Claras Allerleiweltsgedanken


25 Kommentare

Von einem, der auszog, … (5) die Sache zu einem guten Ende zu bringen

Es gibt ja die bekannte Sprichwortweisheit:

Fisch und Besuch stinken am dritten Tag –

und ich daddel jetzt schon den fünften Tag mit euch hier rum. Ist jetzt die Frage, wer oder was zuerst anfängt zu stinken.

Zeit, die Sache zu einem guten Ende zu bringen – aber übermorgen gibt es noch ein paar Gegenwartsfoto aus der Galerie. Doch dieser Fisch hier stinkt nie – der sieht nach 5, 55 und 555 Stunden, Tagen, Wochen oder Monaten immer noch so apart aus wie am ersten Tag – vor allem auch geruchsmäßig. Das ist eben wahre Kunst!!!!

Foto: Berlin, Clara Himmelhoch - das musste doch auch mal geschrieben werden!!!

Na, habt ihr nach diesem haifischähnlichen Tier noch weiter Lust, mit mir auf Foto- und Wildganssafari zu gehen?

Euch kann man aber auch mit nichts die Lust am Lesen verderben.

Ihr wollt wirklich wissen, was aus diesen sonnigen wonnigen Federknäueln geworden ist? Hier seht ihr sie nochmals in ihren Anfangstagen, als Rudolf noch nicht so richtig wusste, dass er Rudolf (wie mein Schwager oder das Rentier) heißt, als Pechmarie noch nicht auf ihren Namen hörte, als …. Ich kann nicht bei der Ehre meines Erzählergewissens behaupten, dass die Tiere überhaupt mal richtig auf ihren Namen gehört haben – ich konnte es nicht überprüfen – aber der Ersatzpapa hat es sich zumindest eingebildet.

Foto: dpa ZB / Patrick Pleul

Ich nehme an, auf diesem Foto hecken Rudolf und Pechmarie gemeinsam einen Streich aus. Zumindest sehen sie recht konspirativ aus – oder so nachdenklich, ob es besser so oder anders klappen könnte, den Papa oder andere unliebsame Leute oder gar die Geschwistergänse zu ärgern.

Wie öfters – Rudolf übersteht ihn unbeschadet, Pechmarie bricht sich den Flügel bei der Ausführung. Und das letzte stimmt, Ehrenwort. Aber Papa Karl hat natürlich dafür gesorgt, dass alles wieder in Ordnung kam.

Doch irgendwann gehen auch Kinder aus dem Haus, weil sie flügge sind – und bei Gänsen geht das noch viel schneller als bei Kindern. Irgendwann konnte ihnen Karl nichts mehr „beibringen“ – sie liefen allein, sie schnatterten allein, sie fraßen allein und sie schwammen natürlich allein.

Jetzt war nur noch das letzte Abenteuer zu bestehen: Das Fliegen.

Es wurde eine Flugvorrichtung besorgt, die sie in die Lüfte locken sollte. Doch leider scheiterte dieses Unterfangen, weil Karl Witzleben diesen Flug“apparat“ nicht allein bedienen konnte, er jedoch keine 2 Personen trug und die Gänse tatsächlich nur hinter ihrem „Papa“ herfliegen wollten.

Foto: dpa ZB / Patrick Pleul

Der „Papa“ liegt flugbereit auf dem Boden, doch die Kinder watscheln desinteressiert (oder aufgeregt?) in der Gegend umher. – Doch irgendwann hat es geklappt und sie erhoben sich in die Lüfte.

Also hieß es allmählich Abschied nehmen: Ich habe das Foto „Loslassen“ genannt.

Foto: dpa ZB / Patrick Pleul

Ein halbes Jahr dauerte die Aufzucht der Gänse bis zum flügge werden – und diese ganze Zeit hat Patrick Pleul als Freund und Fotograf die Fortschritte verfolgt und festgehalten.

Verzeihung , Herr Matthias und Herr Pleul, dass ich die vorgegebene Zahl von Fotos, die ich verwenden darf, geringfügig überschritten habe – und das war schon eine Meisterleistung von mir, denn es fiel unheimlich schwer, aus dieser Fülle so wenige rauszusuchen.

