Claras Allerleiweltsgedanken


Glück (Klappe, die zweite)

Wenn der Herr Dr. Eckart von Hirschhausen, kurz jetzt von mir „E.v.Hh“ genannt, so weiter macht, gräbt er noch allen meinen bisher ausprobierten Psychotherapeuten das Wasser ab. Das werden die gar nicht nett finden, wenn die an mir nichts mehr verdienen können. – Ich finde jedenfalls seine Ideen, Vorschläge und Therapieübungen sehr viel sinnvoller als das, was ich bisher gehört habe. Er teilt das Glück in 5 Kategorien auf, in denen man es erleben kann.

Glück der Gemeinschaft: Für mich vielleicht der schwierigste Part, denn es ist das Glück der Liebe, Beziehung zu Freunden und Familie, zu Kindern und zu Herzen – aber das auf Dauer allerwichtigste Glück, das man wie einen Schatz hüten und pflegen sollte.
Glück des Zufalls: Es ist quasi der Groschen auf der Straße, den man sehen und ergreifen soll und sich darüber freuen kann. Lustige Begegnungen zählen eben so dazu wie der Lottogewinn.
Glück des Momentes: Es ist das Sinnliche, das sowohl als Zärtlichkeit, als Massage oder auch als Schokolade oder – wer will – auch als der erste Schluck Bier herüber kommen kann. Aber hier geht Qualität vor Quantität, denn ein Mehr ist nicht unbedingt ein Plus.
Glück der Selbstüberwindung: Mit seinen Worten: „Pinguin schlägt Schweinehund!“ Sich herausfordern und anstrengen – das Rauchen aufgeben, nicht nur für eine Woche, einen Monat, ein Jahr – ein ganzes Leben lang. Aber das habe ich ja nun schon 2004 erledigt – was gebe ich jetzt auf? Oder: „Was fange ich jetzt dauerhaft an?“

Glück der Fülle: Es ist das Glück der Überwältigung im Moment. Das kann einem in der Natur oder wo anders begegnen – auch im Konzertsaal.
Seine „Aufgaben“ werden mir bestimmt manchmal Kopfzerbrechen bereiten. Thema:
„Beste Freunde“. Sein Spruch:

„Gute Freunde erkennt man daran, dass sie immer da sind, wenn sie uns brauchen“ oder „Ein Freund ist einer, der dich mag, obwohl der dich kennt.“

Ich präferiere die zweite Aussage. Auf der Seite „Meine roten Kringel“ soll ich in vier Ovale vier verschiedene Bilder einkleben von Leuten, die mir sehr viel bedeuten – die also quasi meine größten Glücksbringer und Schätze sind. Ich weiß auf Anhieb, wer da nicht eingeklebt wird.

An düsteren Tagen soll ich mir die Seite mit den Antworten auf folgende Fragen direkt vor Augen halten (und was halte ich mir an über-manischen Tagen für eine Seite vor Augen?)

Wunderbarer Ort; Glückliche Erinnerung; Ein Traum; Musik mit Gänsehaut; Überwundene Krisen; Glück in der Kindheit; Lebensmotto; Lieblingsessen; Worauf bin ich stolz?

Offensichtlich haben die Gestalter von Partnerschaftsseiten im Internet bei E.v.Hh. abgeguckt, denn die stellen auch solche schwer zu beantwortenden Fragen. Weiß ich denn selbst, wann ich mich in meinem Element fühle, was mir Freude macht, wann andere mit mir Freude haben, in welchen Bereichen ich schnell lerne oder was ich am liebsten tue.
Doch jetzt gehe ich erst einmal schlafen – vielleicht spreche ich im Traum mit meinem anderen Ich.


Glück (-stagebuch)

Herr Dr. Eckart von HIRSCHHAUSEN empfiehlt in seinem Paket „Glück kommt selten allein“ den Leuten, die mit ihrem Glück(sempfinden) so ihre Schwierigkeiten haben, ein persönliches Glückstagebuch zu führen, an dem man jeden Tag einschreiben soll, welche Momente oder Anlässe oder, oder, oder am Tage dazu geführt haben, das Glücksbarometer auf der Thermometersäule nach oben schnellen zu lassen.

