Claras Allerleiweltsgedanken


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Was macht Clara, wenn sie sich „langweilt“?

Sie empfängt die Polizei in ihrer Wohnung.

Das fällt mir sehr schwer, diesen Artikel zu schreiben – aber noch schwerer fiele es mir, ihn NICHT zu schreiben, denn ich muss ja alle meine Problemchen bei irgendjemandem loswerden. Ich habe die Story zwar schon zwei Leuten erzählt, aber aller guten Dinge sind eben drei. – Na gut, jetzt erfahren es ein paar mehr Leute, aber frau muss auch zu ihren Dämlichkeiten stehen.

Von diesen falschen-Enkel-Tricks oder gar von der Masche, dass sich Betrüger als falsche Polizisten ausgeben und den Leuten ihr Geld abschwatzen oder abluchsen oder sie sonst wie darum betrügen – das KENNT FRAU ja alles und würde nie-nie-nie-nie-niemals-nicht darauf hereinfallen, denn die Zahl der Enkel ist überschaubar, auch die Reaktionen. Und da ich nicht auf Männersuche bin, kann mir auch kein Heiratsschwindler meine gesparten „Millionen“ abjagen.

Clara denkt – der Betrugsgott lenkt.

Es ist nicht Freitag, der 13., denn dieser Tag hätte mir ja wie immer Glück gebracht, sondern es ist Freitag, der 28. Dezember. Der Tag fängt ganz harmlos an, bis die Uhr der zweiten Nachmittagsstunde entgegen geht.

Das Telefon läutet und eine Berliner Nummer ist dran. Vielleicht sollte ich mir die Vorgehensweise mancher Frauen angewöhnen, die nie gleich und direkt ans Telefon gehen, sondern immer erst die ersten Worte oder Sätze auf dem Anrufbeantworter abwarten. Aber da steht mir meine Wissbegierde im Weg – ich KÖNNTE ja was verpassen.

Wird eine Nummer angezeigt, bin ich gleich schon nur noch halb so misstrauisch. Allerdings habe ich nachträglich bei einem versuchten Rückruf festgestellt, dass diese Nummer gefälscht ist – aber da war schon alles zu spät.

 

Am Telefon ist eine Frau mit osteuropäischem Akzent – vielleicht eine Polin. Es geht um eine Lotterie, bei der ich einen Vertrag abgeschlossen haben soll. Wenn dieser Vertrag nicht noch in diesem Jahr gekündigt wird, dann muss ich im nächsten Jahr pro Monat einen hohen Betrag bezahlen. Natürlich bekomme ich einen Schreck, denn ich hatte schon mal so eine Sache, wo man sich beim Runterladen einer Datei so einen nicht erkenntlichen Vertrag mit geladen hat. Das ging bis zum Inkassobüro. Und wären nicht so viele andere auch betroffen, hätte ich vielleicht sogar gezahlt.

Ich verlangte eine korrekt deutsch sprechende Person, weil ich am Telefon sehr schlecht verstehen kann. Sie kam und machte mir die Sache eindringlich klar, dass es sich um einen Monatsbeitrag von 90,00 € handelt.

Sie verlangte meine Kundennummer, damit sie die Kündigung in die Wege leiten könnte. – Warum ich bei diesem Stuss nicht stutzig wurde, begreife ich im Nachhinein überhaupt nicht.

Da ich mich ja leider auf mein Gedächtnis nur partiell verlassen kann, wusste ich nichts von einem Vertrag und hatte auch keine Kundennummer. Ich konnte mich nur erinnern, dass oft Briefe von einer Lotterie kamen, die ich sofort und ungeöffnet auf dem Weg vom Briefkasten zur Wohnung zerriss.

Und jetzt kommt es: Sie behauptete steif und fest, dass ich einmal einen kleinen Betrag überwiesen hätte. Anhand meiner IBAN könnten sie dann die Kundennummer der Lotterie ermitteln und für mich kündigen. Ich war derartig nervös, aufgeregt und durch den Wind, so dass ich nach langem Zögern die IBAN herausgab, allerdings unvollständig. Ich überlegte, dass man mit einer Kontonummer allein nichts anfangen kann. – Sie zeterten ununterbrochen herum, dass die IBAN unvollständig sei – es fehlten zwei Stellen.

Das Bankinstitut erkannten sie sofort, was für Betrüger auch keine große Leistung sein dürfte. Was ich aber ERSCHRECKEND fand: Innerhalb von ca. 4  Minuten hatten sie durch einen Suchlauf auch die fehlenden zwei Ziffern der IBAN ermittelt. – Soviel nur zum Schutz von Bankdaten.

Und dann ging alles ganz schnell – sie beriefen sich auf den Feierabend am heutigen Freitag und waren weg.

Aber ich war mindestens genau so schnell. Ich rief die 110 an und erzählte mit schrecklich aufgeregter Stimme, was mir gerade passiert sei. Ich sollte sofort eine Anzeige in einem Revier aufgeben. Warum sie dann so nett waren und einen Beamten mit einem vorbereiteten Formular zu mir in die Wohnung schickten, weiß ich nicht. Offensichtlich habe ich ihnen leid getan.

 

Der Beamte beruhigte mich und wollte weder Kaffee noch Tee oder Wasser. Aber eine Tüte mit Süßigkeiten drängelte ich ihm für Kinder, Enkel oder Frau auf, die er freudig entgegen nahm.

Dann versuchte ich, den Kundendienst der IBAN-Bank anzurufen – doch dort wurde immer nur auf großen Andrang und auf den Onlinekontakt verwiesen. Aber dann hatte ich noch eine andere Nummer in petto und erreichte sogar nach knapp 8 Minuten Wartezeit jemand. Die Mitarbeiterin sagte mir, dass man ein Konto nicht sperren könne, nur meine Girokarte. Warum ich das gemacht habe, kann ich auch nicht erklären, doch ich hielt es für besser. Allerdings ist meine Zugehörigkeit zu dieser Bank eh am 31. Dezember beendet.

Sollte etwas abgebucht werden, könnte ich das zurückbuchen. Sie meinte, das könne man nur mit einer fingierten Lastschrift, für die ich kein Mandat erteilt habe, Da aber vom 28.12. bis zum 2.1. keine Geschäftstage sind, erfolgen auch keine Buchungen.

Dann rief ich noch den IMMER erreichbaren Kundendienstmitarbeiter der neuen Bank an. Auch er beruhigte mich mit ähnlichen Argumenten. Eine Kontonummer ist schnell mal irgendwo „erbeutet“ – die dazugehörigen Bankangaben sind schnell ermittelt – aber diese allein reichen nicht aus, um den fetten Reibach zu machen.

Und ich habe am gleichen Abend und gleich am nächsten Tag um 00.05 Uhr die höchstmögliche Summe an meine neue Bank überwiesen, so dass nur noch Peanuts auf dem Konto blieben.

Und dann ging es mir wieder besser!

Kurz vor der Veröffentlichung sage ich, dass offenbar kein Schaden entstanden ist. Das Konto mit der angegebenen IBAN ist seit 7 Tagen geschlossen und das neue behalte ich für mich.

 

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