Claras Allerleiweltsgedanken


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Out of topic – Klassentreffen

Ich dachte, ich hätte alles längst vergessen, vergeben, verarbeitet – doch seitdem die Einladung hier an der Pinnwand hängt, kamen alle Erinnerungen zurück.

Um dieses Mädchen zu dieser Zeit handelt es sich

Ich sehe mich – schon im Gymnasium und schon nach Mauerbau –  in Gedanken vor diesem „Tribunal“ stehen, in dem u. a. V. E. und W. G.  über mich richten sollen. Sie gehören einem Gremium an, dass moralisches, besonders aber politisches Fehlverhalten von Mitschülern be- und verurteilt.
Von mir wird verlangt, Farbe zu bekennen – und diese Farbe konnte nur rot und sozialistisch sein – ich dagegen weigere mich und lasse mich eher aus der FDJ streichen = rausschmeißen und riskiere einen Rauswurf aus der Schule. Und diese beiden dunkelroten Socken sitzen da und versauen höhnisch Lebenswege, Zukunft, Pläne, indem man die sogenannte  „Kaderakte“ mit unschönen Schmutzflecken versah.

Niemals wäre ich so unklug zu behaupten, dass die beiden später Mitarbeiter der Staatssicherheit geworden sind. Ich weiß auch nicht, ob man schon unter 18 Jahren IM = Inoffizieller Mitarbeiter sein konnte. Auf jeden Fall weiß ist, dass die beiden freiwillig und unbedenklich Informationen weiter gegeben haben, die nicht in die Ohren der Stasi gehörten.

Sie, meine ehemals beste Freundin, scheut sich nicht, Interna zu denunzieren, die in jugendlichen Nächten diskutiert wurden. Vielleicht hätte sie es geschafft, mich von ihrem Weg der Lebensgestaltung zu überzeugen, wenn … ja wenn sie mir nicht als erstes eine sehr, sehr gute Freundin ausgespannt hätte und dann zweitens nicht das oben zitierte Tribunal angeführt hätte.

Vielleicht habe ich mich ja geirrt???  – dachte ich bis zum Klassentreffen vor ein paar Jahren. Ich brachte es nicht übers Herz, zu V.E.  zu gehen und sie gut, böse, ironisch, wütend oder überhaupt irgendwie zu begrüßen, mein Hals war zu – also ignorierte ich sie. Doch sie, die inzwischen eine Wende von der dunkelroten und atheistischen Socke zur frommen Kirchenperson hinter sich hat, begrüßte alle außer mich. Ich sah das als ein indirektes Schuldeingeständnis, kann mich aber auch irren. – Dieses Mal werde ich ihr meine Blogvisitenkarte in die Hand drücken und mit  freundlichstem Lächeln sagen: Ich habe dir heute einen Post gewidmet. (Das ist Vorsatz, ob ich es fertigbringe, kann ich erst nach dem WE sagen) Für ihn habe ich natürlich gleiches vor. – Irgendwann muss ich ja mal meine Vergangenheit bewältigen.

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Im Januar 2010, als ich anfing zu bloggen, habe ich mich viel mit meiner DDR-Vergangenheit beschäftigt. Wer Lust hat, kann hier die Beurteilung lesen, die in meiner Kaderakte ruhte – und mir wurde klar, warum ich keinen Studienplatz bekam:
/abiturbeurteilung-aus-der-ddr/

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Diesen Post hatte ich schon fertig, bevor sich hier in Bloggershausen wieder einmal die Wogen überschlugen. Doch jetzt ziehe ich meine Erkenntnis daraus:

„Eine große Entwicklung zum Positiven haben wir in den letzten 50 Jahren nicht unbedingt durchgemacht“.


