Claras Allerleiweltsgedanken


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Ein ganz normaler Einkauf …

… nicht bei Edeka, nicht bei Reichelt – aber auch nicht bei LIDL oder ALDI, sondern bei NETTO – ein Anbieter, der preislich so ca. in der Mitte liegt, räumlich aber fast neben meiner Wohnung, deswegen hat er sich in mein Herz gearbeitet.

Im Zusammenhang mit dem gestrigen Artikel sagte die Bekannte zu mir, dass sie für ihren Zweipersonenhaushalt selten über 30,00 € bezahlt. Ich fand die Diskussion etwas albern und fragte nicht nach, ob sie täglich einkaufen geht – oder z.B. alles Gemüse auf dem Markt kauft und das dann beim Discounter nicht mehr zu Buche schlägt. Nachträglich stellte sich raus, dass die „Schmankerl“ tatsächlich in den besseren Märkten gekauft werden und alle Reklameblätter eifrig nach Sonderangeboten abgegrast werden.

Als ich die Gegenthese aufstellte, dass ich für einen Wocheneinkauf selten unter 50,00 € bezahle, teilweise sogar über 60,00 € bezahle, fiel sie fast aus allen Wolken. – Und da hat es mich dann gepackt – ein wirklich großer Einkauf stand an, denn Kühlschrank war ziemlich leer, Obst gab es auch kaum noch – und da werde ich langsam ungemütlich.

Beim Einkauf war bis auf eine 6er-Packung Radler=Alsterwasser KEIN Alkohol dabei, keine hochwertigen Genussmittel, kein Nikotin und keine Drogen – Waschpulver und Bodylotion fielen mit 6,00 € ins Gewicht – und insgesamt bezahlte ich 62,23 €.

Zu DM-Zeiten habe ich auch etwa so viel bezahlt – so viel nur zur Teuerungsrate. Und deswegen – aber nicht nur deswegen – regt mich diese saudumme Bemerkung von Jens Spahn so auf. Er sollte nicht mal nur einen Monat von Hartz IV leben, sondern mindestens ein halbes Jahr lang oder besser sogar noch ein Jahr. Alle Konten eingefroren, keine vorher neu angeschafften Elektrogeräte – mal sehen, was er danach sagt. Stur, wie er sicher ist, sagt er danach bestimmt das Gleiche.

Als ich Hartz IV-Empfängerin war, lebte meine Mutter mit ihrer sehr, sehr guten Rente noch – deswegen kann ich mich nicht mit anderen vergleichen. Meist ging ich mit ihrer Kontokarte zum Discounter, aber relativ sparsam versuchte ich dennoch zu sein.

Mich würde interessieren, was Alleinlebende so ca. im Monat für Essen und Haushaltschemie und ähnliches ausgeben – keine Restaurant,- Friseur-, Kosmetikstudio-, Fitnessbuden- und andere -besuche mitgerechnet. Lebe ich mit meinen Wocheneinkäufen um 50,– bis 60,– € wirklich auf unverschämt hohem Niveau?

Vielleicht ist meine Vorratswirtschaft übertrieben. Ich rechne nicht mit einer „Grundversorgung“, falls ein Atomkrieg ausbricht, sondern eher damit, dass ich mal 3 Wochen nicht einkaufen gehen kann – zweieinhalb davon überlebe ich schadlos und das Gewicht auf der Waage stimmt danach auch wieder 🙂

Da ich ja so ein „Kochwunder“ bin, kaufe ich schon ab und an Tiefkühlkost, aber auch da immer die preiswerte Variante. – Letztendlich weiß ich wirklich nicht, wie Woche für Woche ca. 60,00 € zusammenkommen – damit hätte ich meinen Hartz IV-Satz schon fast verfressen.

Eure Meinung interessiert mich sehr. – Wenn ich in manchen Blogs, die sich viel mit Essenzubereitung beschäftigen, sehe, welche edlen und kostspieligen Zutaten verwendet werden, dann müsste ich meinen Etat noch um einiges erhöhen. Auch Bio oder Fleisch aus artgerechter Haltung und Schlachtung ist mir u.a. aus finanziellen Gründen zu teuer.

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Biss-Orgie verkommt zu Trauerspiel

… oder vielleicht doch  Hoffnungsstreif am Horizont?

