Claras Allerleiweltsgedanken


20 Kommentare

Ich bin von Kopf bis Fuß …

… auf Ärzte eingestellt

Habe ich Talent zum Hypochonder? …… oder steckt etwas Ernstes dahinter, was keiner findet?

Wenn ich gut gelaunt bin, kann ich meine Zipperlein als solche ansehen und nicht so tragisch nehmen. Wenn sie sich aber zu sehr häufen und richtig stören, dann werde ich schon ungehalten und lebensunlustig, weil es anstrengend wird.

Die Leistung der Ohren ist seit 2004, wo ich Hörgeräte bekommen habe, stark zurück gegangen. Früher habe ich nur in lauter Umgebung Probleme mit dem Verstehen gehabt, jetzt schaffe ich das auch schon in leiser Umgebung. Das Problem sind ja die zwei so unterschiedlichen Ohren. Das rechte hat es durch zwei Mittelohrvereiterungen 2004 fast vollständig entschärft. Zur  Unterstützung des linken bringt es noch etwas Leistung, aber allein verweigert es seinen Dienst. Ich könnte nie auf dem rechten Ohr telefonieren. – Und deswegen habe ich die sehr berechtigte Angst, dass links der Verfall weiter fortschreitet und ich gar nicht mehr telefonieren kann. Und damit meine ich nicht lange Privatgespräche, sondern Terminabsprachen und anderes.

Mein HNO-Arzt hat mich in eine Cochleaimplantat-Sprechstunde überwiesen, was mein Akustiker sehr befremdlich fand, da der Arzt vorher keine Hörnervsprüfung gemacht hat. Der Hörnerv muss intakt sein, sonst hat diese teure und aufwändige Operation keinen Sinn.

Mein ganzes Innere sträubt sich gegen diese Operation, vor allem deswegen, weil das Hören mit einem Implantat sehr „maschinell“ klingt, von allen anderen Unbilden mal abgesehen, die dabei passieren können. Hinter meinem angelegten Ohr wäre gar nicht so viel Platz, um dieses riesige Hörgerät unterzubringen.

Ich lasse mich überraschen.

*************

Über meine „Schwindeleien“ habe ich mich ja hier schon öfter beklagt. Trotz umfangreicher Diagnostik ist nichts handfestes raus gekommen, so dass ich einfach weiter schwindele Schwindel habe und mir meine blauen Flecken an Ecken und Kanten hole. Wenn ich jetzt mit dem neuesten Problem zu einem anderen Neurologen gehen werde, kann ich das vielleicht mit anschneiden.

*************

Man könnte glauben,  das sind Faschingsaufnahmen mit bestimmten Masken oder Verkleidungen.

Dabei ist es ein erneutes MRT, das einiges ausschließen soll.

Ich habe erst am 18. April in der Neurologie einen Termin bekommen, bis dahin will ich noch keine Unkereien hier ablassen, was es sein könnte.

Aber, es ist schon befremdlich, wenn ich Heimwerkerfreak den Schraubendreher schlecht in den Schraubenschlitz bekomme – Es ist schon verwunderlich, wenn ich keinen vollen Löffel mit Suppe ohne zu kleckern zum Mund bekomme. – Es ist schon zeitraubend, wenn ich den Schlüssel nicht ins Schlüsselloch bekomme, weil er ständig auf Abwege will. – Es ist unbegreiflich, dass ich eine überstehende Folie nicht gerade abschneiden kann, weil das Cuttermesser so zittert. – Es ist ruhestörend, wenn ich spät am Abend den Spüler ausräume und laut mit dem Geschirr beim Einräumen klappere – aber es ist besonders peinlich, wenn ich beim Unterschreiben eines EC-Kartenbelegs angeschaut werde, als hätte ich meine Unterschrift gefälscht.

Vielleicht ist alles ein wenig überspitzt dargestellt, aber nicht viel.

Beim MRT habe ich mich angestellt wie eine Neuberlinerin. Die erste Stelle bot mir Mitte Mai als Termin, das war mir zu spät. Also rief ich im Behringkrankenhaus an und bekam für den darauffolgenden Samstag einen Termin – klasse.