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Clara bekommt Telefon (1985)

Bei einer Scheidung in der DDR ging es nicht nur darum, die persönlichen Erinnerungen aufzuteilen nach dem Motto, wer bekommt welche Fotoalben, Schallplatten oder Bücher. „Bücher“, „Schallplatten“ – das hört sich für Leute, die nicht in einer solchen (teilweise bewusst herbeigeführten) Mangelwirtschaft groß geworden sind, so an, als wenn man sie doch einfach bei Amazon oder im Laden nachkaufen könnte. – Mit Nichten (auch nicht mit Neffen) – dafür musste man Beziehungen haben, damit man diese Bückware bekam, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Fleck stundenlang in der Schlange stehen. Na ja, vorbei, dafür hatten wir damals immer das nötige Geld für die wenigen guten, aber preiswerten Bücher.

Also wurden diese Exemplare, an denen von beiden Seiten Herzblut hing, ausgelost – bei uns zumindest.
Doch dann ging es ja auch noch darum, die größeren Sachen zu teilen wie Wohnung, Garten oder Auto. Bei der Wohnung hilft das Gericht, bei den anderen die finanzielle Situation

Doch wer hilft bei der Teilung der Telefonnummer? Es brächte ja nichts, wenn jeder 4 Ziffern der Nummer bekommt!

Die Wartezeit auf einen neuen Telefonanschluss lag in manchen Gegenden der DDR im zweistelligen Jahresbereich, wenn der Antrag nicht durch ärztliche Atteste, betriebliche Dringlichkeitsbescheinigungen oder sonstige erlogene Schreiben unterstützt werden konnte.

Aus dem „Kampf“ um die Telefonnummer ist Clara als Verliererin hervorgegangen.

Da war guter Rat teuer, wo doch das Telefon den Stellenwert für sie hatte, wie es heute vielleicht das Internet haben mag – schlichtweg Möglichkeit zur Kommunikation.Die familiären Telefonrechnungen wurden immer nur von ihr in die Höhe getrieben.

Nicht, dass jetzt jemand den Ratschlag erteilt, als Interimslösung auf ein Handy auszuweichen!

Keiner soll sagen, es gab in der DDR kein Handy – nur jeder kann sagen, die Hand- und Hosentaschen für dieses Handy waren zu klein.

Anträge schreiben ist  wohl typisch deutsch, nicht nur typisch DDR-deutsch, denn es heißt:

Von der Wiege bis zur Bahre – Formulare, Formulare!

Kaum in die neue Wohnung gezogen, war der Telefonantrag auch schon abgegeben. In Berlin hatte sich der Markt etwas entspannt – die Wartezeiten lagen bei ca. 3 Jahren, abhängig von der Wohngegend.

Üblich waren sogenannte Doppelanschlüsse, bei denen gleichzeitig immer nur ein Partner telefonieren konnte. Kaum jemand kannte seinen Partner – wahrscheinlich sollte Lynchjustiz vermieden werden bei solchen Leuten wie Clara, die stundenlang die Leitung blockierte.

Es gab folgenden Trick: Wenn besetzt, Hörer daneben legen, und dann war es wie bei den heutigen Bandansagen:

Die nächste freie Leitung ist für Sie reserviert!

Das Ende der Wartezeit ist schneller erreicht als gedacht, die Techniker der Deutschen Post kommen zur Montage in die Wohnung. Verwunderlich ist die ausgesprochene Unfreundlichkeit der Männer, trotz Kaffee. Unbedarft, wie Clara des öfteren ist, fragt sie nach dem Grund der Unfreundlichkeit. Sie erfährt, dass sie für eine Stasimitarbeiterin gehalten wird, da sie einen der begehrten Einzelanschlüsse verlegt bekam.

Wahrer Grund für den Einzelanschluss:

Doppelanschlüsse konnten nur im gleichen Haus verlegt werden, und Clara war offensichtlich der 23., 25. oder 27. Teilnehmer in diesem Haus.

Mein eventueller Partner hat sich viel Wartezeit erspart!

Und hier gibts zum heutigen Datum noch ein Bild.