Hier habe ich mich ja schon mal über das Thema in folgender Form ausgelassen:

„Besser beißen können oder lieber was zu beißen haben?“

(Muss man nur lesen, wenn man masochistisch veranlagt ist und etwas zur Elendsvergrößerung braucht!)

Da ich seit dem 17. August 2009 an diesem Implantat-Zahnersatz-Thema rumdoktere, fange ich den heutigen Post mit dem Sprichwort an:

Was dem einen sin Ul ist dem anderen sin Nachtigall

Ich interpretiere mal „Ul“ als „schlechte Ohren“ und „Nachtigall“ als „schlechte Zähne „, dann kann ich nämlich das Sprichwort ver-clären.

Was der Clara ihr Ul ist ihr gleichzeitig ihr Nachtigall„.

Fünf Wochen lang war die vierstellige Summe ( die vorn mit einer 4 beginnt) ihr Geld wert, dann fing die Chose an zu wackeln, was mein lieber Zahnarzt total negieren wollte.

Mir missfiel das sehr, sowohl das eine als auch das andere – dem Zahnarzt auch – aber ihm aus anderen Gründen als mir. Er sah seinen Profit wackeln, wenn er jetzt kostenlose Regressarbeit leisten muss, ich sah meinen fleischigen Speiseplan auf einen St.-Nimmerleins-Tag verschoben.

Nach der ersten Regressarbeit wackelte zwar nichts mehr, dafür tat alles  weh – die Implantate wurden zu stark belastet und die Kiefer auch. – Sicher wundert es niemand, dass ich das so auch nicht gewollt hatte.

Vielleicht lösen wir das Problem schneller als bis Mitte August 2010, denn ihr wisst ja, „Löwen“ brauchen Fleisch und keine Weichkost. Jetzt ist der Zahnarzt erst einmal nach Schottland gefahren – ich hoffe doch sehr, er hat sich nicht mit meinem Geld abgesetzt! – Aber die jetzt angearbeitete Ersatzlösung (alles neu, macht der August) sieht bisher hervorragend aus – nur kauen muss ich damit auch noch können.

Mein Wunsch ist eine Zeitungsmeldung folgenden Inhalts:

Am gestrigen Tag biss Clara H. aus Berlin-Lf. einen Mann, der ihr ihren Rucksack mit allen Papieren und mit allem wenigen Geld entwenden wollte, so kräftig in den Arm, dass dieser sofort die Flucht ergriff und in der Klinik mit einem Eigenfleisch-Transplantat das Loch gestopft bekommen musste. Er wird von der Firma „Titanimplantate = Lebensimplantate“ betreut.

Diese Leistung können auch Sie mit Transplantaten der Firma XYZ erreichen – vertrauen Sie unseren Fachleuten!

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Das Bild zum heutigen Tag heißt „Notdürftiger Ersatz“ . Ein Hilfsroller oder gar noch schlimmer ist eben auch nur hilfsweiser Ersatz!!


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Hilfe, mein Balkon …

… muss zum Frisör!

(wird gleich erläutert!)

Alle Jahre hatte ich alle Balkonkästen mit allen möglichen Pflanzen bestückt, musste dafür vorher fast alle Talerchen aus meinem Portemonnaie ausgeben, um dann  alle Nase lang welke Blütenblätter zu zupfen, alle Wassertanks  aufzufüllen und alle Augen voll Freude über die Blütenpracht gleiten zu lassen.

Hartz IV-Empfänger müssen sparen, zumindest reden sie immer davon. Also habe ich mir gesagt: Blumen gibt es dieses Jahr nur in den kleinen Pflanzschalen – in den großen, langen Kästen gibt es Rasen – nicht unbedingt englischen, sondern mehr so wie Wiese.

Gesagt, getan – in dem großen Eckladen gab es das:

Auf meinem Balkon gibt es zwar nur für einen Kasten in der Hälfte der Zeit Schatten – aber was für den Schatten gut ist, gedeiht auch in der Sonne, dachte ich mir.