Samstag früh ins Auto gesetzt und hingefahren. An der Rezeption: „Ich habe hier einen Termin für ein MRT“. „Das kann nicht sein, wir haben gar kein MRT. Wir sind das Bethelkrankenhaus – vielleicht verwechseln Sie uns mit dem Behringkrankenhaus in Zehlendorf.“

Ich guckte sofort in meinen elektronischen Kalender und dort stand: „8.30 Behringkrankenhaus MRT“

Wer lesen kann ist echt im Vorteil.

Aber sie haben mich auch mit einstündiger Verspätung noch dran genommen, was mich sehr gefreut hat.


10 Kommentare

Gut hören kann ich schlecht …

doch schlecht sehen kann ich gut. Diesen Kalauer am Anfang, weil ich zumindest den ersten Teil davon wieder live erleben durfte. – Dann höre ich aber mit den „Gebrechlichkeitsartikeln“ auf, sonst denkt ihr noch, ich wäre alt.

Aus einem total erschöpften Fernsehschlaf gegen 22 Uhr aufwachend, sehe ich, dass meine Nachbarin bereits 4 mal angerufen hatte. Ich nahm an, dass es um den Wohnungsschlüssel geht, den sie mir während ihrer 5wöchigen Abwesenheitszeit zurückgeben möchte. Ich rufe bei ihr an und sie erzählt:

„Mir geht es nicht so gut, ich wollte dich fragen, ob du eine Kartasse für mich hast.

“ „Eine was bitte? Was ist denn das?“

„Na eine Kartasse eben, wie soll ich dir denn das erklären?“

„Ich schwöre, ich habe das Wort noch nieeeeeeeeee gehört. Meinst du eine Wärmflasche für den Bauch? – Gibt es nicht ein anderes Wort dafür?“

Und Julia, schon mittelschwer gereizt: „Ja, Erdäpfel“

„Ach du meinst eine Kartoffel!!! Sage das doch gleich!“

„Nichts anderes habe ich die ganze Zeit gesagt!“

Und da wundert man sich, wenn in der großen Politik Missverständnisse auftreten! Aber ich hatte auch keine Hördremmel drin, weil ich ja eigentlich hätte Fernsehgucken wollen.

*********

Ist das ein Wunder, dass ich schlecht hören kann, wo ich doch meine Hördremmel in den Sand gesetzt habe! (Nur für das Foto!!!)

1607 Hörgeräte in den Sand

 


38 Kommentare

Gut, dass ich kein(en) Januskopf bin oder habe!

Wenn schon Hörproblembehandlung, dann richtig und drei Tage lang – aber immer ein wenig anders, heute mehr künstlerisch 🙂  oder pekuniär.

Stellt euch mal vor, ich wäre so siamesisch zur Welt gekommen, so charakterlich gespalten mit zwei Gesichtern, auf gut deutsch, so Janus-köpfig – und dann womöglich noch mit Bart, aber als Frau, also mit Damenbart. Katastrophe hoch drei.

Diese Tatsache an sich wäre schon schlimm genug – doch stellt euch mal die Hörgeräteversorgung bei diesem Kopf und diesen Preisen vor. Es würden bei einer Bestückungsrunde glatte 10.000 Eus plusminus ein paar Cents über den Akustikertisch wandern. Und Clara  und ich, wir wären ruiniert – für alle Zeiten. Da würde es auch nicht helfen, den Kopf oder die Geräte in den Sand zu stecken. Die hier gezeigten würden für eine Erstausstattung noch nicht einmal reichen, ich bräuchte das aus dem Fotoblog noch dazu.

 


21 Kommentare

Biss-Orgie verkommt zu Trauerspiel

… oder vielleicht doch  Hoffnungsstreif am Horizont?

Hier habe ich mich ja schon mal über das Thema in folgender Form ausgelassen:

„Besser beißen können oder lieber was zu beißen haben?“

(Muss man nur lesen, wenn man masochistisch veranlagt ist und etwas zur Elendsvergrößerung braucht!)

Da ich seit dem 17. August 2009 an diesem Implantat-Zahnersatz-Thema rumdoktere, fange ich den heutigen Post mit dem Sprichwort an:

Was dem einen sin Ul ist dem anderen sin Nachtigall

Ich interpretiere mal „Ul“ als „schlechte Ohren“ und „Nachtigall“ als „schlechte Zähne „, dann kann ich nämlich das Sprichwort ver-clären.

Was der Clara ihr Ul ist ihr gleichzeitig ihr Nachtigall„.

