Claras Allerleiweltsgedanken


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Wodurch wurden Sie zur Alkoholiker*in?

“ … durch Ylenia und Zeynep, auch Eunice genannt!“

Diese Frage wurde mir in einem Bekloppten-Sender-Interviev gestellt, an dem ich gar nicht teilnehmen wollte. Aber die gaben keine Ruhe und da habe ich sie aufgeklärt!

Da ja in geraden Jahren diese schrecklichen Ereignisse wie Stürme, Orkane, Hurrikans, Tornados und sonstiges weibliche Namen bekommen,l könnte man jetzt vermuten, dass mich Frauen in den Alkoholismus getrieben haben – stimmt so nicht direkt, es war einzig und allein das Wetter.

Bisher ist die Trunksucht noch heilbar – denke ich zumindest – aber wenn das Wetter mit solchen Kapriolen fortfährt, sehe ich schwarz mit meinem Grappakonsum.

Am Freitagabend ging es langsam los: das Orkantief Zeynep nahm langsam Fahrt auf. Anfangs war es mir noch möglich, die Geräuschkulisse auszublenden und Fernsehen zu sehen UND zu VERSTEHEN. Doch als ich nach Mitternacht schlafen wollte, war das nicht möglich – dieser blöde „Flatterrand“ von der Markise machte einen Höllenlärm, unterstützt vom Orchester der ächzenden Bäume. Der Regen säuberte ununterbrochen die schon lange sauberen Scheiben und es war einfach nur gruselig.

Da merkte ich, dass ich doch in manchen Situationen zu Angst neige. Ich stellte mir immer wieder vor, was ich machen würde, wenn es die Markise an den Seiten bzw. oben aus den Halterungen reißt und sie beim Sturz meine Fensterscheibe durchstößt. – Diese Horrorvorstellung ließ mich zu einem Grappa-Apfelsaft-Gemisch im Verhältnis 1:1 greifen, so dass ich dann gegen 5:00 Uhr wohl endlich einschlief und das bis gegen 10:00 Uhr durchhielt. – Laut Wettervorhersage sollte das „Drama“ bis gegen 8:00 Uhr anhalten.

Als ich diese Meldung las: „Besonders stark schlug der Sturm im Süden und Südwesten der Stadt zu … In Dahlem wurden mit 108 Stundenkilometern die höchsten Windgeschwindigkeiten in Berlin gemessen.“ – wusste ich, dass meine Angst nicht vollkommen unberechtigt war, denn auch ich wohne dort – weniger im Südwesten, sondern im äußersten Südsüden, falls es das gibt.

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Damit die hier enthaltenen „Informationen“ bei der Veröffentlichung nicht schon total veraltet sind, bringe ich sie mal zu einer vollkommen ungewöhnlichen Zeit in die Öffentlichkeit.


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Ein schrecklich-schöner Donnerstag

Vielleicht sollte ich doch ab und an mal Radio hören. Doch mich stören alle zusätzlichen Geräuschquellen, weil ich dann die notwendigen Alltagsgeräusche nicht höre.

Aber es würde ja auch reichen, auf die Wetterapp zu schauen, was ich (eigentlich) oft genug machen. Die muss am Donnerstag, dem 5. Oktober, Alarm im Quadrat „gebrüllt“ haben. Doch ich stellte sie nicht an und war dementsprechend vollkommen unvorbereitet.

Ich hatte einen Orthopädentermin bei dem neuen Arzt und ich muss sagen, ich fühlte mich „angenommen“. Die Spritze tat ziemlich weh, aber die Hoffnung auf Erfolgt ließ mich leise wimmernd die Prozedur überstehen.

Dann begann der Heimweg, der im Normalfall 45 Minuten dauert, sich dieses Mal aber über Stunden erstrecken sollte. Der Bus brachte mich zur S-Bahn Yorckstraße – und das war es dann erst einmal. Die vorhergehende war noch abgefahren, doch bei uns sagte der Fahrer durch, dass der gesamte S-Bahnverkehr in Berlin wegen Sturmschäden eingestellt ist. Das glaubte ich sofort, denn mich hätte es bei 10 kg weniger vielleicht umgehauen. Ich klammerte mich an einen Mast.

Also wieder zum Bus, der mich zum Glück noch zur U-Bahn fuhr. Fällt in Berlin die S-Bahn aus, dann sind alle anderen Verkehrsmittel rettungslos überfordert. Nur mit Trick kam ich noch in einen Wagen hinein. Die U-Bahn fuhr mich zur Endstation U-Mariendorf.

Endstation – nach 13 Minuten Wartezeit in Wind und Regen kam mein Bus, der mich vor die Haustür fahren sollte. Doch nach 2 Stationen kam die Durchsage von der Zentrale: Bitte stellen Sie Ihre Busse so ab, dass sie ungefährdet stehen, und stellen Sie den Fahrverkehr ein. – Taxis fuhren alle besetzt vorbei. Also ca. 4 km Fußmarsch – ich habe geflucht wie ein Droschkenkutscher, weil mir das rechte Bein im Laufe der Zeit von oben bis unten weh tat.

Aber irgendwann war es geschafft – und es hat sich kein Bus auf der Straße sehen lassen. Ich war so unendlich froh, als ich meine Wohnung erreicht hatte.

Ein Blick auf den Balkon zeigte mir das:

Ich will jetzt weder jammern noch klagen – es gibt so viel schlimmere Sturmschäden, was wir ja erst kürzlich im Fernsehen sehen konnten. Da haben Leute ihre ganze Existenz verloren – ich nur 2 Blumentöpfe, etwas Dreck und eine demolierte Fußbodenfliese. Da kann ich gut mit dem  Tischbein verdecken oder – falls ich mich zu arbeitslos fühle – auch durch eine Ersatzfliese austauschen.

Und dann kam das Schöne des Tages. Ein Paket, ein ziemlich großes Paket, war von Hermes bei meinen Nachbarn abgegeben worden.

Ich holte es und als erstes kam mir ein großer dunkler Sack mit einer Geschenkbandschleife und ein Kärtchen mit Grüßen meiner Tochter und meiner sicherlich stark geschenkbeeinflussenden Enkeltochter unter die Finger.

Dann gab es einen zweiten Karton im ersten Karton. Ich grübelte ernsthaft, was da drin sein könnte. Für den Koffer erschien es mir zu klein, für einen Rucksack zu groß. Ob der Einkaufstrolley zusammengelegt nicht mehr Platz einnimmt, war mir nicht bewusst. Da half nur auspacken. – Tatarata!

Da muss ich also doch noch ein wenig verreisen, denn so ein schicker Koffer möchte ja ausgeführt werden. Oder???? Er sieht wirklich ganz chic aus und passt zur Unterbringung in seinen größeren Bruder hinein.

Danke, danke, danke!