Claras Allerleiweltsgedanken


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2024 – Kleine rosa Stiefelchen

Ihr denkt es euch, ich denke es mir – die Dominis sollten Recht behalten mit ihren trapsenden, trampelnden Nachtigallen.

Ihr Sohn und Anna waren stark beschäftigt, so dass es manches Mal knapp wurde, sich einmal im Monat zu treffen. Aber an die Silberhochzeit von Johannis und Claudia dachten sie trotz allen Stresses trotzdem. Sie schenkten ihren Eltern mit Felix  gemeinsam ein Wochenende in einem Wellnesshotel. Die Mama war sofort hellauf begeistert, der Papa zog zuerst ein langes Gesicht – aber als er von dort zurückkam, hatte er schon die Buchung für ein nächstes Wochenende in der Tasche, so begeistert war er. Weniger von den Wasseraufenthalten, sondern mehr von den Tennisplätzen. Sein Schlaganfall war ohne Folgen geblieben – und jetzt trieb er mehr Sport, trank weniger Bier, rauchte gar keine Zigarette mehr und fühlte sich rundum wohl.

Doch eines Tages war eine richtige Einladung im Briefkasten. Weiterlesen


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2022 – Über die Schwelle

Durch die Fürsprache einer Kommilitonin war er an eine kleine, ganz schnuckelige Wohnung mit zwei Zimmern zu einem bezahlbaren Preis gekommen – vor allem so gelegen, dass sie beide einen vernünftigen Weg hatten – er zur Uni, Anna in ihr Büro. Sie arbeitete in einem Kunstmuseum als Ausstellungsmanagerin.

Obwohl es keine Hochzeitszeremonie darstellen sollte, hob er seine Anna beim Einzug hoch und trug sie über die Schwelle. Aber genau deswegen, weil es keine Hochzeit war, gab es auch keinen roten Teppich, sondern nur einen gelben.

2203 2023 über die Schwelle

Mutter Domini sagte nur zu ihrem Mann: „Nachtigall, ick hör‘ dir trapsen!“ Worauf er in bewährter Manier antwortete: „Das ist schon eher ein Trampeln, was die Nachtigall macht!“ – und beide lachten, glücklich, dass der Generationenfluss nicht ins Stocken geraten würde.


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Anno 2021 – Offen für die Zukunft

Die Party zum 21. Geburtstag von Anno und Felix war toll, laut und feucht – es floss das Bier in Strömen, dennoch lag keiner unter dem Tisch.

So, jetzt waren beide „Söhne“ nach altem Recht volljährig, also 21 – und so langsam wurde Mutter Domini unruhig. Sie sprach es öfter bei Tisch an, dass sich beide Jungen allmählich ihre Sporen in der Welt außerhalb des Hauses Domini verdienen sollten. Zuerst guckten die beiden ein wenig erstaunt, denn schließlich ist es ziemlich bequem, sich an den gedeckten Tisch zu setzen. Doch dann gaben sie der Mutter Recht und zeigten ein offenes Ohr für ihre Zukunft. Weiterlesen


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Gestern gab es hier Schatten …

und Angst auf Wahlplakaten und Aufklärung und und und

Und heute gibt es hier Sonne – bzw. mehr das, was ich mir gegen Sonne gekauft habe. Zum 1. Sept hatte ich schon mal eine Sonnenclara mit ihrer neuen Brille gezeigt, jetzt will ich mich richtig outen. Und hier habt ihr schon die Brillen gesehen, von denen ich jetzt rede.

Von Frau GZI-notiert bekam ich bei meiner Stippvisite einen Tipp und einen 10,00-Euro-Gutschein für einen Optiker, dessen Markenfarbe orange ist – nicht pink und nicht purple – und ich ging dennoch hin. Da ich kein Werbeblog bin, kann ich zum Namen nur sagen, dass sie sich mit englischen „Augen und mehr“ beschäftigen.

Für 440,00 € werden dem Kunden drei Gleitsichtbrillen in bester Kunststoffglasqualität mit dem notwendigen Pipapo versprochen. Mich hat meine vorhergehende – die randlos ist und zum selbsteinfärben bei Sonne – schon einzeln weitaus mehr gekostet, obwohl ich die Sonderkondition hatte: „Ein Glas geschenkt“. – Aber keine Angst, man bekommt sie nicht nur im Dreierpack – es gibt sie auch einzeln, aber dann für 165,00 für eine Gleitsichtbrille – Einstärkenbrillen kosten nur 95,00 €. Einen Gutschein kann man einreichen, so dass sich der Preis – so man einen hat – um 10,00 € verringert.

Also wagte ich das Abenteuer – und ich muss sagen, es hat geklappt! Die Gestellauswahl ist in einer Weise eingeschränkt: Sie führen keine randlosen Gestelle mehr. In Hamburg bei einer Niederlassung dieser Kette hatte ich sie noch gesehen – aber die sind ihnen wohl zu neutral. Sie setzen auf Farbe und hoffen, dass modebewusste Frauen in jeder ihrer Trendfarbe eine Brille kaufen – oder für jede Lebenssituation eine.

Ihr Werbeslogan:

„Sie haben doch auch mehr als ein Paar Schuhe – warum haben Sie dann nur eine Brille?“

Ich gucke jetzt am Computer scharf und lila, auf der Straße hell, weit und rotrandig und bei Sonne dunkel, kräftig eingetönt und kunststofffassungsgeschützt.
Leider kann ich letztere bei keinem Banküberfall tragen, dann könnte ich nicht unterscheiden, ob mir der Kassierer angstvoll die Bündel mit den 10er oder mit den 100er-Scheinen reicht. Und wenn schon Banküberfall – dann gleich die 500er Scheine – das Risiko muss sich ja lohnen. Außerdem muss ja das Geld für die Brillen wieder eingewirtschaftet werden – obwohl, eine habe ich geschenkt bekommen.

Wenn ich so auf das Datum gucke, sehe ich, dass heute meine erste große Liebe, die ich dem lieben Gott abspenstig gemacht habe, schon 71 Jahre wird. Wie ich ihn so einschätze, sieht er bestimmt noch immer gut aus. Dass er noch immer klug ist, das stelle ich nicht in Zweifel. Ich hoffe, dass er noch immer lebt. – Bei der klugen Suchmaschine habe ich einen Hinweis auf ein Buch über den Erfurter Dom gefunden, das er allerdings schon 1984 geschrieben hat. Ansonsten gab es nur Irrwege bei meiner Suche und nicht angeschlossene Telefonnummern. Schade – wäre doch nach ca. 30 Jahren mal ganz nett, sich zu sehen – scharf zu sehen, mit solchen neuen Brillen.