Und recht hatte ich: Nach reichlicher Aussaat, guter Bewässerung und geduldiger Warterei sahen die Sonnenkästen recht gleichmäßig bewachsen aus, wohingegen der Schattenkasten aussah wie eine Landkarte – die schwarze Erde war das Wasser und das grüne Gras war das Land. – Jetzt wissen alle (Erdkundelehrer) Bescheid, wie traurig dieser Kasten aussah.

Das ist einer der sonnigeren Kästen, deswegen relativ gleichmäßig bewachsen. Aber seht ihr nun, dass er zum Frisör muss, alles wächst einfach so, wie es will, mal höher und mal niedriger. Also muss die Schere ran! – Die einzige Lücke habe ich mit einer Kugel bedeckt, um so ganz nebenbei auf dem Balkon immer meine Zukunft vorhersagen zu können – also, meine Zukunft ist lila.

Sicherheitshalber habe ich gleich noch ein paar weitere Kugeln deponiert – die Zukunftsvorhersage aus der einen kann mir ja vielleicht mal nicht gefallen.

Na, hier kann ich mir so viel Zukunft aussuchen, wie ich will, je nachdem, welche mir besser passt.
Vielleicht mache ich das ja mal für Geld, den Leuten ihre gewünschte Zukunft voraussagen – wenn ich dann in Rente bin, Millionen hinzuverdienen kann und langsam aus dem Silver-Blogger-Alter ins Gold-Blogger-Alter übergehe. Da habe ich dann die nötige Erfahrung!

Und nach dem „Frisör“ sah der Balkon dann so aus:

Jetzt habe ich erst mal in die Lücken Blumen nachgesät – mal sehen, was am Ende rauskommt.

Ja, vielleicht machen sich einige Bio-Leute in Bloggershausen Gedanken, was ich denn so mit dem abgeschnittenen Gras machen möge?!?!?!?!?

Dafür halte ich mir extra ein Pferd auf dem Balkon und das wird immer gut gefüttert!

Aber wenn frau mal mit aufmerksamen Augen – die nicht durchs Regenwetter verwässert werden – durch die Gegend geht, sieht sie, dass manche Balkons viel dringender zum Frisör müssten – nur dort wäre Abschneiden schon wieder schade!

Beim ersten ganz besonders:

Und wenn ihr dann noch ganz weit unten guckt, da habe ich ein zweites Pferd adoptiert – auf Wunsch einer nicht näher genannt werden wollenden Dame – die meint, das Pferd sollte auch Pink-Gras fressen können. Die Begründung gibt es in den Kommentaren. – Meines darf weiter Grüngras fressen, da ja Nachwuchs auf dem eigenen Balkon!!!

Hier ist es, das Pink-Gras-fressende-Milch-Woll-Schwein-Pferd – für alle Situationen zu gebrauchen – allerdings ähnelt das Gras eher gefärbten Spaghetti:


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Der arme Staat braucht Geld

Vielleicht hat die eine oder andere schon mitbekommen, dass ich nicht mehr 32,5 Jahre jung bin – spätestens mit dem Silver-Surfer-Post habe ich mein Alter in die Bloggerwelt hinausposaunt. Beim ADHS habe ich den Schaden zu begrenzen versucht und gesagt, dass diese Leute jünger wirken als sie sind. Doch in den Papieren lässt sich kein Alter täuschen, höchstens fälschen.

Also Klartext – bald bin ich doppelt so alt – und, was bekommt man da zur Belohnung: Rente.

Ich habe Glück, ich bekomme sie noch mit 65 – ein Teil der (täglichen) Besucher wird von Glück reden können, wenn er im Alter von 75 Jahren ein monatliches Taschengeld überwiesen bekommt. – Allerdings, viel mehr als ein Taschengeld wird es bei mir auch nicht, doch davon wollte ich jetzt nicht bloggen, denn es ist ja kein Bettel-Blog, sondern ein „Allerleiweltsgedanken-Blog“, wie jeder in der Überschrift lesen kann.

In meinem Leben habe ich bis 1989 schon einmal einen fast bankrotten Staat erlebt. Doch nun habe ich wiederum den Eindruck, dass auch dieser neue alte Staat kurz vor der Pleite steht nach dem Motto:

Gestern standen wir noch vor dem Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter!