Seine Vorschläge im Negativbereich gehen von -5° C  „Oooch jo …“, „Es muss…“, „Dumm gelaufen…“, „Richtig doof…“, „Will auf den Arm…“, „Will wieder runter …“, „Will nicht mehr…“ bis -35° „Ohne Worte“. –

Natürlich könnte ich  mir auch im Asialaden eine große Packung Glückskekse kaufen, jeden Morgen einen essen und an den Spruch glauben, der dort eingebacken ist.- Es gibt noch eine Möglichkeit: Vor einiger Zeit habe ich bei einem Besuch in einer Galerie ein echtes Hufeisen geschenkt bekommen. Wenn ich das jeden Morgen aus großer Höhe fallen lasse und es mir nicht auf den Fuß fällt – an dem Tag habe ich Glück. Diese Idee gefällt mir aber auch nicht so richtig, denn vorläufig kann ich meinen Fuß noch schnell genug wegziehen

Was hat denn unser Glücksdoktor im Positivbereich so für Kriterien und Beurteilungen anzubieten? Die Skala reicht von „Alles okay“ über „Erheitert“, Fröhlich“, „Lustig“, bei 20° C ist es „Super“, „Verzückt“ bis zu „Völlig enthemmt“ und bei 35° C „Ohne Worte“. –

Wer hält schon 35° im Schatten ständig aus – aber 15 – 20° Außentemperaturen sind ein angenehmes Klima.
Nun zurück zu dem Tagebuch. In den ersten Tagen (21.12.) bis zum 24.12.) ging es mir leicht von der Feder – es fiel mir immer etwas ein, was ich aufschreiben konnte. – Doch dann kamen die sogenannten „Feiertage“ und mein Bleistift blieb ruhig, wollte nichts schreiben, meine Gedanken pendelten eher im „Richtig-doof-Bereich“. Allein und ohne Pflichten kommt frau eben nur auf „richtig-doofe-Gedanken.“ Ich brauche Aufgaben und sinnvolle Beschäftigung, nicht nur Bücher, Spaziergänge, Fernsehen und Computer.

Heute telefonierte ich mit der Mutter meines nächsten Wunschenkelkindes. Wir sprachen über dies und das, über den Fortschritt in ihrer neuen Wohnung im Hartmannsweiler Weg, über ihr Weihnachten und Silvester in Heilbronn und dann über den voraussichtlichen Entbindungstermin. Als sie das Datum nannte, traf es mich wie ein (Glücks-)Blitz aus heiterem Himmel:

13. Juli – HLs Geburtstag.
Jetzt muss mir keiner sagen, dass der Plan- und der Realtermin um Wochen oder sogar Monate voneinander abweichen können – meine Freude kann mir niemand nehmen. Sollte es tatsächlich mit dem 13. funktionieren, wäre es zwar kein Freitag, der 13., aber an einem Dienstag ist man wenigstens noch vom Wochenende her ausgeruht. – Der Umzug in die neue Wohnung – in dieser Straße hat meine Tochter mit Familie vor ihrem Umzug in den Süden gewohnt – wird Ende Januar erfolgen. Ich hoffe, dass es bis dahin noch einiges für mich zu tun geben wird.


Lässt sich der Tod "manipulieren"?

(Damit meine ich keine Art von Freitod, bei dem man ja Zeitpunkt und Art selbst bestimmen kann, sondern den vollkommen natürlichen, durch Krankheit oder Alter bedingten.)
So schmerzlich diese Erfahrung im Leben eines Menschen sein mag: mich hat sie reicher, reifer und erfahrener gemacht. Ich bin dankbar dafür, dass uns Zeit für Abschied und Trauer blieb, da der Krebs drei Monate brauchte, um den „Krebs“ zu besiegen.
HL – mein Wolkensegler – ging dem Tod gefasst entgegen. Seine gesamte Familie wollte ihn im Krankenhaus unterbringen – er bat mich jedoch um meine Pflege zu Haus. Da wir ca. 300 km entfernt voneinander wohnten, nahm ich erst Jahresurlaub, dann ließ ich mich aus psychischen Gründen krankschreiben – aber die Ärztin genehmigte nur 3 Wochen, weil ich nur die Freundin, nicht die Frau war.
Fast jede Minute waren wir beieinander, trennten uns auch nachts nicht. Es war so natürlich wie das Zusammensein am Tage, obwohl es andere Schlafmöglichkeiten gegeben hätte. – Liebt man jedoch einen Menschen so innig, dann bekommt man auch die Kraft, dem Tod zu begegnen.