Fünf Wochen lang war die vierstellige Summe ( die vorn mit einer 4 beginnt) ihr Geld wert, dann fing die Chose an zu wackeln, was mein lieber Zahnarzt total negieren wollte.

Mir missfiel das sehr, sowohl das eine als auch das andere – dem Zahnarzt auch – aber ihm aus anderen Gründen als mir. Er sah seinen Profit wackeln, wenn er jetzt kostenlose Regressarbeit leisten muss, ich sah meinen fleischigen Speiseplan auf einen St.-Nimmerleins-Tag verschoben.

Nach der ersten Regressarbeit wackelte zwar nichts mehr, dafür tat alles  weh – die Implantate wurden zu stark belastet und die Kiefer auch. – Sicher wundert es niemand, dass ich das so auch nicht gewollt hatte.

Vielleicht lösen wir das Problem schneller als bis Mitte August 2010, denn ihr wisst ja, „Löwen“ brauchen Fleisch und keine Weichkost. Jetzt ist der Zahnarzt erst einmal nach Schottland gefahren – ich hoffe doch sehr, er hat sich nicht mit meinem Geld abgesetzt! – Aber die jetzt angearbeitete Ersatzlösung (alles neu, macht der August) sieht bisher hervorragend aus – nur kauen muss ich damit auch noch können.

Mein Wunsch ist eine Zeitungsmeldung folgenden Inhalts:

Am gestrigen Tag biss Clara H. aus Berlin-Lf. einen Mann, der ihr ihren Rucksack mit allen Papieren und mit allem wenigen Geld entwenden wollte, so kräftig in den Arm, dass dieser sofort die Flucht ergriff und in der Klinik mit einem Eigenfleisch-Transplantat das Loch gestopft bekommen musste. Er wird von der Firma „Titanimplantate = Lebensimplantate“ betreut.

Diese Leistung können auch Sie mit Transplantaten der Firma XYZ erreichen – vertrauen Sie unseren Fachleuten!

***********

Das Bild zum heutigen Tag heißt „Notdürftiger Ersatz“ . Ein Hilfsroller oder gar noch schlimmer ist eben auch nur hilfsweiser Ersatz!!


32 Kommentare

Zum ersten Mal …

Kaum geworfen, schon gefangen

Die liebe Skryptoria Skriptum wirft so mir nichts, dir nichts ein Stück Holz in die Luft, nennt es Stöckchen und hofft, dass es alle aufheben und mitnehmen. Liebste SPS, die Zeiten der Brennstoffknappheit, in denen alle Bäume vom Berliner Tiergarten verfeuert wurden, sind vorbei! Wer braucht denn jetzt noch Holz? – Nein, es gibt ja wieder Kamine! Deswegen habe ich es doch mitgenommen, obwohl ich keinen habe. Ich reiche es dann eben einfach weiter.

… einen Spickzettel geschrieben (1952)

  • Clara ist in der ersten Klasse; das erste Diktat, bestehend aus 5 Wörtern, wird vorbereitet (und, das …)
  • Freundin Barbara und sie beschließen, einen Spickzettel zu schreiben, obwohl sie alle Wörter auswendig und richtig schreiben können
  • Claras Zettel bleibt unter der Bank, Barbara wird erwischt und verpetzt ihre Mittäterin

Fazit: Spickerkarriere vorzeitig wegen Nichteignung abgebrochen

… eine Narkose bekommen (1958)

  • Bei der 13jährigen Clara erfordert eine superakute Blinddarmentzündung eine sofortige Notoperation
  • Kaum auf dem Tisch, bekommt sie diese widerwärtig stinkende Äthermaske vor Nase und Mund und soll zählen
  • Der erreichte mathematische Höchstwert dieser Zählerei ist ihr entfallen
  • Nicht entfallen ist ihr die Angst, dass die Ärzte mit der OP anfangen könnten, bevor sie richtig schläft. An dieses Bedürfnis zu schreien: „Noch nicht anfangen!“ erinnert sie sich bis heute.

Fazit: Mit der nächsten OP gewartet, bis anständig narkotisiert wird.


