Claras Allerleiweltsgedanken

Donnas Schreibprojekt – April 2010

20 Kommentare

Viel Zeit blieb nicht mehr. Schon in wenigen Stunden

würde diese unsympathische Frau sicher nach Haus kommen und ihn – wie sie das schon öfter getan hatte – erbarmungslos rauswerfen. Einfach so, auf die Straße, auf den Hof, auf das harte Pflaster – wie es ihr gerade beliebte. Dabei gefiel ihm sein jetziges Quartier ausnehmend gut. Es war zwar äußerst ungewöhnlich, aber anheimelnd, warm und vor allem weich.

Wenn er so seine Lage betrachtete, war sie mehr als misslich. Aus eigener Kraft würde er sich da nie und nimmer befreien können – dazu lag sein „Gefängnis“ viel zu hoch.  Er war zu unsportlich, um die hohen Wände, die ihn umgaben, zu übersteigen. Obwohl er eine Heidenangst vor dem „Drachen“ hatte, der das ganze Terrain um ihn herum bewachte, ergab er sich seinem Schicksal. Und bis dahin ließ er es sich gut gehen und futterte in sich hinein, was hineinpasste.

Geräusche und Bewegungen ließen ihn plötzlich auf Hilfe hoffen! Da unten, ca. zwei bis gefühlte drei Meter unter ihm – als Winzling kann man so schlecht Entfernungen schätzen – gab es doch diese beiden schrecklichen Mädchen. Schrecklich z. B. deswegen, weil diese ihn in seine missliche Situation gebracht hatten und schrecklich vor allem deshalb, weil sie ihn vorher regelmäßig geschlagen hatten.

Er erinnert sich: „Ständig diese leichten, doch sehr lästigen Schläge auf den Kopf, immer und immer wieder. Vor allem ist dieser  gleichmäßige Rhythmus so nervtötend, manchmal zählten sie auch noch laut und penetrant die Schläge.“

Er denkt daran, wie er immer und immer wieder  mit ziemlicher Wucht in die Ecke geschleudert wurde. Zum Glück konnte er dort ein wenig liegen bleiben und sich von den Schlägen erholen. Doch meist kam gleich wieder so eine lästige Kinderhand und griff mit Gekreisch nach ihm – einfach furchtbar! Und dann ging es sofort weiter mit diesem  „plop, plop, plop“.

Jetzt vernimmt er in seinem „Gefängnis“  plötzlich Stille —– Ruhe, dann enttäuschte Kinderstimmen, Fragen, ängstliches Rufen .

Nun kommt eine Frauenstimme dazu, doch er hört im Moment nicht so richtig gut. Ist diese weiche,  gelbe Masse in seiner Umgebung daran schuld? Verstopft sie ihm die Ohren?

Die Frau sagt zu einem der beiden Mädchen, das wohl Clara heißt: „Komm, wir machen jetzt Räuberleiter. Du kletterst auf meine Hände und dann versuche ich, dich so hoch wie möglich zu stemmen. Aber halt dich immer gut an der Hauswand fest, damit du nicht fällst. Und wenn du dich ganz lang machst, dann kannst du bestimmt das Fensterbrett erreichen!“

Der kleine Kerl hört noch  paar ängstliche Ausrufe – und plötzlich sieht er eine kleine Hand auf sich zukommen. Er überlegt kurz:  „Untertauchen oder fangen lassen?“ Da ihm über den „Drachen“ nichts Gutes zu Ohren gekommen ist, will er doch lieber von hier weg.

Und da schreit Clara plötzlich zu den anderen beiden: „Ich hab‘ ihn, er lag in der Puddingschüssel“. Sie hält ihren Federball ganz fest und lässt sich von der Frau wieder auf sicheren Boden setzen.

*********

Da viele Leute auch früher schon keine Kinderfreunde waren, gab es Zeter und Mordio von „Frau Schrulle“ – das war der allgemeine Spitzname -, aber Claramutter hat ihr entweder einen neuen Pudding gekocht oder alle Zutaten vor die Tür gestellt.

Autor: Clara Himmelhoch

Auf meinem PR = purple Roller fahre ich durch die Bloggerwelt und mache PR = Public Relation. In meinem Gepäck habe ich fast täglich eine "Überraschung" für meine LeserInnen. Obwohl Oma aus Leidenschaft, gibt es kaum omahaftes hier - und Hausfrauentipps und -tricks müsst ihr wo anders lesen.

