Claras Allerleiweltsgedanken


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Das war knapp

Ich stehe an der Bushaltestelle. Zwischen mir und dem einfahrenden Bus ist ein Fahrradweg. Da ich ja die Rücksichtslosigkeit der Berliner Zweiradnutzer kenne, gucke ich sicherheitshalber noch einmal nach links und will dann den Schritt auf den Bus hin lenken.

In diesem Moment kommen zwei Halbwüchsige aus der falschen Richtung (von rechts) in einem Affenzahn angebrettert. Und ich bilde mir ein, die haben sich umgedreht und rotzfrech gegrinst.

Und das eventuelle Unglück hat der Schutzengel nicht zugelassen. Wenn Clara schon (fast) ohne Ohren ist, dann sollte sie nicht noch ohne Nase sein.

DANKE!

Aber ob ich mir nicht langsam einen jüngeren Mann Schutzengel suchen muss? Der sieht so in die Jahre gekommen aus und hat vor allem so kleine Flügel 🙂


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Aller guten Dinge sind drei …

und da wird mehr als einer denken: „Könnten ruhig mehr sein.“

Doch ich will jetzt das Gegenteil beschreiben: „Aller schlechten Dinge sind drei!“ und da schreit hoffentlich keiner, das es ruhig ein bisschen mehr sein kann.

Aus gegebenem Anlass habe ich mal so überlegt, wenn ich mit oder auf einem fahrbaren Untersatz mal in wirklicher Gefahr war. Dass ich aus allen glimpflich davon gekommen bin, ist klar, sonst hättet ihr mich nicht kennen gelernt.

Ganz eifrige LangzeitblogleserInnen mit gutem Gedächtnis werden Erinnerungsspuren auftauchen sehen, denn von beiden Situationen habe ich schon mal berichtet.

Aller schlechten Dinge Nr. 1

Meine Mutter hatte es eingeführt, dass ich für die Zensuren auf einem Zeugnis richtig gut Geld bekam. Das Abizeugnis fiel nicht schlecht aus, ein wenig hatte ich gespart – also kaufte ich mir gleich nach der Führerscheinprüfung einen Motorroller – eine tschechische Cezeta.

Ab 1956 wurden in Uhersky Brod die Typen Cezeta 501 und das Nachfolgemodell 502 bis 1964 hergestellt. Diese Fahrzeuge waren mit einem 175 ccm Einzylinder Zweitakt Jawa /CZ Motor ausgestattet.
Quelle: http://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=160734

Meine Mutter starb tausend Tode und ich kutschierte munter in der Gegend umher. Er war zwar etwas sperrig zum Lenken (weiter unten bei dem angegebenen Link sind auch Fotos – genau so blau und weiß war meiner auch, wahrscheinlich gab es nur diese eine Farbe und jetzt finde ich ihn tophässlich), aber was ist das gegen das unbeschreibliche Gefühl, frei von A nach B fahren zu können, ohne auf einen Bus zu warten.

Und so war ich eines Tages wieder unterwegs. Plötzlich sah ich einen riesigen LKW in MEINER Spur entgegenkommen und der kam immer, immer näher. Zu dem Zeitpunkt hatte ich wohl schon realisiert, dass es mich auf einer Ölspur auf die Gegenfahrbahn gerollt hatte. Dann hörte ich ein fürchterliches Quietschen – zum Glück war es nicht mein Motorroller unter den großen LKW-Reifen, sondern die Bremsen des LKWs. Der Fahrer wollte gerade zu einer Schimpftirade ansetzen – da sah er mein Gesicht, schob den Motorroller an den Straßenrand und nahm mich in den Arm. Ich weiß nicht mehr, ob er jung oder alt, hübsch oder weniger hübsch war – ich weiß nur, dass ich wie ein Schlosshund heulte und immer wieder was von einer Ölspur gestammelt habe.

Kurze Zeit später wechselte der Motorroller den Besitzer.