… bewusst dagegen gewesen (1961)

  • September – die DDR hatte sich im August eingemauert, damit keiner rein oder raus konnte
  • die Menschen in der DDR sollen diesen „Antifaschistischen Schutzwall“ auch noch gut finden
  • die Schüler des Gymnasiums „Frédéric-Joliot-Curie“ sollen dieses „gut finden“ noch steigern und eine „Resolution zu seiner Begrüßung“ unterzeichnen
  • und Clara bekam das erste Mal richtig Ärger, weil sie „Nein“ sagte

Fazit: Nicht sehr viel daraus gelernt.

… schwanger geworden (1968)

  • der Mann  erkennt noch vor mir die Schwangerschaft
  • ich – sonst supermäklig im Essen – staune, auf was man alles in welchen Mengen und vor allem solch kurioser Zusammenstellung Appetit haben kann
  • die Milchbehälter explodieren von (Tisch-)Tennisbällen zu Fußbällen, Tendenz: Medizinball
  • täglich in den letzten 6 Wochen das Wunder bestaunt, wie die Haut eines Bauches der eines Trommelfells einer großen Pauke immer ähnlicher wird – so doll gespannt
  • beim Endspurt erfreut gestaunt, dass nach 36 Stunden schmerzhaftestem Kampf zwar ein vollkommen zerknautschtes, aber dennoch so süßes Endprodukt „ausgestoßen“ wurde

Fazit: Ausgedehnte Haut und Milchbeutel gleich für zweite Schwangerschaft genutzt, die viel unkomplizierter beendet wurde

… ein Hörgerät getragen (2004)

  • iiiiihhhhh, war das komisch: die Ohren standen ab, in den Hörgängen drückte es, als hätte ich Bohnen in den Ohr’n
  • alles war plötzlich so schrill, hell, unerträglich laut
  • die Toilettenspülung versetzte mich vom Geräusch her dicht neben die Niagarafälle
  • Türenknallen kam kriegsähnlichem Trommelfeuerbeschuss gleich
  • Plastiktütengeknister oder Besteckschubladengeräusche kamen hochtonigen Detonationen nahe

Fazit: Diese Dinger wollte ich nicht, also musste ich für bessere mehr Geld ausgeben.

… mit 2 unbekannten 12.-Klässlern Skat gespielt (10.6.10)

  • nach einem Zahnarztbesuch im Straßencafé ge-imbisst
  • Horde Jungen hatten eine Freistunde, setzten sich an Nachbartisch und okkupierten meinen letzten freien Stuhl
  • sie holten Skatkarten raus und fingen eher schlecht als recht an zu spielen
  • ich schaute meinem Nachbarn in die Karten und holte tief und hörbar Luft, als er im Begriff war, einen kapitalen Bock zu schießen

Fazit: Nach kurzer Zeit baten sie mich mitzuspielen, was ich dann auch gern tat. Es hat richtig Spaß gemacht, obwohl ich sonst nur Doppelkopf spiele.


… ein anständiges Hutfoto aufgenommen (13.06.10)

  • Motzstraßenfest – wunderschönes Wetter – wunderschöne Hüte in allen Farben
  • Clara allein hingegangen – also musste jemand als Fotografin gewonnen werden

Fazit: Auch uneingespielte Teams können gute Arbeit leisten!


23 Kommentare

Ich sehe gern Musik

Clara geht mit kindlichen Augen ins Konzert

Das “ sehe“ ist kein Schreibfehler. Ich meine damit keine Fernsehsendungen wie Musikantenstadl oder ähnliche. Ich meine wirkliche Konzerte, genauer gesagt, Sinfoniekonzerte, möglichst mit großer Besetzung.
Da meine Ohren nicht nur beim Verstehen, sondern auch bei Musik Probleme machen, verlasse ich mich beim Konzertbesuch viel auf meine Augen. Ich beobachtete:
Bevor ich die ganze -isten oder -istinnen-Parade wie Violin-, Bratsch-, Cell-, Bass-, Flöt-, Klarinett-, Horn-, Posaun- und Fagottisten usw. usf. aufzähle, werde ich bei der Geschichte beim Instrument bleiben, denn bei Tubisten, Oboisten und Paukisten  bin ich mir sprachtechnisch nicht so sicher.

Was bietet sich also einer Konzertbesucherin aus dem 1. Rang?
Die Geigen, Bratschen und Celli, gewissermaßen die kleinen Streicher,  sitzen alle kerzengerade auf ihren Stühlen, den Kopf schräg auf ihrem Instrument abgelegt, ihre Körper wiegen sich  im Takt der Musik.