Hätte er es sonst nötig, sich von armen Leuten unterstützen zu lassen? – Wie er das macht? Einfach so:

Mein Geburtstag ist in der Monatsmitte. Hartz IV und andere Sozialleistungen wie das Berlin-Ticket, die GEZ-Befreiung und ermäßigte Verkehrsmittelbenutzung  werden exakt bis zum 14. Tag des Geburtsmonats geleistet.

Die Rentenzahlung beginnt jedoch erst mit dem 1. Tag des Folgemonats und die Rente wird erst am letzten Arbeitstages dieses  Monats überwiesen. – Das heißt für den normal sterblichen Hartz IV-Empfänger, dass er 2 – 6 Wochen am Daumen lutschen, den Gürtel enger schnallen oder  das Brot auch mal ohne Belag essen muss.

War  die Mutter des jetzigen Hartz-IV-Empfängers  jedoch so pfiffig, ihn erst in den letzten Tagen des Monats „das romantische Licht dieser Welt erblicken zu lassen“, dann reduziert sich die Schmalhans-Küchenmeister-Zeit  um die entsprechenden Tage. Warum bin ich nicht am 30. geboren, liebe Mama? War es so heiß damals, dass du mich unbedingt loswerden wolltest? Du hättest ja 1945 auch mal an meine Zukunft in der Bundesrepublik Deutschland denken können!!! Aber es hätte ja noch schlimmer kommen können – nämlich dann, wenn ich eine „Löwin aus der 1. Dekade“ geworden wäre.

Der Ratschlag „Beantrage doch für die Übergangszeit Grundsicherung“ ginge auch ins Leere. Wer mehr als 2,60 € (vielleicht hängen an der Zahl ein paar Nullen, die ich absichtlich unterschlagen habe) offen einsehbar – also nicht unter dem Kopfkissen – liegen hat, soll dann doch bitteschön von dieser „Alterssicherung“ leben, denn noch nicht einmal ich werde bestreiten können, dass spätestens mit dem 65. Geburtstag

„das Alter angefangen hat.“

Also genießt mich jetzt noch frisch, jung und dynamisch, das ändert sich dann schlagartig.

Mein Foto mit 65:

Vielleicht noch nicht gleich mit 65, aber bestimmt mit 66 ...


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Ich sehe gern Musik

Clara geht mit kindlichen Augen ins Konzert

Das “ sehe“ ist kein Schreibfehler. Ich meine damit keine Fernsehsendungen wie Musikantenstadl oder ähnliche. Ich meine wirkliche Konzerte, genauer gesagt, Sinfoniekonzerte, möglichst mit großer Besetzung.
Da meine Ohren nicht nur beim Verstehen, sondern auch bei Musik Probleme machen, verlasse ich mich beim Konzertbesuch viel auf meine Augen. Ich beobachtete:
Bevor ich die ganze -isten oder -istinnen-Parade wie Violin-, Bratsch-, Cell-, Bass-, Flöt-, Klarinett-, Horn-, Posaun- und Fagottisten usw. usf. aufzähle, werde ich bei der Geschichte beim Instrument bleiben, denn bei Tubisten, Oboisten und Paukisten  bin ich mir sprachtechnisch nicht so sicher.

Was bietet sich also einer Konzertbesucherin aus dem 1. Rang?
Die Geigen, Bratschen und Celli, gewissermaßen die kleinen Streicher,  sitzen alle kerzengerade auf ihren Stühlen, den Kopf schräg auf ihrem Instrument abgelegt, ihre Körper wiegen sich  im Takt der Musik.

Doch halt, da geigt doch einer gegen den Strich, nicht akustisch, sondern optisch. Ein Linkshänder mit einer Links-Geige, ein äußerst seltener und doch recht kurioser Anblick. Ein ganz klein wenig stört er das gemeinsame nach links oder rechts aller Bögen – aber eben nur ein ganz klein wenig.
Die Besitzer der Bässe hingegen machen mitunter einen schwächelnden Eindruck – sie lehnen sich gegen ihr Instrument, als müssten sie sich von der schweren Schlepperei ausruhen.
Die Holzbläser (Klarinette, Flöte, Fagott mit ihrem König, dem Kontrafagott) haben an ihren Notenständern eine Extraablage befestigt, auf denen liegen viele weiße Blättchen herum, an denen sie immer wieder mal lutschen, es befeuchten, dann gegen das schon nass-gesabberte austauschen – damit sind die Damen und Herren richtig beschäftigt. Zum Glück  hören sie trotzdem auf das, was ihnen der Dirigent auf diskrete Art und Weise zu verstehen gibt.
Um die (Wald)hörner und die Posaunen herum muss das Parkett  besonders wasserfest versiegelt worden sein, denn diese kleinen Ferkelchen spucken offensichtlich zu sehr in ihre Instrumente. Jedenfalls sah ich, wie sie immer mal Teile abschraubten, umdrehten und ausschütteten. Offensichtlich ist das vollkommen normal, denn alle machten es.