Aller schlechten Dinge Nr. 2

Anfang der 70er Jahre hatten wir ein Auto – anfangs gegen meinen heftigen Widerstand. Meine Erinnerung an den Fast-Crash mit dem LKW war noch zu frisch. Der Ehemann hatte keinen Führerschein, denn auch darauf musste man – wie auf fast alles, was Spaß macht – jahrelang warten. Also hatte ich immer Pflicht und Kür des Autofahrens.

Kurz vor der Fischerinsel, unserem damaligen Wohnsitz, gibt es (auch heute noch) einen Autotunnel, deren Fahrbahnen in der Mitte durch eine Mauer abgegrenzt waren.

Ich fuhr auf der linken Fahrbahn in den Tunnel hinein, der Ehemann auf dem Beifahrersitz. Ich sehe, dass mir Scheinwerfer entgegen kommen. Doch wie bei Morgenstern

„Dass nicht sein kann was nicht sein darf“

glaube ich, dass diese Lichter jeden Moment verschwinden werden, nämlich dann, wenn sie von der Trennmauer geschluckt werden.

Plötzlich macht der Ehemann etwas, was er noch nie in seinem (Beifahrer-)leben getan hat. Ganz langsam und ganz bedächtig beugt er sich zu mir herüber, greift dabei das Lenkrad und zieht es zu sich herüber, so dass ich nach rechts fahre. Ich bin so perplex, dass ich nicht protestiere.

Kaum vollkommen auf der rechten Fahrbahn angekommen, zischen drei Autos mit auswärtigen Kennzeichen an uns vorüber.

Alle drei hatten verpasst, die richtige Fahrbahn bei der Tunneleinfahrt zu wählen.

Na gut, und aller schlechten Dinge Nr. 3 konntet ihr ja hier  und hier lesen. Ich musste jetzt einer Fee ohne Tricks und doppelten Boden versprechen, mit solchen Sachen aufzuhören.

Versprochen!!!!


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Geständnis

Geheiratet haben wir am Ostermontag. Diese Geschichte passierte an einem Pfingstmontag. Ihr seht, Gutes und weniger Gutes ist an den Montagsfeiertagen oft dicht beieinander.

Jetzt, da ich annehmen darf, höchstens für die drittschlechteste Mutter Berlins gehalten zu werden, will ich die alptraumverursachende

Theres-Clemens-Gänsehaut-Geschichte

dokumentieren.

Es begab sich an einem Abend Mitte der 70er Jahre, dass die Bewohner einer 6. Etage – insbesondere die weiblichen – auf der schon erwähnten Fischerinsel in helle Aufregung gerieten.

Das genaue Alter der Protagonisten will ich verschweigen, um nicht eine nachträgliche Klage wegen Verletzung der Aufsichtspflicht zu riskieren. Andererseits: Die Sache ist nach 35 Jahren verjährt.

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Eines Abends folgten wir der Einladung zu einer Geburtstagsfeier, die mit Tanz auf einem Schiff veranstaltet werden sollte. Die Kinder freuten sich darüber, allein bleiben zu dürfen, denn da wurde der Beginn der Nachtruhe nicht so streng elterlich reglementiert. Der „seelische Reifegrad“ der Kinder, zumindest der des älteren, schien diese Entscheidung zu rechtfertigen.

Getroffene Vorsichtsmaßnahmen:

  • Streichhölzer zugriffssicher verwahrt
  • Gasherd gegen Elektroherd getauscht (Maßnahme, die der Vermieter für alle Hausbewohner ungefragt erledigte)
  • Fenster mit einem nach unserer Meinung sicheren Verschlussmechanismus versehen

Für alle anderen, plötzlich auftretenden Imponderabilien (ist das nicht ein Traumwort, diese Unwägbarkeiten des Lebens?) war die Nachbarin instruiert. Die Wohnung blieb unverschlossen, so dass die Kinder jederzeit auf den Flur konnten, wo noch 11 andere Familien wohnten.

Der heutzutage übliche Babysittermodus war total unbekannt und wurde von niemandem, großes Ehrenwort, von niemandem, den wir mit Kindern kannten, angewendet. Das Ängstlichkeitslevel der Mütter / Eltern war weitaus niedriger als heute.