Die Gänse sind also weg – ab und an kamen sie nochmal wieder und machten auf dem Hof eine Stippvisite – nicht alle zusammen, aber einzelne. Die Beringung war zwar verloren gegangen, aber ihr Verhalten zeigte eindeutig dieses Zugehörigkeitsgefühl, dass Eltern manchmal bei ihren flügge gewordenen Kindern vermissen. – Gänse in der Freiheit leben in etwa 10 Jahre, im Haushalt gefütterte dagegen die doppelte Zeit . Das heißt, von Karls Kindern – ob Töchter oder Söhne wurde nie eindeutig festgestellt – dürfte keines mehr am Leben sein. – Sie haben die Winterzeit meist in den Rheinniederungen von Frankreich verbracht, weil es dort schneefrei ist. – Eines Jahres gab es eine erzählenswerte Episode. Eine Gans war bei ihm auf dem Hof und oben flog ein Schwarm nach Süden. Die untere rief und „krakeelte“ so laut nach oben, dass sich aus dem Schwarm eine löste und zu ihrer Geschwistergans nach unten kam – beide leben in diesem Winter mit „Hausbetreuung“ in freier Kost und Logis.

Als Abschied gibt es wieder ein wenig Kunst – Holz ist hier immer und immer wieder das Stichwort.

Auf dieser Plastik liegen sich zwei in den Armen, die vielleicht wegen des Verlustes trauern.

Und jetzt steige ich in mein Transportmittel – in diesem Falle ein Boot, da eine Holzeisenbahn nicht zur Verfügung stand, und segle wieder nach Haus. Ich werde nicht so schnell dahinfliegen wie Rudolf, Gustav, Pechmarie und die zwei Weisen – aber ich werde noch lange an sie denken, obwohl ich sie nie kennengelernt habe.

Also, am Mittwoch gibt es noch ein paar Fotos  von der gerade eröffneten Ausstellung und den Haupthelden life und aktuell.


21 Kommentare

Von einem der auszog, … (4) den Kindern alles beizubringen …

was für ein Leben als tüchtige Wildgans notwendig ist.

Doch wie mir Karl Witzleben (nachzulesen in den drei vorhergehenden Beiträgen) glaubhaft versicherte, ist es wohl ein Instinkt, dass die Kleinen eigentlich alles Lebensnotwendige wie fressen und ihren Dreck auf die Wiese verteilen, wie schwimmen und später auch das Fliegen von Mutter Natur in die Wiege gelegt bekommen – aber für so eine vom Fernsehen begleitete Aufzuchtstory macht es sich natürlich prächtig, wenn der „Papa“ überall dabei ist und es den lieben Kleinen zeigt – also wenn „Papa Nichtnatur“ da kräftig mitmischt.

Wie sich noch Jahre später herausgestellt hat, entwickelte sich dadurch eine tiefe Bindung der Tiere zu ihrem Ziehvater – denn auch, als sie flügge geworden und ihren ersten Flug nach Süden bestanden hatten, ließen sich einzelne von ihnen noch ab und an mit lautem Geschnatter bei ihm hören und sehen. Wenn mir Karl jetzt erzählt hätte, er würde verstehen, was ihm sein Ziehkind „sagt“ – hätte mich das zwar nicht verwundert, nur geglaubt hätte ich es wohl doch nicht.

Also, wie sieht es aus, hier auf diesem „Hof“, in dieser Landgalerie. Erst wieder ein paar allgemeine Fotos, damit ihr wieder in die Thematik reinkommt. Wir befinden uns hier:

Gleich am Anfang begrüßt uns dieser wunderschöne Wurzelballen, um uns daran zu erinnern, dass der Hauptakteur mit Holz arbeitet, nicht nur Kunst zeigt, sondern Handwerkskunst auch selbst herstellt – alles Unikate, keine Massenware – vieles nur auf Bestellung.

Doch jetzt wird es Zeit, zu den Wildganskindern zurückzukehren – die haben nämlich Hunger!!!!Vor vielen, vielen Jahren, als dieses Projekt lief, stelle ich es mir vor, dass sich dann der „Papa“ in sein Auto setzte und seine Kinder entweder mit einer gänseähnlichen Hupe hinter sich her lockte oder sie einfach in seinen umgebauten Kombi packte, um sie an einen See zu transportieren.