Die Trompeten feuchteten auch ein wenig, aber sie blieben ziemlich ruhig (außer akustisch), wechselten keine Mundstücke, keine Teile und kein Instrument.
Den Pauker – hä, ist der  Lehrer? Oder heißt er doch Paukist – bewunderte und bedauerte ich gleichermaßen. Ein richtiger Schlagzeuger ist er nicht, dazu fehlt ihm der ganze andere Kram – er begnügt sich mit drei großen Pauken. Ob sie ihn damit in die U-Bahn lassen? Braucht er extra einen LKW als Dienstauto? Hat er noch Freunde in  seiner Wohnumgebung?
Wenn er sich für die richtigen Schlegel entschieden hatte, haute er mächtig auf die Pauke – ja, ohne Übertreibung. Aber, als ob es ihm gleich unmittelbar darauf wieder leid täte, machte er den Nachklang seines Handelns gleich wieder zunichte, indem er die Hand auf das Fell legte. – Ob der Dirigent das so will? Schade! Der Klang war so schön, besonders von der größten, die er allerdings am meisten geschont hat. Wahrscheinlich war es die teuerste. Die hätte er meinetwegen gern länger nachklingen lassen – vielleichgt hätte das  dann die anderen irritiert.
Doch am meisten hat mir folgendes gefallen. Nach der Pause wurde Mr. Beethoven zu den Akten gelegt und ein neuer Komponist durfte zeigen, dass er ein schönes Stück geschrieben hat. Der Herr Pauker bekam Verstärkung – dachte ich. „Vielleicht wechseln die sich jetzt ab, oder der eine paukt auf den zwei Kleinen herum und der andere bekommt die Große zum bepauken.“
Doch nein, plötzlich steht dieser erwachsene Mann auf und hat dieses winzige Metalldreieck und ein Metallstöckchen in der Hand, eine Triangel. Das finde ich immer zu schön, wenn ein Musiker den halben Abend im Orchester rumsitzen muss, um ca. 6x auf das Triaangelchen schlagen zu dürfen. Ist so ein Musiker nicht wegen Mindereinsatz depressionsgefährdet? Wäre das nichts für ein Musiker-Kind, das sowieso auf seine Mama oder seinen Papa warten muss, bis die fertig sind?

Doch nun, Scherz beiseite – es war ein wunderschönes Konzert. Es war für mich auch deswegen so besonders, weil das Hartz IV-Einkommen in keiner Rubrik Konzertkarten o. ä. berücksichtigt. – Hier war das mal anders. Danke!

Als besonderes Instrument kommt jetzt noch das Klavier,  in diesem Fall natürlich ein Flügel, in die Geschichte spaziert. Zum Glück bin ich nicht in einem Pop-Konzert und der Flügel ist schwarz. Bei einem weißen kommen ja immer gleich Putzgedanken auf, denn die werden doch so schnell schmutzig. Ob sich die Herren Pianisten und Damen Pianistinnen auch immer schön davor die Hände waschen, damit die weißen Tasten nicht nah einiger Zeit aussehen wie ihre kleineren Geschwister?

Schade, dass die den Deckel hochgeklappt haben, denn so glänzend wie das Instrument ist, könnte ich glatt von oben sehen, ob meine Frisur auch sitzt. Schließlich schwebe ich fast über dem Flügel, weil ich mich immer so weit über die Brüstung beuge.