Jetzt kann ich nur berichten, was sich abgespielt haben könnte, denn das Stückwerk, was ich im Nachhinein von Nachbarn und Kindern erfuhr, hat nie ein komplettes Puzzle ergeben.

Kinderzimmerdialog

„Theres, guck doch mal, ich kann ganz doll alles sehen, was da unten los ist“, ruft Clemens seiner großen Schwester zu.
„Das dürfen wir aber nicht, komm sofort  wieder runter, Clemens“, versucht die schon sehr vernüftige Theres ihren Bruder vom Schreibtisch zu locken, der so verführerisch unterm Fenster steht, dass man von dort einen fantastischen Überblick über das Geschehen auf Parkplatz und Straße hat. Clemens ist jedoch nicht bereit, seinen so selten genehmigten Ausguck widerspruchslos aufzugeben. Durch sein intensives Schwärmen schafft er es , seine Schwester ebenfalls auf den Tisch zu locken. Im alten Testament ist die Verführung weiblich, im neuen Hochhausleben dagegen männlich.

Was sehen Kinder normaler Weise, wenn sie vor den hohen Fensterbrüstungen stehen: Himmel, Wolken, Äste, Dächer!

Und jetzt: Autos, Motorräder, Menschen, Leben!

Als Theres ebenfalls Aussichtsposten bezogen hatte, freut sie sich und im kindlichen Übermut lösen sie die angeblich sichere Fenstersperre, öffnen das Fenster und spielen: „Zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh …“ Offensichtlich haben sie dabei jedesmal ihre Beine zum Fenster rausgestreckt, damit auch wirklich jedermann ihre Schuhe begutachten kann.

Plötzlich meint Theres: „Guck mal, da drüben winkt uns jemand!“ (das: „ganz aufgeregt“ setze ich jetzt einfach mal in Gedanken hinzu). Freundlich winken beide Kinder zurück.

Auf einmal stellt Clemens fest, dass es jetzt richtig spannend wird. Mit Blaulicht und großem Tatü… fahren zwei große Feuerwehrwagen vor das Haus. Ursprünglich war er ja schon bereit, seinen Fensterplatz gegen seine Spielecke zu tauschen, weil es langsam langweilig geworden war – doch die beiden Feuerwehrautos versprachen neue Spannung.

Ich darf es mir jetzt nicht ausmalen, was so ein kleiner Kerl anstellen muss, um aus einem Fenster senkrecht nach unten gucken zu können – denn dort spielte ja jetzt die Musik.

Er sieht, wie mehrere Feuerwehrleue hektisch aus dem Auto springen. Einige rennen ins Haus hinein, andere breiten ein großes, dunkles Tuch aus, dass alle festhalten. Wäre ihm der Begriff „Trampolin“ schon bekannt gewesen, hätte er es womöglich ausprobieren wollen.

Spätestens jetzt haben die beiden diensthabenden Schutzengel wahrscheinlich ganz schnell Verstärkung angefordert, denn beide Kinder sahen gespannt, wohl doch ein wenig unruhig, den Männern entgegen, die plötzlich in der Wohnung standen. Es hatte kurz und  heftig an der Wohnungstür geknallt – ein Knall, wie ihn eben so ein abgesprengter Türzylinder von sich gibt – und da waren sie, die Feuerwehrleute, die hektisch in das Haus hineingerannt und sechs Treppen nach oben gestürmt waren. Im Hintergrund sind in der geöffneten Wohnungstür viele der Nachbarsleute zu erkennen. Ich vermute mal einfach so, dass einige Frauen feuchte Augen haben.

Wo sind denn eure Eltern?„, fragte einer. Wahrheitsgemäß, wie das Kind erzogen wurde, antwortet es: „Die sind tanzen.“

Ja aber, warum ist denn das Fenster offen?“, muss wohl einer recht fassungslos gefragt haben. Und auch da konnte ihn Theres „beruhigen“: „Das lassen unsere Eltern immer offen, damit wir frische Luft bekommen!“ Nur erzählte sie nicht, dass dieses Fenster im Normalfall mit einer Sicherung verschlossen war. (Den Mechanismus der Kippfenster wie heute gab es im Osten nicht.) – Also auf jeden Fall: Erstickt wären sie nicht!

