts mehr höre. Ich selbst traue mich dann auch nicht mehr anzurufen, weil so eine ganz zarte Andeutung kam, dass nun der Probleme genug gewälzt wären. Dann sollte man mir doch nicht vorher sagen, dass man mir helfen will.

Vielleicht sollte ich mal ernsthaft darüber nachdenken, warum die (Tele-)Kommunikation mit manchen Leuten gestört oder unterbrochen ist.


Familienbaum

Wenn ich diesen Baum betrachte, bin ich traurig, dass er zu vollkommen ist, um meine Familie zu repräsentieren – bei uns fehlen Wurzeln, Äste, Zweige.
Kernfamilie der Kindheit: Mutter, Tante, Großmutter – ich zwischen 3 Frauen hin und her gezottelt. Vater im ersten Lebensjahr tödlich verunglückt, Halbbruder und väterliche Familie im anderen Teil Deutschlands, mütterliche Familie in Polen – also keine Cousins und Cousinen greifbar.
Kernfamilie mit 30: Ehemann, 2 Kinder, Mutter 250 km entfernt – weit entfernt Oma und Tante; die väterliche Restfamilie immer noch durch politische Grenze getrennt, die mütterliche nach wie vor in Polen.
Kernfamilie mit 40: Nach Scheidung und Trennung sind Exmann und Tochter zwar noch in der Stadt, aber im anderen Stadtteil, mein nächstes Umfeld schmolz auf einen 14jährigen zusammen. Alles andere unverändert.
Kernfamilie mit 45 (1990): Exmann neu verheiratet, Tochter zum Studium in Baden-Württemberg, Sohn in einer WG – die neu gewonnene Verwandtschaft im anderen Teil Deutschlands kein wahrer Gewinn – ich also mehr allein als je zuvor.
Kernfamilie gegenwärtig: Tochter mit Ehemann und 2 Kindern für mich unerreichbar in Baden-Württemberg, Sohn in Niedersachsen, Mutter in Berlin im Pflegeheim – ein wenig Großfamilie über Deutschland verteilt – ich allein, allein, allein.

Ist es möglich, über „Wahlverwandtschaften“ die Familie zu vergrößern?