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Familie Breitmaulgrinsfrosch

Historisches in Mauretanien

Vor vielen, vielen Jahren lebte in einem kleinen Land eine glückliche Froschfamilie. Viele Jahrzehnte davor gab es diese Familie noch nicht, weil da alle noch in des Herrgotts großem Froschteich als Kaulquappen umherschwammen, ja, es gab noch nicht einmal das Froschland.

Als Gott dann beschloss, die Familie „Breitmaulgrinsfrosch“ ins Leben zu entlassen, organisierte er erst mal, dass sich Herr Breit und Frau Maul in ihrem gut geschützten kleinen Land in einer seiner Hauptorganisationen kennen und froschlieben lernten.

Diese beiden waren mit ihren Namen doch sehr gestraft. Herr Breit hüpfte am Anfang hin und wieder,  später häufiger auf die Bahnhofsfroschwaage, da er im Bereich seiner Froschschenkelchen immer breiter zu werden drohte. – Auf dem Foto sehen wir ihn, als er mal mit einem Wiegeergebnis der Waage nicht zufrieden war und deswegen fast vor Unglück zum Alkohol gegriffen hätte:

Frau Maul dagegen hätte sich über ihren Namen gar nicht beklagen dürfen, denn bei ihr konnte man wirklich sagen: „Nomen est omen!“. Bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit riss sie ihr Froschmaul auf, quakte mit anderen um die Wette oder verteidigte andere Froschleute, die gar nicht darum gebeten hatten. Deswegen hat sie sich in dieser geschützten Froschrepublik des öfteren ihr quakendes Maul verbrannt. Besonders unangenehm fiel sie dadurch auf, dass sie nicht wie alle anderen Frösche „quak“ quakte, sondern immer „quok“. Sie hielt es nur für eine Marotte, andere witterten darin schon Widerstand.

Politische Gegebenheiten

Dieses Land war so schön und so sicher für alle Frösche, weil eine große, hohe Mauer drum herum gebaut war, damit kein Frosch auf die gefährliche Straße hüpfen und dort womöglich von schnellen Audis  oder dicken Mercedessen überfahren werden konnte. Die einheimischen Vierräder, die manche für „Autos“ hielten und die man deswegen wahrscheinlich so schlecht zu kaufen bekam, waren nach astronomischen Sonnenumkreisern benannt oder trugen den Namen einer prächtigen Burg im Froschland. Frau Maul hatte immer so bei sich gedacht: „Lasst dem Luther was des Luthers ist und beleidigt sein Domizil nicht mit einem schnöden Autonamen.“

Diese Fahrzeuge waren so langsam, aber vor allem auch so laut und so stinkig, dass sich jeder Frosch zeitig genug vor ihnen in Sicherheit bringen konnte. Das war doch also sehr im Sinne der Frösche gedacht – zumindest derer, die auf der Straße hüpften. Die Frösche, die gerade drin saßen, hätten es schon gern etwas schneller gehabt.

Ansonsten ging auf dieser grünen Wiese mit den vielen schönen, allerdings sehr oft auch mittelschwer chemieverdreckten Teichen und Flüssen alles recht deutsch und manches manchmal auch demokratisch zu:

Deswegen nannte man dieses Land: DDM, also Deutsches Demokratisches Mauretanien.

Die Hochzeit

Da Herr Breit und vor allem Frau Maul mit ihrem Familiennamen nie so sonderlich glücklich waren, wie oben schon ein wenig näher erläutert, änderten sie diesen in einer feierlichen Zeremonie in Ehepaar Breitmaul – wie Sie sehen, fing damals diese Unsitte der Doppelnamen schon an, die später solche Blüten trieb wie Eleonore Maushäuser-Rattenfänger, aber darüber will sich Frau Kommentatorin nicht länger auslassen, weil sie sonst ihr Thema verfehlt oder sehr elegant um- um… schifft? Umfroscht? Umlabert!!!!!

Es dauerte gar nicht lange, da wurde das Treiben der Frösche im Teich – in diesem speziellen Fall natürlich nur das des Paares Breitmaul – belohnt.

