Claras Allerleiweltsgedanken


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Ich passe – oder 18, 20, 22 weg

Falls sich jemand wundert – dieser Artikel war gestern schon mal kurz online. Ich hatte mit meinem Baulärmkopf vergessen, das Erscheinungsdatum richtig einzustellen.

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Die Bauarbeiten haben gerade ihren Lärmhöhepunkt erreicht. Gefühlsmäßig turnen 10 Bauarbeiter genau vor meinem Fenster herum, jeder mit einer Schlagbohrmaschine in der Hand. Und die haben sie nicht zum Spaß in der Hand, sondern nutzen sie dafür, um irgendwelche Metallgegenstände rund um meine Fenster in die Außenhaut des Hauses zu jagen.

Ohropax in den Ohren ist der einzige Schutz, sonst drehe ich durch. In der Nacht zum Donnerstag hatte ich mit angeklapptem Fensterflügel geschlafen, weil es schon so herrlich warm war. Im Normalfall begann der Bau- und Bohrlärm gegen acht Uhr. Doch an diesem Tag glaubte ich an ein Erdbeben, als 7.30 Uhr die Bohrmaschinen ungebremst ihren Lärm in mein Bett verbreiteten.

Abends komme ich nicht zum Schreiben, weil ich den verschiedenartigsten Vergnügungen fröne.

Also macht es gut bis zu besseren und leiseren Zeiten.

Die Fotos sind nicht topaktuell, aber auf dem Balkon hat sich noch nicht wesentliches verändert. Allerdings ist die unterste Lage der Dämmung angeklebt und zwei Fensterbretter sind auch schon vorbereitet, damit dann das Zink-Abdeckblech montiert werden kann.

Eigentlich muss man sich diese Elendsbilder nicht noch vergrößert ansehen, indem man sie anklickt. Doch wer es unbedingt machen will – ich halte keinen davon ab. Ich muss es ja auch immer in Originalgröße sehen.


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(Fast) Vom Prinzen wachgeküsst …

Tagelang zog ich im Schlafzimmer am Abend die Jalousien nach unten, damit ich früh keine (lustige) Überraschung erlebe, da mein Bett unmittelbar unter dem Fenster steht.

Doch tagelang passierte kaum etwas auf der Baustelle – oder es waren alles Hintergrundarbeiten, die Laie Clara nicht so genau erkennen konnte.

Doch dann …. noch ein paar Absätze Geduld. Ich will euch erst mal zeigen, was so in der Zwischenzeit passiert ist. Am fensterlosen Giebel waren ja die Ethernitplatten an Aluschienen befestigt. Die sollen ja einen gewissen Rückkaufwert haben und wurden deswegen ganz schnell in den verschließbaren Container geworfen. – Jetzt haben sie unten alles mit Folie abgeklebt und beginnen damit, ca. 10 cm dicke Dämmplatten aufzubringen. – Wie diese dann oberflächenversiegelt werden, weiß ich noch nicht.

Die nächste Überraschung für mich waren die grün gestrichenen Balkonwände. An einem hatte sich die Farbe gelöst, doch alle anderen sahen tipptopp aus – doch der Schein trügte. Die Farbe war auf eine Gitterfolie aufgebracht, die jetzt in Fetzen von der Fassade gerissen wurde.

Und dann leistete ich mir wieder einen dicken Bock der Nicht-Beobachtungs-Gabe. Vollkommen aufgeregt alarmierte ich meinen Nachbarn und meinte, dass sie einige Balkons abgerissen haben. Ich spekulierte, ob die Befestigungsplatten locker gewesen sind oder oder oder.

Als er dann mit mir vor der Fassade stand, meinte er lässig: Mehr als drei Balkons gibt es pro Etage mit drei Wohnungen nicht, hier an dieser Stelle waren nie Balkons. – Mist aber auch, er hatte natürlich Recht.

Meine eigene Balkonsicht auf Gerüst und so ist folgende: Wegen eines solchen Schlitzes (zwischen den weißen Pfeilen) musste mein Mann in der Fischerinsel im 16. Stock alles abdecken, sonst wäre ich nicht auf den Balkon gegangen. – Aber das Gerüst ist ja VOR meinem Balkon, da muss ich zum Glück nicht drauf.

Diesen Blick durch den schmalen Spalt zwischen Gerüst und Fassade direkt bis unten finde ich spannend – nur zwei Blumenkästen beeinträchtigen den direkten Weg nach unten.

Das hier dagegen sieht richtig entspannt aus.

