Claras Allerleiweltsgedanken


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1 – Die Himmelhoch-WG wächst

An Ola, meine erste Mitbewohnerin Anfang 2016 können sich einige vielleicht noch erinnern. Jetzt ist mir wieder so, nicht allein in der Wohnung sein zu wollen.

Ich habe in einem (ungeeigneten) Medium eine Anzeige mit Fotos vom Zimmer aufgegeben. Die Überschrift war eindeutig auf eine WEIBLICHE Mitbewohnerin ausgerichtet. Gemeldet haben sich fast nur junge Männer und alle mit sprachlich für mich nicht zu verstehendem Hintergrund, also Ausländer. Da ich mir auch Kommunikation wünsche , kommt englisch oder „Bruch-Deutsch“ für mich nicht in Frage.

Vor drei Tagen hatte ich eine 24jährige Vietnamesin zum Kennenlernen eingeladen. die eine Ausbildung zur Altenpflegerin macht. Versprochen, das letztere war nicht der Grund, weswegen ich sie sehen wollte. Nein, sie war diejenige, die ich am Telefon am besten verstehen konnte. – Sie machte einen sympathischen Eindruck, doch meine Wohnung ist auf große Bewohnerinnen eingerichtet. Sie war oder ist so klein, dass sie fast überall mit Fußbank arbeiten müsste. Auch sonst gab es eher Gründe, dass ich in einem anderen Portal suchen werde. Meine „Sympathie oder Antipathie“ wird von den Ohren vergeben. Hohe, fast schon quietschige Stimmen kann ich nicht ab, da werde ich nach kurzer Zeit ungeduldig und schlimmer. Und das haben weder sie noch ich verdient.

Also habe ich mich mit den jetzt schon vorhandenen Mitbewohnern an den runden grünen Tisch

 

gesetzt, um unsere Erwartungen an die neue Mitbewohnerin zu besprechen. Wir fanden es alle gut, wenn sie uns in die Geheimnisse der Yogaverbiegekunst einführen könnte, damit wir dann gelöst und gelockert über unsere Träume weiter spinnen können.

Zur Zeit ist ein Übergangsgast in der WG – ein früherer Politiker aus der SPD, der dem momentanen Schlamassel in dieser Partei entfliehen wollte. Ganz großzügig habe ich ihm Kurzzeitasyl gewährt, denn für lange wird kein Mann hier einziehen. – Dass er seine Pfeife nur auf dem Balkon schmauchen darf, ist ja wohl klar.

Auch auf dem Dienstleistungssektor für das leibliche Wohl hat sich in der WG einiges getan. Die kleine Rote musste wieder ausziehen,

… denn sie hat den Bedürfnissen der WG-Bewohner nicht standhalten können. Aber Madame Moulinex hat gleich und sofort eine Nachfolgerin aus dem Hause Melitta geschickt, mit der alle zufrieden sind. Jeder kann an dem Drehrädchen für den Mahlgrad drehen, jede kann für 1, 5 oder 14 Tassen Kaffee mahlen, wenn genügend Bohnen in der Büchse sind. Wir alle fanden den Namen „Molino“ so schön, klingt so italienisch und deswegen ist sie bei uns eingezogen.

So, mit dem Rest vertröste ich euch auf übermorgen, sonst wird es zu lang zum Lesen.

 

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Wer die Wahl hat –

hat die Qual!

Die Richtigkeit dieses Ausspruchs bekam ich in den letzten Wochen bestätigt. Ich ging daran, eine Wohnungsmitbewohnerin zu suchen. Nicht der finanzielle Aspekt (das durch alle Ausgaben der letzten Monate geleerte Konto wieder etwas aufzubessern) stand im Vordergrund, nein, ich wollte nicht immer der leeren Wohnung „Guten Tag“ sagen und mal zwei Hände zu haben, wenn ein Tisch, ein Bett oder ein Schrank zu verschieben sind, ist auch nicht so schlecht.

Als Überschrift stand: „Studentin“ gesucht und im Text wurde es mehrfach wiederholt, dass ich nur mit einem weiblichen Wesen die Wohnung teilen möchte – doch ca. 40 % der Zuschriften waren Männer.

Im ausführlichen Text der Anzeige stand auch, dass ich Hörprobleme habe und deswegen nur eine Frau möchte, mit der ich mich gut auf deutsch unterhalten kann. – Was macht ein Teil der Bewerber? Englisch schreiben und beschreiben, dass sie gerade dabei sind, Deutsch zu lernen. Na gut – ist verziehen, die konnten meine Anzeige wahrscheinlich gar nicht verstehen.