Froschtöchterchen ist da

Das frischgelaichte Töchterchen bekam zur demokratischen Ergänzung des Familiennamens den Vornamen Frosch, so dass wir jetzt mit den Breitmaulfroschs mitfiebern können, wie es weitergeht. Als Tochter Frosch in der Seekathedrale getauft wurde, sang ein Chor himmlischer Meerjungfrauen, begleitet von einem Orchester saitenbeherrschender Karpfenteichbewohner. – Man konnte sich nicht einigen, ob dieses süße Kind mehr dem Vater oder mehr der Mutter ähnele.

Fröschlein wollte noch ein Geschwisterchen haben, weil es selbst nämlich immer ein wenig ängstlich war und sich nichts so richtig traute. Den Ausspruch: „Sei doch kein Frosch“ hasste das Kind aus tiefster Froschkinderseele und er kam ihm schon zu den Kiemen raus, so oft hörte es ihn.

Froschsöhnchen ist angekommen

Fromme Froschkinderträume gehen in Erfüllung und bald schwamm im kleinen Familienteich, der allerdings nicht größer war als eine mit Wasser gefüllte Badewanne, der kleine Froschprinz. In dieses eigene Reich waren sie gezogen, als der kleine Froschprinz den Leib seiner Mama so stark ausbeulte, dass diese nur noch mit Mühe in die umliegenden Naherholungsgebiete hüpfen konnte, denn so einen fahrbaren Umweltstinker hatten sie noch nicht. Also wurde die Badewanne gekauft,

Löwenzahn für Mutter Maul

mit Wasser befüllt, mit Seerosen verschönert und in den Vorgarten wurden Löwenzahn und Löwenmäulchen gepflanzt, beides auf Wunsch von Mutter Maul, da sie eine Löwin von edelster Rasse ist.

Seerosen für Papa Breit

Da er von Anfang an so ein fröhliches Kind war, nannten ihn seine Eltern kurz und bündig „Grins“, weil sie die Erweiterung des Namens zu

Familie Breitmaulgrinsfrosch

so schön und passend fanden. So einen wunderbaren Familiennamen hatte niemand in dem wohlbehüteten Mauretanien. Zumindest niemand, den man im Telefonbuch finden konnte. Und in die Akten der großen Horch- und Guck-Kraniche wollten sie nicht Einsicht nehmen.

Die Froschtaufe politisierend

Zur Taufe von Prinz Grins scheuten die Eltern weder Mühen noch Kosten. Schließlich sollte dieser kleine Frosch den Familiennamen weitertragen und vielleicht sogar mal über die Mauern des Landes bekannt machen. Die Eltern waren nämlich sogenannte Freidenker-Frösche, denen es in dem großen Gemeinschaftsteich und auf der Gemeinschaftswiese manchmal etwas eng und zu fröschig war – sie wollten mehr Freiheit. Quok! Quok! Deswegen arbeiteten sie ja auch beide beim Sender „Freies Denken in Berlin“ = FDB, der quasi das Gegenstück vom „Onkel Tobias vom Rias“ war. Dieser Sender hat nichts mit einer ähnlich lautenden Partei zu tun, bei der man den letzten Buchstaben weniger sächsisch aussprechen muss, dann ist er blaugelb, damit haben grüne Frösche nichts im Sinn.

Die gute Fee ist auch dabei

DieDie Eltern bestellten eine gute Fee, Die gute Feedie bei ihrer Ankunft gemächlich ihrem transportablen Wunderbaum entstieg wie Phönicia aus der Asche.  Es ist verständlich, dass sie bei der allgemein herrschenden Materialknappheit diesen  Baum für alle ihre Auftritte in- und außerhalb von Mauretanien ständig bei sich haben wollte.  (KünstlerInnen durften auch außerhalb Mauretaniens auftreten). Undenkbar für sie, einfach nur so effektlos zu erscheinen.