Jetzt, wo sie in meiner unmittelbaren Nähe arbeiten, sehe ich, was das für eine Schinderei ist. Am Giebel dicht bei mir (90 °) wollen die obersten Platten einfach nicht ab. Ein junger Mann schindert und schindert und bekommt nur Stücke ab. Und das schlimmste: er arbeitet ohne Mundschutz. Aber ich kann ihm ja kaum mütterlich raten, doch besser die Maske aufzusetzen.

Hoffentlich kommt der Hammer nicht in meine Scheibe, dazu sind 8° Außentemperatur einfach zu kalt, um ein Fenster für lange Zeit auszuhängen.

Wenn die ganze Fassade solche Schwierigkeiten macht, wurde der Umfang der Arbeiten vielleicht falsch eingeschätzt und de Summe wird erhöht. Ich würde mich nicht wundern.

Ein anderer steht hier schon Ewigkeiten und zieht an einem dicken Seil – Sinn und Zweck sind mir unbekannt.

Und dann gibt es mindestens 5 Hammer, die um mich herum auf die Fassade einkloppen. Anheimelnd ist anders.

Und schon bin ich bei der Überschrift mit dem wach küssen und den Prinzen. Ich wurde heute gegen 8.00 Uhr durch Baustellengeräusche wach. Diese hielt ich nicht für etagenspezifisch und schlief einfach weiter. Doch als plötzlich ein Kopf gegen meine Fensterscheibe klopfte, war ich sofort hellwach:

Die meisten Fotos habe ich vom Wohnzimmer aus gemacht – da konnte ich mich hinter meinem dicken Sessel verstecken. Eine Freundin meinte: „Gönn doch den Bengels mal was Schönes und tanz nackig im lila Schal“ – vor 25 Jahren hätte ich eventuell darüber nachgedacht, doch inzwischen habe ich eine andere Auffassung von schön und weniger schön.

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Ich blieb den ganzen Tag zu Haus, um eventuell die Sache mit der 4-m-Markise zu regeln. Plötzlich sprangen 4 Männer auf meinen Balkon. Sofort ging ich raus und fragte, was mit der Markise wird, die fein säuberlich eingepackt war. Keiner, wirklich kein einziger sprach oder verstand ein Wort deutsch. Jetzt wundert mich der billige Preis nicht – der Bauunternehmer arbeitet nur mit rumänischen Schadstoffentsorgern. Irgendwie habe ich ein komisches Gefühl in der Magengrube. Dieses habe ich ein wenig mit 3 Tassen Kaffee für die Arbeiter zu beruhigen versucht. Keiner kann dafür, in welchem Teil der Welt er geboren wird.


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Allein beim Zusehen wird mir flau in der Magengrube

Ich überlege, was die Leser jetzt denken könnten, was ich damit meine.

Viele in meiner Umgebung bedauern mich und all die anderen, die davon betroffen sind – ich habe den Spieß umgedreht und eine Erfahrung daraus gemacht, die ich sicher so schnell nicht wieder machen werde.

Der dritte April fing für mich folgendermaßen an. 9.00 Uhr, Telefonklingeln, mein Nachbar an der Strippe: „Clara, zieh dir was an, die Bauarbeiter sind bald vor deinem Schlafzimmerfenster!!!“ Vollkommen verschlafen tapste ich auf den Balkon und stellte fest, dass ich noch mindestens 4 Etagen Zeit habe. Da ich aber nun schon mal wach war, stürzte ich mich in die Fotosession.

Ja genau, ich meine die Fassadensanierung. Bevor die Arbeiten anfangen können, muss das Gerüst gebaut werden. Und darauf beziehe ich die Überschrift. Das ist ein Beruf, den ich nie und nimmer ausüben könnte, nicht nur wegen der Armkraft und der vielen, vielen Stufen, die sie täglich steigen müssen – nein hauptsächlich wegen der Schwindelfreiheit. Ich dachte, ich hätte meine Höhenkrankheit überwunden, aber wenn ich hier die Männer beim Aufbauen erlebe, wie sie auf schwankenden Brettern OHNE Sicherheitsplanken oder Rohre stehen und arbeiten, da kribbelt es doch gewaltig in der Magengrube. Vor einer Minute (am 3.4. früh geschrieben) rief ich einem der Gerüstbauer zu „Wenn ich ihnen zusehe, dann wird mir schlecht!“ – und deswegen habe ich das Fenster schnell wieder geschlossen. – Da waren sie noch zwei Etagen unter mir – doch dieser Zustand war am Nachmittag beendet – da war auch meine, die oberste Etage, eingerüstet.

Das ist der Giebel vom Nachbarhaus, der nur aus diesen asbestverseuchten Platten besteht.