20 Kommentare zu “Donnas Schreibprojekt – April 2010

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  2. Du hast gewonnen! Ja Du!!! Was habe ich jetzt gelacht und endlich mal das blöde Schwein vergessen….Schon alleine deswegen bekommst du die Medaille des Tages.
    Clara, du bist mir vielleicht `ne Marke. Alles, wirklich an alles habe ich gedacht, aber nicht an so eine Auflösung. Aber irgendwie passt das zu dir, denn du bist auch heute noch so herrlich flummig unterwegs und das ist Klasse!

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    • Mandy, alle Geschichten (siehe die Links, die ich dir geschickt habe), die ich zu Donnas Schreibprojekt geschrieben haben, sind wahr und wirklich so passiert – die Dichtung & Wahrheit-Mischgeschichten kamen erst später, als ich meinte, ich kann jetzt erzählen.
      Danke für die Medaille, schön, dass du herzlich lachen konntest. Ich sage es immer wieder: Das ist das Hauptanliegen meines Blogs, weil ich meine, es wird viel zu wenig gelacht auf der Welt, besonders in Deutschland.

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  3. Hoppla. Wieso habe ich deine Geschichte gestern nicht gelesen?? Egal, so habe ich heute Abend schmunzeln dürfen. Dass es kein Mensch ist, der da spricht, war mir gleich klar, aber es ist dann doch immer wieder spannend, die Auflösung zu erfahren.

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  4. Danke für das schallende Lachen in der betrüblichen SonntagNachmittagStunde!
    Liebe Grüße
    bigi

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    • Lachen? Kann Clara nicht so recht verstehen (*vierfachgrins*) Du stellst dir wohl lebhaft vor, wie ich in Lebensgefahr (fast) mit meinem zarten Händchen in der Puddingschüssel wühle.
      Jetzt habe ich gerade eine tiefenpsychologische Erkenntnis gewonnen: Vielleicht esse ich deswegen keinen Pudding?!?!

      Danke und Willkommensgruß von Clara

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  5. Ich habe erst an einen jungen Hund gedacht, dann an einen Hamster. Aber warum nur die Schläge auf den Kopf und das Mitzählen??

    Da hast du uns wunderbar an der Nase herum geführt.
    Find ich sehr amüsant, deine Geschichte.

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    • Na, man muss doch mit dem Netz des Schlägers immer auf die rote Kappe des Federballs schlagen, sonst bleibt er doch nicht in der Luft! Und kleine Mädchen haben doch den Ehrgeiz, mindestens 100x hin und her und her und hin zu schaffen. Da durfte dann kein bisschen fies gespielt werden, sonst klappte das nicht.
      Schönen Tag für dich wünscht Clara

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  6. Einfach toll, diese Perspektive. Erst dachte ich, da erzählt ein Hund, dann ein Plüschtier und am Ende war es ein Federball. Auf so eine geniale Perspektive muss man erst mal kommen.
    Ganz großes Tennis, sehr gerne gelesen 🙂

    Liebe Grüße,
    gori

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  7. Einfach superherrlich *beifallklatsch*. Auch ich wäre nie im Leben auf einen Federball kommen :-). Ich bewundere deinen Einfallsreichtum. Wirklich eine schöne Geschichte.

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    • Hallo Ute, wir als „reifere Generation“ wollen doch den jüngeren in vielem Vorbild sein, für mich ist da auch Nonsens und Blödsinn inbegriffen. – Versprochen, hier bleibt es bunt.
      Liebe Grüße von Clara

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  8. An alle: Freut mich, dass ich euch eine kleine Zeit lang foppen konnte. Jetzt ist es schon 15.30 Uhr und ich habe noch keine einzige andere Geschichte gelesen, also mache ich mich sofort auf die Füße, äh Augen.
    Danke für eure Worte sagt Clara

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  9. Was für eine ungewohnte Perspektive für eine Geschichte: amüsant, wirklich!

    Liebe Grüsse,
    Brigttte

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  10. Ein Federball in der Puddingschüssel!!! Herrlich! Klasse geschrieben!
    Ich schmunzel immer noch.

    LG – Donna

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  11. Ich war so ganz und gar auf der falschen Spur… deshalb gefällt mir der Schluß ganz besonders!
    Liebe Grüße, Petra

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  12. Da hast du mich reingelegt, ich hatte auf ein Kätzchen getippt. Alles Liebe Karin

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  13. Wow, da hast Du mich voll erwischt!

    Federball – darauf wär ich NIE gekommen!

    Super geschrieben!

    Danke!

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  14. Ein Federball! Ich hab mich schon gewundert. Hab an eine Maus oder einem Käfer gedacht. Auf einen Federball wäre ich nie gekommen. Aber echt schön geschrieben. Gefällt mir.
    Grüße
    Jenni

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