Claras Allerleiweltsgedanken


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Wiederholungstäter-In

Neuauflage von diesem Post, nur anders, nur schlimmer und als Beweis, dass Frau nicht lernfähig ist.

Ich will mir eine Wohnung ansehen, zumindest erst einmal das Haus von außen und das Umfeld dazu. Alles gefällt mir erst mal gut, nur ich komme nicht an die Innenhofseite mit den Balkons heran, da alles hermetisch „abgeschirmt“ ist. Da die Tiefgarage offen ist, komme ich auf die unsagbar blöde Idee, mich von „hinten durch die kalte Küche“  in den Innenhof zu schleichen.

Gesagt – getan, gleich nebenbei die Stellplätze inspiziert und dann die richtige Ausgangstür gewählt. Zu spät merkte ich, dass die Tür von innen keine Klinke hat. An der nächsten Tür bin ich etwas klüger und klemme was dazwischen, was mir aber nichts nützt, da ALLE, aber wirklich ALLE anderen Türen, die sich mir dann zeigen, verschlossen sind. Viele sind Mieterkeller, eine Tür geht zum Hausmeisterbüro, der am Samstag Nachmittag natürlich auch nicht arbeitet, an den meisten steht nichts dran – und dann finde ich eine, an der steht handschriftlich „Treppenhaus“. Hier spätestens habe ich eine Türklinke erwartet, damit man z. B. mit vollen Taschen oder der Einkaufskiste vor dem Bauch ohne Schlüssel ins Treppenhaus kann.

Nach ca. 3 Minuten habe ich begriffen, dass ich wirklich und tatsächlich in der Falle sitze, zum Glück in einer mit Licht, sonst hätte ich durchgedreht. Ich merke, dass kein Handy funktioniert, noch nicht mal eine Notrufnummer. Die Polizei anzurufen würde dieses Mal also nicht funktionieren. – Mein Verstand sagt mir, dass schon irgendwann einmal jemand aus oder in die Garage will – aber meinem Kreislauf wird die Situation immer unangenehmer. Außerdem muss ich hochnotdringlich auf den Topp. Hätte es noch länger gedauert, ich hätte meine gute Kinderstube vergessen und meinen genetischen FingerPipiabdruck hinterlassen. Ich merke, dass ich NULL STRESSRESISTENZ habe. Ich sah mich schon „verdurstetverhungertverendet“ auf den Treppen sitzen – zu viel Phantasie ist auch nicht immer gut!!!

Also fange ich an, wie eine Irre an die Garagentür zu hämmern – doch ein Erfolg bleibt aus. Also wechsle ich die Tür. Wie bekloppt hämmere ich an die Tür, auf der Treppenhaus steht. Ich stelle fest, dass dieses Haus eine tolle Schallisolierung haben muss, denn auch jetzt passiert nichts. Der Panikpegel steigt, obwohl mir mein Verstand immer und immer wieder sagt, dass mir nichts passieren kann.

Doch als fast eine halbe Stunde vorbei ist, greife ich zum Äußersten. Ich trommle gegen die Tür und schreie ganz, ganz laut „HILFE, ich bin eingesperrt.“ – Kurze Zeit später kommt ein älterer Herr und fragt mich nur, warum ich so blass bin. Seine Frau hätte gehört, dass da jemand um Hilfe ruft. Dieser Frau würde ich glattweg einen Blumenstrauß schenken, wenn ich nochmals dort bin. – Nach diesen Minuten begriff ich, was Klaustrophobiker durchmachen, wenn sie Fahrstuhl fahren.

Gelacht habe ich anschließend in der Straßenbahn, in der ich mein Erlebnis „literarisch“ und „blogmäßig“ verarbeite. Der erste Satz auf Seite 299 in meinem aktuellen Buch lautet:

Ich musste fast fünf Minuten lang mit den Fäusten gegen die Tür trommeln, bis Henry endlich öffnete. …

Ich schloss das Buch und schaute in mein Smartphone, denn es war wieder empfangs- und sendebereit. Mir wurde eine neue Leserin angekündigt. Einer ihrer drei angepriesenen Artikel heißt: „PanikTierchen = Phobia vulgaris“ – und von da an habe ich mich der lange nicht gesehenen Umgebung jenseits der Straßenbahnfenster gewidmet. In einem schönen Café bei Eis und Kaffee und einem Telefonat mit Lucie verarbeitetelachte ich das Kellerkind.