Doch halt, da geigt doch einer gegen den Strich, nicht akustisch, sondern optisch. Ein Linkshänder mit einer Links-Geige, ein äußerst seltener und doch recht kurioser Anblick. Ein ganz klein wenig stört er das gemeinsame nach links oder rechts aller Bögen – aber eben nur ein ganz klein wenig.
Die Besitzer der Bässe hingegen machen mitunter einen schwächelnden Eindruck – sie lehnen sich gegen ihr Instrument, als müssten sie sich von der schweren Schlepperei ausruhen.
Die Holzbläser (Klarinette, Flöte, Fagott mit ihrem König, dem Kontrafagott) haben an ihren Notenständern eine Extraablage befestigt, auf denen liegen viele weiße Blättchen herum, an denen sie immer wieder mal lutschen, es befeuchten, dann gegen das schon nass-gesabberte austauschen – damit sind die Damen und Herren richtig beschäftigt. Zum Glück  hören sie trotzdem auf das, was ihnen der Dirigent auf diskrete Art und Weise zu verstehen gibt.
Um die (Wald)hörner und die Posaunen herum muss das Parkett  besonders wasserfest versiegelt worden sein, denn diese kleinen Ferkelchen spucken offensichtlich zu sehr in ihre Instrumente. Jedenfalls sah ich, wie sie immer mal Teile abschraubten, umdrehten und ausschütteten. Offensichtlich ist das vollkommen normal, denn alle machten es.

Die Trompeten feuchteten auch ein wenig, aber sie blieben ziemlich ruhig (außer akustisch), wechselten keine Mundstücke, keine Teile und kein Instrument.
Den Pauker – hä, ist der  Lehrer? Oder heißt er doch Paukist – bewunderte und bedauerte ich gleichermaßen. Ein richtiger Schlagzeuger ist er nicht, dazu fehlt ihm der ganze andere Kram – er begnügt sich mit drei großen Pauken. Ob sie ihn damit in die U-Bahn lassen? Braucht er extra einen LKW als Dienstauto? Hat er noch Freunde in  seiner Wohnumgebung?
Wenn er sich für die richtigen Schlegel entschieden hatte, haute er mächtig auf die Pauke – ja, ohne Übertreibung. Aber, als ob es ihm gleich unmittelbar darauf wieder leid täte, machte er den Nachklang seines Handelns gleich wieder zunichte, indem er die Hand auf das Fell legte. – Ob der Dirigent das so will? Schade! Der Klang war so schön, besonders von der größten, die er allerdings am meisten geschont hat. Wahrscheinlich war es die teuerste. Die hätte er meinetwegen gern länger nachklingen lassen – vielleichgt hätte das  dann die anderen irritiert.
Doch am meisten hat mir folgendes gefallen. Nach der Pause wurde Mr. Beethoven zu den Akten gelegt und ein neuer Komponist durfte zeigen, dass er ein schönes Stück geschrieben hat. Der Herr Pauker bekam Verstärkung – dachte ich. „Vielleicht wechseln die sich jetzt ab, oder der eine paukt auf den zwei Kleinen herum und der andere bekommt die Große zum bepauken.“
Doch nein, plötzlich steht dieser erwachsene Mann auf und hat dieses winzige Metalldreieck und ein Metallstöckchen in der Hand, eine Triangel. Das finde ich immer zu schön, wenn ein Musiker den halben Abend im Orchester rumsitzen muss, um ca. 6x auf das Triaangelchen schlagen zu dürfen. Ist so ein Musiker nicht wegen Mindereinsatz depressionsgefährdet? Wäre das nichts für ein Musiker-Kind, das sowieso auf seine Mama oder seinen Papa warten muss, bis die fertig sind?

Doch nun, Scherz beiseite – es war ein wunderschönes Konzert. Es war für mich auch deswegen so besonders, weil das Hartz IV-Einkommen in keiner Rubrik Konzertkarten o. ä. berücksichtigt. – Hier war das mal anders. Danke!

Als besonderes Instrument kommt jetzt noch das Klavier,  in diesem Fall natürlich ein Flügel, in die Geschichte spaziert. Zum Glück bin ich nicht in einem Pop-Konzert und der Flügel ist schwarz. Bei einem weißen kommen ja immer gleich Putzgedanken auf, denn die werden doch so schnell schmutzig. Ob sich die Herren Pianisten und Damen Pianistinnen auch immer schön davor die Hände waschen, damit die weißen Tasten nicht nah einiger Zeit aussehen wie ihre kleineren Geschwister?