Foto: dpa ZB/Patrick Pleul

Auf diesem Foto sind unsere Jungen vom letzten Post schon recht groß geworden, findet ihr nicht auch?

Die Wassertemperaturen sind den Gänsen egal – aber nicht unserem Hauptakteur. Wäre er verzärtelt, hätte er sich vielleicht einen Neoprenanzug besorgt – aber so – ein Mann dieser Kategorie kennt keinen Schmerz – auch bei Apriltemperaturen im Wasser nicht. Über andere Auswirkungen des eiskalten Wassers habe ich mich nicht erkundigt.

Ist es nicht süß, wie sie ihrem „Papa“ aus der Hand oder aus dem Mund fressen?

Foto: dpa ZB / Patrick Pleul

Foto: ZB/Patrick Pleul

Foto: dpa ZB / Patrick Pleul

Und wenn jetzt die Kinder abgefüttert sind, können wir daran denken, dass es etwas für die Erwachsenen gibt: Erst einmal Kaffee!

Warum meine Tasse so schräg stand – übrigens auf einer von Karl Witzleben selbst gearbeiteten Bank – und vor allem – warum mein Kaffee immer so schnell zu Ende war, weiß ich zwar auch nicht – aber geschmeckt hat er – vor allem, weil Karl wieder wunderbaren Kuchen gebacken hatte – den ich als „Belohnung“ für die versprochene Publicity, die ich ihm verschaffen wollte, gratis serviert bekam.  –

Käme ich jedes Wochenende in den Genuss solchen leckeren Kuchens, könntet ihr Clara bald so sehen (nur Badeanzug und Schirm hätten sicher eine andere Farbe):

Es hätte aber auch zu komisch ausgesehen, wenn er den Kuchen für mich wie bei den Enten im Mund gehalten hätte und ich ihn mir schnatternd und schnakend hätte von dort holen müssen.

Es gab (vielleicht) Birnenkuchen. Ich glaube aber kaum, dass er die Birnen so genommen hat, wie sie sich uns hier zeigen *grins*

Und jetzt zeige ich euch noch eine Montage, in die ich einige der Kunstfotos hineingepackt habe, die ich alle in seiner Galerie fotografiert habe.

Links das „rote Kleid“ gab es – wie der Name schon sagt – nur in Rot. Ihr könnt mir glauben, auch in lila oder pink wäre ich nicht schwach geworden – denn ich mag nämlich keine Kleider *grins*

Und nun – tschüss bis übermorgen, da könnt ihr dann den Schluss von dieser Story lesen – von dieser true animal love-story.


9 Kommentare

Von einem, der auszog, … seine Vaterpflichten ernst zu nehmen (3)

Als Körperwärme und Rotlicht genügend gewirkt hatten, war es dann so weit. Nach heftigem Klopfen an die Schale – natürlich von innen – kamen sie an das Licht der Welt. Karl brauchte sich nicht mit (s)einer Frau über die Namensgebung abstimmen, er konnte die Namen frisch und frei selbst aussuchen und vergeben.

Es gab:

Rudolf mit dem roten Ring (damit er seine „Kinder“ besser auseinander halten konnte, wurden sie beringt)

Pechmarie mit dem schwarzen Ring – bei der ist wohl der Spruch „nomen est omen“ voll berechtigt gewesen

Guste mit dem grünen Ring

Die zwei Weisen –mit den weißen Ringen

So – und wie sieht es aus, wenn sich so ein frischgebackener Vater um „seinen“ Nachwuchs kümmert?

Foto: dpa ZB/Patrick Pleul

Foto: dpa ZB/Patrick Pleul

Laut Aussage von Karl Witzleben fressen die Kleinen sofort selbständig, kurz nachdem sie auf die Welt kamen. Da war keine Brust erforderlich, kein Vorkauen – nichts – sie fraßen und hatten ständig Hunger.

Nun glaubt aber ja nicht, dass es auf dem Hof von K.W. nur kleine, süße, schnucklige Wildgänse anzusehen und zu füttern gibt. Da sind auch immer und ständig zwei Hunde, die alle Besucher mit hungrigen Augen ansehen, als wenn sie tagelang nichts zu fressen bekämen.  Der eine davon ist dieser:

Und eine Katze gibt es ebenfalls – eine lebende und viele künstlerische, wie diese zum Beispiel.

