Claras Allerleiweltsgedanken


34 Kommentare

Der Görlitzer Park – 2

Ich wollte eure Zeit ja nicht zu sehr strapazieren, deswegen gibt es noch einen zweiten Beitrag über den Görlitzer Park-Besuch. Es war an dem Tag wunderschön warm für einen Oktobertag, einiges über 20 °. Viele liefen nur dürftig bekleidet herum oder machten ihre Körperertüchtigungsübungen nur in der Turnhose.

Doch dann kam eine ältere Frau, vielleicht die Oma, mit ihrem ca. 2-3 jährigen (Enkel-)Kind zum Spielplatz. Das Mädchen hatte eine dicke Jacke an, trug Strumpfhosen und Stiefel und zu allem Überfluss auch noch Mütze und Strickhandschuh. Ich dachte, es bekommt jeden Augenblick einen Hitzschlag. – Den Sachen nach zu urteilen war das kein deutsches „Gespann“. Hättet ihr etwas gesagt, um dem Kind Erleichterung zu verschaffen? Ich habe lange, lange überlegt, habe es dann aber doch nicht gemacht.

Als ich plötzlich diese wunderschöne „Reifenqueen“ bei ihrer Darbietung sah, musste ich sie einfach fotografieren und dann filmen. Sie war begeistert, dass ich so begeistert war – aber ihr englisch und mein deutsch gaben keine lange Unterhaltung her. Und ihr bemerkt hoffentlich, dass es fliederfarbene Reifen sind, mit denen sie auftritt.

Hier ist das Filmchen davon – ich hoffe, es gefällt euch genau so gut wie mir – nicht der Film, sondern die Artistin.

Aber das war nicht das einzige, was an Kunst geboten wurde. Ein noch sehr junges Mädchen ging mit einer langen „Stange“ um, als hätte sie einen Bleistift am Finger. Ich konnte mich gar nicht satt sehen – das war Kunst ohne Eintrittskarte.

Der letzte der drei Künstler war der unspektakulärste, deswegen kommt er auch zum Schluss. Mit großer Liebe und Zartgefühl lockte er aus seinen beiden kleinen Trommeln immer wieder neue Rhythmen hervor. Ich bin ja nicht als die musikalischste bekannt, aber das hat mir gefallen, weil keine lauten hohen Töne dabei waren.

In dem Park war deutsch sicher die am wenigsten vertretene Sprache. Ich sah einen jungen Mann, der mit großer Begeisterung die blauen Schlehen pflückte. Ich selbst hatte die ja noch nie verarbeitet – ich glaube, zu Ehezeiten mein Ex auch nicht. Jedenfalls hatte ich mal gehört, dass man die erst nach dem ersten Frost abernten sollte. Kühn sprach ich ihn an – aber da kam eine Sprache raus, die ich nun gar nicht verstand. Aber er muss mich doch halbwegs verstanden haben, denn er meinte irgendwas von „freezer“, was ich dann als Eisfach des Kühlschranks wertete.

 

Tja, damit wären wir fast am Ende angelangt, wenn mich nicht auf dem Rückweg noch dieser „Bodenakrobat“ gefesselt hätte.

Mit diesem Foto ging ich aus dem Park hinaus und war dann auch relativ schnell zu Hause, wenn ich den Schmaus in einem Hühnerschnellimbiss nicht rechne.

Advertisements


36 Kommentare

Im Görli in Kreuzberg – 1

Berlin hat so einige kleine, große und noch größere Parkanlagen, mit Sträuchern, mit Bäumen, mit Spielplätzen. Einer davon ist der Görlitzer Park in Kreuzberg. (Als ehemalige Görlitzerin müsste das ja mein Lieblingspark sein, aber zu dieser Liebesbezeugung kann ich mich nicht hinreißen lassen.) In früheren Jahren war Kreuzberg ja als Stadtteil der Türken und als Stadtteil großer sozialer Brennpunkte bekannt. Eine Polizeiwache in Kreuzberg stelle ich mir immer so ähnlich vor wie die Davidswache in Hamburg.

Ich habe mich an einem sehr warmen Frühherbsttag endlich mal wieder zu einem Besuch dieser Parkanlage aufgerafft – und zwar am 5. Oktober. Mein erster Eindruck – deutsch ist hier nicht die am meisten vorkommende Sprache, denn alle, mit denen ich ins Gespräch kommen wollte, sprachen englisch. – Um Kindernachwuchs müssen wir uns keine Sorgen machen, denn von Fahrrädern und Kinderwagen wimmelte es nur so. – Türkische Parkbesucher gab es viele, doch noch mehr gab es afrikanische, doch leider hatte ich bei letzteren immer wieder das Gefühl, dass sie mir was verkaufen wollten, was ich gar nicht will und nicht brauche. Der Drogenhandel florierte, wie ich mehr erahnen als sehen konnte.

Natürlich war mein Prinz Lumix wieder voll im Einsatz. Sehr oft war ich über die starke Zoomfunktion zufrieden, da konnte ich aus größerer Entfernung fotografieren, ohne aufdringlich zu sein. Weil ich euch nicht mit so vielen Fotos überhäufen möchte, berichte ich zweimal über die Natur- und Kunstschönheiten dieses Parks.

Mein erster Eindruck – im Park gibt es Kunst – vielleicht nicht das, was bürgerliche Kreise so darunter verstehen, sondern mehr alternativ. – Ein hohes Tor aus verrostetem Stahl ist auf der einen Seite des Parks – eine verrostete Brücke an der anderen. Und in der Mitte ist eine Fontäne, die besonders den Kindern großen Spaß gemacht hat – aber die ist nicht Kunst, sondern Technik.

Vor vielen Jahren war ich in diesem Park, weil ein kunstvoller Brunnen von sich reden gemacht hatte. Nach dem Vorbild in der Türkei wurde er „Pamukkale“ genannt. Doch leider war ihm nur ein sehr kurzes Leben beschert – jetzt sieht er sehr verwahrlost aus.

Dass ich natürlich an den unterschiedlichsten Stellen Graffiti bewundern konnte, ist klar – fotografiert habe ich nichts, überall zu viele Leute. Ach ja – Leute gab es an dem Tag sehr viele dort, obwohl es weder Feiertag noch Wochenende war. Die Radfahrer rasten zwar wie die Irren auf der Hauptallee des Parks entlang, dennoch haben sie wirklich auf die Fußgänger Rücksicht genommen. – Alle Spielplätze waren rappeldickevoll. – Auch politische Statements konnte ich finden.

Entlang eines Zaunes wurde auf kleinen Plakaten von der Entstehung dieses Parks erzählt. Er wurde hart erkämpft von den Bewohnern Kreuzbergs.

Erstaunt war ich, als ich mich plötzlich an der Mittelmeerküste befand.

An einer Stelle kreuzt der Landwehrkanal (ich hoffe, dass er es ist) den Park – die Touristendampfer waren zwar nur noch spärlich besetzt, aber wie gesagt, es war Freitag Nachmittag. – Die Ansammlung von vielen parkenden Autos und Wohnwagen fand ich verwunderlich – vielleicht haben einige dort ihren Wohnsitz.

Übermorgen geht mein Parkbesuch weiter.