Die Feuerwehr will die Kinder in Obhut nehmen, doch eine Nachbarin verhindert das und packt sie zu ihren beiden Kindern dazu.

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Als Clara und Hannes nach Haus kommen, das aufgebrochene Schloss und den Zettel der Feuerwehr vorfinden, sind die Alpträume der nächsten Wochen vorprogrammiert.

Die aufmerksamen, winkenden Nachbarn von Gegenüber, die den Feuerwehreinsatz initiiert hatten, wurden mit Blumen und Sekt „überschüttet“.


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"Was Hänschen nicht lernt, …

„…  lernt Hans nimmermehr“!?!?!

Diesen wohlbekannten Spruch kann man beliebig auf alle Namen anwenden – also ersetze man in Gedanken „Hans“ gegen „Clara“ und „Clärchen“.
Der Unterschied ist nur der: Clara glaubt es eben nicht, hat es noch nie geglaubt und wird es vielleicht auch nie glauben wollen, was manchmal auch nicht so schlecht ist. Auch in fortgeschritteneren Jahren kann frau noch Neues lernen, meint sie!!! Aber vielleicht doch eher geistiges? Weniger sportliches?

Musste es unbedingt der Umgang mit Skatern, also Rollerblades sein, also diesen eleganten Dingern mit den vier hintereinanderliegenden Rollen?? Clara, überleg doch mal, wie gefährlich das sein kann!!!!!!!!!

Clara will sich nicht hinter den Werbetricks der Kaufmärkte und hinter Sonderangeboten verstecken – nein, wirklich nicht. Bei ihren Trainingsfahrten mit dem wunderschönen, wunderschnellen und wunderpinkigen Rennrad ließ sie sich von den Skatern beeindrucken, die mit einer Leichtigkeit und vor allem mit einer Lautlosigkeit den Kronprinzessinnenweg dahinglitten. Ihr Herz jubilierte – und da sie im Herzen wie ein Kind ist, kam der Gedanke: „Ich auch!“

Auf gerader Strecke lief alles recht gut, die Fortbewegung auf Schlittschuhen war ja schließlich immer mal wieder geprobt worden, um nicht ganz verlernt zu werden.

Die Dinger im Gepäck, fuhr sie mit ihrem schnellen, kleinen „Maxx“ zu ihrer Freundin in den hohen Norden. Viele der ländlichen Straßen wurden in den letzten Jahren mit einer fabelhaften Asphaltdecke überzogen und rufen – wie der Flämingrundweg –  förmlich nach trainierten Skaterinnen. Clara wollte nicht so recht, da sie sich weder zu den „trainierten“ noch richtig zu den „Skaterinnen“ gehörig fühlte – aber Freundin redete wie mit Engelszungen. Allerdings redete Freundin auch etwas, was Clara nicht hörte / nicht hören wollte / überhören wollte. Freundins Haus liegt an einem leichten Abhang, unten verläuft eine Straße. Clara wollte erst unten in die „berollten Schuhe“ steigen, Freundin versprach Bremshilfe beim bergabfahren und beide stiegen sofort in die Schuhe.
Clara ging schon mal vors Haus.
Freundin wurde durch einen Anruf abgehalten.
Clara wurde übermütig und dachte „Da komme ich auch allein runter!“

Brems!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Kreisch!!!!!!!!!!!!!!
Schrei!!!!!!!!!!!!!!!

Rundkurs fiel aus, besorgte Freundin zog Clara die Schuhe aus, holte Auto aus der Garage, lagerte Clara auf den Rücksitzen, auf der rechten Seite liegend ……….
Bereitschaftsdienst, O-Ton: „Da sieht man ja fast den Knochen! Gut, dass sie keine lange Hose anhatten, sonst wären auch noch Stofffasern in der Wunde. usw. usf. Und der Schutzengel hat wohl verhütet, dass unten ein Auto gekommen ist! Mehr konnte er bei soviel Blödheit wirklich nicht verhindern.