Der Feen Wunderbaum

Ihr Gefolge bestand aus  lauter kleinen Elflein, schwarze und weiße, die auch mal

Elfe Schwarz

wieder eine Froschtaufe erleben wollten. Es hatte sich herumgesprochen, dass diesmal ein besonders spaßiger Frosch – nämlich ein schwarz-goldener, getauft werden sollte. Die aufmüpfigen Eltern hatten das Rot einfach aus der Farbkombination gestrichen.

Die gute Fee brachte ein Zukunftsfoto für den kleinen Prinz Grins mit – Ein Bild, wie er als erwachsener Frosch aussehen wird. Alle waren hellauf begeistert:

Alle bewunderten, wie gut er sich seiner Umgebung anpassen wird

Die Fee vom festen Land, die Frösche vom kalten Wasser – etwas schwierig war das Zusammenkommen schon, sie konnten nur kurz miteinander kommunizieren.

Elfe Weiß

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Und das waren die Gäste bei der Froschtaufe.  Sie alle sangen dreistimmig den Kanon: „Heut ist ein Fest bei den Fröschen am See …“

Die Voraussagen der Fee

Die Fee sprach von 4 Losen, die sie für die Familie mitgebracht hat. Vater, Mutter und Töchterchen zogen je ein Röllchen. Mutter Maul durfte zur Belohnung, weil sie gerade Prinz Grins gelaicht hatte, auch noch das Los für den Wickelfrosch ziehen.

Auf Mutter Mauls Los  stand: „Du wirst dein Leben lang regenbogenbunt sein und durch deine schillernden Geschichten die Frösche deines Blogs fesseln. – Sie war zufrieden mit dieser Voraussage der Fee.

Töchterchen Frosch, die viel zeitiger als die Menschenkinder lesen, schreiben und vor allem rechnen konnte (ein Froschleben ist ja auch um viele Jahre kürzer) las von ihrem Loszettel vor. „Glückselig“. Sie fragte mit großen Froschaugen ihre Eltern: „Ist das immer der Zustand, in dem ich mich befinde, wenn ich eine ganz, ganz schwierige Rechenaufgabe rausbekommen habe?“ – Obwohl ihre Eltern dieses Glückseligkeitsgefühl nicht im Zusammenhang mit Mathematik kannten, stimmten sie zu, denn ihr Fröschlein hüpfte tatsächlich immer von zwei seiner vier Beine auf die anderen zwei, wenn es eine vertrackte Lösung gefunden hatte. – Die Fee war mit der Auslegung zufrieden und versprach noch viele, viele dieser glückseligmachenden Momente in des Töchterleins Leben.

Vater Breit wollte mit seinem Los nicht so recht rausrücken, da er es nicht verstand. Also löste Mutter Maul die Banderole von dem Losröllchen – mit ihren tollpatschigen Schwimmhautpfoten keine so einfache Aufgabe – und lachte schallend los. Auf dem Zettelchen für ihren Sohn stand: „Schlampig“ – teilweise entschuldigte sie sich für ihr unverschämtes Lachen bei ihrem Söhnchen, andererseits wusste sie nun gleich, was sie in den nächsten Jahren zu erwarten hatte: „Faule Fische im Schulranzen, weil er sie wieder vergessen hatte auszuräumen; die ganze Badewanne (=Wohnung) blockiert von seinem Spielzeug, da er nichts wegräumen wollte und und und.“ – Die Fee bestätigte diese Voraussichten, teilte aber gleichzeitig mit, dass chaotische Kinder von einer riesengroßen Kreativität geplagt oder damit belohnt werden, so dass sie Fähigkeiten haben, die weit über ihre Altersgrenzen hinausgehen. Sie prophezeite ihm, dass er ein großer Näher vor dem Herrn werden wird, der immer weiß, wie er seinen Geldbeutel füllen und vor allem wieder leeren kann.

Mutter Maul  wollte sich den Tauftag nun nicht verderben lassen und war vor allem auf die letzte Voraussage für Vater Breit gespannt. Dort stand schlicht und ergreifend „Tunnel“.