Und die restliche Kunst – ob Holz oder nicht Holz – wollen wir mal auch nicht aus dem Auge verlieren, schließlich gehört ein wenig Werbung für die Landgalerie Karl Witzleben dazu. (Diesen Link habe ich bereits in einem früheren Post verwendet).

**************

Dass die Geschichte damals auch die Presse amüsierte und beschäftigte, könnt ihr z.B. hier sehen. Ich habe auch so ein Foto:

Foto: ZB/Patrick Pleul


21 Kommentare

Von einem, der auszog, … die Eier auszubrüten (2)

(Einleitung zu dieser Geschichte und wichtige Bildnachweisrechte bitte hier nachlesen.)

Vorfreude ist die schönste Freude – und deswegen gibt es erst noch einiges Allgemeines, bevor ich zu dem Konkreten komme.

In Brandenburg – nicht zu weit weg von Berlin – könnt ihr in dem Ort Petersdorf, Ortsteil Jacobsdorf, an der Straße folgendes Schild sehen

Noch jetzt – Jahre später nach der Wildgänsegeschichte – ist dieses Tier mehr oder weniger Markenzeichen der Galerie, denn eines der fünf Geschwistertiere flattert hier bildlichsymbolisch über „ihre Galerie“. – Ich habe Karl vor mehreren Jahren kennen gelernt, als mich eine Freundin zu einer Ausstellungseröffnung mitnahm. Ich war sofort von der „Urigkeit“ des Ambientes und der Herzlichkeit des Gastgebers begeistert – u.a. auch von seinem selbstgebackenen Kuchen. Leider kann ich euch kein Gegenwartsfoto zeigen, denn gerade diese bei einem Besuch im Mai 2011 entstandenen Fotos habe ich aus Dusseligkeit gelöscht. – Ein Fachmann stellte sie mir größtenteils wieder her, aber eben nur „größtenteils“.

Betritt man das Galeriegelände, so hat man das Gefühl der Weite und Großzügigkeit – offenes Land grenzt an das Galeriegelände und lässt das Auge wohlwollend in die grüne Landschaft streifen – so man der Galerie in der grünen und nicht in der weißen Jahreszeit einen Besuch abstattet. Ein Hauch von Kunst der etwas voluminöseren Art umweht den Besucher und Holz als Gestaltungsmaterial liegt überall herum und ist nicht zu übersehen.

Ob es echte Mauerteile sind, die hier "verkünstlert" wurden, mag ich nicht zu entscheiden - aber lustig sieht der so präsentierte Apfel schon aus

Das Material des Galeristen Karl Witzleben, der inzwischen selbst schon zum Künstler geworden ist, ist Holz – Holz in klein, Holz in groß, Holz für Sitzmöbel der gröberen Art fürs Freie und Holz für kleinere und größere Kunstwerke.

Die Sitzmöbel sind zum Teil sehr apart und haben ein wirkliches Gesicht – könnt ihr mir glauben. Wollt ihr es sehen?

Jetzt erst einmal genug gesagt zum Galeristen und Künstler Karl Witzleben – jetzt ein paar Worte zu diesem Karl, der sich im Jahr 2002 anschickte, Papa zu werden. – Ich denke, in diesem Jahr haben sich Tausende von Männern angeschickt, Vater zu werden – zumindest haben sie es immer und immer wieder geprobt und geübt und trainiert und und und.

Doch wohl kaum einer von ihnen wollte Papa von Gänsekindern werden – konkret von Wildgänsen, wie es Karl so plötzlich und unerwartet einkam, als er von einem Fischer im April 2002 die fünf verwaisten oder verlassenen Gänseeier in die Hand gedrückt bekam.  Also nahm er sie mit nach Haus und erledigte des Rest der Brutzeit in der Wärme seines Bettes und seiner Achselhöhle.

Dieses Foto entstand am 12. April 2002, als der „zukünftige Gänsepapa“ mit den Eiern schläft – oder zumindest so tut, als wenn er schläft – denn wenn ein Fotograf da ist, wird er kaum in echt und ehrlich schlafen.

******************

Weiter geht es am 25. August, denn den 24. August beansprucht das Schmiedekunstprojekt.