Ja, und dann kamen sie alle, die dringend ein Zimmer brauchen – ich jedoch nur eine nehmen kann, da es ja kein Massenlager werden soll. – Ich, die ich gern eine kurzhaarige Mitbewohnerin gehabt hätte, bekam nur lange, längere und superlange Haare angeboten, und die auf bildschönen Mädchen- oder Jungefrauenköpfen. (Jungfrauen habe ich bewusst nicht geschrieben)

  1. Aus Ungarn kommt die ganz zierliche, ziemlich kleine junge Kamilla, 27 Jahre jung – doch man überlegt, ob sie schon in einen Film ab 18 hinein darf. Die Konversation sehr stockend, was aber nicht an den fehlenden Deutschkenntnissen lag. Sie lachte brav über meine „Witzchen“ und nahm alles auf – doch von sich erzählte sie fast nichts. Ich erfuhr nur, dass sie ein Zimmer für unbefristete Zeit sucht.
  2. Aus Albanien – 19 Jahre jung, sportlich die 8 Treppen nach oben gelaufen, ziemlich selbstbewusst, recht fordernd, das ist Uendi. Dennoch ängstlich, dass in dem Untermietvertrag unlautere Dinge stehen könnten, denn sie möchte das Zimmer für lange Zeit mieten. Ich schickte ihr den Vertragsentwurf per Mail – er wurde an die Juristenmutter in Albanien weitergeleitet und für gut befunden. – Was haben wir gemacht, als es nur die Briefpost gab???
  3. Das ehemalige sozialistische Lager wird vervollkommnet von einer jungen Frau namens Iskra aus Bulgarien. Gleich in einem Telefonat gebe ich „altklug“ zu erkennen, dass ich weiß, dass das „die Flamme“ heißt, was mir gleich Pluspunkte einbrachte. Sie hat ihr BWL-Studium schon hinter sich – und zwar an der gleichen Hochschule wie mein Sohn. Freundlich, 25 Jahre jung, lacht viel , ist sehr aufgeschlossen – sie bringt uns ein kleines Tütchen Butterkekse mit und trinkt freudig einen Kaffee mit mir. An den Bulgarienurlaub mit unserer 3jährigen Tochter im Jahr 1972 in Albena kann ich mich ganz schwach erinnern – und dort in der Nähe wohnt sie.
  4. Wir bleiben im Ostblock – die große Ruhmreiche darf nicht fehlen. Ola kommt die Treppe hoch – ziemlich klein, sehr asiatisch aussehend. Ihre 25 Jahre will ich ihr kaum glauben, da sie aber schon Masterstudentin an der TU ist, muss es wohl stimmen. Tochter von koreanischen Eltern, aufgewachsen im asiatischen Teil der damaligen Sowjetunion, später dann in Moskau, wo ihre Eltern noch jetzt leben. Sie möchte bis Ende April ein Zimmer haben, weil sie dann zu ihrem Freund nach Baden Württemberg zieht. – Ihr Deutsch ist sehr gut. Wenn ich doch je in meinem Leben eine Fremdsprache so gut gelernt hätte.
  5. Ina, die einzige Deutsche in dem Bewerbungskarussell, gibt mir leider einen Korb – sie hat ganz schnell etwas gefunden.
  6. Daniela, eine 27 jährige Zahnärztin aus Argentinien, muss ein halbjähriges Praktikum an der Zahnklinik der FU machen, um in Deutschland praktizieren zu können. Ich schreibe eine besonders freundliche Mail, bekomme einen sehr netten Rückruf – allerdings von ihrem Ehemann. Jetzt grübelte ich, ob ihre Deutschkenntnisse noch so gering sind, dass sie nicht anrufen wollte – ich weiß es nicht. Auf jeden Fall wird ein Zimmerbesichtigungstermin ausgemacht. Sie wohnen in Düsseldorf und wollen am Samstag nach Berlin kommen, um sich ca. 4 Zimmer anzusehen. Ausgemacht ist ca. 13 Uhr. Ich warte und warte. Gegen 14 Uhr kommt eine SMS, dass sie es heute leider nicht schaffen, nach Berlin zu kommen. Da sie früh gegen 6.00 Uhr losfahren wollten, hätte ich dieser Info Glauben geschenkt, wenn sie am frühen Vormittag gekommen wäre.
    Am nächsten Tag kam noch eine ausführliche SMS, in der stand, dass der Termin für die Weiterbildung verschoben wurde, aber noch nicht endgültig fest steht.

Na, was habe ich gemacht? Habe ich gewählt oder verschmäht? Gehe ich in eine neue Suchrunde?