Er konnte so garnichts mit dem Wort anfangen und schaute erwartungsvoll die Fee an. Und diese sprach: „Du wirst mit deiner ganzen Sippe durch einen langen, dunklen Tunnel hüpfen müssen, um in eine größere, mit Wasser gefüllte Badewanne umziehen zu können – doch diese Freude wird nicht lange anhalten!

Das war allen zu mysteriös, obwohl sich viele Jahre später herausstellen sollte, dass die Fee die Zukunft bessser als aus jeder Kugel vorausgesagt hatte. – Alle wandten sich wieder dem feuchten Wasserfest zu.

Das verpatzte Familienfoto

Am Ende musste die gute Fee nochmals kurz die Luft anhalten und zu den Breitmaulgrinsfroschs in die nasse, kalte Wohnung hinabsteigen, denn mit der nagelneuen Unterwasserkamera sollten schließlich noch ein paar Aufnahmen für das Familienalbum gemacht werden. Aus Personenschutzgründen wollte kein Frosch hier abgebildet werden, also können nur ein paar Wohnungsfotos gezeigt werden.

Alle waren mit dem Fest zufrieden, die Fee rauschte mit ihrem Gefolge wieder hinauf in ihren Wunderbaum, die mit Wasser gefüllte Badewanne sah etwas verwüstet aus – und wenn sie nicht gestorben sind, dann quaken sie noch heute.

Ob das aber immer noch in ihrem Naturschutzgebiet, das man auch als Frosch-Reservat bezeichnen könnte, passiert, ist der Erzählerin nicht bekannt. Vielleicht gab es auch eine Vertreibung aus dem „Paradies“ und sie quaken jetzt in der gefährlichen, freien Welt, wo die bösen Drogen locken, die schnellen Autos und, und, und ….

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Diese Geschichte gab es zur Belohnung für die fleißigen Kommentarschreiberinnen Eva Felicity (regenbogenbunt),   Martha (Eine mit Wasser gefüllte Badewanne) Sunny (Tunnel), Rosenruthie (glückselig) , Anna-Lena (Wunderbaum), Freidenkerin (schlampig)Andrea (Orchester) und Sabina farben-reich (Unterwasserkamera). Ich hoffe, dass allen „Wortlieferantinnen“ mein Geschichtengeschenk gefällt. Dieser kleine Gruß ist für Sunny


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Familie Breitmaulgrinsfrosch (1)

Vor vielen, vielen Jahren lebte in einem kleinen Land eine glückliche Froschfamilie. …

Alles weitere dieser Geschichte findet Ihr einen Post darüber, da gibt es die gesamte Geschichte!

Vor vielen, vielen Jahren lebte in einem kleinen Land eine glückliche Froschfamilie. Viele Jahrzehnte davor gab es diese Familie noch nicht, weil da alle noch in des Herrgotts großem Froschteich als Kaulquappen umherschwammen, es gab noch nicht einmal das Land. Als Gott dann beschloss, die Familie „Breitmaulgrinsfrosch“ ins Leben zu entlassen, organisierte er erst mal, dass sich Herr Breit und Frau Maul in ihrem gut geschützten kleinen Land in einer seiner Hauptorganisationen kennen und froschlieben lernten.

Diese beiden waren mit ihren Namen doch sehr gestraft. Herr Breit hüpfte am Anfang hin und wieder, später häufiger auf die Bahnhofsfroschwaage, da er im Bereich seiner Froschschenkelchen immer breiter zu werden drohte. – Frau Maul dagegen hätte sich über ihren Namen gar nicht beklagen dürfen, denn bei ihr konnte man wirklich sagen: „Nomen est omen!“. Bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit riss sie ihr Froschmaul auf, quakte mit anderen um die Wette oder verteidigte andere Froschleute, die gar nicht darum gebeten hatten. Deswegen hat sie sich in dieser geschützten Froschrepublik des öfteren ihr quakendes Maul verbrannt.