So, und jetzt bekommt der Pian-ist (siehe oben die ganze -istenparade) sein Zeichen. Anfangs wirkt er, als wenn er seine Strecke auf den Tasten vergessen hat. Lange überlegt er, welchen Weg er einschlagen soll und bewegt sich mehr oder weniger auf der Stelle. Dann trennen sich seine Hände – die eine marschiert nach links und die andere nach rechts, ich könnte natürlich auch sagen, die eine will tiefe und die andere Hand hohe Töne spielen und dann  hören. Aber das scheint den Händen nicht zu gefallen. Ganz schnell sind sie wieder beieinander und marschieren vereint in die gleiche Richtung. Erstaunlich, wie schnell der seine Finger bewegen kann – der macht bestimmt jeden Tag Finger-Yoga oder Finger-Gymnastik.

Das lasse ich mir so eine ganze Weile gefallen und lehne mich entspannt zurück. Doch halt, aus einem Augenwinkel heraus sehe ich, dass er sich jetzt verheddert hat. Hat er den falschen Befehl bekommen? Auf jeden Fall spielt er jetzt überkreuz – na, das geht ja mal schon gar nicht. Bis zu welchen Höhen und gleichzeitigen Tiefen will er denn da mit seinen Händen kommen, bevor er sich die Luftzufuhr absperrt?

Das scheint er – Gott sei Dank – zeitig genug mitzubekommen und auf einen deutlichen Wink des Herren mit dem Stock / Stöckchen pfeift er seine rechte Hand zur Raison und beordert sie wieder auf die ihr zustehenden Tasten.

Ganz schön schweißtreibend, solch ein langer Einsatz. Was die einen an Feuchtigkeit in ihren Instrumenten fabrizierten, das perlte auf seiner Stirn. Der etwas größere Junge neben ihm, der seine Noten auf ein leichtes Kopfnickzeichen umblätterte, hätte doch gleich noch als Schweißwischer eingesetzt werden können. – Die sollten mich mal befragen, ich hätte da bestimmt noch ein paar Ideen.

Bei Frau Nachbarin gibt es noch ein Bild dazu.


Besser beißen können …

oder besser was zu beißen haben?

Seit 17. August laboriere ich mit meinen Zähnen und hatte bis vor zehn Stunden nur eine sehr begrenzte Auswahl an Speisen zur Verfügung, was weniger den Geschmack betraf als viel mehr die Konsistenz.

Und jetzt habe ich 7.000,00 € gegen vier lumpige „Zahnwurzeln“ getauscht, an denen nach oben noch ein bisschen was dranhängt. Näher möchte ich den ganzen unerfreulichen Zustand nicht beschreiben.

Eigentlich sollten die 5.000,00 für die Hörgeräte und das heute bezahlte Geld das Zubrot für ca. 2 Jahre Rentnerzeit sein. Doch jetzt habe ich beschlossen, stattdessen 2 Jahre früher zu sterben, bis dahin jedoch anständig essen zu können. Bei Hertz IV halten sich ja die Einnahmen in sehr überschaubarem Rahmen.
Oder es gäbe noch eine andere Alternative – ich lasse mich von meinen beiden gutverdienenden Kindern unterstützen, damit ich mit alten Zähnen freudig beißen kann.

Aussehen tut’s für mindestens 7.500,00 € – das ist doch schon mal was!


Arbeitslosigkeit – Belohnung oder Bestrafung???

Zu diesem Thema möchte ich die Einleitung zu einer Geschichte wiedergeben, die ich 2005 für die Eltern eines Wunschenkelkindes zu Weihnachten geschrieben habe:

Mit 58 arbeitslos“ Resignieren oder Leben ändern?

