Claras Allerleiweltsgedanken


Gedichte-Post

Voreilige Grobheit

Ein Mensch, der einen Brief geschrieben,
Ist ohne Antwort drauf geblieben
Und fängt nun, etwa nach vier Wochen,
Vor Wut erheblich an zu kochen.
Er schreibt, obgleich er viel verscherzt,
Noch einen Brief, der sehr beherzt,
Ja, man kann sagen voller Kraft,
Ganz ehrlich: äußerst flegelhaft!
Nun nimmt das Schicksal seinen Lauf.
Denn diesen Brief gibt er auch auf!
Die Post wird pünktlich ihn besorgen –
Doch siehe da, am nächsten Morgen
Ist leider, wider alles Hoffen,
Bei ihm die Antwort eingetroffen,
In der von jenem Herrn zu lesen,
Er sei so lang verreist gewesen,
Nun aber sei er wieder hiesig
Und freue sich daher ganz riesig,
Und er – der Mensch – könnt mit Vergnügen
Nach Wunsch ganz über ihn verfügen.
Der Mensch, der mit dem Brief, dem groben,
Sein Seelenkonto abgehoben,
Nein, noch viel tiefer sich versündigt:
Das Los zum Ziehungstag gekündigt,
Schrieb noch manch groben Brief im Leben –
Doch ohne ihn dann aufzugeben!

Das könnte Eugen Roth für mich geschrieben haben – aber wie sagt man so schön: „Einsicht ist der erste Weg zur Besserung.“


Dazu passt dann gleich noch das folgende Gedicht von Wilhelm Busch :

Die Selbstkritik hat viel für sich

Die Selbstkritik hat viel für sich.
Gesetzt den Fall, ich tadle mich:
So hab ich erstens den Gewinn,
Daß ich so hübsch bescheiden bin;
Zum zweiten denken sich die Leut,
Der Mann  (die Frau) ist lauter Redlichkeit;
Auch schnapp ich drittens diesen Bissen
Vorweg den andern Kritiküssen;
Und viertens hoff ich außerdem
Auf Widerspruch, der mir genehm.
So kommt es denn zuletzt heraus,
Daß ich ein ganz famoses Haus.


Du bist ein Schatz, …

liebe Himmelhoch! – Für diesen Satz – so er ernst gemeint ist – würde ich fast alles tun. Ich weiß nicht, warum ich es so nötig habe, gelobt zu werden. Eigentlich müsste ich doch „erwachsen“ genug sein, „in mir ruhen“ und auf Lob anderer nicht angewiesen sein. – Aber sind wir nicht alle irgendwie erpicht darauf, bei anderen positive Resonanz hervorzurufen? Und wollen diese auch noch hören! Nicht nur Kinder wollen gelobt werden. Freuen wir uns nicht alle darüber, wenn wir mit lieben Worten für irgendetwas „gewürdigt“ werden?

Ich habe heute meine allerkleinste, allersüßeste Wunschenkeltochter in meinem Schlafzimmer auf einer Matratze liegen. Wir hatten 4,5 Stunden Spaß miteinander und seit 19.30 Uhr schlummert sie „selig und süß, schaut im Traum ’s Paradies…“
Damals, als sie erst 10 Monate war, wollte ich sie fast nicht annehmen, weil sie mir zu klein war – und jetzt kann ich mich schon richtig mit ihr unterhalten. Sie ist wirklich ein Geschenk des Himmels.