Dieses Land war so schön und so sicher für alle Frösche, weil eine große, hohe Mauer drum herum gebaut war, damit kein Frosch auf die gefährliche Straße hüpfen und dort womöglich von schnellen Porsches oder dicken Mercedessen überfahren werden konnte. Die einheimischen Vierräder, die manche für „Autos“ hielten, waren nach astronomischen Sonnenumkreisern oder prächtigen Burgen des Landes benannt. Frau Maul hatte immer so bei sich gedacht: „Lasst dem Luther was des Luthers ist und beleidigt sein Domizil nicht mit einem schnöden Autonamen.“ Diese Fahrzeuge waren so langsam, aber vor allem auch so laut und so stinkig, dass sich jeder Frosch zeitig genug vor ihnen in Sicherheit bringen konnte. Das war doch also sehr im Sinne der Frösche gedacht – zumindest derer, die auf der Straße hüpften. Die gerade drin saßen, hätten es schon gern etwas schneller gehabt.

Ansonsten ging auf dieser grünen Wiese mit den vielen schönen, allerdings sehr oft auch mittelschwer chemieverdreckten Teichen und Flüssen alles recht deutsch und manches manchmal auch recht demokratisch zu:

Deswegen nannte man dieses Land: DDM, also Deutsches Demokratisches Mauretanien.

Da Herr Breit und vor allem Frau Maul mit ihrem Familiennamen nie so sonderlich glücklich waren, wie oben schon ein wenig näher erläutert, änderten sie diesen in einer feierlichen Zeremonie in Ehepaar Breitmaul – wie Sie sehen, fing damals diese Unsitte der Doppelnamen schon an, die später solche Blüten trieb wie Eleonore Maushäuser-Rattenfänger, aber darüber will sich Frau Kommentatorin nicht länger auslassen, weil sie sonst ihr Thema verfehlt oder sehr elegant um- um… schifft? Umfroscht? Umlabert!!!!!

Es dauerte gar nicht lange, da wurde das Treiben der Frösche im Teich – in diesem speziellen Fall natürlich nur das des Paares Breitmaul – belohnt. Das frischgelaichte Töchterchen bekam zur demokratischen Ergänzung des Familiennamens den Vornamen Frosch, so dass wir jetzt mit den Breitmaulfroschs mitfiebern können, wie es weitergeht. Als Tochter Frosch in der Seekathedrale getauft wurde, sang ein Chor himmlischer Meerjungfrauen, begleitet von einem Orchester saitenbeherrschender Karpfenteichbewohner.

Fröschlein wollte noch ein Geschwisterchen haben, weil es selbst nämlich immer ein wenig ängstlich war und sich nichts so richtig traute. Den Ausspruch: „Sei doch kein Frosch“ hasste das Kind aus tiefster Froschkinderseele und er kam ihr schon zu den Kiemen raus, so oft hörte sie ihn.

Fromme Froschkinderträume gehen in Erfüllung und bald schwamm im kleinen Familienteich, der allerdings nicht größer war als eine mit Wasser gefüllte Badewanne, der kleine Froschprinz. In dieses eigene Reich waren sie gezogen, als der kleine Froschprinz den Leib seiner Mama so stark ausbeulte, dass diese nur noch mit Mühe in die umliegenden Naherholungsgebiete hüpfen konnte. Also wurde die Badewanne gekauft, mit Wasser befüllt, mit Seerosen verschönert und in den Vorgarten wurden Löwenzahn und Löwenmäulchen gepflanzt, beides auf Wunsch von Mutter Maul, da sie eine Löwin von edelster Rasse ist.

Da er von Anfang an so ein fröhliches Kind war, nannten ihn seine Eltern kurz und bündig „Grins“, weil sie die Erweiterung des Namens zu

Familie Breitmaulgrinsfrosch

so schön und passend fanden. So einen wunderbaren Familiennamen hatte niemand in dem wohlbehüteten Mauretanien. Zumindest niemand, den man im Telefonbuch finden konnte. Und in die Akten der großen Horch- und Guck-Kraniche wollten sie nicht Einsicht nehmen.