An eine Heimfahrt war längere Zeit nicht zu denken, da Clara nicht sitzen konnte. Später mit Schmerzmitteldröhnung ca. 200 km zur Verwandtschaft gefahren. Ehemalige OP-Schwesternerfahrung in Anspruch genommen. Und da ich jetzt gerade hier bin, fiel mir diese Zeit und dieses Ereignis ein.

Jetzt: Weder Narbe noch Rollerblades sind bei mir mehr zu sehen. Also doch lernfährig!


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Eltern mit kleinen Kindern …

erleben weitaus intensiveren Urlaub als Ehepaare ohne Kinder!

Die Familie hat einen der ganz seltenen FDGB-Urlaubsplätze erwischt. „Ganz selten“ deswegen, weil er wirklich an der Ostsee war, nicht am Bodden, nicht in einem so vollkommen unbedeutenden Ort wie Hintertupfingen. Sommer, Sand, Sonne, Wasser – alles schön, alles gut, bis zum ersten Zwischenfall.

Söhnchen, ca.2 Jahre jung, sitzt auf dem Töpfchen, vom  Kinderkrippchen gut konditioniert. Heimattopf ist immer und überall im Gepäck. Plötzlich klägliches Weinen, das in jammervolles Gebrüll übergeht. Aus Lust oder aus Langeweile hatte Knäbelein an seinem Gliedelein gespielt. Meistens ging das trotz der leichten  Phimose gut – doch dieses Mal hatte es, das Knäbelein, wohl übertrieben. Ein laut schreiendes Kind mit einer immer stärker anschwellenden und sich dunkelrot verfärbenden Glans kann eine jungenunerfahrene Mutter zur Verzweiflung bringen. – Zum Glück hatte auch ein medizinisch gebildeter Mensch einen Platz in diesem Ferienheim bekommen und der brachte die Sache mit einem Handgriff wieder in Ordnung und das Kind zur Ruhe.

Ruhe bis zum nächsten Zwischenfall.

Zur allgemeinen Kinderbelustigung diente dem bereits erwähnten Knäbelein und dem zwei Jahre älteren Mägdelein folgendes Spielzeug: Ein leichter,  runder Plastikpropeller sitzt auf einer Achse und kann mittels einer schnell zu ziehenden Schnur zum Fliegen gebracht werden. Theres durfte öfter ziehen, da schon weitaus geschickter bei der Handhabung. Brüderchen staunte und sah dem schwirrenden Propeller nach. Plötzlich ein leichtes „Klick“ und ein lautes Gebrüll, dann ein ganz klein wenig Blut in Clemens‘ Gesicht. In dem Moment sahen wir einen aufgeregten Schutzengel mit den Flügel flattern und sich entschuldigen, dass er nicht alles hatte verhindern können. Der leichte Plastikpropeller war gegen einen Lampenschirm geflogen, hatte einen Splitter rausgebrochen, der das untere Augenlid  traf. – In diesem Fall bekamen wir sogar die Sondergenehmigung, das Armeesperrgebiet Prora zu durchfahren, um schnell zum Augenarzt zu kommen. – Zum Glück war das eigentliche Auge unverletzt geblieben und das Tragen der schwarzen Augenklappe sah er als Steigerung seines Piratenimages an.

Und last but not least hat diese schwarze Klappe am Strand gute Dienste geleistet,  denn es gab natürlich noch einen dritten Zwischenfall.  Als er nämlich irgendwann am Strand abhanden gekommen war, ließ der Bademeister nur einen blonden Zweijährigen mit Augenklappe ausrufen und ganz schnell konnten wir unseren Ausreißer wieder in den Arm nehmen. Da habe ich erfahren, dass Kinder immer entgegen der Sonne abhauen, weil sie nicht geblendet werden wollen.

Wer will da mit langweiligen Sonnenliegenurlauben tauschen?