Unstimmigkeit gab es nur bei einer Frage: „Wo dem Tod begegnen:  in vertrauter Umgebung oder im Krankenhaus?“ HL wollte nicht, dass ich ihn sterben sehe, da er denTod seines Vaters erlebt und nie verarbeitet hatte. Mir erschien es wie die Quadratur des Kreises, da wir – bis auf meine häufigen Zigaretten- und Kaffeepausen – ununterbrochen zusammen waren. Er entschloss sich, lediglich den letzten Schritt im Krankenhaus zu machen, zumal ein Freund dort Stationsarzt und ich mit keinerlei rechtlichen Befugnissen ausgestattet war.

An einem Donnerstag Morgen wussten wir beide, dass der Tag gekommen war. Ich benachrichtigte seine Mutter, seine Kinder und seine Frau, da ich allen die Chance geben wollte, ihn in den/der letzen Stunde/n zu begleiten und zu stärken. Doch keiner von allen kam.

Im Krankenhaus wurde schnell noch die Frage geklärt, ob mein Bett dicht neben das seinige oder im krankenhausüblichen Abstand stehen sollte – natürlich entschieden wir uns für die erste Variante. Der Arzt und Freund verabschiedete sich von ihm, da er bis Montag zu einem Kongress musste.

Und jetzt ging ich für ca. 3 Minuten auf den Flur, um mit dem Arzt über HLs Überlebenschance zu reden. Auch er war sich unsicher, ob der Tod heut, morgen oder erst in drei Tagen kommt.
Doch mein willensstarker Dickkopf hatte durchgesetzt, was er mir seit Wochen angeküdigt hatte. Zwei Schwestern waren mit ihm beschäftigt, um ihn zu betten. Ich kam ins Zimmer, schaute ihn an und schrie auf: „Er ist tot!“

Er war immer der Meinung, dass wir uns im Jenseits wieder sehen und hat sich deswegen auch nicht endgültig von mir verabschiedet.



Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft

Wer immer einen Mühlstein am Hals hängen hat, muss sich nicht wundern, wenn er nicht schnell laufen kann!“

Haben wir nicht alle unser P äckchen zu tragen? Doch wenn uns diese Last hindert, den Kopf zu heben, die Gegenwart zu leben und in die Zukunft zu schauen, muss dieses Paket umgepackt werden nach dem Motto: „Die guten (Erinnerungen) ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen“. Leichter gesagt als getan – besonders zu Depressionen neigende Leute pflegen ihre negativen Erinnerungen – keinesfalls bewusst, sondern einfach aus einer pessimistischen Grundhaltung heraus.

Mein dickster Positiv-Negativ-Brocken ist mein Freund, der jetzt mehr als 13 Jahre tot ist. Manchmal ist es mir, als wäre es vergangenes Jahr gewesen – alles ist noch so gegenwärtig. Sicherlich habe ich nach und nach immer ein anderes Stück „losgelassen“, aber offensichtlich nicht genug. Vielleicht erfolgt durch den Tod auch eine „Verklärung“, die im echten Zusammensein schon längst einer Ernüchterung gewichen wäre.
Dieses Jahr bekam ich ein neues Auto. Als „Abschiedsgeschenk“ wählte ich für das Autokennzeichen seine Initialen. Ich gab 10 mögliche Wunschziffernkombinationen an. Es rührte mich fast zu Tränen, als sein Todesjahr auf dem Nummernschild stand.

Aber es gibt noch so viele kleine Päckchen, die mich am Laufen, Lachen, Leben hindern, doch dazu später einmal mehr.