Claras Allerleiweltsgedanken


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Ein paar Sätze (Familien-)Geschichte

Noch immer bin ich in Marienfelde. Die Wohnungsbaugesellschaft hat das Wohngebiet in „Mariengrün“ umbenannt – und der Name ist nicht nur Schall und Rauch. Kunst – wie diese drei Kugeln, die auch im Fotoblog zu sehen sind – und begrünte Flächen sind geschaffen worden. Bei den Kugeln ist so etwas wie eine kleine Bühne aufgebaut.

1102 Marienfelde Hochhaus Balkonausblick 91

Auf dieser Bühne sind Fotowände von Bewohnern dieses Kiezes. Ich hatte den Eindruck, sie meinten es mit ihrer Freude ehrlich.

1102 Marienfelde Hochhaus Bilderwand 92

Als ich meinen „Nachbarschaftshunger“ gestillt hatte, setzte ich mich in den Bus – und stieg genau dort um, wo meine Mutter 5 Jahre im Seniorenheim gelebt hat. Sie war nämlich die erste Marienfelderin in unserer Familie, nicht ich. Der kleinere blau-gelbe Bau ist das Heim, übrigens auch ein Plattenbau.

1102 Hildburghauser Altenheim 93

Irgendwie hatte ich noch keine Lust, nach Hause zu fahren. Ich wusste, dass das Notaufnahmelager Marienfelde ganz in der Nähe ist. Fast alle aus der DDR geflohenen Bürger kamen in dieses Lager, um untersucht, befragt und weitergeleitet zu werden. Fotografieren war nicht gestattet, doch schon bei Fb hatte ich meine Gedanken darüber ausgedrückt. Ich schrieb:

Gestern habe ich mir die Gedenkstätte „Aufnahmelager Marienfelde“ angesehen. Da kamen alle aus der DDR in den Westen geflohenen Menschen hin.
Das Aufnahme- und Überprüfungsprocedere war sicher auch nicht das reine Zuckerschlecken, auch die Unterbringung zu sechst in einem Zimmer – aber gegen das, was die jetzigen Flüchtlinge erleben müssen, war das reines „Zuckerschlecken.“
Ich komme selbst aus der DDR und kenne auch unendlich viele, die vor der Grenzöffnung gegangen sind. Bei den wenigsten spielten politische Verfolgung eine Rolle – bei fast allen waren es wirtschaftliche Gründe – sie wollten im reicheren Land selber reich werden.
Bei den Asylbewerbern, die jetzt überall um Aufnahme bitten, sind die sogenannten „Wirtschaftsflüchtlinge“ die allerkleinste Gruppe – die meisten wollen ihr nacktes Leben retten.

 


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Kindermund unverstellt

Anna ist ja inzwischen fast kein Kind mehr – zumindest sind die meisten ihrer Äußerungen wohldurchdacht.

Anders ist das bei H., einer springlebendigen Fast-Sechsjährigen mit piepsender Stimme und sprudelndem Verstand. Wir sitzen beim Abendbrot und sprechen über meinen Geburtstag, weil ich von ihr (und ihrer Mama natürlich) süße Hasenschläppchen bekommen habe. Ich erzähle ihr so, dass ich mich vor dem nächsten Geburtstag ein wenig fürchte. Nachdem sie ganz schnell gezählt hat, dass nach der 69 die 70 kommt, folgt prompt die Frage

Clara, jetzt bin ich gespannt, mit wie viel Jahren du ins Heim kommst?

Ich musste ob dieser ehrlichen, unbekümmerten Frage so lachen, dass ich mich fast am frischen Bäckerbrot verschluckt hätte. Ihr seht, manchmal kann das schneller gehen, als man gedacht hat. Und dann habe ich nur noch geantwortet: „Ich auch!“  – Stolz erhobenen Hauptes schlappe ich dann mit DIESEN SCHUHEN in mein Zimmer in der Seniorenresidenz.

1409 Schläppchencollage