Mit einem grünen Kleckerlätzchen davor sieht es doch noch viel „schöner“ aus. Der Container schluckt den Abfall. Das hier ist unser Nachbarhaus.

Hoffentlich hält sich jeder Nichtsnutz daran, wenn er diesem Schild begegnet. Denn sonst könnte ich plötzlich des nachts unwillkommenen Besuch bekommen.

Unsere schönen Rasenflächen werden leiden – da haben danach unsere wunderbaren Hausmeister wieder viel Gärtnerarbeit zu leisten.

Als ich diese Arbeiter so ohne Absperrung auf den Brettern stehen sah, fiel mir ein, wie sich bei mir ausgewirkt hat, dass ich höhenkrank und nicht schwindelfrei war.

So sieht es aus, wenn das Material für das Gerüst per Menschenkette weitergegeben wird. Das geht sehr viel schneller als mit dem Aufzug, der in den oberen Etagen eingesetzt wird. Man braucht nicht so viele Arbeitskräfte dafür.

Die „Burschen“ werden von jemandem ganz schön angetrieben, vielleicht ist es der Chef oder  der Eigentümer der Firma. An diesem Fototag fingen sie um 7.00 Uhr an  und 18.30 turnte noch immer einer vor meinem Fenster und konnte mir auf den Computerbildschirm sehen. Ob es die gleichen waren, die früh angefangen haben, weiß ich allerdings nicht. – Diese Treppenläufe sind bestimmt sehr schwer – so sahen die Männer jedenfalls aus.

Um diese Platten geht es, die müssen ab. – Wenn ich die Gerüstbauer so schindern sehe, haben sie einen ganz schön harten Job. Von denen muss keiner ins Fitnessstudio.

Während die einen noch Gerüst aufbauen, fangen schon die anderen in ihren Ganzkörperkondomen an, die Platten abzureißen. Irgendwie braucht man als Mieter da ganz schön Vertrauen, dass die alles richtig machen.

Und so sieht es aus, wenn sie bei mir oben angekommen sind – aber noch nicht ganz, es geht noch höher. Und das konnte ich dann hautnah erleben.

Der Gerüstmensch hatte gerade so die oberste Etage des Gerüsts fertig, da fingen schon die ersten drei Kondommenschen an, die Platten abzureißen. MannMannMann, das ist richtig laut. Aber wenn dann alles fertig ist, sieht es bestimmt schnuckelig aus.

So, und nun stellt euch vor, ihr geht ins Wohnzimmer, es ist schon ziemlich dunkel und Tagesschauzeit. Und plötzlich läuft ein Kopf an eurem Balkon lang —- gewöhnungsbedürftig.Doch als er dann noch das Gerüst in der Hauswand verankerte – dafür einen ca. 30 cm langen Bohrer in der Wand versenkte, da sind mir bald die Ohren abgefallen.

Vielleicht muss ich heute Nacht wirklich die Jalousien im Schlafzimmer nutzen.

 

 


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Unser Haus wird eingepackt …

und wir müssen den Balkon umpacken!

Sicher gibt es Schlimmeres – ich bin gespannt, wie lange ich die Sonne auf dem Balkon nicht genießen kann und wie lange ich – außer in der Küche und im Bad – durch blaue Schutzfolie auf die Umwelt gucken muss.

Die Wärmedämmung entspricht nicht mehr den neuesten Anforderungen, deswegen muss zusätzlich isoliert werden. Außerdem sind auf den Giebelwänden und an den Fassaden noch die gesundheitsschädlichen Eternitplatten, die man mit Asbest gleichsetzen kann. Diese werden auch entfernt.

Für mich und für alle Mieter in den betroffenen Wohnungen bedeutet das, dass die Balkons total leer geräumt werden müssen. Die Blumenkästen müssen weg, weil die Zinkbleche erneuert werden. Bilder, Möbel, Kästen und anderes – kein Problem, fast alles schon weg. Nur der Fußbodenbelag aus den Kunststofffliesen, der macht mir ein wenig Kummer. Ich will nicht wieder Platte für Platte verbinden, sondern den Fußboden in vier großen Stücken entfernen – ich hoffe, das wird was. – Auf dem Balkon hatte ich ein leuchtendes Blütenbäumchen – das kann ich jetzt in meinem Wohnzimmer erstrahlen lassen.

Für Kitsch, Plastik und Plunder habe ich noch aus der alten Wohnung grüne Kunststoffgefäße, die nicht unbedingt immer mit echten Pflanzen bepflanzt sein müssen. Jetzt ist ein Fensterbrett damit gefüllt. – Meine Schmetterlinge müssen ja auf etwas landen können.