Diese Bilder sollen der Beweis sein, dass Ostern auch mit ungeputzten Fenstern durchaus gute Miene zum wolkigen Spiel machen kann!

 

Der erste lange Balkonaufenthalt


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Dem Missbrauch knapp entkommen

Der gestrige Film in der ARD und das anschließende Gespräch mit der Mutter des getöteten Jungen bei Beckmann hat mich zu diesem Post veranlasst. Wir alle können als Mütter, Großmütter, Tanten, Lehrer oder sonst irgendwie mit Kindern in Berührung Kommende nicht aufmerksam genug sein, um Kinder vor jeglicher Form von Missbrauch oder Misshandlung zu bewahren – denn die Kinderseelen sind zart.

Clara ist sieben oder acht  Jahre alt. Auf dem Heimweg kommt ihr ein Mann mit Stock entgegen,  stark gehbehindert. „Hallo Kleine, könntest du mal bitte so nett sein und diesen Brief für mich bei Familie X. im dritten Stock abgeben. Mir fällt das Treppensteigen  so schwer. Ich hatte einen Autounfall.“
Keine von allen Warnlampen ging in Claras Gehirn an. Er bot ihr ja keine Bonbons, nichts Süßes  – er brauchte einfach nur Hilfe.

Mühsam entzifferte sie alle Klingelschilder in der dritten Etage. Doch den Namen, der auf dem Umschlag steht, findet sie nicht. – Plötzlich hört sie jemand schnell die Treppen hochkommen. Kein Stock hinderte mehr die schnelle Fortbewegung – alle Unfallfolgen sind „wie durch ein Wunder“  geheilt.

Und da streckt sich auch schon ein Arm durch das Treppengeländer, umfasst ihr Bein. Es ist Sommer, der Rock ist kurz – und die Hand kommt immer höher.

Bis heute kann Clara beim besten Willen nicht erklären, wie sie der diensthabende Schutzengel heil und „unberührt“ nach unten gebracht hat.

Erzählt hat sie es zu Hause nicht. Für das „Warum“ gibt es viele Gründe.

Hat jemand Erfahrung mit der von Heilpraktikern angewendeten Methode der „Kinesiologie(?)“  –  über Muskelspannungsprüfungen (Arm angebeugt halten gegen Zug und dabei entsprechende Fragen stellen) – So soll man im Unterbewusstsein verschüttete Sachen prüfen können – u. a. auch früh erlebten Missbrauch oder ähnliches. – Ein HNO-Arzt hat diese Methode auch mal angewendet. – Die Ergebnisse beim Heilpraktiker haben mich nicht überzeugt.


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Donnas Schreibrojekt – März 2010

Schrecksekunden

Ein Lächeln, zart wie die ersten Sonnenstrahlen des herannahenden Frühjahres, wagte sich langsam an die Oberfläche auf Claras Gesicht . In den Augen standen jedoch noch  eher Tränen als Lachreflexe. Sie hielt ihren Sohn Clemens, der gerade mal vor einem halben Jahr die Schultüte ausgepackt hatte, ganz fest in den Armen. Er schmiegte sich eng an seine Mama und tröstete sie immer und immer wieder: „Mama, mir ist doch nichts passiert. Bitte hör doch auf zu weinen, bitte.“ Dabei hätte doch eher Clemens Grund zum Weinen haben müssen, denn der Lütte hatte vor drei Minuten seine erste Tracht Prügel im Leben bekommen.

Im Mimiktheater des Gesichts seiner Mutter wechselten sich  „Tränen“ und der ganz vorsichtig hervorlugende „Sonnenstrahl“  miteinander ab. Doch sie war nicht die einzige im Raum, bei der die Gefühle wie ein Expressfahrstuhl zwischen „himmelhoch jauchzend“ und „zu Tode betrübt“ hin und her rasten. Alle hatten eine Ahnung davon, welcher Gefahr Clemens soeben entronnen war. Im wahrsten Sinne des Wortes hätte es einen Augenblick später zu spät sein können.