Fortsetzung folgt


Die geheucheltsten Sätze …

aus „Darstellung meiner Entwicklung“ (Mit diesemPost schließe ich in gewisser Weise an den vorhergehenden an)

Vornweg einen der bekanntesten DDR-Witze:

Wer ehrlich ist und intelligent, der ist nicht in der Partei.
Wer ehrlich ist und in der Partei, der ist nicht intelligent.
Wer intelligent ist und in der Partei, der ist nicht ehrlich.

Wer in der DDR Abitur machen wollte und eher für sich die erste Aussage in Anspruch nehmen konnte – der musste irgendwann, spätestens nach 1961, als die Daumenschrauben angezogen wurden, ein wenig heucheln.

Wer jedoch schon in der 10. Klasse aus der alleinseligmachenden Jugendorganisation der FDJ rausgeflogen war, der musste noch ein kleines bisschen besser heucheln.

Und für wen das bisher Gesagte ausnahmslos zutraf und wer dann außerdem noch häufige Vorladungen zur Görlitzer Staatsicherheitsbehörde bekam, der musste versuchen, so perfekt wie möglich zu heucheln, um nicht nur zum Abitur zugelassen zu werden, sondern um vielleicht auch noch einen vernünftigen Studienplatz zu ergattern – auch wenn er sich schon beim Schreiben schämte.

Als ich meine 1963 verfasste „Darstellung meiner Entwicklung“ nach ca. 40 Jahren mehr oder weniger zufällig in die Hände bekam, liefen mir vor Scham wirklich fast die Tränen über soviel Heuchelei, zu der ich mich genötigt fühlte. Ich, die immer aufgemüpft hat, ich habe klein beigegeben.

Und hier will ich einige dieser Sätze schreiben:

„Unser Staat ermöglichte es mir, eine erweiterte polytechnische Oberschule (Gymnasium) zu besuchen. … Zu Beginn meiner Oberschulzeit arbeitete ich aktiv als FDJlerin mit, aber mit der Zeit kam es, dass ich mich nicht mehr genügend um die Klärung politischer und gesellschaftlicher Grundfragen oder um die Beseitigung von Unklarheiten bemühte, die z.T. auch durch meine christliche Erziehung bedingt sind. Auch meine gesellschaftliche Mitarbeit ließ nach. Deswegen wurde ich Ende des Jahres 1961 aus den eihen der FDJ gestrichen. Erst durch diese Maßnahme dachate ich genauer über meine Stellung zum Arbeiter-und-Bauern-Staat nach. Ich erkannte, dass ich nicht ohne entsprechende Gegenleistung all die Vergünstigungen, wie z.B. die Schulgeldfreiheit, die der Jugend in unserem Staat geboten werden, in Anspruch nehmen darf. Von da an bemühte ich mich, durch bessere gesellschaftliche Arbeit … und durch meine aktive Tätigkeit als Kassierer in der „Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft“ beim Aufbau unserer Republik mitzuhelfen (kotz, kotz, kotz) Ich habe meine Fehler erkannt, und es ist mein Ziel, wieder in den Jugendverband aufgenommen zu werden (große Lüge). Ich weiß nun, dass man auch als Christ seine Kräfte für den Aufbau des Sozialismus einsetzen kann.Es ist jetzt meine Aufgabe, diese Einsicht durch die Tat zu beweisen und mich zu bewähren. … , …meinem christlichen Standpunkt entsprechend meine Kräfte in den Dienst … unserer sozialistischen Gesellschaft zu stellen. Ich bin mir über die vorbildlichen Einrichtungen unseres Staates auf dem Gebiet des Gesundheitswesens klar und könnte hier mit allen meinen Kräften positiv und ehrlich wirken.“

Ekel, „kotz“, brech  – bloß gut, dass ich mich schon lange nicht mehr bewerben muss. Die Lügen heute, die man in Bewerbungsschreiben aufsetzt,  sind andere  – denn mit der reinen Wahrheit glauben die meisten, die erwünschte Stelle nicht zu bekommen. Es ist keine gute Position für den Menschen, Bittsteller sein zu müssen.