Schade, dass die den Deckel hochgeklappt haben, denn so glänzend wie das Instrument ist, könnte ich glatt von oben sehen, ob meine Frisur auch sitzt. Schließlich schwebe ich fast über dem Flügel, weil ich mich immer so weit über die Brüstung beuge.

So, und jetzt bekommt der Pian-ist (siehe oben die ganze -istenparade) sein Zeichen. Anfangs wirkt er, als wenn er seine Strecke auf den Tasten vergessen hat. Lange überlegt er, welchen Weg er einschlagen soll und bewegt sich mehr oder weniger auf der Stelle. Dann trennen sich seine Hände – die eine marschiert nach links und die andere nach rechts, ich könnte natürlich auch sagen, die eine will tiefe und die andere Hand hohe Töne spielen und dann  hören. Aber das scheint den Händen nicht zu gefallen. Ganz schnell sind sie wieder beieinander und marschieren vereint in die gleiche Richtung. Erstaunlich, wie schnell der seine Finger bewegen kann – der macht bestimmt jeden Tag Finger-Yoga oder Finger-Gymnastik.

Das lasse ich mir so eine ganze Weile gefallen und lehne mich entspannt zurück. Doch halt, aus einem Augenwinkel heraus sehe ich, dass er sich jetzt verheddert hat. Hat er den falschen Befehl bekommen? Auf jeden Fall spielt er jetzt überkreuz – na, das geht ja mal schon gar nicht. Bis zu welchen Höhen und gleichzeitigen Tiefen will er denn da mit seinen Händen kommen, bevor er sich die Luftzufuhr absperrt?

Das scheint er – Gott sei Dank – zeitig genug mitzubekommen und auf einen deutlichen Wink des Herren mit dem Stock / Stöckchen pfeift er seine rechte Hand zur Raison und beordert sie wieder auf die ihr zustehenden Tasten.

Ganz schön schweißtreibend, solch ein langer Einsatz. Was die einen an Feuchtigkeit in ihren Instrumenten fabrizierten, das perlte auf seiner Stirn. Der etwas größere Junge neben ihm, der seine Noten auf ein leichtes Kopfnickzeichen umblätterte, hätte doch gleich noch als Schweißwischer eingesetzt werden können. – Die sollten mich mal befragen, ich hätte da bestimmt noch ein paar Ideen.

Bei Frau Nachbarin gibt es noch ein Bild dazu.


2 Kommentare

Stimmen

Keine Angst, es ist noch nicht so weit, dass ich Stimmen, die nicht da sind, höre (bei mir ist es ja eher umgekehrt), dass mich Stimmen bis in den Traum hinein verfolgen, dass ich (Wähler-)Stimmen für eine Partei fischen will, dass ich meine Stimme lauthals in einer Anti …-Kampagne erhebe. Kann alles noch kommen.

Nein, ich meine die ganz normalen Stimmen – von Frauen, von Männern, von Kindern – wie sie mich, euch, uns alle täglich umgeben.
Jede Stimme hat ihre eigene Tonlage von ganz piepsig bis zu einem sonoren Basston, in der Lautstärke kann sie von sehr leise bis ganz laut oder sogar schreiend variieren, die Dialekte reichen durch ganz Deutschland – wovon besonders die norddeutschen für meine Ohren einen gefälligeren Klang haben als die südlicheren Sprachweisen – zumindest erscheinen sie mir als die verständlicheren.

Ist es nur mein Fehler, dass ich in vergangener Berufstätigkeitszeit Männer mit sympathischen Stimmen eher in die nähere Auswahl für eine Auftragsvergabe zog? Es gibt Stimmen, die wecken Erinnerungen an die beiden Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht und Erich Honecker – und keiner war von der Stimme her und vom Inhalt seiner Rede her ein Sympathieträger.

Leider geht es mir bis jetzt oder vielleicht gerade jetzt durch meine Hörminderung so, dass ich den Sympathiewert eines Menschen durch seine Stimme nach oben steigen oder nach unten sinken lasse. – Und da kann ich mir noch so sehr etwas anderes vornehmen!!!!!!!!!