Als Clara sich ein wenig beruhigt hatte, schilderte sie den anderen im Zimmer, was sie in den letzten Minuten erlebt hatte. Die Runde war größer als die sonst übliche Familie, denn Claras Bruder mit Frau waren vor einer Stunde angekommen. Die Kinder hatten sich auf Onkel und Tante schon sehr gefreut, denn meist erfüllte sich dabei ein „West-Wunsch“, zumal jetzt auch noch Ostern vor der Tür stand.

Zur Feier des Tages bekam Clemens die Erlaubnis, allein und  frühzeitiger aus dem Hort  zu kommen.

Als die Zeit ran war, wurde Clara langsam unruhig, denn Clemens hätte schon längst zu Haus sein müssen. Er war im Rahmen eines 6 1/2jährigen zuverlässig und die Neugierde hätte ihn pünktlich nach Haus locken müssen. Er wollte doch als erster den Mercedes vom Onkel mit seinen Luchsaugen aus der 6. Etage entdecken.
„Hannes, weißt du, wo Clemens stecken könnte?“, wendete sie sich beunruhigt an ihren Mann, der aber ganz mit Kellnerpflichten beschäftigt war. Die Dortmunder freuten sich schon während der ganzen Autofahrt auf das gute Berliner Bier.
Als sie keine Antwort bekam, nahm sie kurzerhand den Wohnungsschlüssel und ging Clemens entgegen. Kaum war sie auf dem langen Etagenflur des Hochhauses, wollte ihr schier das Herz stehen bleiben. Am Ende des Flures befand sich ein Balkon, den die Architekten aus Feuerschutzgründen geplant hatten.
Dort sah sie Clemens. Da der kleine Kerl zu klein war, um bequem über die Brüstung gucken zu können, hatte er sich hochgedrückt und hing mit den Beinen frei in der Luft, mit den Armen heftig seinen Klassenkumpels winkend. Wie in einem „Unfallverhütungsbuch“ ratterten die Anweisungen in Claras Kopf: „Nicht erschrecken, nicht anrufen, um Gottes Willen nicht schimpfen, nur leise anschleichen!“ Sie musste also leise und unauffällig ca. 20 m bis zum Balkon zurücklegen. Ihr Herz klopfte schon fast außerhalb des Halses, die Angst, dass er vor ihren Augen … Nein, so durfte sie nicht denken.
Mit einem Satz war Clara bei ihm, riss ihn förmlich von der Balkonbrüstung runter, bis sie ihn sicher in den Armen hatte.
Auf dem Gang zur Wohnung gingen Clara die Nerven durch. Heulend, schimpfend und und und verdrosch sie ihn, drückte und küsste ihn immer wieder – und machte sich in diesem Moment überhaupt keine Gedanken über pädagogische Ratgeberbücher. Clemens hatte wohl im Nachhinein den Ernst der Lage begriffen. Er heulte nicht, er jammerte nicht – nein, er tröstete mit seinen knapp 7 Jahren „mannhaft“ seine Mutter. Sicher war er froh, als sie bei den anderen in Wohnung waren, denn da konzentrierte sich die Aufmerksamkeit nicht nur auf ihn. Er schummelte sich ganz schnell auf Tante Marlens Schoß und fragte nach seinem Ostergeschenk.
Die Antwort ging in dem allgemeinen Trubel unter, denn die wärmenden Sonnenstrahlen lockte alle zu einem vorösterlichen Spaziergang an das Ufer der Spree.

Mit diesem 100. Post  bedanke ich mich bei dem aufmerksamen Schutzengel, der an dem in der Geschichte beschriebenen Tag über Berlin-Mitte  Dienst hatte. Ihm oder ihr ist es zu verdanken, dass dieses lachende Schultütenkind jetzt als gestandenen Mann manchmal immer noch leichtsinnig und unvorsichtig durch das Leben lebt, fährt, düst.

Liebe Donna, bitte entschuldige, dass ich die Geschichte 11 Stunden vor der Zeit veröffentlicht habe, aber ich bin von 6.00 – 22.00 Uhr außer Haus. Aber vor allem danke an dich dafür, dass du uns alle so gut managst.