Arbeitslos!!! Ein schreckliches Wort in meinen Ohren, denn an Arbeit mangelt es ja wohl nicht, allerdings ist diese mehr ehrenamtlicher oder schlecht bezahlter Natur.
Arbeitssuchend!!! Eine vornehmere, vor allem aktiver klingende Umschreibung der Tatsache, dass der Arbeitsmarkt für solche „ältlichen Vorzimmerdamen“ wie mich keine Verwendung mehr hat. Mehr als 100 Bewerbungsbriefe brachten mir immer wieder in Erinnerung, dass ich gegen ein Heer von jüngeren, kürzer berockten und auch fachlich versierteren Sekretärinnen – die auch noch weniger aufmüpfig als ich sind – antrete und eigentlich nur verlieren konnte.
Erwerbslos!!! Da es immer noch nicht klappt, dass der Mensch allein von Luft und Liebe leben kann – die Sozialämter machen dennoch ähnliche Vorschläge – spielte dieser Faktor in meinen Überlegungen eine wichtige Rolle. Wie schön wäre es für mich, die persönlichen Präferenzen mit ein wenig finanzieller Belohnung dekorieren zu können.
Nachdem ich diese drei Worte immer und immer wieder fruchtlos in meinem Kopf gewälzt und meinem Herzen bewegt hatte, entschied ich mich für den ehrenamtlichen Weg. Die finanzielle Lage wird zwar dadurch nicht gebessert, aber wenigstens die moralische. Viele fallen ohne Aufgaben und Verpflichtungen in ein tiefes Loch, aus dem sie dann mühsam durch teure Medikamente wieder Stufe für Stufe ans Tageslicht geholt werden müssen. Mir wäre es ähnlich ergangen.
Zum Glück entschied ich mich dafür, mal das zu machen, woran ich Spaß und Freude hatte. Alte und Kranke, Obdachlose oder Gefangene, religiöse Gemeinschaften oder Kleintierzüchtervereine, Ökofreaktreffen oder politische Parteiarbeit kamen nicht in die engere Wahl. Büro- und Bibliothekstätigkeit hatte ich im Berufsleben satt erlebt. Ein Hund war lange Zeit im inneren Zwigespräch, aber er verlor das Rennen gegen Kinder.
Offensichtlich ist das bei Mutter und Tochter fließende Pädagogenblut  auch in meinen Adern vorhanden, denn ich entschied mich für die ach so niedlichen (und ach so wehrlosen) Kindergartenkinder. Direkt im Kindergarten beschäftigte ich mich mit Kindern, denen die deutsche Sprache aus irgendeinem Grund mehr Schwierigkeiten macht als ihren Altersgefährten. Auf spielerische Art versuchte ich, ihren Sprachschatz zu erweitern und ihre Fehler zu verbessern. Zuletzt waren es 20 Stunden pro Woche – fast eine Halbtagsstelle, deren Vergütung vielleicht mal im Himmel erfolgt, denn der KITA-Träger war die Caritas.
Aus Gesundheitsgründen (2 Mittelohrvereiterungen mit anschließendem Hörverlust und Tinnitus) machten der regelmäßigen Beschäftigung ein Ende. Mit Tränen in den Augen, vor allem aber im Herzen, nahm ich Abschied. Eltern und Kinder bedauerten es sehr, doch ich bedauerte es noch mehr.
Jetzt hatte der Tag wieder keinen richtigen Anfang und keine Struktur.

Meine Recherchen führten mich im März 2005 zum Berliner Großelterndienst. Ein gut aufgemachter Fleyer ließ mich Hoffnung schöpfen. Die vielen, vielen Ersatzomas und die nicht ganz so zahlreichen Ersatzopas – liebevoll auch Wunschoma und -opa genannt – werden nicht einfach ins kalte Wasser gestoßen und ihrem Schicksal überlassen. Monatlich gibt es ein Arbeitsfrühstück, bei dem jeder seine Probleme in der Runde vorbringen kann, um zu einer Lösung zu kommen. – In Weiterbildungsveranstaltungen kann man sich Rat und Hilfe holen, wie die kleinen Zappelphilipe oder Quasselstrippchen im Winter oder bei schlechtem Wetter beschäftigt werden können. Aber auch Tagesausflüge zum kennen lernen von Land und Leuten werden organisiert. – Für finanziell schlechter gestellte Omas/Opas gibt es eine Aufwandsentschädigung, die variabel ist und von der Finanzsituation der alleinerziehenden Mutter oder der Eltern abhängt. Minimal 0,00 € bis 4,00 € oder 5,00 €, nach der 6. Stunde 2,50 €.
Ich bin dort sehr glücklich und habe viele spannende Kinder mit ihren zum Teil noch spannenderen, aber teilweise auch anstrengenden Müttern erlebt. Aber auf jeden Fall ist es besser, als nur von Hartz IV zu leben und dumpf in den Tag hinein zu vegetieren.